An diesem Tag

Otto Meissner

Deutscher Staatsbeamter und Leiter des Büros des Reichspräsidenten (1880-1953)

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Otto Lebrecht Eduard Daniel Meissner (* 13. März 1880 in Bischweiler, Elsaß-Lothringen; † 27. Mai 1953 in München) war ein deutscher Diplomat und Staatsbeamter in der Zeit des Kaiserreichs, der Weimarer Republik und des NS-Staats. Er leitete ohne Unterbrechung von 1920 bis 1945 das Büro der Reichspräsidenten Friedrich Ebert und Paul von Hindenburg sowie die Präsidialkanzlei Adolf Hitlers.

Otto Meissner wurde als Sohn des Postbeamten Gustav Rudolf Meissner und seiner Ehefrau Magdalena Albertine Meissner – geborene Hetzel – im Elsass geboren, das zu dieser Zeit ein Teil des Deutschen Reiches war. Ein entfernter Verwandter Meissners war der populäre französische General der Napoleonischen Kriege, Jean-Baptiste Kléber. Aufgrund seiner elsässischen Herkunft beherrschte Meissner neben dem Deutschen auch das Französische und das Elsässerditsch, sprach und schrieb zudem fließend Russisch und Lateinisch. Während seiner Kindheit in Straßburg besuchte er das dortige Gymnasium.

Von 1898 bis 1903 studierte Meissner Rechtswissenschaft an der Universität Straßburg. Während seines Studiums, das er mit der Promotion zum Dr. jur. und dem Prädikat summa cum laude abschloss, wurde Meissner 1898 Mitglied der Straßburger Burschenschaft Germania, der er bis zu seinem Tode angehörte. Außerdem lernte er den Juristen Heinrich Doehle kennen, der von 1920 bis 1945 sein engster Mitarbeiter im Büro des Reichspräsidenten wurde. Nach dem Studium leistete Meissner von 1903 bis 1904 als Einjährig-Freiwilliger seinen Wehrdienst ab.

1906 trat Meissner als Gerichtsassessor in den elsass-lothringischen Justizdienst ein. Aus der 1908 geschlossenen Ehe mit Hildegard Roos gingen der Sohn Hans-Otto Meissner (1909–1992) und die Tochter Hildegard Meissner, verh. Stille (1917–1983), hervor. 1908 wechselte Meissner in den Verwaltungsdienst als Regierungsassessor bei der Kaiserlichen Generaldirektion der Eisenbahnen in Elsass-Lothringen und Luxemburg über. In den Jahren 1915 bis 1917 nahm Meissner im 4. Lothringischen Infanterie-Regiment Nr. 136 am Ersten Weltkrieg teil, zuletzt als Hauptmann der Reserve. Während dieser Zeit traf er 1915 erstmals auf Paul von Hindenburg, der ihn für seine Verdienste beim raschen Bau einer Eisenbahnbrücke mit dem Eisernen Kreuz auszeichnete und positiv in Erinnerung behielt.

Ab 1916 war Meissner als Verkehrsreferent bei den Militäreisenbahndirektionen in Brest-Litowsk, in Warschau und seit April 1917 in Bukarest sowie zuletzt bei der Eisenbahnzentralstelle in Kiew tätig. Anschließend wurde er in den diplomatischen Dienst übernommen und fungierte ab 1918 als deutscher Geschäftsträger bei der ukrainischen Regierung in Kiew. Im Februar und März 1919 gelang es Meissner – nach dem völligen Zusammenbruch aller Organisationsstrukturen in den deutsch besetzten Gebieten Osteuropas infolge der deutschen Kriegsniederlage Ende 1918 –, einen Zug mit mehreren hundert in der Ukraine gestrandeten ehemaligen Besatzungssoldaten über eine Strecke von mehreren tausend Kilometern und durch mehrere Bürgerkriegsgebiete ins Deutsche Reich zu manövrieren. Überdies konnte er die ihm anvertraute Kasse der deutschen Gesandtschaft in Kiew mit 3,4 Millionen Mark retten und der Reichsregierung in Berlin übergeben.

Mitarbeiter des Reichspräsidenten (1919–1934)

In Anerkennung dieser Leistungen – die Meissner vor allem aufgrund seiner Russischkenntnisse, seines Organisationsgeschicks und seiner intimen bahnbetrieblichen Kenntnisse erbrachte – ernannte der kurz zuvor neugewählte erste Reichspräsident, Friedrich Ebert, Meissner zum Vortragenden Rat und stellvertretenden Leiter seines Büros. Die ihm zeitgleich – als geborenem Elsässer – angetragene französische Staatsbürgerschaft sowie eine hohe Stellung als Regierungsrat der neu gegründeten französischen Verwaltung in Straßburg lehnte Meissner dagegen ab.

1919 verfasste Meissner den offiziellen Kommentar zur Weimarer Verfassung, der bis in die 1930er Jahre in allen Behörden und Ämtern des Reiches verwendet wurde.

Als Ebert 1919 vom Reichstag beauftragt wurde, eine Nationalhymne für die neu gegründete Weimarer Republik vorzuschlagen, die die alte kaiserliche Nationalhymne „Heil dir im Siegerkranz“ ersetzen sollte, bat der Reichspräsident Meissner, den er als guten Kenner des deutschen Liedgutes kannte, um seinen Rat. Meissner schlug vor, das Deutschlandlied des August Heinrich Hoffmann von Fallersleben zur neuen Hymne zu machen. Diese Idee griff Ebert dem Reichstag gegenüber auf, der sie annahm. Danach blieb das Deutschlandlied in der Weimarer Zeit und auch unter der Herrschaft Hitlers bis 1945 Nationalhymne und wurde dies auch erneut nach der Gründung der Bundesrepublik Deutschland 1949.

Nachdem Meissners Vorgesetzter Rudolf Nadolny 1920 als deutscher Gesandter nach Schweden gegangen war, rückte Meissner Anfang 1920 in Nadolnys Position als Leiter des Büros des Reichspräsidenten nach. Als solcher diente Meissner nacheinander den Reichspräsidenten Friedrich Ebert (1919–1925) und Paul von Hindenburg (1925–1934) und, unter veränderter Bezeichnung, Adolf Hitler (1934–1945). Dabei hatte er zunächst den Rang eines Geheimrates inne, wurde von Ebert zuerst zum Ministerialdirektor befördert (1920) und dann mit dem Titel eines Staatssekretärs bedacht (1923). Hindenburg gewährte ihm die Planstelle (d. h. auch die Bezüge) eines Staatssekretärs (1927).

Meissners Dienststelle befand sich (bis 1939) im sogenannten Palais des Reichspräsidenten in der Wilhelmstraße 73 im Berliner Regierungsviertel. Im selben Gebäude befand sich auch von 1919 bis 1939 seine 26 Zimmer umfassende Privatwohnung im rechten Seitenflügel (Meissnerflügel).

Meissners Einfluss auf den zweiten Reichspräsidenten Hindenburg ist umstritten. Zeitgenossen und der älteren Forschung galt er als Mitglied der Kamarilla, dessen Einfluss durch die große Nähe zum greisen Hindenburg beträchtlich sein musste. Das Zwölf Uhr Blatt erwog 1932 sogar die Ernennung Meissners zum Reichskanzler, ergänzte jedoch, dass er diese im Grunde gar nicht nötig habe, da er „auf dem Posten des Staatssekretärs einen kaum geringeren Einfluss auf die politischen Geschäfte“ habe.

Diesen Auffassungen widersprach Hindenburg-Biograf Wolfram Pyta. Meissner sei zwar Berater in verfassungsrechtlichen Fragen gewesen, doch Hindenburg habe sich nicht von Beamten wie Meissner abhängig machen wollen. Hindenburg habe keine Eigenmächtigkeiten Meissners erlaubt, während Meissner sich bedeckt gehalten und keine eigenen Ideen vorgebracht habe. Meissner habe befürchtet, das Wohlwollen des Reichspräsidenten und damit sein Amt zu verlieren, an das sich seine Frau wegen der damit verbundenen gesellschaftlichen Stellung gewöhnt hatte.

Auch Meissners Rolle bei der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler im Dezember 1932 und Januar 1933 wird von Historikern in der Literatur kontrovers diskutiert. Gemeinsam mit Oskar von Hindenburg und Franz von Papen organisierte er die Verhandlungen mit Hitler zur Absetzung Kurt von Schleichers und zur Ernennung Hitlers zum Reichskanzler. Auf der Seite der NSDAP wurden die Gespräche durch den Bankier Kurt Freiherr von Schröder, Wilhelm Keppler und Joachim von Ribbentrop in die Wege geleitet. Weder Hitler noch Hindenburg wären Ende 1932 direkt aufeinander zugegangen – zu groß seien die persönlichen Abneigungen gewesen.

Leiter der Präsidialkanzlei (1934–1945)

Nach dem Tod Hindenburgs und der Übernahme der Funktionen des Reichspräsidenten durch Hitler im August 1934 wurde Meissners Dienststelle in Präsidialkanzlei des Führers und Reichskanzlers umbenannt. Dabei kam es zu einer gewissen Kompetenzverschiebung: Meissners politische Machtfunktionen gingen auf Hitlers Veranlassung größtenteils auf Hans Heinrich Lammers, den Leiter der Reichskanzlei, über, während Meissner zusätzliche protokollarische Aufgaben erhielt. Wie Hans Heinrich Lammers gehörte Otto Meissner 1933 zu den Gründungsmitgliedern von Hans Franks nationalsozialistischer Akademie für Deutsches Recht.

Hitler ernannte Meissner am 1. Dezember 1937 zum Staatsminister im Rang eines Reichsministers. 1939 musste Meissner jedoch Amtssitz und Wohnung im Reichspräsidentenpalais zugunsten von Außenminister Ribbentrop räumen und zog mit Dienststelle und Dienstwohnung ins Schloss Bellevue, das zuvor zum Reichsgästehaus umgebaut worden war.

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