An diesem Tag

Otto Koenig (Verhaltensforscher)

Österreichischer Verhaltensforscher, Zoologe und Schriftsteller

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Otto Martin Lothar Koenig (* 23. Oktober 1914 in Wien; † 5. Dezember 1992 in Klosterneuburg) war ein österreichischer Verhaltensforscher und Publizist mit einer Ausbildung als Fotograf. Der Schüler von Konrad Lorenz gründete gleich nach dem Zweiten Weltkrieg 1945 mit seiner Gattin Lilli Koenig die "Biologische Station Wilhelminenberg" in Wien. Dieses Institut für Vergleichende Verhaltensforschung (später im Rahmen der Österreichischen Akademie der Wissenschaften) leitete Otto Koenig selbst. Er leistete Bedeutendes für den Natur- und Wildtierschutz in Österreich, erhielt zahlreiche Auszeichnungen wie 1962 den Berufstitel Professor.

Otto Koenig wurde als einziges Kind des Otto Martin Julius Koenig und seiner Frau Mathilde, geb. Hruby, am 23. Oktober 1914 in Wien geboren. Er wuchs in einer sozialdemokratisch ausgerichteten und sehr bildungsinteressierten Familie auf. Obwohl Koenig andere Wege ging als die Eltern, deren Lebensführung doch auch „bürgerliche“ Züge hatte, sein ausgeprägtes wissenschaftliches Interesse war ein bereits in früher Kindheit angelegtes Familienerbe. Auch die sozialdemokratischen Grundpositionen der Familie lassen sich – keineswegs ohne Brüche – in allen Lebensphasen Koenigs erkennen.

Die Schulkarriere Koenigs war wechselhaft. Es war wohl auch ein Zeichen der „bürgerlichen“ Ansprüche der Familie, dass Otto Koenig sein erstes Volksschuljahr (1920/21) nicht in der Schule absolvierte, sondern – gemeinsam mit seinem lebenslangen Freund Richard Kretschmayer – im häuslichen Unterricht durch den Privatlehrer Reif. Erst ab 1921 besuchte er die fünfklassige Volksschule in Klosterneuburg, in deren zweite Klasse er am 16. September 1921 eintrat. Aus seinen schulischen Hinterlassenschaften dieser Zeit lassen sich an Niederschriften, insbesondere aber an Zeichnungen, schon deutliche Anzeichen seiner späteren natur- und kulturwissenschaftlichen Interessen erkennen. Mit der politischen Orientierung der Familie hatte es aber zu tun, dass Otto Koenig nach der Grundschulzeit 1925 nicht auf das als sehr konservativ-national eingestufte Klosterneuburger Gymnasium wechselte, sondern auf das humanistische Bundesgymnasium Wien IX, Wasagasse 10. Die Bevölkerung des unmittelbaren Einzugsbereiches dieses Gymnasiums war nach Otto Koenigs Einschätzung sozialistisch orientiert und hatte einen hohen Anteil jüdischer Mitbürger. Daher hatte auch das Gymnasium einen sehr hohen Anteil jüdischer Schüler, so dass Koenig in seinem Tonfall partiell auch das Idiom dieser Mitschüler übernahm. Es lässt sich in den Interviewberichten Koenigs nicht immer sauber unterscheiden, von welchem Wiener Gymnasium er gerade redet. Das humanistische Bundesgymnasium besuchte er nur zwei Jahre und wechselte nach Abschluss der 2. Klasse auf das Bundes-Realgymnasium Wien II (Leopoldstadt) und von dort noch auf das Bundes-Realgymnasium Wien XV Diefenbachgasse (vormals XIV Rudolfsheim).

Aber eben an den Gymnasien entwickelte sich, wie er schreibt, „dann eine mehr und mehr ablehnende Einstellung zu Lehrern und dem gängigen Lehrbetrieb.“ Koenigs naturkundliche, insbesondere ornithologische Interessen verlagerten sich zunehmend in den außerschulischen Bereich. Sehr häufig trieb es ihn in die Landschaft, um Tiere zu beobachten, sie zu zeichnen oder – mit sehr einfachen Mitteln – zu fotografieren. Hinzu kamen – vermutlich seit 1926 – ebenso außerschulisch gelagerte intensive Kontakte zur bündischen Jugend. Er schloss sich in Wien einer Pfadfindergruppe an, die dann zu den 1925 durch Anton Tesarek gegründeten Roten Falken übergetreten ist. So wurde er in Umgang und Einstellung „sozialistischer“, als es seinen Eltern lieb war. Im Detail lässt sich nicht rekonstruieren, warum sich die schulischen Aversionen so intensivierten. Zwar hat er am Bundes-Realgymnasium Wien II die dritte Klasse wiederholen müssen, der Wechsel auf das Bundes-Realgymnasium Wien XIV hat ihn faktisch ein weiteres Jahr gekostet. Alle seine aus der Erinnerung später vorgegebenen wissenschaftlichen und beruflichen Ziele hätte Koenig, der nur etwa zwei Jahre vor der Matura stand, auch nach regulärem Schulabschluss umsetzen können, und zwar wohl auch effektiver und schneller. Jedenfalls hat er als 18-Jähriger zur großen Enttäuschung seiner Eltern das Gymnasium verlassen, um „Tierfotograf“ zu werden. Die Matura hat er erst wesentlich später, nämlich am 8. November 1956, durch die „Berufsreifeprüfung“ an der Universität Wien erworben. Damit war die Berechtigung zum Studium der Psychologie und Zoologie verbunden.

Die beruflichen Vorstellungen, die sich bei Koenig seit der Kinderzeit schon abzeichneten, vertrugen sich offensichtlich nicht mit Inhalt und Form des gymnasialen Unterrichts. Unter dem Einfluss der Tierbücher des schwedischen Tierfotografen Bengt Berg wollte er Tiere, insbesondere Vögel, in freier Wildbahn beobachten und deren Verhalten fotografisch festhalten. Es ging ihm zu diesem Zeitpunkt nicht darum, eine wissenschaftliche Laufbahn einzuschlagen, sondern darum, Tierfotograf zu werden. So war es bei allen kurzschlüssigen schulischen Entscheidungen durchaus konsequent, dass Koenig zur Verbesserung seiner fotografischen Fertigkeiten das Gymnasium verließ und von 1933 bis 1936 eine berufsbildende Schule besuchte, nämlich die international renommierte „Graphische Lehr- und Versuchsanstalt, Abteilung Fotografie“ in Wien. An dieser Schule, der einzigen Schule dieser Art in Österreich, schloss er nach 3 Jahren seine Ausbildung zum Fotografen erfolgreich ab. Dort lernte er auch seine spätere Ehefrau, Lilli Frischauf (7. September 1918 – 9. November 1994) kennen, die von 1935 bis 1939 den Schwerpunkt Zeichnen studierte.

Otto Koenigs fotografische Ausbildung blieb aber eng gekoppelt mit seiner Freizeitgestaltung und seiner Mitarbeit in der bündischen Jugend. Seit er, wie er berichtet, als 14-Jähriger, vermutlich im Sommer 1929, bei einem Familienausflug erstmals den Neusiedlersee kennenlernte und mit seinem Freund Richard Kretschmayer in der „urwüchsigen Wildnis“ des Röhrichtgürtels völlig überraschend auf eine Große Rohrdommel und einen Silberreiher stieß, Vögel, die er bisher nur aus Tierbüchern kannte, war er von Landschaft, Flora und Fauna so angetan, dass es ihn in den nächsten Jahren immer wieder hierhin zog, um zu beobachten und zu fotografieren. Wohl ab 1932 hat er im Sommer regelmäßig am See gezeltet, zunächst in den Sommerferien. Nach Abschluss der „Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt“ (Zeugnis vom 4. Juli 1936) wurden die Exkursionen an den See „im Frühjahr begonnen und erst im Herbst beendet“.

Entscheidend für den weiteren beruflichen Weg war sodann Koenigs Begegnung mit Konrad Lorenz im Jahre 1936. Koenig hatte schon von dessen Arbeiten mit freifliegenden Dohlen, Kolkraben und Graugänsen im benachbarten Altenberg gehört, hatte aber noch keinen Zugang zu ihm gefunden. Die ersten Kontakte entstanden, als Koenig an einer von „Dozent Dr. Konrad Lorenz“ geleiteten Veranstaltungsreihe im Wiener Volksbildungshaus Urania zum Thema Der Weg zur richtigen Tiergeschichte teilnahm. Auf den zufällig gemeinsamen Bahnheimfahrten konnte er häufiger mit Konrad Lorenz sprechen. Diese Begegnungen waren für Otto Koenig von besonderer Bedeutung, weil er durch seine Tierbeobachtungen zwar über umfassende zoologische, insbesondere ornithologische Erfahrungen verfügte, aber niemals ein biologisches Studium absolviert oder irgendein biologisches Examen abgelegt hatte. Zwar war Koenig zunächst in den Jahren 1954 bis 1959 insgesamt zehn Semester an der Universität Wien eingeschrieben. Dort studierte er zuerst als außerordentlicher Hörer, dann nach Ablegung der Berufsreifeprüfung ab dem Sommersemester 1958 als ordentlicher Hörer. Von 1962 bis 1967 studierte er erneut an der Universität Wien, nun aber wieder, vermutlich wegen der eingeschränkten Studienberechtigung (Psychologie und Zoologie), als außerordentlicher Hörer. Seine Studien bezogen sich zwischen 1954 und 1967 schwerpunktmäßig auf die Fachrichtungen Psychologie, Philosophie, Urgeschichte, Ethnologie, Soziologie und Biologie; wobei es in keinem dieser Bereiche zu einem Abschluss kam. Konrad Lorenz lenkte Koenigs Interesse auf die Vergleichende Verhaltensforschung, die ihn dann nicht mehr losließ. Zwar blieb Koenig in biologisch/zoologischer Hinsicht ein Autodidakt, doch er bezeichnete sich selbst immer wieder als Schüler von Konrad Lorenz, und zwar als dessen „ältesten“ und „irregulärsten Schüler“. Als Konrad Lorenz bei den ersten Treffen 1936 anmerkte, das Forschungsfeld der Vergleichenden Verhaltensforschung sei so groß, „daß man dafür ein eigenes Institut bauen und beschäftigen könnte“, machte Koenig es sich, wie er mehrfach berichtet, zum Vorsatz, ein solches Institut zu gründen. Eine erste sehr reelle Chance zur Gründung eines solchen Instituts ergab sich bereits 1938 am Neusiedlersee, sie konnte dann aber wegen des Kriegsbeginns nicht realisiert werden. Der zweite und erfolgreiche Versuch war die Gründung der Biologischen Station Wilhelminenberg im Jahre 1945. Koenig bemühte sich, Konrad Lorenz im Wiener Umfeld einen Arbeitsplatz zu vermitteln, als dieser 1948 aus der Kriegsgefangenschaft heimkam, und auch als Lorenz sich 1973 von seinem Posten aus dem Max-Planck-Institut in Seewiesen zur Ruhe setzte.

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