An diesem Tag

Otto Intze

Deutscher Wasserbauingenieur in Aachen, Talsperrenerbauer (1834–1904)

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Otto Intze (* 17. Mai 1843 in Laage, Mecklenburg; † 28. Dezember 1904 in Aachen; vollständiger Name: Otto Adolf Ludwig Intze) war ein deutscher Bauingenieur und Hochschullehrer. Er lehrte als Professor für Wasserbau, Baukonstruktion und Baustofflehre an der Technischen Hochschule Aachen, deren Rektor er auch von 1895 bis 1898 war.

Intzes Vater war praktischer Arzt und ermöglichte seinem Sohn eine technisch ausgerichtete Schulbildung auf einer Realschule. Nach erfolgreichem Abschluss bekam Intze mit 17 Jahren eine Anstellung bei einer britischen Gesellschaft, die in Russland, im heutigen Lettland, eine Eisenbahnlinie von Riga ins Landesinnere baute. Nach zweieinhalbjähriger Tätigkeit begann er im Herbst 1862 an der Polytechnischen Schule Hannover ein breit angelegtes Ingenieurstudium, das er 1866 als Jahrgangsbester abschloss.

Danach war er kurz als Lehrer an der Baugewerkschule Holzminden tätig, bevor er zur Hamburger Hafenverwaltung wechselte, wo er den Bau von Brücken, Kaimauern und Schleusen leitete. In dieser Position sah er sich hinreichend gesichert, um eine Familie zu gründen. Im Sommer 1868 heiratete er Charlotte Emilie Theodore Lorenz, mit der er vier Söhne und vier Töchter hatte.

Als August von Kaven, der als Professor für Straßen- und Eisenbahnbau einer der Lehrer Intzes in Hannover gewesen war, in Aachen eine „Polytechnische Schule“ für die damalige preußische Rheinprovinz aufbaute, holte er ihn als Dozent für Baukonstruktion und Wasserbau an die neue Anstalt. Im Jahr der Eröffnung, 1870, wurde Intze mit 27 Jahren zum Professor ernannt. Damit hatte sein Wanderleben ein Ende und es entstanden in den 1870er-Jahren Intzes erste Fabrikbauten in Aachen, unter anderem für die Tuchfabrik Lochner und die Tuchfabrik Ritz & Vogel. Obwohl er später Berufungen an die Technischen Hochschulen Braunschweig, Berlin und München erhielt, blieb er bis an sein Lebensende in Aachen.

Intze hatte Weisung, auch als freischaffender Ingenieur tätig zu sein, um eine enge Verbindung von Theorie und Praxis herzustellen. In beiden Bereichen bewältigte er ein immenses Arbeitspensum. Noch voll im Berufsleben stehend erkrankte er im Herbst 1904 schwer. Er erholte sich nicht mehr und starb am 28. Dezember.

Intze war gläubiger Lutheraner. Da es im katholischen Aachen damals noch keine protestantische Kirche gab, besuchte er den Gottesdienst im niederländischen Nachbarort Vaals. Otto Intze fand zusammen mit seiner Frau seine letzte Ruhestätte auf dem Friedhof Nieuwe Hertogenweg in Vaals.

Intze erkannte als einer der Ersten die Vorzüge von Stahl für die Konstruktion von Wasserbehältern auf Türmen. Sie wurden zunehmend benötigt, weil die Städte eine öffentliche Wasserversorgung aufbauten und auch die Dampflokomotiven aus Hochbehältern betankt werden mussten. Durch eine neuartige Formgebung – die von Intze konstruierten Behälter waren unten abgeschrägt und hatten keinen flachen, sondern einen nach oben gewölbten Boden – erreichte er, dass sich die horizontal wirkenden Kräfte gegeneinander aufhoben. So konnte der Tank auf einem relativ engen Kreisring gelagert werden, was wiederum den tragenden Turm schlanker und kostengünstiger machte.

Nach diesem patentierten Prinzip (dem ersten Intze-Prinzip, Wasserturm#Intze-Behälter) wurden bis 1900 in Deutschland, sowie im übrigen Europa und in Übersee, insgesamt 467 Wasser- und 74 Gasbehälter gebaut, der erste davon 1883 in Remscheid. Daneben entstanden unter Leitung Intzes noch rund 30 Fabrikbauten; außerdem entwarf er Luft-Zentralheizungen für große Gebäude und baute in der Eifel ein Dutzend eiserne Wasserräder für die Kleinindustrie.

Das hätte bereits als Lebenswerk ausgereicht, doch Intzes darüber noch hinausgehende und bis heute nachwirkende Leistung ist die Begründung der modernen Wasserwirtschaft in Deutschland. Er orientierte sich dabei an Frankreich, wo seinerzeit bereits eine Vielzahl von Talsperren mit einem Fassungsvermögen von insgesamt 265 Millionen Kubikmetern errichtet worden war. Auf der 23. Hauptversammlung des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI) 1882 in Magdeburg stellte Intze ein Programm für die „rationelle Ausnutzung der Wasserkräfte Deutschlands“ vor. Bei seinem ersten Projekt, das zur Ausführung kam, stand allerdings nicht die Wasserkraftnutzung, sondern die Wasserversorgung im Vordergrund.

Die Stadt Remscheid hatte 1884 ein Wasserwerk mit Grundwasserbrunnen in Betrieb genommen, das für den steigenden Wasserbedarf bald nicht mehr ausreichte. Intze schlug den Bau einer Talsperre vor. Dazu musste er aber zunächst eine Vorstellung von den verfügbaren Wassermengen gewinnen. Er konstruierte deshalb eine mit einem Uhrwerk arbeitende automatische Pegelstation und ließ gleichzeitig an zwei Punkten im Einzugsgebiet den Niederschlag messen. So konnte er ableiten, dass rund drei Viertel des Niederschlags durch den Eschbach abflossen und jährlich im Schnitt mit einer Wasserspende von 3,6 Millionen Kubikmeter zu rechnen war.

Nach Intzes Kalkulationen genügte ein Stauraum von einer Million Kubikmeter, um die Wasserversorgung der Stadt zu sichern sowie den Fabriken im Tal genügend Antriebswasser zu liefern. Dazu musste der Eschbach um 25 Meter aufgestaut werden. Intze entwarf eine Mauer aus Bruchstein, die sich von der Basis zur Krone verjüngte und zur Wasserseite gewölbt war. Stein für Stein von Hand gemauert, war sie nach drei Jahren 1892 vollendet. Nach diesem Muster, dem zweiten Intze-Prinzip, entstanden alle weiteren Intze-Talsperren.

Noch während der Arbeiten an der Eschbachtalsperre wurde Intze an die Wupper gerufen. Dort standen in manchen Jahren die Fabriken vier, fünf Monate wegen Wassermangels still. Er konnte nachweisen, dass sich durch Sammelbecken im Oberlauf das sommerliche Niedrigwasser auf den dreifachen Betrag anheben ließe. Einzelne Wassernutzer blockierten jedoch das Vorhaben. Durch ein Gesetz über die Bildung von Zwangsgenossenschaften wurde dieses Hindernis 1891 aus dem Weg geräumt und das Projekt konnte realisiert werden. Damit erreichte das Stauvolumen aller Talsperren bereits insgesamt 13 Millionen Kubikmeter. Doch das war nur ein Vorspiel für ein weit größeres Vorhaben. Es galt die Wasserversorgung des Ruhrgebiets zu sichern.

Obwohl sich Bergbau und Industrie in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts von der Ruhr nach Norden zur Emscher hin ausgebreitet hatten, blieb das Revier weiterhin auf das Wasser aus der Ruhr angewiesen, weil die Emscher durch Abwässer völlig verschmutzt war und die Brunnen infolge der Grundwasserabsenkungen durch den Bergbau kein Wasser mehr gaben. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts erreichte die Wasserentnahme aus der Ruhr mehr als 100 Millionen Kubikmeter pro Jahr und es war abzusehen, dass der Fluss bei weiter steigendem Verbrauch im Sommer versiegen würde.

Gestützt auf Untersuchungen von Intze gründeten Städte und Industrie 1899 den Ruhrtalsperrenverein. Durch eine Wassergebühr von 1,5 Pfennig pro 10 Kubikmeter flossen beträchtliche Mittel in einen Fonds und so konnten nach den Planungen von Intze bis 1904 am Oberlauf der Ruhr und ihren Nebenflüssen nicht weniger als sieben Talsperren gebaut werden. Nach seinem Tod wurde das Werk weitergeführt. Unter Leitung von Ernst Link, einem seiner Assistenten, wurde die 135 Millionen Kubikmeter fassende Möhnetalsperre errichtet, die damit allen bis dahin geschaffenen Stauraum weit übertraf.

Parallel zu den Arbeiten an der Ruhr beauftragte die Verwaltung der preußischen Rheinprovinz Intze, Untersuchungen zum Hochwasserschutz an der Rur in der Eifel vorzunehmen. Er erkannte, dass sich auf Grund der Topografie der Hochwasserschutz sehr günstig mit Wasserkraftnutzung kombinieren ließ. Die Rur schlängelt sich, rasch an Höhe verlierend, in einem tief eingeschnittenen Tal durch die Eifel. Mit einem Kraftwerk, nicht am Fuß der Staumauer, sondern flussabwärts gelegen, konnte über einen relativ kurzen Stollen, der die Flussschleifen abschneidet, ein beachtlicher Höhenunterschied genutzt werden. Die beste Stelle für eine Staumauer fand Intze an dem Nebenfluss Urft. Von dort wurde über einen 2,6 Kilometer langen Stollen bis Heimbach ein Gefälle von 110 Metern gewonnen. Das Kraftwerk hatte eine maximale Leistung von 12 Megawatt und war damit kurzfristig das leistungsstärkste in Europa.

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