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Otto Haesler

Deutscher Architekt

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Otto Haesler (* 13. Juni 1880 in München; † 2. April 1962 in Wilhelmshorst bei Potsdam) war ein deutscher Architekt. Von seinen 59 Schaffensjahren als Architekt stellen die acht Jahre von 1924 bis 1932 als Protagonist des Neuen Bauens baugeschichtlich die mit Abstand bedeutendste Phase dar. Er gilt wie z. B. Bruno Taut, Ernst May und Walter Gropius als bedeutender Vertreter des Neuen Bauens in der Zeit der Weimarer Republik und machte sich allem durch Konzepte zum kostensparenden und industriell organisierten Sozialwohnungs-Siedlungsbau national und auch international einen Namen.

Jugend, Ausbildung und Berufsbeginn

Otto Haesler war der älteste Sohn des Dekorations- und Kirchenmalers Rudolf Haesler († 1898) und seiner zweiten Frau Maria, geborene Aull; er wuchs in sehr einfachen Verhältnissen mit vielen Umzügen auf. Mit zwölf Jahren erkrankte Haesler an Asthma, woran er bis zu seinem Lebensende litt und deshalb regelmäßig kuren musste.

Von 1899 bis 1903 besuchte Otto Haesler die Baugewerkschulen zunächst in Augsburg und schließlich in Würzburg, wo er am 31. März 1903 seinen Abschluss als „Baugewerksmeister“ machte. Schon 1899 arbeitete er nebenbei sieben Monate als Bauzeichner beim Landbauamt in Passau. 1903 zog er nach Frankfurt am Main um, wo er zunächst hilfsweise als Zeichner arbeitete und eine einsommerliche Praxis als Maurereleve (Lehrling) absolvierte. Noch im gleichen Jahr trat Otto Haesler seine erste Anstellung als Architekt im Büro von Ludwig Bernoully in Frankfurt am Main an; dieser hatte soeben erst 1903 sein Büro gegründet und Haesler gehörte zu seinen ersten Mitarbeitern. Bernoully kam aus Karlsruhe und Haesler erfuhr bei ihm seine erste stilistische Prägung als Architekt durch die „Karlsruher Architekturschule“. Sein Arbeitsgebiet bei Bernoully war der Um- und Neubau von Geschäftshäusern.

Vom Architektenbüro in Frankfurt aus nahm Haesler Anfang 1906 an einem Wettbewerb für den Umbau des Kaufhauses Freidberg am Marktplatz in Celle teil, den er unter 60 Teilnehmern überraschend gewann und zur Ausführung übertragen bekam. Für die Betreuung der Bauausführung zog er im März 1906 nach Celle. Die Tätigkeit bei Bernoully kündigte er in dem Bewusstsein, als selbständiger Architekt einen neuen Anfang zu wagen.

1906–1924: Leben und Werk; historisierendes und expressionistisches Bauen

Von der späteren, freilich baugeschichtlich bedeutenderen Schaffensphase in den 1920er und 1930er Jahren überblendet wird das überaus erfolgreiche Schaffen Haeslers ab 1906 bis etwa 1922 in Celle und Umgebung.

Nach dem schon Ende 1906 vollendeten Freidberg-Projekt folgten ab Herbst 1906 rasch Folgeaufträge für Wohnhäuser in Celle. 1908 bildete er eine Bürogemeinschaft mit dem Architekten Karl Dreher. 1914 bewarb er sich erfolglos für das Amt des Bürgervorstehers. Von 1915 bis zu seiner Verwundung 1917 nahm er am Ersten Weltkrieg teil.

1918 begann er die planerischen Tätigkeiten nach dem Ersten Weltkrieg mit dem Entwurf für Kleinwohnungshäuser „Auf der Heese“ (Carstensstraße). Dabei griff Haesler offensichtlich auf schon bestehende Planungen der Vorkriegszeit zurück, wie ein Aquarell seines im Jahre 1916 gefallenen Büropartners Karl Dreher zeigt. Die 32 Reihenhäuser besaßen ein ausgebautes Satteldach und eine Wohnküche, deutliche Indizien für eine vormoderne Bauweise. Die Aufträge der Jahre nach 1906 umfassten eine weite Palette unterschiedlicher Bauaufgaben von Wohn- und Geschäftshäuser über Landhäuser und Kleinwohnungshäuser für Arbeiter bis hin zu Schulen usw., wobei der Architekt in den abwechselnden Stillagen Jugendstil, und „bürgerlicher Barock“ und Neoklassizismus entwarf. Im Werkverzeichnis von Simone Oelker umfasst diese Schaffensphase über 70 Projekte.

Bei Einzelbauten wie der heute als Tagungscenter Stadt + Raum genutzten Schule im Dorf Bannetze griff er auf historisches Gestaltungsrepertoire zurück und baute mit einem Krüppelwalmdach.

Etwa im Jahr 1922 vollzog sich für nur wenige Jahre bis etwa 1924 ein stilistischer Wandel mit expressionistischen Bauten, wobei auch diese Phase der baukünstlerischen Entwicklung mit einem Kaufhausbau begann, dem Kaufhaus Dreyer (erbaut 1922) in der Celler Altstadt. Die Bauaufträge umfassten außer dem Kaufhaus weitere Wohn- und Geschäftshäuser. Die neuen Fassaden- und Ausstattungsgestaltungen waren u. a. auch auf den Einfluss der Zusammenarbeit mit dem Hannoverschen Künstler Ludwig Vierthaler und mit seinem Schüler und Mitarbeiter Werner Diener zurückzuführen.

Der Wandel Haeslers zu den Architekturformen des Neuen Bauens ab 1924 war wesentlich von ökonomischen und bautechnischen Überlegungen zum rationellen Wohnungsbau geprägt. Von den gestalterisch-formalen Aspekten des mit Aufsehen erregend neuen Flachdachbauten daher kommenden Neuen Bauens wollte er vordergründig nichts wissen. Selbst noch in seiner Autobiographie von 1957 mochte Haesler zur Ästhetik seiner Bauten „nichts besonderes hinzufügen“, worauf er gestalterisch anspruchslos anschloss: „Auch für mich ergab sich die Form stets aus dem Inhalt“. Dessen ungeachtet ist es offensichtlich, dass sich Otto Haeslers Baukörper- und Fassadengestaltung in der Stillage des Neuen Bauens aus den Vorbildern des Gropius- und Bauhaus-Umkreises in Dessau ableiten lassen.

Haesler war ein Verfechter des sozialen Wohnungsbaus, der vielen Mietern einen bezahlbaren, aber auch verbesserten Wohnraum ermöglichen wollte. Durch seine Typisierung bei der Grundrissaufteilung und die neuartige Stahlskelettbauweise wollte er sowohl eine verbesserte Wohnform schaffen als auch Kosten einsparen. So zeichnen sich seine Grundrisse zum einen durch die Orientierung am Sonnenstand und zum anderen durch die Ersetzung des Flures durch einen Wohnraum mit Nachmittagssonne aus, von dem die Schlafräume abgehen.

Er rationalisierte und industrialisierte das moderne Bauen. Otto Haesler setzte in Celle mit der Siedlung Georgsgarten als Erster die industriell gefertigte Zeilenbauweise ein. In Celle lässt sich eine Entwicklung Haeslers im Speziellen und der Moderne allgemein anhand dreier Siedlungen nachvollziehen.

Mit der Siedlung Italienischer Garten (1924/25) griff Haesler Anregungen eines Besuchs bei Bruno Taut in Magdeburg auf. Die moderne Formensprache machte Haesler national bekannt: „Schon bald nach seiner Fertigstellung galt der Italienische Garten als die erste Wohnsiedlung des Neuen Bauens in Deutschland.“ Hier entwickelte Haesler allerdings keine interessanten Grundrisslösungen und wurde den an ihn gestellten wirtschaftlichen Ansprüchen nicht gerecht.

Mit der Siedlung Georgsgarten (1926/27) gelang Haesler eine „städtebauliche Premiere“: Die Anwendung des von Ludwig Hilberseimer entwickelten „Kabinengrundrisses“ führte ihn zu einem offenen Zeilenbau. Dabei verarbeitete er damals aktuelle ästhetische Anregungen, wie sie zum Beispiel die Balkone zeigen, die offenbar von denen des von Gropius entworfenen Wohnheims des Dessauer Bauhauses beeinflusst sind. Außerdem kommt hier erstmals Haeslers Markenzeichen zum Einsatz, das dreiseitig verglaste Treppenhaus. Das Kabinensystem wurde später auch in der Kasseler Rothenbergsiedlung angewandt, die er dort zusammen mit seinem Büromitarbeiter Karl Völker baute.

Erst mit der Siedlung Blumläger Feld (1930/31) konnten die geplanten niedrigen Mieten verwirklicht werden. Eine Besonderheit dieser Siedlung ist, dass jeder Wohnung jeweils ein Mietergarten zugeordnet ist, der unmittelbar von den ‚Lauben‘ im Erdgeschoss aus betreten werden kann. Die Anlage der Gärten „verleiht der Siedlung den Charakter einer Gartenstadt.“ Von der Siedlung ist nach einer mit einem Teilabriss verbundenen Sanierung im Jahre 2003 nur noch der zweite Bauabschnitt vollständig erhalten. Der gesamte zweite Bauabschnitt der Siedlung Blumläger Feld ist nach Angaben der städtische Wohnungsbaugesellschaft als Eigentümer wegen Korrosion des Stahlgerüstes gefährdet und es droht der Abriss. 2018 mussten dort alle Mieter ihre Wohnungen räumen.

In seinem Celler Architekturbüro beschäftigte Haesler zahlreiche Mitarbeiter, darunter drei ehemalige Schüler des Bauhauses, zum Beispiel Katt Both als einzige Frau.

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