Otto Höppli (* 26. Mai 1880 in Frauenfeld; † 18. Oktober 1957 in Frauenfeld; heimatberechtigt in Krillberg und Tuttwil bei Wängi) war ein Schweizer Politiker (SP) und Pionier der Genossenschaftsbewegung.
Herkunft, Familie und frühe Jahre
Otto Höppli entstammte einfachsten Verhältnissen. Sein Vater Jakob Höppli arbeitete als Schneider. Die bescheidenen sozialen Umstände seiner Kindheit sollten Höpplis späteres politisches Engagement nachhaltig prägen und ihm ein tiefes Verständnis für die Nöte der arbeitenden Bevölkerung vermitteln. Diese frühen Erfahrungen mit wirtschaftlicher Unsicherheit und sozialer Benachteiligung bildeten das Fundament für seinen lebenslangen Einsatz zugunsten der Arbeiterschaft.
Im Jahr 1907 heiratete Otto Höppli Louise (* 29. Januar 1882; † 14. März 1950), die Tochter des Zimmermanns Jakob Ehrensperger; gemeinsam hatten sie mehrere Kinder. Die Ehe markierte zugleich einen Wendepunkt in Höpplis beruflicher Laufbahn, denn im selben Jahr beendete er seine Tätigkeit als Glaser und schlug einen neuen Weg ein, der ihn schrittweise in hauptamtliche Funktionen der Arbeiterbewegung führen sollte.
Nach Abschluss seiner Schulbildung in der Sekundarschule erlernte Höppli das Glaserhandwerk, eine Tätigkeit, die handwerkliches Geschick und Präzision erforderte. Von 1897 bis 1907, also über einen Zeitraum von zehn Jahren, arbeitete er als Glaser im St. Galler Rheintal. Diese Dekade war nicht nur beruflich prägend, sondern auch politisch wichtig. Im Jahr 1900 trat Höppli in Winterthur der Glasarbeitergewerkschaft bei, ein Schritt, der den Beginn seiner vierzigjährigen ununterbrochenen Zugehörigkeit zur Gewerkschaftsbewegung markierte. Bereits in diesen jungen Jahren fiel er durch sein Engagement für die Arbeitersache auf. Sein kompromissloser Einsatz für die Rechte der Arbeiter brachte ihm allerdings auch Nachteile ein: Dreimal wurde ihm in seiner Jugend gekündigt, weil die Arbeitgeber seine gewerkschaftliche Aktivität nicht dulden wollten. Diese Erfahrungen mit Repression und Willkür stärkten jedoch nur seine Überzeugung und seinen Kampfgeist. Seine Wanderjahre führten ihn nicht nur durch die Schweiz, sondern auch für zwei Jahre nach Deutschland, wo er weitere Einblicke in die dortige Arbeiterbewegung gewinnen konnte.
Berufliche Laufbahn in der Arbeiterbewegung
Nach seiner Hochzeit wurde Höppli 1907, gemeinsam mit seiner Ehefrau, als Verkäuferpaar in den Arbeiterkonsumverein Rorschach gewählt, eine Aufgabe, die er bis 1909 ausübte. Diese zweijährige Tätigkeit verschaffte ihm erste praktische Einblicke in die Genossenschaftsbewegung, die neben der gewerkschaftlichen und politischen Arbeit zu einem dritten Pfeiler seines lebenslangen Engagements werden sollte. Der Arbeiterkonsum war Teil der genossenschaftlichen Selbsthilfe-Organisationen, die den Arbeitern durch gemeinsamen Einkauf und Vertrieb von Waren bessere Preise und höhere Qualität ermöglichen sollten.
1909 wurde er zum ersten Arbeitersekretär des Kantons Thurgau ernannt, eine Position, die er bis zu seinem Rücktritt 1945, also über 36 Jahre hinweg, innehaben sollte; sein Nachfolger wurde der Dreher Albert Bauer. Als Arbeitersekretär war Höppli Anlaufstelle für die Anliegen der organisierten Arbeiterschaft im Kanton. Er beriet Gewerkschaftsmitglieder in rechtlichen und sozialen Fragen, koordinierte die Aktivitäten des Thurgauer Gewerkschaftskartells und fungierte als Vermittler zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern. Seine Sachlichkeit und sein profundes Wissen in sozialpolitischen Fragen verschafften ihm Respekt auch über die Grenzen der Arbeiterbewegung hinaus.
1945 bestand der thurgauische Sekretariatsverband aus 77 Sektionen, der rund 7000 Mitglieder umfasste.
Otto Höppli gehörte zu den Mitbegründern der Sozialdemokratischen Partei im Kanton Thurgau und prägte deren Entwicklung von Anfang an massgeblich mit. Ab 1914 gehörte er sowohl dem kantonalen als auch dem eidgenössischen Parteivorstand an, was seine zentrale Stellung innerhalb der Parteiorganisation unterstreicht. Seine politische Karriere in gewählten Ämtern begann 1911, als Nachfolger des zurückgetretenen Konditors Robert Keller, mit der Wahl in den Thurgauer Kantonsrat, dem er 46 Jahre lang, bis 1957, angehören sollte. Dreimal wurde ihm die Ehre zuteil, als Präsident des Kantonsrats zu amtieren, eine Anerkennung, die auch von den bürgerlichen Parteien getragen wurde. In dieser Zeit war er in 44 Ratskommissionen vertreten, von denen er zehn als Vorsitzender präsidierte.
Im Jahr 1919, unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg und in der Zeit nach dem Landesstreik von 1918, wurde Höppli in den Nationalrat gewählt. Diesem gehörte er vom 1. Dezember 1919 bis zum 30. November 1947, an. In beiden Räten, sowohl im Kantonsrat als auch im Nationalrat, zeichnete er sich durch seine Sachlichkeit und sein besonderes Interesse an sozialpolitischen Problemen aus. Höppli setzte sich konsequent für die klassischen sozialdemokratischen Anliegen ein: Verbesserung der Arbeitsbedingungen, Ausbau der Sozialversicherungen, Arbeitszeitverkürzung, Kündigungsschutz und soziale Gerechtigkeit. Innerhalb der Sozialdemokratischen Partei stand er den Reformern um Hermann Greulich nahe, jener Strömung also, die auf schrittweise Reformen und parlamentarische Arbeit setzte, statt auf revolutionäre Umwälzungen.
Eine besonders herbe Enttäuschung erlebte Höppli im Jahr 1956, kurz vor seinem Tod, als das von ihm mitgestaltete Thurgauer Armengesetz in einer Volksabstimmung abgelehnt wurde. Dieses Gesetz hätte die Fürsorge für bedürftige Bürger modernisiert und verbessert, doch die Mehrheit der Stimmberechtigten folgte seinen Argumenten nicht.
Richterliche Tätigkeit und weitere Ämter
Ab 1941 wirkte Otto Höppli als Ersatz-Oberrichter im Kanton Thurgau. Die Ernennung zum Ersatz-Oberrichter war eine Anerkennung seiner juristischen Kenntnisse und seiner Integrität. Darüber hinaus engagierte sich Höppli in zahlreichen weiteren Gremien und Institutionen. Er war Mitglied der Aufsichtskommission der Thurgauisch-Schaffhausischen Heilstätte in Davos, einer Einrichtung zur Behandlung von Tuberkulosekranken, einer Krankheit, die besonders in der Arbeiterschaft weit verbreitet war. Ebenso gehörte er der Aufsichtskommission des Thurgauer Kantonsspitals an, wo er sich für die Verbesserung der medizinischen Versorgung einsetzte.
Von 1925 bis 1955 war Höppli Mitglied des Verwaltungsrats des Verbands Schweizerischer Konsumvereine, der Dachorganisation der genossenschaftlichen Konsumvereine in der Schweiz. Bereits seit 1921 sass er im Aufsichtsrat dieser Organisation.
Engagement für die Genossenschaftsbewegung
Otto Höppli gilt als Pionier der Genossenschaftsbewegung im Kanton Thurgau. Sein Interesse an genossenschaftlichen Organisationsformen war nicht nur theoretischer Natur, sondern manifestierte sich in praktischem Engagement. Seit 1921 stand er der Konsumgenossenschaft in Frauenfeld vor. Die Konsumgenossenschaften waren für die Arbeiterbewegung von zentraler Bedeutung, da sie den Mitgliedern ermöglichten, durch gemeinsamen Einkauf bessere Preise zu erzielen und gleichzeitig demokratisch an der Verwaltung des Unternehmens teilzuhaben. Höppli erkannte früh, dass neben gewerkschaftlicher Organisation und politischer Vertretung auch die wirtschaftliche Selbsthilfe ein wichtiger Baustein zur Verbesserung der Lebensverhältnisse der Arbeiterschaft war.
Darüber hinaus gründete Höppli zahlreiche Arbeitersport- und Arbeiterkulturvereine, die das kulturelle und soziale Leben der Arbeiterschaft bereicherten und ein Gegengewicht zur bürgerlichen Vereinskultur bildeten. Diese Vereine dienten nicht nur der Freizeitgestaltung, sondern auch der Bildung.