Die Otto GmbH & Co. KGaA, vormals Otto (GmbH & Co. KG), auch Otto Group, ist ein deutsches Handels- und Dienstleistungsunternehmen mit Sitz in Hamburg, das weltweit in den Unternehmensbereichen Einzelhandel, Finanzierung und Logistik sowie Versandhandel aktiv ist.
Kerngeschäft ist der Einzelhandel. Otto ist im Konsumentengeschäft einer der weltweit größten Onlinehändler sowie der größte Onlinehändler für Mode und Lebensstil für den Endverbraucher in Europa.
Im Ranking der 500 größten Familienunternehmen in Deutschland der Zeitschrift Wirtschaftsblatt nahm die Gruppe 2012 den zehnten Platz ein.
Im August 1949 gründete der 40-jährige Werner Otto in Hamburg-Schnelsen das Unternehmen Werner Otto Versandhandel. Im Folgejahr 1950 erschien der erste Katalog, in dem auf 14 handgebundenen Seiten 28 Paar Schuhe präsentiert wurden. Die Auflage betrug 300 Exemplare. Als Erster der Versender führte Otto den Kauf auf Rechnung ein. 1951 umfasste der erste gedruckte Katalog 28 Seiten und bot ein erweitertes Sortiment, das unter anderem aus Schuhen, Aktentaschen, Regenmänteln und Hosen bestand. Bis 1953 verfünffachte Otto in weniger als zwei Jahren den Umsatz. Die Auflage des Katalogs betrug bereits 37.000 Exemplare. 1958 gehörte der Otto-Versand als Universalversender mit einem Umsatz von 100 Millionen DM zu den Großunternehmen in Deutschland.
1969 bezog der Otto-Versand nach starker Expansion das neue 205.000 m² große Betriebsgebäude in Hamburg-Bramfeld, nachdem er zuvor von 1955 an in Hamburg-Hamm stationiert war. Seit Anfang der 60er-Jahre war die Verlegerfamilie Funke – vertreten durch Günther Grotkamp mit 20 Prozent der Stimmanteile am Otto Versand beteiligt.
Die Zahl der Mitarbeiter wuchs auf 2000. 1966 wurde in Hongkong das erste Einkaufsbüro in Asien eröffnet. Günter Nawrath (* 1924 in Berlin), bis 1966 Finanzchef bei Rheinstahl Henschel in Kassel, übernahm 1966 den Vorstandsvorsitz und wurde 1981 Aufsichtsratsvorsitzender von „Otto Versand, Hamburg“.
1968 erschien mit dem Post-Shop-Magazin der erste Otto-Spezialkatalog. Im Jahr darauf wurde die Hanseatic Bank gegründet, über die Kunden ihre Bestellungen finanzieren konnten. Zur gleichen Zeit wurde in Hamburg die Werner-Otto-Stiftung zur Förderung der medizinischen Forschung gegründet. Mit dem Hermes Versand wurde 1972 ein eigener Zustelldienst aufgebaut.
Mit Beteiligungen an 3 Suisses International begann 1974 die Entwicklung zum internationalen Konzern mit eigenen SB-Warenhäusern, die im selben Jahr an die Horten AG verkauft wurden. Im selben Jahr stieg Otto beim Karlsruher Unternehmen Heinrich Heine ein. 1978 erzielte der Otto-Konzern einen Umsatz von 3,176 Milliarden DM und beschäftigte 10.740 Mitarbeiter.
1980 folgte mit der Gründung der Otto Reisen GmbH der Einstieg des Unternehmens in die Touristik-Branche. 1981 wechselte der Vorstandsvorsitzende Günter Nawrath in den Aufsichtsrat. Michael Otto übernahm den Vorstandsvorsitz der Otto-Gruppe. Im Jahr 1982 betrug der Umsatz allein des Versandhandels rund 3,9 Milliarden DM.
Im Rahmen der neuen Werbekampagne wurde 1986 der Slogan „Otto … find’ ich gut.“ erstmals eingesetzt und entwickelte sich zum geflügelten Wort. 1990 wurde der 24-Stunden-Eilservice eingeführt. 1992 lieferte der Hermes Versand die 500-millionste Sendung aus. Mit der Wiedervereinigung 1990 stieg die Auflage des Kataloges auf bis zu 13 Millionen. Während der Katalog zu Spitzenzeiten auf 1.000 Seiten rund 60.000 Artikel gezeigt hat, bietet die Otto-App mehr als 18 Millionen Produkte an.
1993 rief Michael Otto die Michael Otto Stiftung für Umweltschutz ins Leben. 1994 präsentierte der Otto-Versand als erster Versender sein Sortiment auf einer interaktiven CD-ROM. 1995 folgte der Gang ins Internet. 1997 stieg das Unternehmen beim Baur Versand ein. 2000 erweiterte der Konzern sein Firmen-Portfolio mit den Gründungen von discount24 und travelchannel.de.
Die beiden österreichischen Marken der Otto Group, Universal und Otto wurden 2003 in die Unito Versand & Dienstleistungen gebündelt, des Weiteren wurde der Versandhandel in Deutschland umfirmiert in die Otto (GmbH & Co KG). 2005 verkaufte die Otto Group 75 Prozent der Anteile der Hanseatic Bank an die Société Générale, Paris. Zwei Jahre später wurde Hans-Otto Schrader neuer Vorstandsvorsitzender der Otto Group und trat damit die Nachfolge von Michael Otto an.
2009 sicherte sich die Otto Group in einem Bieterverfahren die Rechte an der Marke Quelle und zahlreicher Handelsmarken wie Privileg sowie alle Anteile an Quelle Russland, später im Jahr 2012 die der Marke Neckermann.de. Der Unternehmensgründer Werner Otto verstarb 2011 im Alter von 102 Jahren. 2012 gründete die Otto Group mit dem brasilianischen Distanzhändler Posthaus ein gemeinsames Unternehmen, um in Brasilien das E-Commerce-Geschäft zu forcieren. Im selben Jahr wurde bekannt, dass die Otto Group bis Oktober 2013 700 Arbeitsplätze abbaut. Trotz der Lage war bis dato Otto der größte Onlinehändler für Mode in Deutschland.
2014 markierte der Gründerenkel Benjamin Otto durch die Einführung des Fashion-Start-ups Collins, zu dem auch About You gehörte, seinen Eintritt in den Konzern. Zum 1. Juni 2015 übergab er seine Funktion als Vorsitzender der Geschäftsführung an den Mitbegründer Tarek Müller, um in Aufsichtsgremien des Konzerns die Transformation der Otto Group mitzugestalten. Im selben Jahr wurde mit Otto Group Media ein eigenes Unternehmen für die Online-Werbevermarktung gegründet. Er baute unter anderem den Bereich Online-Möbelhandel weiter aus, inklusive Erschaffung von Spezialshops.
Im Geschäftsjahr 2015/2016 wurden über 90 Prozent der Umsätze vom Versandhandel über das Internet erzielt, was gemäß einer Studie der EHI Retail Institute und Statista Otto zum zweitgrößten Online-Händler in Deutschland hinter Amazon.com auszeichnet. Des Weiteren wurden im selben Jahr mit Otto Now eine neue Marke zur Vermietung von Produkten gegründet. Diese Dienstleistung wurde am 12. Januar 2021 wieder eingestellt.
Mit Wirkung zum 1. Januar 2017 übernahm Alexander Birken, zuvor Konzernvorstand Multichannel-Distanzhandel und Sprecher der Otto-Einzelgesellschaft, den Vorstandsvorsitz der Otto Group. Der langjährige Vorstandsvorsitzende Hans-Otto Schrader wechselt mit Erreichen der für Vorstände geltenden Altersgrenze in den Aufsichtsrat.
Im Dezember 2018 erschien der letzte Otto-Hauptkatalog als gedruckte Ausgabe.
Im September 2023 gab die Otto Group bekannt, Roboter von Boston Dynamics in den eigenen Logistikzentren einzusetzen.