Otto Glagau (* 16. Januar 1834 im Kreis Fischhausen, Ostpreußen, Königreich Preußen; † 2. März 1892 in Berlin, Deutsches Reich) war ein deutscher Publizist und Antisemit.
Otto Glagau stammte aus einer Familie im Samland in Ostpreußen. Er studierte Philologie und Philosophie wahrscheinlich in Königsberg und war danach als Hauslehrer tätig.
1863 kam er nach Berlin und war dort als Publizist tätig. Er schrieb für die liberale Berliner Nationalzeitung bis 1871.
1873 verlor Glagau eine große Summe Geldes, die er in Aktien des Lindenbauvereins angelegt hatte, durch den „Gründerkrach“. Danach recherchierte er intensiv zu diesen Ereignissen. Er verfasste zunächst ein Theaterstück zu diesem Thema, das jedoch von den meisten Bühnen abgelehnt wurde.
1874/75 veröffentlichte er eine Artikelserie in der bekannten Familienzeitschrift Die Gartenlaube, die große Resonanz fand und in der er führenden Personen aus Politik und Wirtschaft die Schuld an der Misere gab. Allerdings kritisierte selbst die Redaktion der Gartenlaube Glagaus Darstellung, dass die gesamte spekulierende Bevölkerung auf einen Schwindel hereingefallen sei. In einer Antwort auf den Leserbrief eines Berliners äußerte die Redaktion, dass viel eher die Aussicht auf hohe Renditen und die „übertriebene Gewinnsucht der kleinen Leute“ den Börsencrash gefördert hätten und dass es „geradezu gefährlich [sei], dieser schnöden Gewinnsucht auch noch die patriotische Märtyrerkrone aufzusetzen“. „Auf Kosten einer überschaubaren Gruppe von Schuldigen boten die Artikel zum ‚Börsen- und Gründungsschwindel‘ damit ihrem Publikum die Möglichkeit, sich selbst von jeglicher Verantwortung zu entlasten.“ Trotzdem veröffentlichte Glagau 1876/77 zwei Bände des Der Börsen- und Gründungs-Schwindel in Berlin, in denen er seine Artikel überarbeitet als Buch herausbrachte.
Einen erheblichen Teil der Schuld trügen Glagaus Meinung nach jüdische Unternehmer, über die er in einigen Formulierungen scharf urteilt:
Bereits 1869 hatte er sich abfällig über Ostjuden in Litauen geäußert.
Seine Einstellung zu Juden in der Geschäftswelt hatte sich nach seinen finanziellen Verlusten 1873 noch erheblich verschlechtert, da die Unternehmer des Lindenbauvereins wie auch die meisten anderen Verursacher der Spekulationen und des Börsenkrachs 1873 laut Glagau jüdisch waren.
Er setzte sie seitdem mit Wirtschaftsliberalismus und Kapitalismus gleich und machte sie für die Wirtschaftskrise und den moralisch-kulturellen Verfall Deutschlands verantwortlich. Glagaus Verständnis von Judentum ist seinen Äußerungen zufolge ein rassistisches und kein religiöses – die Zugehörigkeit zu der Gruppierung wird laut Glagau durch die eigenen Vorfahren bestimmt:
In späteren Veröffentlichungen sowie in seiner Zeitschrift Der Kulturkämpfer (1880–1888) setzte Glagau seine Angriffe fort. So prägte er den Slogan „die soziale Frage ist die Judenfrage“, der noch in den 1930er Jahren propagiert wurde.
Im April 1883 leitete er den zweiten Internationalen Antijüdischen Kongress in Chemnitz.
Glagau beförderte den Antisemitismus in seiner Zeit durch seine einfach verständlichen Schriften wahrscheinlich mehr als die bekannten Theoretiker Eugen Dühring, Wilhelm Marr und Paul de Lagarde.
Otto Glagau starb 1892 im Alter von 58 Jahren in Berlin.
Fritz Reuter und seine Dichtungen, Berlin 1866
Spaziergänge durch Lauenburg und Lübeck, Berlin 1866
Littauen und die Littauer, Tilsit 1869
Lied über den neuen deutschen Kaiser, Vahlen, Berlin, 1871, 16 Seiten
Die russische Literatur und Iwan Turgeniew, Gebrüder Paetel, Berlin 1872