An diesem Tag

Otto Flath

Deutscher Holzbildhauer und Maler

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Otto Flath (* 9. Mai 1906 in Staritzke bei Kiew; † 10. Mai 1987 in seinem Haus in Bad Segeberg) war ein deutscher Holzbildhauer und Maler. Er schuf mehr als 3500 Holzarbeiten (darunter fünfzig Altarretabel) und 10.000 Aquarelle und Zeichnungen.

1971 wurde er zum „Ehrenbürger der Stadt Bad Segeberg“ ernannt, 1981 wurde ihm anlässlich seiner herausragenden Leistungen das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen. Das Wohnhaus, das Ausstellungsgebäude und die Werkstatt des Künstlers in Bad Segeberg sind als Kunsthalle Otto Flath erhalten. Die Dauerausstellung präsentiert rund vierzig Holzbildwerke und eine Auswahl von Aquarellen und Zeichnungen sowie eine Dokumentation zum Leben und Werk.

Bereits zu seinen Lebzeiten wurde sein Werk unterschiedlich aufgenommen. Die Begeisterung für seine großformatigen sakralen Werke ab den 1930er Jahren steht seit den 1950er Jahren die Diskussion um ihre Angemessenheit in Kirchenräumen gegenüber. Auch wird dabei die Nähe seiner Werke zur nationalsozialistischen Ideologie kritisch hinterfragt. Einige seiner Altarfiguren wurden daher aus dem Zentrum der Kirchen entfernt, so wurde etwa in der Lübecker Lutherkirche die das Kreuz begleitende Figurengruppe Die deutsche Familie 1990 vom Altar in den Eingangsbereich der Kirche versetzt.

Otto Flath war eines von sieben Kindern einer deutschen Familie, die sich im 19. Jahrhundert zur Auswanderung in das Gebiet des späteren Ukraine entschlossen hatte. Seine Kindheit auf dem Dorf verlief zunächst glücklich, war aber aufgrund der Unruhen nach der Russischen Revolution von 1905 ab dem achten Lebensjahr durch Mangelernährung, Flucht und Krankheiten wie Rachitis und Typhus geprägt. Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges 1914 galt die Familie als Deutsche als politische Feinde. Der Vater wurde nach Sibirien verbannt, die Mutter mit den Kindern aus ihrem Haus vertrieben und in einen Wald nach Charkow umgesiedelt. Otto Flath schnitzte dort wie schon in Staritzke Spielzeuge für seine kleinen Geschwister und andere Kinder. Im Zusammenhang mit der russischen Revolution wurden sie 1917 dann aus Russland ausgewiesen. Die Familie musste nach Riga umziehen, wo sie zwei Jahre auf ein Flüchtlingsschiff warteten. Kurz vor Abreise gelang es dem Vater nach seiner Entlassung, die Familie wiederzufinden.

1919 gelangte die ganze von Typhus gezeichnete Familie nach Kiel-Melsdorf, wo Flath mit dreizehn Jahren erstmals die Schule besuchte, die er in drei Jahren erfolgreich durchlief. 1922 endete seine Schulzeit mit der Konfirmation in der St.-Georg-und-Mauritius-Kirche in Flemhude. Im Anschluss daran absolvierte er eine Lehre beim Elfenbeinschnitzer Karl Schneider in Kiel, bildete sich 1925 zum Bildhauergesellen fort und arbeitete bis 1927 zur Sicherung des Lebensunterhalts in einer Möbelschnitzerei. Ab 1928 erhielt er ein Stipendium in der Holzbildhauerklasse der Kunst- und Gewerbeschule Kiel bei den Professoren Schnoor und Blatzek.

1932 lernte er das Künstler-Ehepaar Ellen und Willy Burmester kennen, die mit ihm zusammen den Kieler Künstlerverein gründeten und ihm im selben Jahr seine erste eigene Werkstatt in Kiel vermittelten. Ab 1936 wirkte Otto Flath als freischaffender Künstler, Holzbildhauer und Maler in Bad Segeberg. 1939 erwarb er gemeinsam mit seinen Förderern von der Stadt die später Villa Flath genannten Gebäude. Die Villa hatte zuvor das Kindererholungsheim für bedürftige jüdische Kinder beherbergt, das von dem von Sidonie Werner gegründeten Hamburger Israelitisch-Humanitären Frauenverein geführt wurden war. Im Zuge der Arisierung war die Stadt Segeberg 1938 günstig an das Haus gekommen und hatte es an Burmester und Flath für einen Bruchteil der eigentlichen Werts weiterverkauft. Dort wurden die bis heute zu besichtigenden Ausstellungshallen für die zum Teil bis an die Decke reichenden großen Werke gebaut. In Kiel und Bad Segeberg schuf er ab 1932 viele große Werke, u. a. z. B. Finale, Vertrauen, Licht, Sieg des Glaubens und viele Altäre als Auftragswerke von Kirchengemeinden vor allem in Schleswig-Holstein.

Der Zweite Weltkrieg beendete abrupt die Schaffensfreude. Diese Zeit war für den äußerst friedliebenden, sensiblen und unpolitischen Künstler kaum zu ertragen. Otto Flath wurde eingezogen, brach unter der psychischen und körperlichen Belastung mehrmals zusammen, musste ins Lazarett und anschließend zu einem längeren Genesungsaufenthalt nach Hause. Mehrfach versuchte er erfolglos eine Befreiung vom Kriegsdienst zu erwirken, erreichte aber zumindest, dass er diensteingeschränkt nicht schießen musste. In seiner Freizeit versuchte er, mit den vorhandenen Möglichkeiten die Not zu lindern, indem er wieder Spielzeug schnitzte. In dieser Zeit entstanden auch seine berühmten „Schleierköpfe“: Innenschau, da die äußere Welt für ihn unerträglich geworden war. Kleinere Werke mahnten, dem Geist der Zeit Widerstand zu leisten: Drei Nornen, Versenkung, Gelassenheit, Erdenferne etc.

Das Ende des Krieges bedeutete für Otto Flath die langersehnte Befreiung. Nach der Rückkehr aus der Gefangenschaft 1946 war seine Schaffenskraft in den Nachkriegsjahren ungeheuer. Er konnte seine Zeit nun wieder sinnvoll nutzen und schuf viele sehr große Werke. In der Nachkriegszeit war die Nachfrage nach kirchlichen Werken wegen des Wiederaufbaus und Neubaus zahlreicher Kirchen groß. Ab Mitte der 1960er Jahre kam es zu häufigen und teils längeren Krankheiten sowie Erschöpfungszuständen, doch schuf Otto Flath weiterhin regelmäßig seine Werke, die nun vermehrt für die eigene Ausstellungshalle und private Käufer entstanden. Als letzten großen Auftrag führte er mit 80 Jahren den Altar für die Kirche in Stockelsdorf aus. Das von Ellen und Willy Burmester und später von Gerda Orthmann akkurat geführte Archiv listet das letzte von ihm geschaffene Werk unmittelbar vor seinem Tode mit der Nummer 3521.

Ein 1952 gegründeter Freundeskreis von ca. 500 Personen, der sich über Deutschland bis ins Ausland hinein erstreckte, wurde 1967 mit einer Satzung versehen und ins Vereinsregister eingetragen. 1971 wurde Otto Flath Ehrenbürger der Stadt Bad Segeberg. 1978 wurde die „Otto-Flath-Stiftung“ zur Förderung und Pflege des künstlerischen Werks von Otto Flath gegründet, ihr obliegen der Betrieb und die Unterhaltung der Kunsthalle Flath und der Villa Flath. 1981 wurde ihm an seinem 75-jährigen Geburtstag anlässlich seiner herausragenden Leistungen das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen. Nach dem Tode von Willy und Ellen Burmester 1977 und 1978 fand er eine neue familiäre Heimat in der Lebensgemeinschaft mit Gerda Orthmann. Sie war seit 1954 Mitarbeiterin und später 1. Vorsitzende des Otto-Flath-Kreises, hat mehrere Bücher herausgegeben und war in seinen letzten neun Lebensjahren seine Lebensgefährtin.

Otto Flaths Werke verteilen sich nicht nur in Deutschland, sondern sind über die Welt verstreut (u. a. Skandinavische Länder, USA, Schweiz, Lettland). Sie befinden sich in Kirchen, Schulen, Krankenhäusern, Kammern und Rathäusern sowie bei zahlreichen privaten Flathfreunden. Die Gestaltungsideen entsprangen Bibel, Sagen und Märchen, Mythen und dem realen Leben; aus alter und neuer Zeit. Sein Hauptmotiv sind christliche Szenen, gefolgt von zwischenmenschlichen Beziehungen und Gemütszuständen, literarischen Figuren und mythologischen Erzählungen. Als Werkstoff gestaltete Flath alle Holzarten – welche ihm in der Regel ohne Bestellung gebracht wurden – und formte seine Kunstwerke ohne Zeichnung oder Modell „aus dem Inneren heraus“. Frühe Werke wurden von Ernst Barlach beeinflusst, den er in Kiel kennengelernt hatte. In seinen Erinnerungen erläutert der Künstler: „Mein Glaube hielt mich in allen schweren Ereignissen meines Lebens aufrecht, auch später im 2. Weltkrieg. Nur von diesem Glauben her kann man meine Kunst verstehen. Jedes Werk, das ich schuf, ist religiös, aber nicht jedes Werk ist christlich.“ Ab 1934 wandte Otto Flath sich, beeindruckt vom Brüggemann-Altar im Schleswiger Dom, sakralen Werken in kirchlichen Räumen zu. Bereits sein erster größerer Altar, der die Form eines mittelalterlichen Flügelaltars aufnehmende Kreuzaltar für das Diakonissenhaus in Kropp (heute in der Kunsthalle Otto Flath aufgestellt), zeigt das Thema mehrerer Altäre der 1930er Jahre: „Norddeutsche Menschen unserer Zeit stehen in Gruppen neben dem überragenden großen Kreuz.“

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