An diesem Tag

Otto Antoine

Deutscher Maler

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Otto Antoine (* 22. Oktober 1865 in Koblenz; † 14. Juli 1951 in Unteruhldingen) war ein deutscher Werbegrafiker und Vedutenmaler des Spätimpressionismus.

Otto Antoine dokumentierte in seinen Werken das Berlin des 19. Jahrhunderts und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Bekannt war er vor allem als „Postmaler“. Die Postbehörde, in deren Dienst er seit 1883 stand, hatte das künstlerische Talent des jungen Beamten früh erkannt und in großzügiger Weise gefördert.

Otto Antoine wurde am 22. Oktober 1865 in Koblenz als Sohn des Uhrmachers Georg A. Antoine und dessen Frau Marie Antoine Roesgen geboren. Schon in früher Jugend regte sich seine zeichnerische Begabung, doch wirtschaftliche Umstände und Herkunft erlaubten ihm nicht, die Malerei als Hauptberuf zu wählen. Nach dem Besuch der Oberrealschule schickte man ihn in die Lehre zu einem Malermeister. Mit 18 Jahren entschied er sich für die Beamtenlaufbahn und begann sie als Postgehilfe beim Postamt Lützel. Nach Feierabend zeichnete und malte er Motive seiner Heimatstadt Koblenz, allein auf das im Selbstunterricht erworbene Können und Wissen gestützt. Nach der Assistentenprüfung 1887 und dem einjährig-freiwilligen Militärdienst in einem Pionierbataillon wurde Antoine 1890 für kurze Zeit nach Hamburg versetzt.

Antoine kam 1891 nach Berlin und studierte an der Akademie der Künste bei Franz Skarbina. Er wurde Mitglied des Vereins Berliner Künstler und nahm regelmäßig an den Großen Berliner Kunstausstellungen teil. 1942 wurde er in Berlin ausgebombt und ging für kurze Zeit nach Schlesien.

Im Sommer 1944 übersiedelte er an den Bodensee, wo er sieben Jahre später verstarb.

Sein Grab befindet sich in Berlin auf dem Friedhof Wilmersdorf.

Da Antoine eine schöne Handschrift hatte, übertrugen ihm seine Vorgesetzten als Sonderaufgaben immer wieder kalligraphische Arbeiten. Als das Reichspostamt und namentlich der Staatssekretär des Reichspostamts Heinrich von Stephan auf diese Arbeiten und auf Antoines erste Bilder mit Darstellungen aus dem postalischen Leben aufmerksam wurden, holte man ihn 1891 nach Berlin mit der Absicht, seine künstlerischen Fähigkeiten besser zu verwerten, als dies in der Provinz möglich war. Zuerst arbeitete er bei der Oberpostdirektion Berlin, dann vorübergehend im Technischen Baubüro des Reichspostamts. Hier aquarellierte er Fassaden und perspektivische Ansichten von Postbauten. Das brachte ihm die besondere Sympathie Stephans ein, der schon seit 1878 von den unter seiner Leitung errichteten größeren Post- und Telegrafengebäuden dokumentarische Aquarellzeichnungen anfertigen ließ.

Am 1. April 1902 ernannte Stephan Otto Antoine zum Bureauassistenten beim Reichspostmuseum. Er sollte beim Aufbau des Museums mithelfen. Zu seinen Arbeiten gehörte, die vom Museum aus alten Handschriften und Büchern ausgewählten Abbildungen mit Darstellungen von schreibenden Personen, Schreibstuben, Botenfiguren, Postillionen, Postwagen, Postschiffen und dergleichen für die Sammlungen künstlerisch aufzuarbeiten. Er kopierte, kolorierte wie vor ihm schon Karl Hoffacker (1856–1919) die von farbigen Darstellungen durch Lichtdruck in der Reichsdruckerei oder fotografisch angefertigten Nachbildungen, zeichnete in Blättern farbige Initialen neu oder undeutlich gewordene Beschriftungen in altdeutschen Lettern nach. Ein eindrucksvolles Beispiel für diese Arbeiten ist die von ihm frei nach einem Gemälde von Moritz von Schwind (1804–1871) für die Sammlung von Wagendarstellungen des Museums geschaffene Kopie in Öl auf Leinwand. „Ein Hochzeitspaar im Wagen“.

Neben seinen künstlerischen Arbeiten für die Postbehörde betreute Otto Antoine mehr als 20 Jahre lang gemeinsam mit Ministerialamtmann Müller die Postwertzeichensammlung des Reichspostmuseums, die von 1885 bis 1899 und dann nochmals ab 1918 bis 1928 unter der Ägide des „Altmeisters der Philatelie“ Carl Lindenberg (1850–1928) stand. 1903 wurde Otto Antoine zum Oberpostsekretär befördert, 1915 erhielt er den Titel Rechnungsrat, 1920 wurde er zum Ministerialamtmann (Amtsrat) befördert. Im Zuge eines Stellenabbaus wurde er zum 1. April 1924 zunächst in den Wartestand und 1930 in den Ruhestand versetzt.

Stephan förderte Antoine durch Ankauf postalischer Bilder für die Sammlungen des Postmuseums. Reinhold Kraetke ermöglichte ihm 1905 eine Studienreise nach den Kanarischen Inseln.

Antoine genoss in Berlin einige Privilegien, durfte sein Dienstzimmer sogar als Maleratelier verwenden. Der Blick von diesem ging auf die Dreifaltigkeitskirche (auch Schleiermacherkirche) in der Mauerstraße, die er zu allen Jahres- und Tageszeiten malte.

Zur Illustration einzelner Sachthemen gab das Reichspostmuseum zahlreiche Darstellungen bei Antoine in Auftrag, die im Museum öffentlich gezeigt wurden.

Dazu gehörten auch die Gemälde „Ein Hochzeitspaar im Wagen“ 1897, und die „Augsburger Boten Peter Derffus und Gottfried Thanner“, 1898. Im September 1905 erwarb das Reichspostmuseum das während des erwähnten Studienaufenthalts entstandene Gemälde „Personenpost auf den Kanarischen Inseln“. Das Bild stellt einen zur Abfahrt bereiten Personenpostwagen auf Gran Canaria dar. Wie die Inschrift am Wagen besagt, geht die Post von Las Palmas nach Santa Brigida. Der Ort liegt in den Bergen. Deshalb ist eine besondere Bespannung mit vier Maultieren notwendig; drei Maultiere in einer Reihe, das vierte als Vorspann. Die unter den Fahrgästen befindliche Frau trägt nach spanischer Sitte ein weißes Tuch auf dem Kopf. Über dem Posthaus und der stimmungsvoll wiedergegebenen Straße wölbt sich ein tiefblauer Himmel.

Immer wieder stellte Antoine in seinen Bildern eindrucksvoll den Post- und Telegrafenbetrieb in den Brennpunkten des hauptstädtischen Verkehrs dar. Bekannt ist sein Gemälde, das auf einem Bahnsteig des Anhalter Bahnhofs mehrere Postbeamte beim Verladen von Paketen aus gelben Wagen in einen grünen Bahnpostwagen zeigt. Sein Gemälde „Paketpost am Schlesischen Bahnhof“ fand auf der Großen Berliner Kunstausstellung 1912 viel Beifall. Mit dem 1909 entstandenen Bild vom Fernsprechamt in der Französischen Straße war Antoine 1911 auf der Großen Berliner Kunstausstellung vertreten. Es zeigt eine große gewölbeartige, mit Gaslampen beleuchtete Halle, in der in mehreren langen Reihen von Schränken Frauen Telefonverbindungen herstellen. Zweimal, um 1900 und 1908, malte Antoine den Betrieb im großen Saal des Haupttelegraphenamtes Berlin in der Jägerstraße. Die von ihm dargestellten Personen tragen hier die Züge der wirklich tätig gewesenen Beamten. Die Bilder sind insofern von aktuellem Interesse, als das denkmalgeschützte und von der Telekom restaurierte Gebäude des ehemaligen Kaiserlichen Telegrafenamtes mit dem von Antoine gemalten Saal heute einen Teil der Hauptstadtrepräsentanz der Telekom in Berlin bildet.

Otto Antoine war ebenso ein talentierter Grafiker und Zeichner. Er schuf Neujahrskarten, Einladungskarten, Werbungen für den Rundfunk und anderes mehr. Die Zeichnungen, mit denen er seine berühmten Gemälde vorbereitete, lassen erkennen, wie genau er die Stadt, ihren Verkehr und ihre Veränderungen beobachtete. 1909 illustrierte Antoine die von Albert Falkenberg (Postbeamter) herausgegebene „Kleinstadtkomödie“, und 1919 erschienen von ihm 32 Federzeichnungen in dem Buch „Die Schönheit der deutschen Landschaft“ von Adolf Gruettner. Für das von Adolf Miethe 1912 bei Westermann in Braunschweig herausgegebene Werk „Die Technik im 20. Jahrhundert“ steuerte Antoine mehrere farbige Darstellungen aus technischen Großbetrieben bei.

Unmittelbar nach seinem Umzug 1891 von Koblenz nach Berlin nahm Antoine Kontakt zu den Berliner Künstlern auf. Er studierte nebenberuflich an der Hochschule für Bildende Künste und belegte Kurse im Landschafts- und Aktmalen. Dabei fand er in Professor Franz Skarbina (1849–1910) einen Künstler, der sein Talent erkannte und förderte, und der ihn lehrte, was er, der Autodidakt, noch zu lernen hatte.

In seinen ersten Schaffensjahren malte Antoine hauptsächlich Landschaften und viel in Aquarell. Nach seiner Lehrzeit bei Skarbina bevorzugte er Ölfarbe als bei größeren Bildern ausdrucksfähigeres Material und wandte sich zunehmend Motiven der Stadt zu. Groß ist die Anzahl der Ölbilder, Pastelle, Aquarelle und Radierungen mit berlinischen Motiven. Pferdekutschen auf regennasser Straße, geschäftiges Treiben in der Leipziger Straße oder Passanten am Brandenburger Tor sind Eindrücke, die der Künstler in ihrer Zufälligkeit und Augenblicklichkeit festhielt. Dom, Schloss und Schloßbrücke (Kaiser-Friedrich-Brücke), Unter den Linden, Brandenburger Tor, Leipziger Platz mit Wertheim, Potsdamer Platz, Alexanderplatz mit Berolina und Polizeipräsidium, Reichstag, Tiergarten, Kurfürstendamm, Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche und Tauentzienstraße, Rathaus und Altes Museum gehören wie selbstverständlich in die lange, hier längst nicht vollständige Liste der Berliner Bilder. Es ist das repräsentative Berlin, das Berlin der monumentalen Bauten. Alle Bilder sind stimmungsvoll in virtuos impressionistischer Technik gemalt. Das Zeitkolorit und seine Wandlungen sind an den Verkehrsmitteln, den Droschken, Elektrischen und Bussen mit ihrem noch offenen Obergeschoss und an der Kleidung der Fußgänger ablesbar. Mehrmals hielt Otto Antoine in seinen Gemälden auch militärische Szenerien, wie beispielsweise die Wachablösung Unter den Linden oder die Geburtstagsparade für den Kaiser, fest. Sonnabends und sonntags zog er gern in die Natur, begleitet von seiner Frau und seinen Kindern, um vor den Toren der Stadt unter freiem Himmel zu malen.

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