An diesem Tag

Otto Ambros (Chemiker)

Deutscher Chemiker

Anúncio

Otto Ambros (* 19. Mai 1901 in Weiden in der Oberpfalz; † 23. Juli 1990 in St. Georgen im Schwarzwald) war ein deutscher Chemiker, verurteilter Kriegsverbrecher und Wehrwirtschaftsführer. Letzteres kennzeichnet seine maßgebliche Rolle in der Zusammenarbeit von NS-Staat und I.G. Farben. Ambros war katholisch, verheiratet und hatte zwei Kinder.

Ambros, Sohn des Oberstudiendirektors Carl Ambros und dessen Ehefrau Elsa, beendete seine Schullaufbahn 1920 mit dem Abitur an der Oberrealschule München. Ab 1919 war er Zeitfreiwilliger bei einem Freikorps. Ab 1920 studierte er an der Ludwig-Maximilians-Universität München Chemie. An der Technischen Hochschule in München war er für drei Semester (Winterhalbjahr 1920/21 bis Winter-Halbjahr 1921/22) Hospitant in der landwirtschaftlichen Abteilung. 1921 wurde er Mitglied des Corps Suevia München. Mit einer Doktorarbeit beim Nobelpreisträger Richard Willstätter über ein Thema aus der Fermentchemie wurde er 1925 zum Dr. phil. (magna cum laude) promoviert.

Erste Berufstätigkeit bei der BASF

Ab 1. April 1926 war er bei der BASF im neu gegründeten Biolabor des Werkes Oppau mit biochemischen Studien der Ferment- und Vitamin-Forschung tätig und anschließend mit der Chemie des Kautschuks und der Harze befasst. 1930 verbrachte er einen einjährigen Studienaufenthalt in Sumatra, Malakka und Ceylon. In Sumatra arbeitete er ein halbes Jahr in den Laboratorien der Rubber Cultuur Maatschappij Amsterdam (Acomo N.V) unter Ernst Fickendey. Ziele dieser von Carl Bosch befürworteten Reise waren, die Gewinnung des natürlichen Kautschuks vor Ort zu studieren und Informationen zu den Erzeugungskosten des natürlichen Kautschuks im Wettbewerb zum synthetischen Kautschuk zu sammeln.

Karriere innerhalb der I.G. Farben

Nach seiner Rückkehr arbeitete Ambros in verschiedenen I.G.-Werken, um seine Kenntnisse auf dem Farben- und Zwischenproduktgebiet zu erweitern. 1934 erhielt er Gesamtprokura für die I.G. Farben in Frankfurt und die Zweigniederlassungen in Ludwigshafen, Leverkusen, Uerdingen und Bitterfeld.

1935 übernahm Ambros als Chemiker die Verantwortung für die Entwicklung der Buna-Synthese und den Aufbau des ersten Buna-Werks der I.G. Farben in Schkopau. Die Grundsteinlegung fand am 24. April 1936 statt. Im Februar 1937 wurde Ambros zum stellvertretenden Geschäftsführer der neugegründeten Gesellschaft Bunawerke GmbH mit Sitz in Merseburg ernannt. Von 1937 bis Mai 1939 war Ambros Betriebsführer des Buna-Werks gemäß dem Gesetz zur Ordnung der nationalen Arbeit.

1938 begann der Aufbau des zweiten Buna-Werks in Hüls, das 1940 in Betrieb ging. Ambros wurde von Mai bis November 1938 zum Geschäftsführer bestellt und anschließend in den Aufsichtsrat der Chemische Werke Hüls GmbH berufen, einer gemeinsamen Gesellschaft von I.G. Farben und Bergwerksgesellschaft Hibernia AG.

Zu Beginn des Jahres 1938 erfolgte zunächst Ambros’ Bestellung zum stellvertretenden Vorstandsmitglied und schon Mitte 1938 zum Vorstandsmitglied der I.G. Farben in Frankfurt und der Zweigniederlassungen in Frankfurt (Farbwerke vormals Meister Lucius & Brüning und Leopold Cassella & Co.), Wuppertal-Elberfeld (Bayer), Ludwigshafen (BASF), Leverkusen (Bayer), Berlin (Agfa), Bitterfeld (Chemische Fabrik Griesheim-Elektron) und Krefeld-Uerdingen (Chemische Fabriken vorm. Weiler ter Meer). Im gleichen Jahr übernahm Ambros die Leitung aller Betriebe der organischen Chemie im Werk Ludwigshafen und wurde Mitglied im Aufsichtsrat der Chem. Werke Hüls GmbH in Marl.

Von 1938 bis zum Kriegsende 1945 war Ambros Mitglied im Technischen Ausschuss (TEA) der I.G. Farben. Er beriet Carl Krauch ab 1940 bei der Erstellung des Vierjahresplans als Leiter der Abteilung Forschung und Entwicklung. Am 18. Oktober 1938 wurde er Mitglied im Chemikalien-Ausschuss und am 14. März 1940 Vorsitzender der Kommission für Waschrohstoffe. 1940 wurde Ambros zum Geschäftsführer der Luranil Bau GmbH bestellt.

Ambros war federführend beteiligt an der großtechnischen Herstellung der chemischen Kampfstoffe Sarin und Tabun, die von Gerhard Schrader entdeckt worden waren.

Im Juli 1942 wurde beim Rüstungslieferungsamt die „Arbeitsgruppe K“ für die kriegswichtige Fertigung von Kampfstoffen eingerichtet, die später unter der Bezeichnung „Sonderausschuss C“ fortgeführt wurde. Otto Ambros wurde zu ihrem Leiter ernannt. Der Chemiker Jürgen von Klenck war sein Stellvertreter. Der Sonderausschuss C war ebenso wie die Sonderausschüsse Pulver und Sprengstoff ab Herbst 1942 in den neugegründeten Hauptausschuss Pulver und Sprengstoffe (Leitung: Generaldirektor Otto Sarrazin, Vorstand der WASAG und der WASAG Chemie) eingegliedert. Der Sonderausschuss C koordinierte die drei zugeordneten Ausschüsse zu den Arbeitsgebieten Kampfstoffe (Leitung: Otto Ambros/Ludwigshafen), Nebelstoffe (Leitung: Carl Wurster/Ludwigshafen) und Aktivkohlen (Leitung: Niemann/Leverkusen). Aufgabe des Sonderausschusses C war, jeweils bis zum 15. eines Monats die Produktionsentwicklung der Kampfstoffe zu überprüfen und alles Erforderliche zur Produktionssicherung zu unternehmen. Produziert werden sollten die neu entwickelten Kampfstoffe Tabun am Standort Dyhernfurth und Sarin an den Standorten Dyhernfurt und Falkenhagen sowie zahlreiche schon im Ersten Weltkrieg eingesetzten Kampfstoffe, insbesondere Lost am Standort Gendorf.

Als Wehrwirtschaftsführer für „Chemische Kampfstoffe“ erläuterte Ambros Mitte Mai 1943 im Führerhauptquartier Adolf Hitler persönlich die Auswirkungen der Nervengase Sarin und Tabun. Fehlende oder zu geringe Materialzuteilungen verzögerten allerdings regelmäßig den Neubau und die Kapazitätserweiterung von bestehenden Produktionsanlagen. Fachpersonal für Montage und Betrieb der Produktionsanlagen fehlte an allen Standorten. Anlagen zur Vorproduktherstellung waren in den Kriegsjahren durch gegnerische Luftangriffe beschädigt worden, sodass ein Mangel an für die Kampfstoffproduktion notwendigen Vorprodukten (Toluol, Methanol, Natriumcyanid, Äthylenoxid u. a.) entstand, der zu einer Einschränkung der Produktion von Tabun und Lost zugunsten der Herstellung von Pulver und Sprengstoffen zwang.

Otto Ambros und der Hauptleiter der Zentralbuchhaltung der I.G. Farben, Paul Dencker, waren seit 1941 Geschäftsführer der Anorgana GmbH, der Tochtergesellschaft der I.G. Farben, die in ihren von der I.G. Farben ausgelagerten Betriebsstätten in Gendorf (Oberbayern) und Dyhernfurth (Schlesien) die Kampfstoffe Direkt-Lost, Tabun und Sarin herstellen sollte. Die Versuchsanlage für Sarin in Dyhernfurth (Sarin I) mit einer Leistung von 100 Monatstonnen war am 1. Februar 1944 zu 70 % fertiggestellt und sollte zum 1. Januar 1945 in Betrieb gehen. Für den Betrieb der Sarin-Anlage am Standort Falkenhagen (Mark) (Sarin II) mit einer Leistung von 500 Monatstonnen wurde am 3. September 1943 die Turon GmbH als gemeinsame Gesellschaft von I.G. Farben und Verwertungsgesellschaft für Montanindustrie GmbH mit jeweils 50 % Gesellschaftsanteilen gegründet. Auch bei dieser Gesellschaft war Ambros als einer der Geschäftsführer tätig. Die Turon GmbH wurde im April 1944 in Monturon GmbH umbenannt, da befürchtet wurde, dass Post mit Unterlagen, die der Geheimhaltung unterliegen, an die 1935 gegründete, namensgleiche Gesellschaft Turon Gesellschaft für pharmazeutische Präparate mbH mit Sitz in Frankfurt zugestellt werden könnte. Die Turon beantragte 1943 die Befreiung von einzelnen handelsrechtlichen Vorschriften aus Gründung der Geheimhaltung, sodass zu dieser Gesellschaft und auch zur Monturon GmbH keine Veröffentlichungen in öffentlichen Anzeigern zu finden sind.

Sarin I und Sarin II gingen bis Kriegsende nicht in Betrieb. Bis Kriegsende war daher die Versuchsanlage in Heidkrug bei Munster die einzige Produktionsanlage für Sarin mit einer theoretischen Monatsleistung von 40 Tonnen Sarin. Ein nennenswerter Vorrat an Sarin wurde bis Kriegsende nicht aufgebaut.

Innerhalb der I.G. Farben wurde am 20. Juni 1930 die Kunststoffkommission gegründet, die die Arbeiten innerhalb des I.G. Forschungs- und Entwicklungsapparats koordinierte und als Plattform für den wissenschaftlichen Austausch diente. Die Sitzungsprotokolle wurden regelmäßig der übergeordneten Kommission für Kunststoffe und Buna übermittelt, der seit 15. November 1938 das Vorstandsmitglied Otto Ambros vorsaß.

Anúncio

Bald in der World in Stories App

Audio, Offline-Download, keine Werbung und mehr.

Premium entdecken
Otto Ambros (Chemiker) | World in Stories