An diesem Tag

Otto Abetz

Deutscher NS-DAP Botschafter in Paris während des Zweiten Weltkriegs

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Otto Abetz (* 26. März 1903 in Schwetzingen; † 5. Mai 1958 bei Langenfeld) war ein deutscher Kunstlehrer, Diplomat und SS-Brigadeführer. Während des Zweiten Weltkriegs war er von August 1940 bis 1944 Botschafter Deutschlands im besetzten Frankreich.

Er wurde 1945 verhaftet, im Juli 1949 zu 20 Jahren Zwangsarbeit verurteilt und im April 1954 entlassen. Er arbeitete für die Rheinisch-Westfälische Zeitung und kam im Mai 1958 bei einem Autounfall ums Leben.

Studium und Frankreichkontakte

Otto Abetz war ein jüngerer Bruder des Forstwissenschaftlers Karl Abetz.

Zunächst studierte er an der Technischen Hochschule Karlsruhe. Ebenfalls in Karlsruhe wurde er anschließend Kunsterzieher und Biologielehrer an einer Mädchenschule. Dabei engagierte er sich nebenbei für die deutsch-französische Verständigung nach dem Ersten Weltkrieg. Abetz war Teil der Bündischen Jugend insofern, als er die Sohlberg-Treffen von Jugendlichen aus deutschen und französischen Jugendverbänden gründete, die sich 1930 erstmals in einer Herberge am Sohlberg im Schwarzwald trafen. Aus diesen Treffen entwickelte sich eine feste Gruppe, der Sohlbergkreis, dessen Zeitschrift Abetz als Präsident mit herausgab. Abetz war bei seinen französischen Gästen sehr beliebt. Sie hatten das Gefühl, dass Abetz sich ernsthaft für die nach dem Ersten Weltkrieg darniederliegende deutsch-französische Verständigung einsetzte. In seiner Jugend hatte Abetz den Sozialisten und Pazifisten nahegestanden.

Seit 1930 stand Abetz der NSDAP nahe, die in der Außenpolitik Revanche für den Sieg Frankreichs im Ersten Weltkrieg und die Revision des Versailler Vertrages anstrebte. Frankreich wurde unter anderem als Verursacher der hohen deutschen Reparationsleistungen, der Abtretungen von Posen und Westpreußen an Polen, des Verlustes von Danzig, der internationalen Isolierung und des Verlustes der Weltmachtrolle Deutschlands angesehen. Abetz unterhielt später Kontakte zu französischen Rechtskreisen, darunter französische Faschisten. Diese sympathisierten mit den Nationalsozialisten, strebten eine Diktatur an, bekämpften demokratische Ideale, wollten Sozialdemokratie und Kommunismus unterdrücken und teilten den Antisemitismus der Nationalsozialisten. Dabei tendierten sie dazu, die Bedeutung des deutschen Revanchismus und die antifranzösische Haltung der Nationalsozialisten zu unterschätzen. Abetz unterhielt daher Kontakte zu Verbänden der ehemaligen Frontkämpfer in Frankreich sowie zu französischen Intellektuellen, vorwiegend aus dem rechten Lager. Er war mit dem Herausgeber von Notre Temps, Jean Luchaire, befreundet und heiratete dessen Sekretärin Suzanne de Bruycker, eine Französin.

Mitarbeiter der Dienststelle Ribbentrop, 1934–1940

1934 wurde er bei Reichsjugendführer Baldur von Schirach Frankreich-Referent; im Januar 1935 trat er in die Dienststelle Ribbentrop von Joachim von Ribbentrop ein und war ein persönlicher Vertrauter Ribbentrops. Ribbentrop brauchte einen erfahrenen Frankreichkenner und überzeugten Nationalsozialisten, um eine neue Außenpolitik der NSDAP in Frankreich in Konkurrenz zu der des Auswärtigen Amtes zu betreiben. Nach dem Verbot der 1928 von Otto Grautoff gegründeten Deutsch-französischen Gesellschaft im Jahre 1934 gründete Abetz im Auftrag Hitlers im Herbst 1935 eine neue Deutsch-französische Gesellschaft und wurde deren Geschäftsführer. Zum 1. August 1935 trat er in die SS ein (SS-Nummer 253.314). Am 31. Dezember 1937 beantragte er schließlich die Aufnahme in die NSDAP und wurde rückwirkend zum 1. Mai desselben Jahres aufgenommen (Mitgliedsnummer 7.011.453).

Die Franzosen waren seit der Machtübernahme der Nationalsozialisten sehr misstrauisch gegenüber Deutschland. Sie fürchteten die Revanchegelüste der deutschen Konservativen und vor allem der Nationalsozialisten. Bei zahlreichen Aufenthalten in Frankreich hielten Abetz und seine Gesinnungsgenossen aus der Deutsch-Französischen Gesellschaft wie Friedrich Grimm viele Vorträge, in denen sie für das nationalsozialistische Deutschland und dessen neue friedliche Politik gegenüber Frankreich warben. Deutschland wolle keine Revanche für Versailles, sondern strebe nur friedliche Veränderungen in Europa in Abstimmung mit seinen Nachbarn an. Es gelang Abetz, für diese Sichtweise Zustimmung bei den französischen Frontkämpferverbänden und ihren Führern Jean Goy und Henri Pichot zu gewinnen. Der konservative, den französischen Faschisten um die Action Directe nahestehende Journalist, Fernand de Brinon, unterstützte Abetz’ Bemühungen, Frankreich ein positives Bild des nationalsozialistischen Deutschlands zu vermitteln. Er fungierte als weitgehend unkritischer Interpret von Hitlers Beschwichtigungspolitik. Mit ihm und anderen Sympathisanten Nazideutschlands gründete Abetz 1935 das Comité France-Allemagne. Ziel dieser vorgeblichen Annäherungs-Politik durch Abetz und die deutsche Regierung war es, die französische Nation in ihrem Widerstandswillen gegenüber Deutschland zu spalten und so eine günstige Ausgangslage für den geplanten Krieg mit Frankreich zu schaffen.

Als es nach dem Münchner Abkommen und der gewaltsamen Beseitigung des tschechoslowakischen Staates 1939 zunehmend schwieriger wurde, glaubhaft für die angebliche Friedenspolitik Deutschlands gegenüber Frankreich zu werben, wendete sich für Abetz zunächst das Blatt. Am 30. Juni 1939 wurde er aus Frankreich ausgewiesen.

Gleich nach dem Ende des Frankreichfeldzuges kehrte Abetz mit den ersten deutschen Truppen am 15. Juni 1940 nach Paris zurück und übernahm in der deutschen Botschaft die Aufgaben eines deutschen Gesandten. Tatsächlich war er eine Art Statthalter des Deutschen Reiches im unterlegenen Frankreich. Frankreich war zu zwei Dritteln von Deutschland besetzt. Im restlichen Teil hatte Pétain den État français gegründet. Abetz teilte sich die Macht mit dem Militärbefehlshaber der Wehrmacht. In allen politischen Fragen musste sich der Militärbefehlshaber mit Abetz abstimmen.

Botschafter im besetzten Frankreich, 1940–1944

Im August 1940 wurde Abetz zum Botschafter des Deutschen Reiches bei der Pétain-Regierung berufen. Formell war er nur Bevollmächtigter des Auswärtigen Amtes in Frankreich, da der Kriegszustand mit Frankreich noch andauerte. Abetz war mit 37 Jahren jüngster deutscher Botschafter überhaupt. Abetz’ Dienstsitz befand sich allerdings in Paris (Palais Beauharnais, Rue de Lille) und nicht in Vichy, dem Sitz der französischen Kollaborationsregierung. Dort unterhielt Abetz eine Zweigstelle der Botschaft. Pétain und fast allen Vertretern der französischen Regierung war es nicht gestattet, nach Paris zu kommen; Abetz suchte ihn gelegentlich in Vichy auf.

Als Botschafter hatte Abetz die Kontrolle über alle politischen Fragen im besetzten wie auch im unbesetzten Frankreich. Abetz war Berater der deutschen Militärs, aber auch der deutschen Polizei in politischen Fragen. An der Deportation der französischen Juden nach Auschwitz war er maßgeblich beteiligt. Abetz drängte bei Eichmanns Frankreichbeauftragten Dannecker auf eine rechtzeitige Verteilung der 400.000 gelben Judensterne und sorgte für die Abstimmung der judenfeindlichen Maßnahmen mit der SS.

Aus einem Schreiben Heydrichs an Staatssekretär Luther wird deutlich, dass Abetz das Reichssicherheitshauptamt zum Handeln veranlasste und nicht umgekehrt. Er habe, so Heydrich am 20. September 1940, „gegen die Durchführung der von Herrn Botschafter Abetz im besetzten Frankreich geplanten Maßnahmen gegen Juden […] keine Bedenken“. Conze u. a. schätzen in ihrem Grundlagenwerk die Rolle Abetz’ bei der gesamteuropäischen Judenvernichtung als sehr wichtig ein; u. a. verweisen sie darauf, dass Hitler sich unmittelbar vor dem endgültigen Beschluss zur „Endlösung“, den sie auf den 17. September 1941 datieren, am 16. September mit Abetz und Ribbentrop getroffen hatte. Den Inhalt von Abetz’ Ausführungen sehen sie in einem Memorandum des Pariser „Judenreferenten“ Carltheo Zeitschel belegt, das er Abetz mit auf den Weg nach Berlin gab.

Abetz war seit seiner Ankunft 1940 am nationalsozialistischen Kunstraub im besetzten Frankreich beteiligt. Abetz’ Leute vom Sonderkommando Künsberg stahlen in großem Umfang Kunst. Die Botschaft und ein angemietetes Nebengebäude waren voller geraubter Kunstwerke. Abetz’ Versuch, 1500 Kunstwerke, die von den Franzosen aus dem Louvre ins Schloss Chambord ausgelagert worden waren, zu rauben, wurde in letzter Minute durch Einspruch der Wehrmachtsführung aus Berlin verhindert, die durch solche Raubaktionen eine Stärkung des französischen Widerstands gegen die Besatzungsmacht befürchtete. Von Abetz initiierte Raubaktionen gegen jüdischen Besitz (z. B. im Palais Rothschild in Paris) stießen dagegen auf keinen Widerspruch des Militärs. Den größten Teil der erbeuteten Bilder musste Abetz kurze Zeit später an den neu geschaffenen Einsatzstab Reichsleiter Rosenberg abtreten, der die Unterstützung von Hermann Göring hatte. Trotzdem hingen im Palais Beauharnais viele geraubte Bilder; auch in Ribbentrops Diensträumen im Auswärtigen Amt waren einige Bilder aus dem Kunstraub in Frankreich gelangt.

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