Ottó Herman (* 26. Juni 1835 in Breznóbánya, damals Königreich Ungarn, heute Slowakei; † 27. Dezember 1914 in Budapest) war ein ungarischer Naturforscher, Ethnologe und Politiker. Seine Arbeiten im Bereich der Entomologie, Ichthyologie und Ornithologie waren wegweisend für die wissenschaftliche Erschließung der Flora und Fauna Ungarns.
Ottó Herman (auch Otto Hermann) wurde am 26. Juni 1835 im damals oberungarischen Breznóbánya (heute Brezno, Slowakei) geboren. Sein Vater war Arzt und Klassenkamerad des Ornithologen Salamon János Petényi. Seine Familie stammte ursprünglich aus dem Obersächsischen (sein Vater war Zipser Sachse). 1847 zogen seine Eltern mit ihm und seinen jüngeren Geschwistern in die ostungarische Stadt Miskolc um. Als 13-jähriges Kind erlebte er die erfolglose ungarische Revolution von 1848/1849 mit prägenden Erinnerungen für spätere Beteiligungen an politischen Freiheitskämpfen.
Nach dem Abitur in Miskolc verbrachte er ein Volontariat am Wiener K.u.k. Hof-Naturalienkabinett und der Sammlung des Schweizer Entomologen Karl Brunner-von Wattenwyl. Von 1853 bis 1856 studierte er am Polytechnischen Institut Wien. 1863 beteiligte er sich am polnischen Januaraufstand und bei seiner Rückkehr nach Miskolc kam er 1864 in Kontakt mit dem Naturwissenschaftler Sámuel Brassai aus Cluj (Klausenburg). In den darauffolgenden Jahren arbeitete er als Konservator im Museum des Siebenbürgischen Museum-Vereins, wo er die zoologische Sammlung einrichtete und erste wissenschaftliche Arbeiten verfasste.
Die Königliche Ungarische Naturwissenschaftliche Gesellschaft wurde auf seine Studien aufmerksam und suchte ihn für ihre Arbeit zu gewinnen. 1875 erhielt er eine Anstellung an der Zoologischen Abteilung des Ungarischen Nationalmuseums (MNM). Als Mitglied der Unabhängigkeitspartei wurde er 1879 gewähltes Mitglied des Parlaments; erst als Vertreter für Szeged, ab 1893 für Miskolc. 1885 heiratete er Kamilla Borosnyay (1856–1916).
Bis Ende der 1880er Jahre bereiste und beforschte er Großkumanien, das Bakonygebirge, die Schomodei und Siebenbürgen. Von 1888 bis 1891 unternahm er eine Forschungsreise nach Norwegen.
1891 organisierte er in Budapest den 2. Internationalen Ornithologischen Kongress. Seine Ausstellung auf der Pariser Weltausstellung 1900 erntete vielbeachtete Kritik und brachte ihm eine Mitgliedschaft in der französischen Ehrenlegion. Er gründete 1893 die ungarische Vogelwarte, 1904 die Gesellschaft für Ungarische Sprachwissenschaft (Magyar Nyelvtudományi Társaság). Herman starb 1914 im Alter von 79 Jahren an den Folgen einer Lungenentzündung.
Herman ist Autor zahlreicher v. a. ornithologischer Bücher. Er veröffentlichte auch Gedichte (mit János Arany, Mihály Tompa und Sándor Petőfi), worin er seine Liebe zur Welt der Vögel zeigt. Ottó Herman warb aktiv für den Vogelschutz.
1900: Ungarischer Pavillon auf der Weltausstellung Paris
1879: Ungarns Spinnen-Fauna I-III, K. U. Naturwissenschaftlichen Gesellschaft, Budapest
1881: Sprache und Wissenschaft, Franklin, Budapest
1885: Urgeschichtliche Spuren in den Gerathen der Ungarischen Volksthümlichen Fischerei, Franklin, Budapest
1891: J.S. v. Petényi der Begründer der wissenschaftlichen Ornithologie in Ungarn. 1799-1855, Zweiter Internationaler Ornithologischer Congress, Budapest
1899: Vom Zuge der Vögel auf positiver Grundlage, Ungarische Ornithologische Centrale, Budapest
1901: Vogelschutz, Ungarische Ornithologische Centrale, Budapest
1902: Die Bedeutung der Anatomie der Vögel, Herman, Budapest
1906: Formenkreise und Ornithophaenologie, Ungarische Ornithologische Centrale, Budapest
1906: Zum Solutréen von Miskolez, Anthropologischen Gesellschaft, Wien
1910: Nutzen und Schaden der Vögel, Willy Scheibe, Gera