Otello ist eine Oper in vier Akten des Komponisten Giuseppe Verdi mit einem Libretto von Arrigo Boito nach dem gleichnamigen Schauspiel Othello von William Shakespeare. Die Uraufführung fand am 5. Februar 1887 an der Mailänder Scala statt.
Die Oper spielt Ende des 15. Jahrhunderts auf Zypern. Der in Diensten Venedigs stehende Feldherr Otello kehrt mit seinem Schiff bei einem gefährlichen Unwetter siegreich vom Türkenkrieg in seine Hafenstadt zurück. Otello (italienische Variante von Othello) wird als „Mohr“ bezeichnet und stammt demnach aus einem fremden Kulturbereich; man darf ihn sich also als („muslimischen“) Mauren vorstellen, auch wenn er in vielen Inszenierungen ein Afrikaner dunkler Hautfarbe war. Jubelnd empfangen ihn seine Untergebenen und das Volk, mit Ausnahme von Jago. Jago ist dem „Mohren“ nicht wohlgesinnt, da er sich durch Otello bei der Beförderung Cassios zum Hauptmann übergangen fühlt. Jago fasst einen Racheplan. Als erstes will er Cassio beseitigen. Bei einer Freudenfeier über die Rückkehr Otellos macht Jago Cassio betrunken. Dann versteht er es, Roderigo, der ebenso wie Cassio Otellos Frau Desdemona anbetet, auf Cassio zu hetzen. Cassio zieht den Degen, und, als der frühere Statthalter Montano den Streit schlichten will, verletzt er diesen mit dem Degen. Otello erscheint, und ihm wird der Vorfall mitgeteilt. Daraufhin degradiert er Cassio. Das Volk wird nach Hause geschickt. Otello ist mit seiner Desdemona allein, und beide versichern einander ihre Liebe.
Ein ebenerdiger Saal im Schloss
Scheinheilig rät Jago Cassio, er solle versuchen, bei Desdemona deren Fürbitte für ihn bei Otello zu erwirken. Nachdem Cassio gegangen ist, offenbart sich Jago in seinem Credo: „Ich glaube an einen grausamen Gott“. Genau im richtigen Augenblick erscheint Otello. Jago lenkt ganz unauffällig Otellos Aufmerksamkeit auf Cassio, der gerade mit Desdemona spricht. Als Desdemona dann Otello wegen der Begnadigung Cassios anspricht, weist er sie barsch zurück. Auf die Nachfrage Desdemonas nach dem Grund seiner Verstimmung redet Otello etwas von Kopfschmerzen. Desdemona will ihm ein Tuch um den Kopf binden, welches Otello aber zu Boden wirft. Emilia, die Kammerfrau Desdemonas und Gattin Jagos, hebt es auf, Jago allerdings nimmt es ihr weg und steckt es selbst ein. Verwirrt entfernen sich die Frauen. Sogleich versteht es Jago zu intrigieren. Er spricht Otello gegenüber davon, dass Cassio im Schlaf von Desdemona redet. Otellos Misstrauen ist geweckt. Er verlangt aber Beweise. Jago erzählt, dass er bei Cassio ein weißes Spitzentüchlein gesehen habe, welches Otello einst Desdemona schenkte. Da schwört Otello Rache. Jago stimmt mit ein.
Jago und Otello verabreden sich im Hauptsaal des Schlosses. Da erscheint Desdemona. Otello heuchelt ihr Kopfschmerzen vor und fragt dabei unauffällig nach dem Taschentuch. Desdemona versichert ihm, dass sie es verloren habe. Als sie danach noch ahnungslos um Fürsprache für Cassio bittet, beschimpft er sie als Dirne und drängt sie hinaus. Jago meldet Cassios Nahen, und Otello versteckt sich. Geschickt verwickelt Jago Cassio in ein zweideutiges Gespräch, das den bei Otello erzeugten Verdacht erhärtet. Zugleich hat Jago insgeheim Cassio das Spitzentüchlein zugespielt, das Otello, rasend vor Wut, sodann in Cassios Händen sieht („Il fazzoletto! Il fazzoletto!“). Als Cassio gegangen ist, tritt Otello aus seinem Versteck hervor. Zuerst will er seine Frau vergiften, doch Jago rät ihm, sie im Bette zu erwürgen, dort wo sie gesündigt habe. Dann erscheint eine Delegation aus Venedig, die Otello aufträgt, sich sofort nach Venedig einzuschiffen. Cassio wird in der Zwischenzeit sein Stellvertreter. Der Name Cassio bringt Otello abermals in Wut. Und wieder tritt Desdemona hervor und setzt sich für Cassio ein. Otello schleudert Desdemona zu Boden, und als das Volk gegen den Rasenden protestieren will, jagt Otello dieses davon. Dann bricht er vor Erschöpfung zusammen. Jago triumphiert.
Desdemona bereitet sich auf die Bettruhe vor. Sie entlässt Emilia, singt ein trauriges Lied („Canzone del salice“, das Lied von der Weide), betet und legt sich hin. Da erscheint Otello. Er löscht das Licht, küsst sie dreimal. Desdemona erwacht. Den Beteuerungen ihrer Treue und Liebe schenkt er keinen Glauben. Otello erwürgt sie. Emilia kommt in die Kammer gestürmt, sieht die sterbende Desdemona und schreit. Cassio, Ludovico und Jago eilen herbei. Durch Emilias Aussage und die von dem hinzukommenden Montano wiedergegebenen letzten Worte Roderigos, der im Kampf gegen Cassio doch unterlegen ist, wird plötzlich klar, dass Jago für alles verantwortlich ist. Jago flieht. Otello tritt zu der ermordeten Geliebten, und ehe es die Umstehenden verhindern können, stößt er sich einen Dolch ins Herz. Sterbend erinnert er sich an seine Liebe zu Desdemona.
Die Orchesterbesetzung der Oper umfasst die folgenden Instrumente:
Holzbläser: drei Flöten (3. auch Piccolo), zwei Oboen, Englischhorn, zwei Klarinetten, Bassklarinette, vier Fagotte
Blechbläser: vier Hörner, zwei Kornette, zwei Trompeten, drei Posaunen, Bassposaune
Pauken, Schlagzeug: zwei große Trommeln, Becken, Tamtam
Bühnenmusik auf der Szene: Mandoline, Gitarre (oder zwei Harfen), Sackpfeife (oder zwei Oboen)
Bühnenmusik hinter der Szene: drei Althörner, zwei Pistons (oder Kornette), sechs Kornette, zwei Trompeten, drei Posaunen, Orgel, Kanone
Der Musikverleger Giulio Ricordi veröffentlichte eine Disposizione Scenica mit detaillierten Angaben über die Charaktere, die Szene und die Bühnenhandlung, welche Verdi und Boito gemeinsam verfasst hatten. Die Bühnenmusik sah demnach die folgenden Instrumente vor:
Erster Akt: zwei Trompeten, große Trommel für den Donner und den Kanonenschuss, Orgel für das Nachahmen von Donnergrollen, zwei Bleche zum Nachahmen von Donnergetöse, drei große Glocken für das Sturmläuten
Zweiter Akt: Oboe, fünf bis sechs Mandolinen, fünf bis sechs Gitarren, Harmonium
Dritter Akt: zwölf Trompeten, große Trommel für den Kanonenschuss
Otello gehört mit Falstaff zu Verdis Spätwerken.
Verdi war stets auf der Suche nach neuen Librettisten. Es fiel ihm Arrigo Boito auf, der Komponist und Librettist war. Verdi war offenbar bei der Uraufführung dessen Oper Mefistofele am 5. März 1868 an der Mailänder Scala anwesend. Er fand das Werk interessant, nur das Dirigat schlecht. Boitos einzige vollendete Oper Mefistofele fasst die beiden Teile von Goethes Faust zusammen. Bezeichnenderweise gibt es eine Beziehung zwischen Boitos Mefistofele-Text und seinem später für Verdi geschriebenen Otello. Mefistofele hat wie Jago in Otello ein Credo als großer Nein-Sager. Das Abgründige hat Boito angetrieben, auch in anderen Operntexten wie in seinem Libretto für Amilcare Ponchiellis La Gioconda oder in Otello. Die 1875 für Bologna überarbeitete Oper Mefistofele gilt als zentrales Werk der Phase zwischen Verdi und Puccini.