Die Ostsee (auch Baltisches Meer, lateinisch Mare Balticum) ist ein fast vollständig von Land umschlossenes Binnenmeer im Norden Europas. Sie grenzt an neun Staaten und steht über die dänischen Meerengen mit der Nordsee in Verbindung. Die Ostsee liegt komplett auf dem Kontinentalschelf und ist somit ein Epikontinentalmeer, was ihre relativ geringe mittlere Tiefe von etwa 55 Metern begründet. Die tiefste Stelle liegt mit 459 m im Landsorttief südlich von Stockholm. Mit einer Fläche von rund 390.000 km² und einem Volumen von etwa 21.000 km³ zählt sie zu den größten Brackwassermeeren der Erde.
Geprägt ist die Ostsee durch ihren geringen Salzgehalt, den eingeschränkten Wasseraustausch und die starke Schichtung des Wasserkörpers. Diese Faktoren machen sie ökologisch besonders empfindlich, aber auch zu einem bedeutenden Forschungsgebiet für Klima-, Umwelt- und Meereswissenschaften.
Als wirtschaftlich und politisch wichtiger Raum ist sie zugleich Verkehrsweg, Energie- und Fischereiregion sowie Schauplatz internationaler Kooperation – und zunehmend geopolitischer Spannungen, sichtbar z. B. im Falle des Anschlags auf die Nord-Stream-Pipelines oder die Drohnen-Zwischenfälle auf dänischen und schwedischen Flughäfen.
Der Name „Ostsee“ ist in den germanischen Sprachen verbreitet – Østersøen (dänisch), Östersjön (schwedisch), Oostzee (niederländisch) – und spiegelt die östliche Lage aus Sicht der nordwesteuropäischen Länder wider.
In vielen anderen Sprachen heißt das Meer dagegen „Baltische See“ oder „Baltisches Meer“, in Anlehnung an die lateinische Bezeichnung Mare Balticum, die erstmals im 11. Jahrhundert von Adam von Bremen in seiner Gesta Hammaburgensis ecclesiae pontificum erwähnt wurde.
Der Ursprung des Wortes „Baltic-“ ist nicht eindeutig geklärt. Möglicherweise leitet es sich vom altnordischen Belt (für die dänischen Meerengen) oder vom litauischen Wort baltas („weiß“) ab, das in der Hydronymie häufig für helle oder klare Gewässer steht. In antiken Quellen wurde das Meer auch als Mare Suebicum (nach den Sueben) oder Aestenmeer (nach dem Volk der Ästier) bezeichnet.
Das Becken der Ostsee ist ein tektonisch altes Senkungsgebiet, das Teil des Baltischen Schilds ist – einer der ältesten geologischen Strukturen Europas. Das Grundgebirge besteht aus kristallinen Gneisen und Graniten, die im Präkambrium entstanden und damit bis zu 1,8 Milliarden Jahre alt sind. Darüber lagern Sedimentgesteine jüngeren Alters, die in den Senken und Becken abgelagert wurden. Besonders im südlichen Teil der Ostsee finden sich Sandsteine, Tone und Kalksteine aus dem Mesozoikum und dem Paläozoikum, die von den Eiszeiten überprägt wurden.
Die heutige Gestalt der Ostsee ist nicht das Ergebnis tektonischer Prozesse, sondern das Produkt der Weichsel-Kaltzeit, der letzten Eiszeit, die bis etwa 11.700 Jahre vor heute andauerte.
Die mächtigen Gletscher modellierten das Relief, schürften Rinnen und Becken aus und hinterließen nach ihrem Rückzug ein stark gegliedertes Unterwasserrelief mit Rinnen, Becken und Schwellen.
Nach dem Abschmelzen der skandinavischen Eismassen bildete sich schrittweise ein neues Meeres- und Seensystem. Dabei wechselten sich Phasen von Süß- und Salzwassereinfluss ab. Diese Entwicklungsphasen sind heute durch Sedimentanalysen, Fossilfunde und Isotopenmessungen gut belegt.
Diese Abfolge zeigt, dass die Ostsee in wenigen Jahrtausenden mehrfach ihren Charakter änderte – von einem See über ein Brackwassermeer zum heutigen komplexen Übergangssystem zwischen Süß- und Salzwasser.
Postglaziale Landhebung und Küstenentwicklung
Nach dem Rückzug der Gletscher hob sich das zuvor vom Gewicht der Eismassen niedergedrückte skandinavische Land wieder – ein Prozess, der bis heute anhält und als isostatische Landhebung bezeichnet wird.
In Finnland und Nordschweden steigt das Land noch immer um bis zu 8 mm pro Jahr, während sich der südliche Ostseeraum (Deutschland, Polen, Baltikum) leicht absenkt. Dadurch verändern sich Küstenverläufe, Tiefenprofile und Wasserstände stetig.
Im Verlauf der letzten 8.000 Jahre entstanden die typischen Küstenformen der Ostsee:
im Norden die felsigen Schärenküsten,
im Westen die durch Gletscherzungen geformten Förden,
im Süden die flachen Bodden- und Haffküsten,