Als Ostjerusalem wird der Teil von Jerusalem bezeichnet, der seit dem Palästinakrieg 1948 von Jordanien besetzt war, bis er im Sechstagekrieg 1967 von Israel erobert wurde. Aus israelischer Sicht ist Ostjerusalem heute Teil des vereinigten Jerusalem einschließlich der Teile des Westjordanlandes, die von Israel zum Jerusalemer Stadtgebiet erklärt wurden. Die 1980 durch das Jerusalemgesetz erfolgte Annexion des im Sechstagekrieg 1967 eroberten Gebiets wurde von der internationalen Staatengemeinschaft ebenso wenig anerkannt wie die vorangegangene Annexion Ostjerusalems durch Jordanien im Jahr 1950. Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen verabschiedete mehrere Resolutionen, die die Annexion oder deren Vorbereitung verurteilten. Zudem erklärte der Sicherheitsrat die israelische Annexion Ostjerusalems für nichtig. Der Internationale Gerichtshof erklärte 2024 in einem unverbindlichen Rechtsgutachten die israelische Besatzung Ostjerusalems mitsamt Siedlungen für völkerrechtswidrig und forderte Israel auf, diese Besatzung zu beenden.
Aus palästinensischer Sicht ist Ostjerusalem, für einige Palästinenserorganisationen auch ganz Jerusalem, das unter dem arabischen Namen al-Quds (القدس bzw. القدس الشريف al-Quds asch-scharīf; wörtlich „die heilige [Stadt]“ oder „die ehrenwerte [Stadt]“) bekannt ist, die Hauptstadt eines zukünftigen Palästinenserstaates.
2017 erkannte die Organisation für Islamische Zusammenarbeit Ostjerusalem als Hauptstadt Palästinas an.
Ostjerusalem umfasst die Altstadt von Jerusalem und die östlich anschließenden Bezirke einschließlich des biblischen Ölbergs. In Ostjerusalem liegen einige der heiligsten Stätten von Judentum, Christentum und Islam, darunter die Kotel (die Westmauer des Tempels), der Tempelberg mit dem Felsendom und der Al-Aqsa-Moschee, und die Grabeskirche. Zu den bekannten Bezirken von Ostjerusalem gehören Bab az-Zahira, Scheich Dscharrah und Wadi el-Joz.
Der politische Status Ostjerusalems und die israelischen Siedlungen sind weiterhin ein zentraler Punkt des Nahostkonflikts (Jerusalemfrage). Nach dem Ende des Osmanischen Reiches und der darauffolgenden britischen Verwaltung Jerusalems sollte die Stadt unter internationale Verwaltung gestellt werden. Dieser Plan, der im Rahmen des UN-Teilungsplans von 1947 ausgearbeitet worden war, scheiterte jedoch, da die arabisch-palästinensische Seite den Teilungsplan pauschal ablehnte. Im Verlauf des Palästinakriegs wurde Ostjerusalem von jordanischen Truppen besetzt, jüdische Bewohner wurden aus der Altstadt vertrieben, jüdische Häuser und die Hurva-Synagoge zerstört. Der Krieg endete mit dem 1949 zwischen Israel einerseits und Ägypten, Jordanien, Libanon und Syrien andererseits geschlossenen Waffenstillstandsabkommen. Mit diesem wurde vereinbart, dass Jordanien seine Truppen in Ostjerusalem behält. Später wurde Ostjerusalem Teil Jordaniens und völkerrechtswidrig annektiert.
Im Sechstagekrieg wurde Ostjerusalem nach vorangegangenen Angriffen Jordaniens auf Westjerusalem durch die israelische Armee erobert. Israel beansprucht heute ganz Jerusalem einschließlich der östlichen Stadtteile als seine Hauptstadt und annektierte Ostjerusalem 1980 offiziell durch Knesset-Beschluss (Jerusalemgesetz). In zurückliegenden Friedensverhandlungen lehnte Israel eine vollständige Aufgabe Ostjerusalems zugunsten eines zukünftigen palästinensischen Staates ab. Begründet wird dies unter anderem mit den Erfahrungen vor 1967, als die jordanischen Besatzer jüdischen Menschen den Zugang zur Klagemauer und der ganzen Altstadt verwehrten, aber auch damit, dass Jerusalem vor 1948 nie Teil eines souveränen Staates gewesen sei und es somit keinen rechtlichen Anspruch der Palästinenser auf Ostjerusalem gebe. In den Augen kritischer Beobachter wird der Status quo durch den fortwährenden, staatlich geförderten Siedlungsbau von Israelis in dem vor 1967 vorwiegend arabisch bewohnten Stadtteil völkerrechtswidrig verfestigt. Zudem schneidet die von Israel offiziell zur Terrorabwehr errichtete Sperranlage, die in Jerusalem auch die Form einer Mauer hat, das Westjordanland zunehmend vom arabischen Teil Jerusalems ab.
Die Palästinenser lehnen den Anspruch Israels auf Ostjerusalem strikt ab und bestehen auf der Kontrolle des gesamten Stadtteils einschließlich des Tempelbergs. Sie berufen sich dabei auf verschiedene Resolutionen der Vereinten Nationen, die den Rückzug Israels aus besetzten Gebieten fordern und die Annexion Ostjerusalems durch Israel für völkerrechtswidrig erklärt haben. Jahrelang war Faisal Husaini im Orienthaus der Jerusalemer Vertreter der PLO und wurde als heimlicher Bürgermeister Ostjerusalems angesehen. Nach Husainis Tod im Jahr 2001 wurde das Orienthaus geschlossen. Der Präsident der palästinensischen Autonomiebehörde Mahmud Abbas lehnt Verhandlungen über eine zukünftige Lösung der Verwaltung Ostjerusalems seit 2008 kategorisch ab, solange Israel an Siedlungsprojekten in Ostjerusalem und im Westjordanland festhält. Doch schon seit dem Fatah-Hamas-Konflikt im Jahr 2006 verfügen die Palästinenser nicht mehr über einheitliche Forderungen bezüglich Ostjerusalems. Die von der Fatah kontrollierte Autonomiebehörde beansprucht in Friedensverhandlungen meist nur Ostjerusalem als Hauptstadt eines zukünftigen Palästinenserstaates, wenngleich ihre Charta eine „Ausrottung jeder ökonomischen und politischen zionistischen Existenz“ und „einen souveränen Staat auf dem Boden ganz Palästinas, mit Jerusalem als Hauptstadt.“ (Artikel 12 und 13) fordert. Die radikalislamische Hamas, die 2006 von einer relativen Mehrheit der Palästinenser gewählt wurde und über die Mehrheit der Parlamentssitze verfügt, erkennt Israel nicht an und fordert die Errichtung eines Gottesstaats auf dem Boden des heutigen Israels mit ganz Jerusalem als Hauptstadt. Finanziell und ideologisch unterstützt wird die Hamas von Syrien und Iran, die die Belange Jerusalems für ihre kontroverse Außenpolitik verwenden. So werden in regelmäßigen Abständen Kundgebungen und Gedenktage (wie der al-Quds-Tag) abgehalten, die an „das Ziel erinnern, Jerusalem zu befreien“. Hassan Nasrallah, der Anführer der schiitischen Hisbollah, bezeichnete Jerusalem als „das große Ziel und die große Schlacht unserer Zeit.“ In großen Teilen der arabisch-muslimischen Welt gilt der derzeitige Status Jerusalems nicht nur als Rechts-, sondern auch als Prestigeverlust.
Ende Juni 2014 beschloss Israels Regierung, über fünf Jahre 295 Millionen Schekel in Infrastruktur und Sicherheit Ostjerusalems zu investieren.
Im Vorfeld des Besuchs von US-Präsident Donald Trump im Mai 2017 kündigte Israels Bauminister Yoav Galant ein neues Siedlungsprojekt an. Dabei sollen 15.000 neue Wohnungen für jüdische Siedler in Ostjerusalem entstehen. 2018 wurde die US-Botschaft durch Trump nach Jerusalem verlegt, nachdem er dieses als offizielle Hauptstadt anerkannte.
Nichtjüdische Bewohner der Gebiete, die Israel 1967 im Sechstagekrieg eroberte und danach auch verfassungsrechtlich seinem Staatsgebiet eingliederte (Golan-Höhen und Ostjerusalem), wurden mit dieser Annexion nicht automatisch zu israelischen Staatsangehörigen. Wenn sie die israelische Staatsangehörigkeit erhalten möchten, müssen sie sich einbürgern lassen. Von dieser Möglichkeit machten nur wenige Gebrauch, zwischen 1980 und 1992 lediglich ein Prozent der Ostjerusalemer.
Die arabisch-palästinensischen Einwohner Ostjerusalems haben den Status von „Ständigen Einwohnern“, der es ihnen erlaubt, sich innerhalb Israels zu bewegen. Sie bekommen spezielle blaue ID-Karten und sind damit auch sozialversichert. Dieser Status kann ihnen entzogen werden, wenn sie sich mehrere Jahre außerhalb von Jerusalem aufhalten. Ein Besuch in drei Jahren reicht der israelischen Zeitung Haʾaretz zufolge aus, um den Status behalten zu dürfen. Wie sich anlässlich des Hungerstreiks des von breiten Teilen der deutschen Politik unterstützten Jerusalemer Palästinensers Firas Maraghy im Sommer 2010 vor der israelischen Botschaft in Berlin zeigte, hält sich Israel nicht an diese öffentlich kommunizierten Regelungen. So wurde Maraghy vom Innenministerium im Mai 2009 erklärt, er müsse trotz des Studiums seiner Frau in Deutschland bis spätestens Mai 2011 nach Ostjerusalem zurückkehren und dann für eineinhalb Jahre dort leben, um das Aufenthaltsrecht in seiner Heimatstadt nicht zu verlieren. Viele Palästinenser haben ihr Wohnrecht verwirkt, weil sie z. B. während eines Auslandsstudiums Fristen versäumt haben. Seit 1967 wurden 14.000 dieser „ständigen“ Aufenthaltsgenehmigungen entzogen, zuletzt auch wegen Terroraktivitäten von Familienangehörigen.