Die Ostfront war im Ersten Weltkrieg der Hauptschauplatz der Kriegshandlungen der Mittelmächte Deutschland und Österreich-Ungarn mit Russland. Das Kriegsgebiet umfasste große Teile Osteuropas und reichte nach dem Kriegseintritt Rumäniens 1916 schließlich vom Baltikum bis zum Schwarzen Meer. Im Gegensatz zum lange Zeit nahezu statischen Stellungskrieg an der Westfront fanden hier auch in der Mittelphase des Krieges größere Frontverschiebungen statt. Bedingt war dies unter anderem durch den aufgrund der geografischen Lage der Ostfront für die Mittelmächte erleichterten Truppenaustausch mit anderen Kriegsschauplätzen (vgl.: Innere Linie).
Entscheidend wirkte sich jedoch die deutsche Unterstützung der revolutionären Bolschewiki unter Lenin aus, die in der Oktoberrevolution von 1917 die Macht in Russland übernahmen. Starker Druck der Mittelmächte zwang das revolutionäre Sowjetrussland schließlich zum Separatfrieden von Brest-Litowsk vom März 1918, erkauft vor allem durch die Preisgabe der wirtschaftlich bedeutenden Ukraine. Dieser Vorteil für die Mittelmächte wirkte sich vor allem aufgrund des zwischenzeitlichen Kriegseintritts der USA jedoch nicht auf das Ergebnis des Krieges aus. Die Auflösung der Vielvölkerstaaten Russland und Österreich-Ungarn und die Bildung neuer Nationalstaaten im Gefolge des Krieges stellen eine Epochenzäsur in der Geschichte Europas dar.
Ausgangslage im Deutschen Reich
Der deutsche Generalstab ging spätestens seit 1905 (vgl. Schlieffen-Plan) davon aus, dass ein großer europäischer Krieg in jedem Falle zugleich gegen Frankreich und Russland (vgl. Zweiverband) geführt werden würde. Der damit gegebenen Gefahr, von Anfang an in einen die eigenen Kräfte zersplitternden und ermattenden Zweifrontenkrieg gezwungen zu werden, sollte mittels einer raschen, durch fast vollständige Konzentration des Heeres gegen Frankreich erzwungenen Entscheidung im Westen begegnet werden. Erst anschließend war eine aktive Kriegführung gegen Russland vorgesehen. Bis dahin sollten schwache Deckungskräfte die preußischen Ostprovinzen soweit möglich verteidigen, wobei im ungünstigsten Fall auch ein Rückzug auf die Linie obere Oder – Festung Posen – untere Weichsel für vertretbar gehalten wurde.
Der Plan für einen die Neutralität oder zumindest die Passivität Frankreichs voraussetzenden „großen Ostaufmarsch“ wurde zwar auch nach 1905 noch Jahr für Jahr aktualisiert, auf Anweisung Moltkes aber im April 1913 ganz zu den Akten gelegt. Damit hatte sich die deutsche Militärführung – ohne Rücksicht auf diplomatische Eventualitäten der Anbahnung und Auslösung eines großen Krieges – auf einen einzigen Kriegsplan festgelegt, der jedem denkbaren Konflikt von vornherein eine kontinentale Dimension verlieh.
Die Frage eines Krieges gegen Russland spielte in den Kalkulationen der zivilen Reichsleitung aus außen- und innenpolitischen Gründen eine weit größere Rolle als in den Überlegungen der auf Frankreich fixierten Militärs, die zuletzt sogar von einer Kriegserklärung an Russland abrieten. Abgesehen von dem Umstand, dass der Kreis um Bethmann Hollweg ohnehin Russland für die größere Bedrohung der deutschen Machtstellung in Europa hielt, kam es dem Reichskanzler in der Julikrise vor allem auf eine diplomatisch tragfähige Absicherung des offensiven deutschen Vorgehens im Westen und die Erschwerung, günstigstenfalls die Verhinderung eines britischen Kriegseintritts an. Dazu aber musste Russland in die Position des Angreifers manövriert werden, der Krieg also „aus dem Osten“ kommen, wie der Kanzler schon am 8. Juli gegenüber Kurt Riezler anmerkte. Gottlieb von Jagow umriss die Logik, die am 1. August 1914 – nachdem die russische Regierung zwar mobilisiert, der deutschen aber „nicht den Gefallen getan hatte, den Krieg zu beginnen“ – zur deutschen Kriegserklärung an Russland führte, 1926 in einem Schreiben an einen Mitarbeiter des Reichsarchivs folgendermaßen:
„Die Aufgabe der Politischen Leitung bestand demnach darin, dieses kriegerische Vorgehen einzuleiten und zu rechtfertigen, und zwar in einer Form, die uns als die 'Angegriffenen' erscheinen lassen konnte, der Angreifer war Russland. Mit Frankreich hatten wir keinen Streit. (...) Mit Belgien lag aber gar kein Konflikt vor, die beabsichtigte Neutralitätsverletzung dieses Landes ließ sich nur durch den Krieg mit Frankreich, und dieser wiederum nur durch den Krieg mit Russland motivieren. Das Vorgehen Russlands war also die Basis, auf der allein das Vorgehen – auch nach Westen – zu begründen war. (...) Der Einmarsch in Belgien ließ sich nur durch den Krieg mit Frankreich, dieser nur durch den Krieg mit Russland rechtfertigen. War kein Krieg mit Russland, so bestand überhaupt kein Anlass für uns zum Kriege im Westen.“
Zudem hielt Bethmann Hollweg den Krieg mit Russland auch aus Rücksicht auf die Anhängerschaft der Sozialdemokratie für erwünscht: Dieser sei, so glaubte er, ein Aggressionskrieg im Westen ohne gleichzeitigen „Verteidigungskrieg“ gegen den „reaktionären Zarismus“ nicht zu vermitteln, schwere innere Spannungen wären in einem solchen Fall unausweichlich die Folge. Albert Ballin, der den Reichskanzler wenige Stunden vor der Absendung der Kriegserklärung an Russland nach dem Grund für dessen Eile in dieser Angelegenheit („Ich muss meine Kriegserklärung an Russland sofort haben!“) fragte, erhielt von Bethmann Hollweg zur Antwort: „Sonst kriege ich die Sozialdemokraten nicht mit.“
Die im Rahmen des Krieges gegen Russland zu verfolgenden Zwecke wurden im Laufe längerer komplexer Auseinandersetzungen, an denen sich neben der zivilen Reichsleitung auch die OHL sowie private und politische Interessengruppen intensiv beteiligten, bestimmt. Dabei wurden selbst innerhalb ansonsten sozial und politisch homogener Milieus zum Teil diametral entgegengesetzte Positionen vertreten: So engagierten sich exponierte Vertreter des ostelbischen Adels im Rahmen des Alldeutschen Verbandes und der Vaterlandspartei für ein extremes Annexionsprogramm, das unter anderem den Anschluss der russischen Ostseegouvernements an das Königreich Preußen vorsah, während sich ein nennenswerter Teil des märkischen, pommerschen und ostpreußischen Adels von Anfang an recht deutlich für einen Kompromissfrieden, die Schonung der russischen „Standesgenossen“ und die Wiederherstellung der „in seinem Sinne guten“ deutsch-russischen Beziehungen des 19. Jahrhunderts aussprach. Bethmann Hollweg hielt zwar eine deutliche Schwächung und „Zurückdrängung“ Russlands für grundsätzlich wünschenswert, verfolgte aber mindestens bis zum Sommer 1915 mehr oder weniger energisch auch den Gedanken eines Separatfriedens im Osten, der den Status quo ante – abgesehen von einigen für durchsetzbar gehaltenen „Sicherungen und Garantien“ – wiederhergestellt hätte. Im November 1914 sowie im Februar und Juli 1915 ließ er über den dänischen König Christian X. und dänische Diplomaten entsprechende Vorstöße in Petrograd unternehmen (die aber trotz relativer Aufgeschlossenheit des Zaren durch das Übergewicht der russischen Kriegspartei um Außenminister Sasonow durchkreuzt wurden).
Auch Erich von Falkenhayn blieb – im Grunde nachdrücklicher als der Kanzler – bis zu seinem Sturz im August 1916 Verfechter eines deutsch-russischen Verständigungsfriedens, dessen Erfolgsaussichten er freilich seit Ende 1915 aufgrund des trotz großer deutscher Erfolge erklärten Willens der russischen Führung zum Weiterführen des Krieges an der Seite der Entente, ernüchtert beurteilte, obgleich er die Hoffnung auf einen solchen Frieden nicht vollkommen aufgeben wollte. Eine schnell wachsende und schließlich ausschlaggebende Gruppe im und neben dem Auswärtigen Amt plädierte dagegen schon seit Anfang August 1914 für eine Politik, die – unter der Voraussetzung einer ausreichend schwerwiegenden militärischen Niederlage Russlands – auf eine völlige „Dekomposition des russischen Reiches“ hinauslief. Protagonisten dieser Richtung waren neben Gottlieb von Jagow in erster Linie der Unterstaatssekretär Arthur Zimmermann, der vom Auswärtigen Amt in die Sektion Politik des Stellvertretenden Generalstabs abgestellte Rudolf Nadolny, der in der Zentralstelle für Auslandsdienst angestellte und dem Kreis um Hans Delbrück und Friedrich Naumann eng verbundene einflussreiche liberale Publizist Paul Rohrbach sowie die Professoren Theodor Schiemann und Johannes Haller.