Oslo (deutsch [ˈʔɔslo], norwegisch [ˈʊʂlʊ] , [ˈʊʃlʊ] oder [ˈʊslʊ]) ist die Hauptstadt sowie das wirtschaftliche und politische Zentrum des Königreichs Norwegen. Sie trug in der Vergangenheit auch den Namen Christiania (1624 bis 1924) bzw. Kristiania (alternative Schreibweise von 1877/1897 bis 1924).
Die Kommune Oslo hat 728.714 Einwohner (Stand: 1. Januar 2026). Sie bildet eine eigenständige Provinz (Fylke) und ist zudem Verwaltungssitz für die benachbarte Provinz Akershus. Das Stadtgebiet Oslos, also der Tettsted Oslo, erstreckt sich über mehrere Kommunen und hat 1.119.478 Einwohner (Stand: 1. Januar 2026). Damit ist Oslo die mit Abstand größte Stadt des Landes. In der Region Groß-Oslo, zu der neben Oslo 30 weitere Kommunen gerechnet werden, leben mehr als 1,7 Millionen Menschen (Stand: 2023).
Beide o werden – wie in den meisten Wörtern – im Norwegischen wie deutsch u ausgesprochen, also [ˈʊʃlʊ] oder [ˈʊslʊ].
Oslo findet in der Form Ósló ab dem Jahr 1225 in schriftlichen Quellen Erwähnung. In alten westnorwegischen Quellen existiert die Form Ásló. Im 14. Jahrhundert kamen der latinisierte Name Anslo(a) und der mittelniederdeutsche Name Anslo hinzu.
Zum Ursprung des Namens von Oslo, der sich aus der ersten Silbe Ós- bzw. Ás- und der zweiten Silbe -lo zusammensetzt, gibt es mehrere Theorien. Die Nachsilbe -lo bedeutet den meisten Theorien zufolge „Wiese an einem Gewässer“. Umstrittener ist die Herkunft der ersten Silbe. Lange Zeit galt das altnordische Wort óss (deutsch Flussmündung) als Ursprung für den Stadtnamen. Diese Theorie wurde durch den Geistlichen Peder Claussøn Friis (1545–1614) in seiner 1613 fertiggestellten Veröffentlichung Norrigis Bescrifuelse geprägt. Seine Theorie ist weiterhin verbreitet, auch wenn sie mittlerweile wissenschaftlich weitgehend abgelehnt wird. Friis sah die Mündung der Alna, die laut seiner Theorie früher Loelva oder Loen geheißen habe, als namensgebend an. Ein Grund für die heutige Ablehnung ist, dass die frühere Form Anslo eine nasale Aussprache nahelegt, die es weder im altnordischen Wort óss noch in der urnordischen Vorform *ōsa- gab. Zudem gebe es sowohl den Namen Oslo als auch den Namen Alna bereits länger als die Bezeichnung Loen oder Loelva.
Statt der Bedeutung „Flussmündung“ gilt für die erste Silbe der Ursprung in *ansu- oder *ansa- als wahrscheinlicher. Im Falle von *ansu- (im Altnordischen áss oder óss) würde sich der Ortsname auf heidnische Götter beziehen, im Falle von *ansa- (im Altnordischen áss) auf „Hügel“ oder „länglicher Grat“. Gegen den Ursprung in *ansa- spricht, dass *ansa- im Altnordischen im Gegensatz zu *ansu- nie in der Form óss existierte. Auch ist der in diesem Fall wahrscheinlich namensgebende Ekeberg, der im Altnordischen Eikaberg hieß, geografisch eher als Berg als als Hügel zu sehen.
Frühere und weitere Namen der Stadt
Nach einem großen Stadtbrand 1624 wurde die Stadt unter König Christian IV. von Dänemark und Norwegen etwa einen Kilometer nordwestwärts verlegt und in Christiania umbenannt. Im Jahr 1877 änderte sich unter dem schwedisch-norwegischen König Oskar II. die offizielle Schreibweise in der Matrikel und im Staatskalender in Kristiania, während die Stadtverwaltung bis 1897 die ursprüngliche Schreibweise beibehielt. Erst 1924, zwanzig Jahre, nachdem Norwegen seine Eigenständigkeit errungen hatte, wurde beschlossen, der Stadt nach rund 300 Jahren zum 1. Januar 1925 wieder den ursprünglichen Namen Oslo zu geben.
Oslo wurde nach einem Gedicht von Bjørnstjerne Bjørnson („Sidste Sang“, 1870) auch als Tigerstaden (deutsch Tigerstadt) bezeichnet. Bjørnson sah Oslo als gefährliche und unbarmherzige Stadt. Vor dem Rathaus und vor dem Bahnhof erinnern Tigerskulpturen an diesen Namen, der seinen negativen Klang inzwischen verloren hat. Auch Knut Hamsun stellt die Stadt im Roman Hunger von 1890, norwegisch und dänisch „Sult“, nach seinen Empfindungen äußerst negativ dar.
Seit Dezember 2023 hat die Stadt Oslo mit Oslove auch einen südsamischen Namen. Vom norwegischen Sameting nachgeordneten Verwaltungsorgan für samische Ortsnamen, dem Samisk stedsnavntjeneste, war zuvor von diesem Namen abgeraten worden, da er nur in wenigen schriftlichen Quellen belegt sei.
Prähistorische Spuren finden sich in den Felsritzungen am Ekeberg. In der Heimskringla, einer Geschichte der norwegischen Könige, behauptet der isländische Gelehrte Snorri Sturluson, dass Oslo von König Harald III. gegründet worden sei. Der Historiker Peter Andreas Munch datierte die Gründung auf 1048. Ausgrabungen der jüngeren Zeit haben indes christliche Gräber aus der Zeit um 1000 zum Vorschein gebracht. Aus diesem Grund beging die Stadt im Jahr 2000 ihr tausendjähriges Jubiläum, während 1950 erst der 900. Geburtstag begangen worden war.
Oslo war lange Marktplatz für die reichen Höfe aus dem bei Oslo gelegenen Tal Groruddalen. Unter Olav Kyrre wurde Oslo Bischofssitz und religiöses Zentrum für die Region Østlandet. Die mittelalterliche Stadt hatte zwei Burgen, den Königshof und die Bischofsburg. Innerhalb der Stadtmauern gab es neun Kirchen, darunter die St. Clemens und die Hallvardskathedrale, ein Hospital und etwa 400 Stadthäuser von Kaufleuten und Handwerkern. Die Wohnhäuser bestanden aus Holz.
Unter König Håkon V. (1299–1319) erreichte das mittelalterliche Oslo seinen Höhepunkt. Da er der erste König war, der dauerhaft in Oslo residierte, wird Oslo ab 1299 als Hauptstadt gerechnet. Oslo verfügte zu dieser Zeit aber über kaum für eine Hauptstadt typische Institutionen. König Håkon V. veranlasste in seiner Zeit den Bau der Festung Akershus. Im Spätmittelalter entwickelte sich Oslo zu einer wichtigen Kaufmanns- und Residenzstadt und es ließen sich hanseatische Kaufmänner aus Rostock nieder. Die Einwohnerzahl soll in dieser Zeit zwischen 3000 und 4000 Personen erreicht haben.
Im Jahr 1308 wurde Oslo von Herzog Erik av Södermanland geplündert. Die Festung Akershus hingegen überstand die Belagerung. Im Jahr 1349 erreichte der Schwarze Tod Oslo und führte dazu, dass etwa drei Viertel der Einwohner starben. Die Stadt, die mit ihren vielen Holzhäusern und engen Gassen stark brandgefährdet war, wurde wiederholt von Stadtbränden heimgesucht, jedoch immer wieder aufgebaut. Nach der Reformation verfielen das Kloster und die meisten der zahlreichen Kirchen. Nach den Bränden wurden diese Gebäude abgetragen und die Steine für andere Bauzwecke verwendet. Im Jahr 1567 brannte die Bevölkerung auf Anordnung die Stadt selbst ab, damit sie den Schweden nicht mehr als Unterschlupf dienen konnte.
Neuaufbau nach dem Stadtbrand von 1624
Im Jahr 1624 kam es zu einem großen Stadtbrand, der drei Tage andauerte. Das alte Oslo, das sich im heutigen Stadtviertel Gamlebyen befand, wurde danach nicht wieder aufgebaut. Auf Befehl des dänischen Königs Christian IV. – Norwegen war zu dieser Zeit Provinz Dänemarks – wurde die Stadt stattdessen auf die andere Seite der Bucht Bjørvika zur Festung Akershus ins heutige Stadtviertel Kvadraturen verlegt. Zugleich erhielt die Stadt nach König Christian IV. den Namen Christiania. In der Bevölkerung stieß die aufgezwungene Umsiedlung auf Widerstand, unter anderem, da beim Stadtbrand teilweise noch Keller und Fundamente erhalten geblieben waren. Das neu aufgebaute Christiania begann nur langsam anzuwachsen.
Die neu erbaute Stadt wurde nach dem Idealbild der Renaissance mit rechteckigen Quartieren und breiten Straßen errichtet und erhielt eine Festungsanlage mit Bastionen. Die Häuser baute man nun in Stein oder aus gemauertem Fachwerk, um das Ausbreiten von Bränden zu verhindern. Das alte Oslo lag nun außerhalb der Stadtmauern von Christiania. Trotz königlichen Verbots wurde es wieder besiedelt, hauptsächlich von Armen und Landlosen, die sich das teure Leben im modernen Christiania nicht leisten konnten.
In den 1660er-Jahren wurde die Verwaltungsgliederung Norwegens einer größeren Reform unterzogen und Christiania Teil des Akershus Stiftsamt. Von Ulrich Friedrich Gyldenløve, dem dänischen Statthalter in Norwegen, und dem Generalleutnant Jørgen Bjelke wurde Christiania im Jahr 1670 als wichtigste Stadt Norwegens beschrieben. Grund für diese Position war die Funktion der Stadt als Verwaltungszentrum und die Festung Akershus, die Christiania militärische Bedeutung verschaffte. In der Stadt lebten viele Angehörige des Militärs. Im Jahr 1769 wurde bei der ersten Volkszählung in der Stadt ein Wert von 7469 Einwohnern ermittelt.