Oskar Kurt „Ossi“ Rohr (* 24. April 1912 in Mannheim; † 8. November 1988 in Mannheim) war ein deutscher Fußballspieler. Der vierfache Nationalspieler war einer der ersten deutschen Auslandsprofis. Ursprünglich vom VfR Mannheim gewann er in den 1930er Jahren die deutsche Meisterschaft mit dem FC Bayern und den Schweizer Cup mit dem Grasshopper Club Zürich. Mit Racing Straßburg, wo er als der erfolgreichste Torschütze der Vereinsgeschichte geführt wird, wurde er im selben Jahrzehnt Vizemeister und Pokalfinalist. Nach dem Zweiten Weltkrieg, wo er zeitweise in der französischen Fremdenlegion diente und für Deutschland spionierte, spielte er noch einige Zeit in der Oberliga Süd und arbeitete zudem als Spielertrainer.
In Mannheim ist Ossi Rohr als letztes von sechs Kindern in einer Gastwirts-Familie geboren und aufgewachsen. Seine vier älteren Brüder Philipp, Karl, Heinrich und Otto spielten beim FC Phönix 02 Mannheim Fußball. Schwester Paula war beim VfR Mannheim Handballerin. Philipp „Fips“ Rohr, Sohn von Philipp und Neffe von Ossi, wurde auch erfolgreicher Fußballspieler und -trainer. Mit dem VfR Mannheim wurde er badischer Meister, als Trainer führte er den VfR und später den VfL Neckarau zu Erfolgen. Später standen sogar einmal gleichzeitig fünf Söhne von „Fips“ in der von ihm trainierten Amateurligamannschaft Neckaraus. Am bekanntesten davon wurde Gernot Rohr, der Großneffe Ossis. Er brachte es zum Jugendnationalspieler und Amateurnationalspieler in Deutschland und war auch einmal bei Bayern München unter Vertrag. Gernot war auch Trainer von der Mannschaft von Girondins Bordeaux um Zinedine Zidane die in den 1990er Jahren im UEFA-Pokal-Finale dem FC Bayern unterlag. Später trainierte er diverse afrikanische Ländermannschaften.
Ossi Rohr begann bei Phönix Mannheim mit dem Fußballspielen und setzte es in der Jugendabteilung des VfR Mannheim fort. Talent und Torinstinkt zeichneten ihn bereits als jungen Spieler aus. Diese Eigenschaften auf einer größeren Bühne präsentieren zu wollen, veranlassten ihn 1930 zum FC Bayern München zu wechseln. In seiner Premierensaison für die Bayern verpasste er mit ihnen als Dritter der süddeutschen Meisterschaft zwar knapp die Endrundenteilnahme um die deutsche Meisterschaft, doch in der Saison 1931/32, als Zweiter der süddeutschen Meisterschaft, qualifizierte er sich mit der Mannschaft für die Endrunde um die deutsche Meisterschaft 1931/32. Nachdem er sich mit der Mannschaft gegen Minerva 93 Berlin, den PSV Chemnitz und den 1. FC Nürnberg hatte durchsetzen können, zog er mit ihr am 12. Juni 1932 ins Finale ein, das in Nürnberg mit 2:0 gegen Eintracht Frankfurt gewonnen wurde, wo er per Elfmeter das 1:0 erzielte. Im Jahr danach spielten die Bayern aber selbst in Süddeutschland nur eine mittelmäßige Rolle. Insgesamt erzielte Rohr bis zu seinem letzten Spiel für Bayern am 1. Oktober 1933 gegen die SpVgg Fürth 90 Tore in 84 Spielen.
Rohr bestritt bis März 1933 vier Länderspiele und debütierte am 6. März 1932 in Leipzig beim 2:0-Sieg über die Auswahl der Schweiz. Sein zweites Länderspiel am 25. September 1932 in Nürnberg, beim 4:3-Sieg über die Auswahl Schwedens, krönte er mit seinen ersten beiden Toren, dem Treffer zum 1:0 in der 10. und dem Treffer zum 4:2 in der 64. Minute. Bei der 1:3-Niederlage am Neujahrstag in Bologna gegen die Auswahl Italiens erzielte er die 1:0-Führung in der 4. Minute. Zwei Tore gelangen ihm auch in seinem letzten Länderspiel, beim 3:3-Unentschieden in Berlin gegen die Auswahl Frankreichs. Er erzielte fünf Treffer in vier Länderspielen.
Den Gauauswahlwettbewerb um den Adolf-Hitler-Pokal 1933 gewann er mit der Auswahl Bayern am 6. August 1933 in München, mit 6:1 im Wiederholungsspiel gegen die Gauauswahl Berlin-Brandenburg (mit Spielern wie Appel, Emmerich, Brunke, Sobeck und Kirsei). Er erzielte dabei zwei Tore. Die weiteren Tore für Bayern erzielten Bergmaier, Krumm, Lachner und Frank.
1933–1934: Grasshopper Club Zürich
Der deutsche, dem Amateurismus verbundene Verband verfügte eine strenge Limitierung von Aufwandsentschädigungen für Fußballer. Rohr missfiel das, da er hiermit auf sein Monatsgehalt als Mechaniker von 180 Mark limitiert wurde. Da traf es sich gut, dass der vom Mäzenatentum seines Präsidenten Willy Escher, dem Mehrheitsaktionär von Nestlé, begünstigte Grasshopper Club Zürich ein Angebot mit einem Gehalt von etwa 500 Mark unterbreitete. Da der Deutsche Fußball-Bund damals grundsätzlich keine Freigabe erteilte, wenn kein besonderer Grund, wie etwa ein beruflich bedingter Umzug vorlag, berichtete Rohr daher, dass er sich mit einer jungen Dame in Zürich verlobt hatte und fürderhin im Geschäft derer Familie arbeiten würde. Das funktionierte und Rohr traf im Oktober 1933 in Zürich ein. Sogleich schritten nun aber die Schweizer Behörden ein, die nunmehr annahmen, dass Rohr ohne Arbeitsbewilligung in der Schweiz beruflich tätig werden wolle und sprachen umgehend einen Landesverweis aus. Einstweilen ließ sich Rohr daraufhin in elsässischen Straßburg nieder.
Es dauerte einige Zeit, bis Rohrs Behördenangelegenheiten in der Schweiz geregelt werden konnten. Daher kam er erst im März 1934 in einem Freundschaftsspiel zu seinem ersten Einsatz für die Grasshoppers; bei einem 9:1 gegen den Freiburger FC erzielte er auch sein erstes Tor für die Schweizer. Sein erstes Pflichtspiel war am 2. April bereits das Finale um den Schweizer Cup 1933/34. Mit den von Izidor „Dori“ Kürschner trainierten Grasshoppers gewann er an der Seite des spielstarken deutschen Mittelläufers Fritz Engel und des Schweizer Stars André „Trello“ Abegglen im Berner Wankdorfstadion mit 2:0 gegen die vom österreichischen Spielertrainer Karl Rappan angeführte Mannschaft des Genfer Servette FC. Er kam noch in allen verbliebenen elf Meisterschaftsspielen zum Einsatz und erzielte dabei elf Tore. Die Grasshoppers beendeten die Meisterschaft 1933/34 mit drei Punkten Rückstand auf Servette als Vizemeister. Er kam nur noch im August im ersten Ligaspiel der Runde 1934/35 zu einem Einsatz, denn die Schweiz schaffte ihn wieder aus, diesmal wegen inkorrekter Angaben in seiner Steuererklärung.
Er kehrte nach Straßburg zurück, wo er Anfang Oktober 1934 vom Erstligaaufsteiger Racing Straßburg unter Vertrag genommen wurde. Anlässlich seiner Vertragsunterzeichnung erhielt er quasi als Handgeld ein Citroën-Cabriolet. Sein Gehalt soll zwischen 4.000 und 4.500 Reichsmark im Jahr erreicht haben, was in etwa dem Einkommen eines Regierungsrats im Reichsdienst entsprach.
Rohr führte sich am achten Spieltag mit vier Vorlagen und einem Tor bei einem 6:1-Sieg gegen den FC Antibes erfolgreich ein. Die Saison 1934/35 begann hervorragend für die vom Österreicher Fritz Kerr trainierten Elsässer, die am dritten Spieltag erstmals die Tabellenspitze erklommen und auch nach der ersten Saisonhälfte vorne lagen. Am Ende musste sich der RC Straßburg mit einem Punkt hinter der Spitzenmannschaft jener Ära, dem von der Automobilfirma Peugeot gesponserten FC Sochaux, mit Platz zwei begnügen. Das sollte bis zur Meisterschaft 1979 die beste Platzierung der Straßburger bleiben. Rohr erzielte in seiner ersten Saison in der Division 1 in 22 Spielen 20 Tore.
Im November 1934 besuchte Rohr Bayerns Heimspiel gegen Augsburg, worüber die Zeitschrift Fußball berichtete, dass er sich „samt Braut und Hund eine interne Tribünenovation holte. […] Er ist nur zu Besuch in München, da er für französische Cup-Spiele noch nicht frei ist.“
Im Juni 1935 fand er sich mit RCS zu einem Freundschaftsspiel am 23. bei den Bayern ein. Bei regnerischem Wetter sahen 8.500 Zuseher ein 4:4. Der Völkische Beobachter, der Rohr schon vor dem Spiel „überschwänglich“ gelobt und seine Profierfahrung hervorgehoben hatte, titelte seinen Spielbericht mit „Rohr begeistert 8.000 Zuschauer“. Unter dem Zwischentitel „Rohr ist Klasse!“ beschrieb die Zeitung, wie Rohr, trotz Ludwig „Lutte“ Goldbrunners Manndeckung seine Mitspieler elegant in Szene setzte. Le sport alsacien berichtete, Rohr, der schon einige Tage vor dem Spiel in München eingetroffen war und dabei mit Funktionären von Racing und Bayern diverse Wirtshäuser und dabei auch eine Vorstellung mit Weiß Ferdl besucht hatte, bei der auch Heidkamp und Goldbrunner dabei waren, sei nicht wie befürchtet, ausgepfiffen worden, sondern habe sich „einer geradezu anhaltenden Ovation“ erfreut.