An diesem Tag

Orkantief Friederike

Sturmtief mit orkanartigen Böen in Europa im Januar 2018

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Das Orkantief Friederike, in Frankreich tempête David genannt, zog als schwerer Sturm mit Orkanböen am 18. Januar 2018 von Westen durch Irland, das Vereinigte Königreich, die Niederlande, Belgien und Deutschland bis nach Polen. Zehn Menschen starben, der versicherte Schaden betrug 1,7 Mrd. Euro., wobei mehr als die Hälfte der Schadensumme aus Deutschland kam. Der Sturm war der stärkste in der Mitte Deutschlands seit dem Orkan Kyrill 2007, war aber deutlich kleinräumiger als Kyrill. Nicht nur auf dem Brocken im Harz und vielen anderen Mittelgebirgsgipfeln, auch im Flachland erreichte er an vielen Messstellen Orkanstärke.

Friederike bildete sich um den 16. Januar 2018 vor New Brunswick und Labrador und zog dann ostwärts über den Nordatlantik. Einen Tag später lag das Zentrum südlich von Island und westlich von Irland.

Im Unterschied zu Orkan Kyrill, dessen stärkste Böen mit den Gewittern entlang seiner Kaltfront gemessen wurden, waren die Böen bei Orkan Friederike anders verteilt; sie traten nur in einem etwa 200 km breiten Streifen südwestlich des Tiefs hinter der Kaltfront auf und wurden durch einen Sting-Jet erzeugt. Dabei senkt sich durch dynamische Prozesse der Jet-Stream bis in die unteren Luftschichten ab, wodurch in einem verhältnismäßig kleinen Gebiet starke Böen mit enormen Schäden auftreten können.

Britische Inseln und Nordfrankreich

Zuerst zogen die Ausläufer des Sturms in der Nacht zum 18. Januar über Irland, England und Nordfrankreich hinweg. In Irland und im Vereinigten Königreich waren die Auswirkungen minimal. Auf seiner Rückseite brachte Friederike ausgedehnte Schneefälle nach Schottland und Nordengland. Die höchste Schneehöhen meldeten die Stationen Eskdalemuir (35 cm), Drumalbin (25 cm), Tulloch Bridge (21 cm) und in Spadeadam (20 cm).

In Nordfrankreich waren vor allem die Départements Pas-de-Calais und Nord betroffen; die Spitzenböen erreichten 136 km/h am Cap Gris-Nez, 126 km/h in Lillers, 120 km/h in Lille sowie 113 km/h in Cambrai und Arras, wobei die Werte im Landesinnern verbreitet stärker waren als bei Orkan Kyrill 2007. Von den vorgenannten Werten gilt das für Lille, Lillers und Arras.

An der belgischen Nordseeküste erreichte Friederike Sturmstärke und für einen kurzen Zeitraum die Stärke eines schweren Sturms. Die stärksten Böen wurden gemessen am Flughafen Antwerpen (119 km/h), in Zeebrügge (112 km/h) sowie in Stabroek und Schaffen (je 108 km/h). In einem Wald südöstlich von Brüssel wurde eine Autofahrerin von einem umfallenden Baum erschlagen. Der Betrieb im Hafen von Gent musste am Morgen des 18. Januar wegen der heftigen Winde eingestellt werden. In Meeuwen-Gruitrode wurde durch den Sturm das Dach einer Schule abgedeckt. Alle 57 Schüler konnten in Sicherheit gebracht werden.

Der Sturm erreichte am Morgen mit Windstärke 9 die südliche Westküste der Niederlande und frischte später zu einem schweren Sturm, zeitweise zu einem sehr schweren Sturm auf. Er zog dann ostwärts durch die Niederlande und war dabei in der Mitte des Landes am stärksten. Am Mittag verlor der Wind im Westen des Landes rasch an Kraft, eine Stunde später auch im Osten der Niederlande. Im gesamten Land, ausgenommen dem äußersten Norden, gab es Windböen von über 100 km/h. Die stärkste Bö in den Niederlanden wurde mit 143 km/h in Hoek van Holland gemessen. Eine Bö in Twente mit 124 km/h war die stärkste dort gemessene Windbö seit 1951, und in De Bilt war die mit 122 km/h gemessene Bö die stärkste dortige Bö seit Orkan Daria im Januar 1990.

In den Niederlanden musste die Feuerwehr zu 10.000 Einsätzen ausrücken, und landesweit wurde der Bahnverkehr eingestellt. Der Flughafen Schiphol wurde zeitweilig geschlossen, weswegen über 300 Flüge gestrichen wurden. Zahlreiche Straßen wurden durch umgestürzte Bäume und Lastwagen blockiert. Mehr als 60 Unfälle ereigneten sich durch umkippende Lkw. In Den Haag war der Wind so stark, dass Menschen auf der Straße beim Gehen den Halt verloren und stürzten. Schwere Objekte wie Schiffscontainer wurden vom Wind umgeworfen. Es kam zu zwei sturmbedingten Todesfällen: In Olst wurde ein Mann von einem Ast erschlagen, in Enschede fiel ein Mann in seinem Auto einem umstürzenden Baum zum Opfer.

Bundesweit kamen acht Menschen ums Leben.

Die Folgen des Sturms beim Windwurf von Bäumen waren wegen des durch den Regen aufgeweichten Bodens schlimmer als beim vorhergehenden Sturmtief Burglind Anfang Januar 2018. Nach ersten Schätzungen des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft verursachte der Sturm einen Sachschaden von einer halben Milliarde Euro, Ende Januar wurde der geschätzte Schaden auf eine Milliarde Euro erhöht. Die Schäden an Gebäuden beliefen sich danach auf 900 Millionen Euro, die an Fahrzeugen auf 100 Millionen. Bei Kyrill elf Jahre zuvor waren es mehr als zwei Milliarden Euro gewesen. Das Schienennetz der Bahn wurde auf 200 Streckenabschnitten beschädigt.

Die Deutsche Bahn stellte wegen der Wetterlage im Lauf des 18. und zum Teil auch am 19. Januar den Fernverkehr bundesweit und den Regionalverkehr in den Bundesländern Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen komplett ein. Auch am Folgetag gab es noch einzelne gesperrte Streckenabschnitte. Vor Einschränkungen des Zugverkehrs hatte die Bahn bereits am Tag zuvor gewarnt.

Nordrhein-Westfalen war das erste und am stärksten von Friederike betroffene Bundesland. Die ersten Orkanböen trafen um 10:30 Uhr Münster. In den nächsten Stunden wurden in den meisten Regionen Windböen über 100 km/h gemessen, Spitzenwerte waren im Flachland Wuppertal, Ahaus und der Flughafen Münster/Osnabrück mit 126 km/h. Auf dem Kahlen Asten wurden 143 km/h erreicht.

In Emmerich am Rhein wurde ein 59-Jähriger von einem Baum erschlagen. In Lippstadt starb ein LKW-Fahrer bei einem Verkehrsunfall, in Sundern ein Feuerwehrmann im Einsatz.

In Nordrhein-Westfalen wurde bereits am Vorabend entschieden, den Unterricht an vielen Schulen ausfallen zu lassen. An Schulen, an denen Unterricht stattfinden sollte, wurde es den Schülern freigestellt, in Absprache mit den Erziehungsberechtigten am Unterricht teilzunehmen. Er wurde allerdings meist vor Eintreten des Hauptsturmfeldes abgebrochen, um einen sicheren Rückweg zu gewährleisten. Für Kritik sorgte jedoch die schlechte Informationspolitik des Schulministeriums und das schlechte Krisenmanagement der Schulen. Eltern berichteten, dass Schulen während der heftigsten Sturmphase den Unterricht beendeten und Schüler auf den Heimweg schickten.

In der Stadt Duisburg wurde Sirenenalarm ausgelöst, um die Bevölkerung aufzurufen, sichere geschlossene Räume aufzusuchen. In Düsseldorf stellte die Rheinbahn bis zum Nachmittag um 16 Uhr den Straßenbahn-, Stadtbahn- und Busverkehr ein.

Vom Sturm war auch der Flugverkehr betroffen: Auf dem Flughafen Düsseldorf wurden 37 Flüge abgesagt. Am Flughafen Köln/Bonn wurde eine Stunde lang der Betrieb eingestellt.

In Norddeutschland brachte das Sturmtief starken Schneefall mit sich. Die dadurch verursachte Straßenglätte hatte viele Verkehrsunfälle zur Folge. Bei Penzlin (Mecklenburg-Vorpommern) verunglückte eine 61-jährige Autofahrerin tödlich. In Braunlage und Clausthal-Zellerfeld fiel am 18. Januar der Schulunterricht aus, abgesagt wurde er witterungsbedingt im Norden auch am 19. Januar in mehreren Landkreisen Niedersachsens und in einer Schule in Nordwestmecklenburg.

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