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Orazio Gentileschi

Italienischer Maler (1563–1639)

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Orazio Gentileschi, eigentlich Orazio Lomi (getauft am 9. Juli 1563 in Pisa; † 11. September 1639 in London), war ein italienischer Maler und Freskant zwischen Spätmanierismus und Barock.

Orazio wurde in Pisa als Sohn des aus Florenz stammenden Goldschmieds Giovan Battista Lomi geboren und am 9. Juli 1563 getauft. Seine Mutter hieß wahrscheinlich Maria Gentileschi und war möglicherweise schon die zweite Frau seines Vaters. Orazio hatte zwei ältere Brüder oder Halbbrüder namens Baccio und Aurelio Lomi, die beide Maler waren. Der in der Toskana sehr erfolgreiche Aurelio malte in einem spätmanieristischen Stil und war laut Giovanni Baglione der erste Lehrer Orazios.

Zwischen 1576 und 1578 ging der 13- bis 15-jährige Orazio – wahrscheinlich zusammen mit Aurelio – nach Rom, wo er zunächst bei einem Onkel mütterlicherseits lebte, der als Kapitän der Garden im Castel Sant’Angelo arbeitete. Angeblich aufgrund von Erbschaftsbestimmungen seines Onkels nahm Orazio dessen Nachnamen (und Namen seiner eigenen Mutter) Gentileschi an.

Über Orazios weitere Ausbildung ist nichts bekannt, aber um 1588–89 wirkte er laut Baglione unter der Leitung von Cesare Nebbia an der Dekoration der Biblioteca Sistina im Vatikan mit.

Zu einem nicht bekannten Zeitpunkt, wohl um 1592, heiratete er Prudenzia, Tochter des Ottaviano Montoni, mit der er sechs Kinder hatte, darunter die älteste und einzige Tochter Artemisia (* 1593), die ebenfalls eine berühmte Malerin wurde; die anderen Kinder waren Giovanni Battista (1594–1601), Francesco (* 1597), Giulio (* 1599), Giovanni Battista (1601–1603) und Marco (* 1604). Orazios Frau Prudenzia starb mit nur 30 Jahren am 26. Dezember 1605.

1593 wirkte Orazio Gentileschi an Freskendekorationen im Hauptschiff von Santa Maria Maggiore mit, wo er eine Darstellung Christi im Tempel malte. Seine Malerei war zu dieser Zeit noch von der manieristischen Tradition Roms geprägt. Andere Werke dieser Zeit waren ein später durch einen Brand zerstörtes Altarbild (1596) für San Paolo fuori le Mura, sowie Fresken und Altarbilder für die Abtei von Farfa (1597–99), die er an der Spitze einer eigenen größeren Werkstatt schuf.

Zwischen Mai 1599 und August 1600 wirkte er unter der Leitung von Cavalier d’Arpino an der malerischen Ausgestaltung des Querschiffs von San Giovanni in Laterano mit; laut Baglione malte Gentileschi dabei die Figur des hl. Taddäus, rechts neben der Orgel. Zu Cavalier d’Arpino hatte Orazio offenbar ein freundschaftliches Verhältnis, denn jener war auch Taufpate von einem der Gentileschi-Söhne.

Ebenfalls in Zusammenarbeit mit Cavalier d’Arpino und einer Gruppe anderer Maler schuf er zwischen 1603 und 1610 einige Vorlagen für die Mosaiken in der Kuppel des Petersdoms; Gentileschi gestaltete dabei die Figuren der Madonna und eines Engels, sowie den Dekor des Tambours.

Etwa zur selben Zeit malte er auch Fresken in der zweiten Kapelle rechts in San Giovanni dei Fiorentini; in diesem Fall ist nicht klar, was genau von Gentileschis eigener Hand stammt.

Seine künstlerische Entwicklung erhielt bereits durch den Kontakt zu Arpino und dessen neuem, schlichtem Realismus wichtige neue Impulse. Davon zeugen Werke wie die von 1605 bis 1607 entstandene Circumcision Jesu für die Chiesa del Gesù in Ancona, für die er 303 Scudi als Bezahlung erhielt. Stilistisch ähnlich ist die für den Bankier Settimio Olgiati gemalte Taufe Christi in Santa Maria della Pace (Rom), deren Auftrag er am 27. März 1607 erhielt.

Während des ersten Jahrzehnts des 17. Jahrhunderts fand Gentileschi schließlich, angeregt durch die spektakulären Erfolge von Caravaggios revolutionärer Kunst, seinen „eigentlichen“ Stil. Die beiden kannten sich erwiesenermaßen und wurden sogar zusammen mit zwei anderen Künstlern 1603 von Giovanni Baglione wegen Verleumdung verklagt, wegen einiger gegen ihn gerichteter Pamphlete, die sie anscheinend in Rom verbreitet hatten; der Prozess fand vom 28. August bis 25. September des Jahres statt. Baglione „rächte“ sich noch Jahrzehnte später durch das nicht sehr schmeichelhafte Bild, das er der Nachwelt von Gentileschis Charakter hinterließ, der „mehr bestialisch, als menschlich“ gewesen sei, und mit seiner „satirischen Zunge alle Leute verletzt“ habe. Bagliones Meinung über Gentileschi ist natürlich von persönlichem Groll gekennzeichnet, aber vielleicht mit etwas Vorsicht zu genießen.

Orazio Gentileschi verfiel nicht in den Fehler einer bloßen Nachahmung von Caravaggios Stil, sondern distanzierte sich gewissermaßen von dessen oft krassem Naturalismus durch seine eigene Vorliebe für Eleganz und eine gewisse zierliche Lieblichkeit. Chronologisch ist sein Stilwandel nicht genau nachzuvollziehen, da die meisten seiner Werke nicht datiert sind; auch scheint er zunächst noch experimentiert zu haben. Sein neuer Stil kündigt sich in einigen (nicht datierten) Versionen des Hl. Franziskus in Ekstase mit dem Engel an, von denen sich eine im Prado in Madrid befindet. Eine andere im Palazzo Barberini dagegen wird neuerdings auf die Zeit um 1612 geschätzt.

Bereits klar als „caravaggistisch“ kann das Altarbild Die Hl. Caecilia, Tiburtius und Valerianus mit dem Engel für die Augustiner-Kirche Santa Cecilia in Como gelten, die heute in der Pinacoteca di Brera in Mailand zu sehen ist. Diese ist signiert mit „Horatius Gentilesc(us) / Florentinus fecit“ und war am 25. November 1607 fertig und in der Kirche aufgestellt.

Eins der wenigen datierten Werke Gentileschis ist die Madonna mit Kind im Nationalmuseum von Bukarest, mit der Signatur „Horatius Gentileschi faciebat 1609“.

Zu den gelungensten Werken dieser Schaffensphase um 1610 können auch die wahrscheinlich für Paolo Savelli gemalte Dornenkrönung im Herzog Anton Ulrich-Museum (Braunschweig) sowie das Bild Judith mit der Magd und dem Haupt des Holofernes im Nationalmuseum Oslo gezählt werden. Die raffinierte Komposition des letzteren Bildes, mit den beiden nach rechts gewandten Frauen, diente ganz klar Artemisia Gentileschi als Vorlage für ihre eigene, berühmte Version dieses Themas.

Um 1610 begann Gentileschi mit dem Quadraturmaler Agostino Tassi zusammen an einigen bedeutenden Freskendekorationen in Rom zu arbeiten, zuerst für Papst Paul V. Borghese im Quirinalspalast (1870 zerstört), und von 1611 bis Anfang 1612 im Gartenhaus (Casino) des Palastes von Scipione Borghese (heute: Palazzo Pallavicini Rospigliosi), wo Gentileschi in Tassis gemalte Architekturkulisse ein Konzert Apollos mit den Musen malte.

Doch diese künstlerisch erfolgreiche Zusammenarbeit nahm ein übles Ende, als Gentileschi entdecken musste, dass Tassi seine hochbegabte siebzehnjährige Tochter Artemisia vergewaltigt und entjungfert hatte. Gentileschi verklagte Tassi und im Mai 1612 begann ein aufsehenerregender Skandalprozess, der mit einer halbherzigen Verurteilung des Täters endete, der wählen durfte zwischen 5 Jahren Galeere oder ewiger Verbannung aus Rom; Tassi wählte das letztere.

Während Artemisia Rom kurz nach dem Prozess mit einem „lebensrettenden“ Ehemann verließ, blieb Orazio zunächst weiterhin in Rom, ging dann aber in der Zeit bis etwa 1620 nach Fabriano in den Marken. Dort malte er einen Freskenzyklus zur Passion Christi und ein Altarbild mit der Kreuzigung für die Kathedrale San Venanzo und verschiedene andere Werke für die Kirchen der Stadt. Zu den großen Höhepunkten seiner Kunst gehört die wohl kurz nach 1615 entstandene, sehr mystische Madonna mit Kind und der hl. Francesca Romana für die Olivetaner-Kirche Santa Caterina in Fabriano, heute in der Galleria nazionale delle Marche in Urbino.

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