Oranienburg ist eine Stadt im Landkreis Oberhavel im Land Brandenburg. Sie liegt am Oberlauf der Havel elf Kilometer nördlich der Berliner Stadtgrenze. Die Stadt ist Kreisstadt, ein Mittelzentrum und hat administrativ den Status einer großen kreisangehörigen Stadt.
Oranienburg liegt im Süden des Landkreises Oberhavel im Verflechtungsraum zu Berlin und gehört zum Naturraum der Zehdenick-Spandauer Havelniederung. Das Stadtzentrum Berlins ist etwa 35 Kilometer entfernt. Oranienburg liegt an der Havel und
Unmittelbare Nachbargemeinden sind (von Norden im Uhrzeigersinn): Löwenberger Land, Liebenwalde, Wandlitz (Landkreis Barnim), Mühlenbecker Land, Birkenwerder, Hohen Neuendorf, Velten, Leegebruch, Oberkrämer und Kremmen.
Die Stadt Oranienburg besteht aus der Kernstadt sowie den Ortsteilen Friedrichsthal, Germendorf, Lehnitz, Malz, Sachsenhausen, Schmachtenhagen, Wensickendorf und Zehlendorf.
Hinzu kommen die Wohnplätze Albertshof, Alte Schäferei, Altstadt, Amalienhof, Anglersiedlung, Annagarten, Annahof, Ausbau Rickbyhl, Ausbau Siedlung, Bernöwe, Dameswalde, Eden, Fichtengrund, Försterei Neuholland, Forsthaus Wensickendorf, Friedenthal, Glashütte, Grabowsee, Kolonie Marx, Kuhbrücke, Lehnitzschleuse, Luisenhof, Neu-Friedrichsthal, Neustadt, Oranienhof, Pinnower Schleuse, Rehmate, Schmachtenhagen-Ost, Schmachtenhagen-Süd, Schmachtenhagen-West, Schmachtenhagener Straße, Schweizerhütte, Siedlung am Rahmer See, Süd, Summter Chaussee, Teerofen, Tiergarten, Tiergartenschleuse, Triftwegsiedlung, Upstall, Weiße Stadt, Wilhelmsthal und Wittenberg.
Seit 1974 fanden auf dem Gebiet der heutigen Stadt Oranienburg drei Gemeindegebietsveränderungen statt. In allen Fällen handelte es sich um Eingemeindungen.
Von den Anfängen bis zum Dreißigjährigen Krieg
Archäologische Funde zeigen, dass die Stadt aus einer slawischen Siedlung entstanden ist, die vermutlich den Namen Bochzowe trug. Die deutsche Besiedlung des heutigen Stadtgebietes erfolgte im Zuge der zweiten Ostexpansion im 12. Jahrhundert unter Beibehaltung des alten slawischen Namens. An der Stelle, wo sich heute das Schloss Oranienburg befindet, entstand Anfang des 13. Jahrhunderts eine Burg zum Schutz des Gebietes und der wichtigen Flussüberquerungen. 1216 wurde der Ort als Bothzowe erstmals urkundlich erwähnt, als der Brandenburger Bischof Siegfried II. bei seiner Amtsübernahme dem Brandenburger Domkapitel seine Archidiakonatsrechte bestätigte. Im Jahr 1232 erhielt Bochzowe das Stadtrecht. Die Einwohner der Stadt betrieben Fischfang, Handel mit Fisch und landwirtschaftlichen Erzeugnissen. Aus Bochzowe entstand 1483 der Amtssitz Bötzow. Mit der Eroberung von Gebieten, die weiter östlich der Stadt lagen, verlor die Burg an Bedeutung, und an ihrer Stelle wurde durch den brandenburgischen Kurfürsten Joachim II. ein zweistöckiges Jagdschloss erbaut. Im Dreißigjährigen Krieg wurde Bötzow niedergebrannt und geplündert.
Wiederaufbau und Erweiterung der Stadt
Im Jahre 1650 schenkte der brandenburgische Kurfürst Friedrich Wilhelm seiner Frau Louise Henriette von Oranien die Domäne Bötzow „mit allen dazugehörigen Dörfern, Äckern, Vorwerken, Schäfereien, Mühlen, Triften, Weiden, Fischereien in der Havel, den Seen und den Karpfenteichen“. 1652 wurde in Bötzow ein Schloss im holländischen Stil errichtet, das den Namen Oranienburg erhielt. Hier richtete Louise Henriette 1663 das erste europäische Porzellankabinett ein. Der Schlossname wurde auch auf die Stadt übertragen. Der alte Name Bötzow wiederum wurde 1694 dem nahe gelegenen, bis dahin Cotzebant benannten Ort neu verliehen. Eine Schwester von Louise Henriette, der Namenspatronin der Stadt Oranienburg, war Henriette Catharina von Oranien. Sie heiratete Johann Georg II. von Anhalt-Dessau und ließ ab 1683 das heutige Schloss Oranienbaum erbauen, aus dem sich das Städtchen Oranienbaum im heutigen Sachsen-Anhalt entwickelte. Mit Unterstützung von niederländischen Fachleuten und Glaubensflüchtlingen (Hugenotten, Salzburger Exulanten, Juden) ließ die Kurfürstin in und um Oranienburg Musterwirtschaften nach niederländischem Vorbild anlegen. Sie schuf damit eine wesentliche Voraussetzung für die rasante Entwicklung Brandenburg-Preußens. Aus der Ehe des Großen Kurfürsten mit Louise Henriette ging Kurfürst Friedrich III. hervor, der das Schloss zum Gedenken an seine geliebte Mutter verschönern und erweitern ließ. 1701 begründete er als Friedrich I. das Königreich Preußen. Nachdem das Schloss den Sparzwängen des „Soldatenkönigs“ Friedrich Wilhelm I. geopfert werden musste, zog mit Prinz August Wilhelm, einem Bruder des kinderlosen Friedrichs des Großen und Vater des Preußenkönigs Friedrich Wilhelm II., noch einmal höfischer Glanz in Oranienburg ein. Theodor Fontane berichtet in seinen Wanderungen durch die Mark Brandenburg ausführlich und anschaulich von der wechselvollen Geschichte Oranienburgs.
Zur Klärung des genauen Stadtjubiläums, das 1902 begangen werden sollte, hatte die Stadt eine Kommission gegründet. Diese kam nach dem Studium verschiedener Dokumente jedoch zu der Auffassung, dass kein genaueres Datum festzulegen ist. Deshalb gab es 1902 keine Feier zum 250-jährigen Stadtjubiläum.
1802 wurde das Schloss an den Apotheker Johann Gottfried Hempel mit der Verpflichtung verkauft, eine Baumwollweberei zu errichten. Der Krieg gegen Frankreich brachte die Baumwollfabrikation 1807 zum Erliegen. 1814 wurde im Schloss eine Schwefelsäurefabrik errichtet, die als erste in Preußen nach dem Bleikammerverfahren produzierte. 1833 entdeckte Friedlieb Ferdinand Runge im Steinkohlenteer das Anilin und die Karbolsäure, 1835 wurden in der Fabrik die ersten Stearinkerzen hergestellt, 1840 die ersten Paraffinkerzen. 1848 wurde die Produktionsstätte aus dem Schloss auf das Mühlenfeld verlagert. Im nach einem Brand renovierten Schloss wurde 1861 ein evangelisches Lehrerseminar eröffnet, das bis 1926 betrieben wurde.
Am 10. Juli 1877 erhielt Oranienburg eine Bahnstation der neu eröffneten Berliner Nordbahn Berlin–Stralsund. Am 28. Mai 1893 gründeten 18 Berliner Vegetarier im Westteil der Stadt die erste vegetarische Siedlung in Deutschland: die „Vegetarische Obstbaukolonie Eden GmbH“, in der auch der Geldreformer Silvio Gesell viele Jahre lebte und schließlich auch starb. Der Bau des Oder-Havel-Kanals von 1906 bis 1912 belebte das wirtschaftliche Leben in der Stadt. 1912 wurde durch die Firma Heintze & Blanckertz eine erste Fabrik für Stahlfedern errichtet. Das daraus entstandene Kaltwalzwerk Oranienburg, das bis zu 7000 Mitarbeiter beschäftigte, wurde nach 1989 von der Fa. Krupp aufgekauft und geschlossen. Das damals modernste Werk wurde an China verkauft.
Am 21. März 1933 richtete die SA in einer alten Brauerei für die Inhaftierung von Gegnern des nationalsozialistischen Regimes aus Brandenburg und der Reichshauptstadt Berlin das KZ Oranienburg als erstes Konzentrationslager in Preußen ein. Mehr als 3000 Häftlinge waren dort bis Juli 1934 inhaftiert, mindestens 16 von ihnen starben. Im Juli 1936 wurde von der SS auf den Gemarkungen der Stadt Oranienburg und der selbständigen Gemeinde Sachsenhausen auf einem bewaldeten Areal von zunächst 80 Hektar mit dem Konzentrationslager Sachsenhausen der erste große KZ-Komplex errichtet. Im Krieg wurde das Lager bis zu einer Größe von ca. 400 Hektar erweitert. In der Nähe des Hauptlagers, am Hohenzollern-Kanal, befand sich das Außenlager Klinkerwerk Oranienburg, in dem Ziegel- und Natursteine für den Umbau Berlins zur Reichshauptstadt Germania von den KZ-Häftlingen produziert oder bearbeitet werden mussten.
Oranienburg wurde während des Krieges stark durch Fliegerbomben geschädigt. Das ist auf die kriegswichtigen Werke in der Stadt zurückzuführen. Es gab hier zum einen die Auerwerke, die sich auf dem Gelände der heutigen Wohnsiedlung am Lindenring und am Bahnhof bis zur Havel erstreckten, und die Heinkel-Werke, von denen nur noch die sanierte Werkssiedlung Weiße Stadt und Teile des Werksflugplatzes im Süden der Stadt existieren.
Durch die Explosionskraft der Bomben, welche die Produktionsstätten der Auerwerke zerstörten, kam es zur Freisetzung und Verteilung des dort verarbeiteten radioaktiven Materials Thorium232, sowie Uran238.