Onno Heye Tollef Groß (* 12. Juni 1964 in Cuxhaven; † 4. Oktober 2016 in Budapest) war ein deutscher Meeresbiologe mit dem Spezialgebiet Tiefseebiologie.
Groß studierte ab 1984 an der Universität Hamburg, der Universität Tübingen und der kanadischen University of Victoria Biologie Botanik und Zoologie mit Schwerpunkt Meeresbiologie und nahm an einer Reihe von Forschungsexpeditionen teil. Er arbeitete auch als freier Wissenschaftsjournalist. Er war Redakteur bei National Geographic und schrieb u. a. für Die Zeit, den Spiegel, die Neue Zürcher Zeitung, mare, Tauchen, die Frankfurter Allgemeine Zeitung, das Handelsblatt, die dpa und die tageszeitung.
Groß verfasste wissenschaftliche Beiträge für Fachpublikationen, war Konferenzteilnehmer an internationalen Umweltschutzfachtagungen wie im Juli 2013 in Bremerhaven und im Dezember 2013 in Bremen und wurde häufig als Experte für Meeresbiologie und Umweltschutz zitiert.
Eines seiner Anliegen war die Vermeidung der Vermüllung der Meere durch Plastik, ein anderes, Menschen bereits im Kindes- und Jugendlichenalter für die Erhaltung des Ökosystems Ozean zu sensibilisieren.
Groß war 2003 Initiator und Gründungsvorsitzender der Meeresschutzorganisation Deepwave. Gleichzeitig war er aktiv bei Ocean Science & Journalism. Zu seinen früheren Tätigkeitsorganisationen gehörten The Pew Charitable Trusts und das u. a. von der Freien und Hansestadt Hamburg und Michael Otto als Stiftung gegründete World Future Council. Er war Vorstandsmitglied im Bundesverband Meeresmüll e.V.
Im Tropen-Aquarium Hagenbeck in Hamburg veranstaltete er regelmäßig die „Tage der Meere.“ Seit 2013 veranstaltete er jährlich in Hamburg das Kurzfilmfestival „Beneath the Waves“. Er leitete Aktionen zur Säuberung von Stränden u. a. an der Nordsee.
Groß beriet die Europäische Union in Fragen der Fischereipolitik für Seerichtlinien. Als Mitglied des International Fund for Animal Welfare war er Delegierter bei der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO).
Onno Groß starb in der Nacht vom 2. zum 3. Oktober 2016 bei einem Unfall in Budapest. Dort nahm er an einem Kongress zum Thema Plastikmüll teil. Die Fachwelt urteilte, sein Tod sei „ein herber Verlust für den Meeresschutz“.
Die Verteilung der Meiofauna und der Foraminiferen am untermeerischen Hang der Färöer Inseln, Diplomarbeit am Institut für Hydrobiologie und Fischereiwirtschaft, Universität Hamburg, 1991.
Untersuchungen zur Autökologie, Wanderung und Bioturbation lebender benthischer Tiefsee-Foraminiferen (Protozoa). Dissertation. Institut für Hydrobiologie und Fischereiwissenschaft, Universität Hamburg 1998.
Foraminifera In: M.J. Costello, C. Emblow, R.J. White (Hrsg.): European register of marine species: a check-list of the marine species in Europe and a bibliography of guides to their identification. Collection Patrimoines Naturels. Muséum national d’Histoire naturelle, Paris 2001, ISBN 2-85653-538-0, S. 60–75.
Meeresfibel – Informationsbroschüre für Kinder zum Thema Meeresschutz, gefördert vom Bundesumweltministerium und vom Umweltbundesamt.
Polymeer, eine apokalyptische Utopie (The Polymer Sea, an Apocalyptic Utopia) (Mitarbeit). Onkel & Onkel, Kleinmachnow 2012.
Hans-Joachim Neubert, Winfried Maass: 100 rahvusparki: reis läbi viie maailmajao. (Mitarbeit). Trak Pen, Tallinn 2004, ISBN 9949-10-711-3.
Wissenschaftliche Abhandlungen (Auswahl)
Influence of temperature, oxygen and food availability on the migrational activity of bathyal benthic foraminifera: evidence by microcosm experiments. In: Hydrobiology, 426, 2000, S. 123–137 (Abstract).
Sediment interactions of foraminifera: implications for food degradation and bioturbation processes. In: The Journal of Foraminiferal Research vom 1. Oktober 2002 (Abstract).
Foraminiferen der Tiefsee: Schlüssel zum Verständnis des Kohlenstoff-Kreislaufes im Ozean. In: Biologie in unserer Zeit vom 19. September 2005 (Abstract, Text).