Die Olympischen Sommerspiele 1956 (offiziell Spiele der XVI. Olympiade genannt) fanden vom 22. November bis zum 8. Dezember 1956 in der australischen Stadt Melbourne statt. Es waren die ersten Olympischen Sommerspiele in der südlichen Hemisphäre. Wegen der strengen Quarantänebestimmungen für Pferde wurden die Reiterspiele jedoch fünf Monate früher vom 10. bis 17. Juni in Stockholm (Schweden) ausgetragen.
Melbourne wurde auf der 43. Sitzung des IOC am 28. April 1949 in Rom zum Austragungsort gewählt. Im letzten Wahlgang setzte sich die Stadt mit einer Stimme Vorsprung gegen Buenos Aires durch. Andere Bewerberstädte waren Mexiko-Stadt sowie mit Los Angeles, Detroit, Chicago, Minneapolis, Philadelphia und San Francisco sechs US-amerikanische Städte.
Offiziell eröffnet wurden die Spiele durch Philip, Duke of Edinburgh. Den Athleteneid sprach der australische Leichtathlet John Landy. Letzter Fackelträger war der australische Leichtathlet Ron Clarke.
Vor 1956 liefen die Sportler bei der Schlussfeier, wie bei der Eröffnung, nach Nationen getrennt ein. In Melbourne kamen nach einem Vorschlag des 17-jährigen Melbourners John Wing als Symbol globaler sportlicher Verbundenheit zur Schlussfeier alle gemischt ins Stadion. Nachdem Wing die Eröffnungsfeier gesehen hatte, wandte er sich mit einem Brief an die Organisatoren, in dem er vorschlug, dass die Athleten bei der Schlussfeier nicht mehr nach Nationen getrennt einmarschieren, sondern sich frei bewegen können sollten. Damit stellten die Athleten sich als Mitglieder einer großen olympischen Familie dar, in der es keine Nationen und Grenzen gebe. Der Vorschlag und die daraufhin ungezwungen abgelaufene Abschlussfeier fanden großen Anklang, sodass dies seither als olympische Tradition gilt.
Die erfolgreichsten Sportler waren die Turnerinnen Ágnes Keleti aus Ungarn mit vier Goldmedaillen und zwei Silbermedaillen und Larissa Latynina aus der Sowjetunion mit vier Goldmedaillen, einer Silbermedaille und einer Bronzemedaille.
Der beste männliche Sportler war der sowjetische Turner Wiktor Tschukarin mit drei Goldmedaillen, einer Silbermedaille und einer Bronzemedaille.
Herausragende Leistungen von Sportlern des Gastgeberlandes kamen von der Sprinterin Betty Cuthbert mit den Goldmedaillen über 100 Meter, 200 Meter und in der 4-mal-100-Meter-Staffel sowie der Schwimmerin Dawn Fraser mit zwei Goldmedaillen und einer Silbermedaille.
Zur olympischen Legende wurde der deutsche Olympiasieger Hans Günter Winkler mit seiner Wunderstute Halla während der Reiterspiele in Stockholm.
Zum ersten Mal in der Geschichte wurden die Olympischen Spiele außerhalb Europas und der USA auf der Südhalbkugel ausgetragen.
Beim finalen Fackellauf in Sydney gab sich der Tiermedizin-Student Barry Larkin verkleidet und mit einer aus Hausrat gebastelten Fackel als Fackelträger aus. Er wurde von örtlichen Polizeikräften bis zum Empfang des Bürgermeisters eskortiert, wo dieser auf den Fehler aufmerksam gemacht wurde. Mit der von insgesamt neun Studenten der Universität Sydney organisierten Aktion wollten diese gegen den Fackellauf protestieren und auf den nationalsozialistischen Ursprung des Brauchs aufmerksam machen.
Der Flug der österreichischen Ruderer und mit 47 Sportlern aus Deutschland und 27 aus Jugoslawien war von einem Zwischenfall begleitet, so dass alle mit 15 Stunden Verspätung in Melbourne landeten. Von Hamburg aus gestartet, gab es eine Zwischenlandung in Anchorage, danach war das Ziel Honolulu, doch setzte ein Motor aus, so dass die Maschine nach Anchorage zurückkehren musste. Die Reparatur nahm fast einen ganzen Tag in Anspruch.
Fahnenträger für die deutsche Mannschaft bei der Eröffnungsfeier war der Leichtathlet Karl-Friedrich Haas.
Der Eröffnungstag (Donnerstag, 22. November) wurde zum allgemeinen Feiertag erklärt. Alle Schulen, Fabriken, Ämter, Banken und Geschäfte hielten geschlossen, Gaststätten waren nur bis 18:00 geöffnet. Es gab bereits Ausscheidungsspiele im Basketball, die aber noch nicht zum olympischen Turnier zählten. Österreich stellte 29 Athleten. Der Österreichische Rundfunk brachte täglich Direktübertragungen, die allerdings vom Deutschen Rundfunk übernommen wurden. Um 15:00 Ortszeit marschierten die Nationen zur Eröffnung ein. Österreich war die vierte Nation, Fahnenträger war der Radfahrer Franz Wimmer. Die Dressenfarbe (braun/beige abgestuft) des Teams wurde jedoch als wenig schwungvoll, bei den Damen eher einer »Bahnhofsmission« zuzuordnen, eingestuft. Großen Beifall erhielt das ungarische Team, welches ohne sowjetische Embleme auftrat. Das US-Team war in weiß und dunkelblau gekleidet, die Damen trugen rote Stöckelschuhe und rote Handtaschen. Die Damen der Sowjetunion waren ganz in weiß gekleidet. Als letztes Team marschierte Gastgeber Australien ein. Die Eröffnung wurde von Prinz Philip, dem Herzog von Edinburgh, vorgenommen. Gleichzeitig mit Melbourne entzündete vor dem Landestheater in Innsbruck Olympiasieger Toni Sailer die olympische Flamme.
Das olympische Dorf befand sich im Melbourne-Vorort Heidelberg und bot 6.000 Sportlern Platz.
Die erste Goldmedaille für Deutschland in Melbourne gewannen die Kanuten Meinrad Miltenberger und Michel Scheuer im Zweierkajak. Dies war auch die erste Goldmedaille für eine deutsche Mannschaft seit den Spielen in Berlin 1936; 1948 war Deutschland ausgeschlossen; 1952 hatten weder Westdeutschland noch das Saarland eine Goldmedaille erringen können, die DDR hatte nicht teilgenommen.
Carlo Pedersoli, später besser bekannt unter dem Namen Bud Spencer, nahm zum zweiten Mal nach 1952 an Olympischen Spielen teil. Er erreichte über 100 Meter Freistil den elften Platz.
Die Spiele waren die ersten, die live im Fernsehen übertragen wurden.
Bei den Spielen war es zum Eklat gekommen, als für das nationalchinesische Team versehentlich die Flagge der Volksrepublik China gehisst wurde. Die nationalchinesischen Athleten stürmten daraufhin unter dem Jubel der Zuschauer den Fahnenmast und rissen die rote Flagge herunter.