Als Die Olsenbande wird eine 14-teilige Filmreihe dänischer Gaunerkomödien bezeichnet, die keinen offiziellen Namen trägt. In den von 1968 bis 1998 entstandenen Filmen versucht ein Ganoventrio immer wieder, mit einem von seinem Anführer erdachten „großen Coup“ reich zu werden, scheitert aber stets aus unterschiedlichen und meist skurrilen Gründen.
Die drei Ganoven werden von Ove Sprogøe (Bandenchef und Namensgeber Egon Olsen), Morten Grunwald (Benny Frandsen) und Poul Bundgaard (Kjeld Jensen) dargestellt. Die Drehbücher stammen von Henning Bahs und Erik Balling. Balling führte mit Ausnahme des letzten Drehs bei allen Filmen Regie.
In Skandinavien, Polen, der DDR und in Ungarn wurden die Filme ein großer Erfolg. Einige waren auch im westdeutschen, Schweizer und österreichischen Fernsehen zu sehen, erreichten dort aber bei weitem nicht den Bekanntheitsgrad wie in der DDR. Nach Ansicht einiger Experten ist dies wahrscheinlich auf die westdeutsche Synchronisation zurückzuführen, die derjenigen der DEFA qualitativ unterlegen war. Nach der Abwicklung des Deutschen Fernsehfunks (DFF) sendeten neben dem Mitteldeutschen Rundfunk (MDR) fast alle dritten Programme die Filme in der DEFA-Fassung und trugen so zur Verbreitung auch im Westen Deutschlands bei.
Ab 1969 wurden alle Filme auch in einer norwegischen Version mit norwegischen Schauspielern verfilmt. Sie verlegte die Handlung von Kopenhagen nach Oslo. Im Anschluss entstand dort auch eine „Jugendversion“, die Olsenbande Junior, die auf der zuvor veröffentlichten 31-teiligen dänischen Fernsehserie Olsen-bandens første kup basiert.
Die Idee zur Olsenbande hatte Ende der 1960er Jahre der dänische Drehbuchautor Henning Bahs. Er erfand eine Geschichte über drei Kleinganoven, die dieselben Alltagssorgen haben sollten wie jeder „normale“ Mensch. Gemeinsam mit seinem Freund, dem Regisseur Erik Balling, schrieb er das Drehbuch zu dem Film Die Olsenbande (Arbeitstitel: Perlemorderne, übersetzt „Perlenmörder“). Als Hauptdarsteller wählten sie Ove Sprogøe, Morten Grunwald und Poul Bundgaard, mit denen sie früher schon Filme gedreht hatten wie: Kaliber 7,65 – Diebesgrüße aus Kopenhagen, Slå først, Frede (auf Deutsch: Schlag zuerst, Frede), 1965; Slap af, Frede (auf Deutsch: Entspann dich, Frede), 1966; Martha, 1967. Diese Filme gelten auch als Vorläufer der Olsenbande.
Der Film hatte am 11. Oktober 1968 Premiere. In Dänemark wurde er ein großer Erfolg, worauf 1969 die Fortsetzung Die Olsenbande in der Klemme gedreht wurde. Weil dieser ebenfalls Erfolg beim Publikum hatte, konnte der erste Film ins Ausland verkauft werden (DDR und Polen 1970, Schweden 1971).
Ab dem dritten Film Die Olsenbande fährt nach Jütland (1971) wurden die Hauptfiguren mit ihren Stärken und Schwächen mehr und mehr gefestigt. Bis 1979 erschien ab da jährlich ein weiterer Film.
1974 sollte die Reihe mit Der (voraussichtlich) letzte Streich der Olsenbande eingestellt werden, allerdings erschien bereits im Folgejahr Die Olsenbande stellt die Weichen. 1981 wurden die Filme Die Olsenbande fliegt über die Planke und Die Olsenbande fliegt über alle Berge veröffentlicht, die eine drei Stunden lange, in sich geschlossene Handlung erzählen. Diese Filme waren erneut als Abschluss der Reihe gedacht.
1987 starb die Hauptdarstellerin Kirsten Walther. 1996 drehten Sprogøe, Grunwald und Bundgaard unter Ballings Regie den viereinhalbminütigen Werbefilm Olsen-Bandens spareplan für einen dänischen Energieversorger. Nach den positiven Reaktionen auf diesen Film entstand 1998 Der (wirklich) allerletzte Streich der Olsenbande. Während der Dreharbeiten verstarben der Hauptdarsteller Poul Bundgaard sowie kurz darauf Regisseur Tom Hedegaard. Bundgaard wurde durch ein Double ersetzt. Am 18. Dezember 1998 hatte der Film in Dänemark Premiere.
Außerdem entstanden zur Olsenbande unter anderem eine Kinder-Fernsehserie, ein Kinderfilm, eine Reihe von Computeranimationsfilmen und mehrere Theaterstücke (siehe Wirkungsgeschichte).
Hauptfiguren und Hauptdarsteller
Egon Olsen, Gentlemanverbrecher mit starkem Repetitionsdrang und Perfektionist, ist Chef und Namensgeber der Olsenbande. Während seiner Aufenthalte im Gefängnis (stets im Vridsløselille Statsfængsel) entwickelt er jedes Mal einen „genialen“ und „todsicheren“ Plan, den er nach seiner Entlassung seinen beiden Komplizen vorstellt. Als einziges Bandenmitglied sucht er Zugang zu „besseren Kreisen“. Seine Markenzeichen sind graue Melone, Nadelstreifenanzug und Zigarre (in den frühen Filmen raucht er sie meistens noch, später zündet er sich eigentlich nur noch zur Feier seiner Entlassung eine Zigarre tatsächlich an) – den kalten Zigarrenstummel behält er selbst dann im Mund, wenn er geknebelt wird.
Egons größte technische Fertigkeit ist das Knacken von Tresoren nur mit Stethoskop und Fingerspitzengefühl am Zahlenschloss, wobei er auf Panzerschränke des Herstellers „Franz Jäger, Berlin“ spezialisiert ist, auf die die Olsenbande immer wieder trifft (siehe Running Gags). Dieser Vorgang folgt einem Ritual: Zunächst reibt sich Egon die Hände mit Talkum ein, dann zieht er zwei lange rote Gummihandschuhe an, dann wird das Stethoskop angelegt, dann geht er in größtmöglicher Stille ans Werk. Als Künstler lässt er sich diese Hilfsmittel von anderen anreichen, meist von Benny und Kjeld.
Egon zeigt sich generell als unterkühlter Pedant, der für seine Gegner, aber nicht selten auch für Verbündete nur Geringschätzung übrig hat. Er lacht selten, komische Situationen bewirken bei ihm eher Befremdung. Witzen, meist von Benny, begegnet er mit Argwohn oder stummer Missbilligung. Im Regelfall bleibt er auch in verzweifelten Situationen der abgebrühte Profi, nüchterne Denker und ehrgeizige Antreiber. Er neigt jedoch bei Missgeschicken – insbesondere wenn Benny, Kjeld oder Yvonne die abgesprochenen Pläne nicht zu seiner Zufriedenhalt einhalten – zu Schimpftiraden (bei denen er über ein beträchtliches Repertoire an Schimpfwörtern verfügt; siehe Running Gags) und mitunter auch zu Zerstörungswut. Wird er von Gegenspielern hereingelegt, ordnet er dem Verlangen nach Rache zumeist alle anderen Ziele unter.
Egon beherrscht die Kunst, anderen das Wort im Mund umzudrehen. Wenn beispielsweise Yvonne sich wieder von ihm lossagen oder ihm seinen Plan ausreden will, überzeugt er sie davon, dass seine Ansichten sich mit ihren doch genau decken. In Film 10 fordert Benny eine Entschuldigung von Egon, nachdem dieser ihm einen Coup absichtlich vermasselt hat. Die Szene endet damit, dass sich Benny bei Egon entschuldigt.
In den späteren Filmen werden häufig Egons fortschreitendes Alter und seine angeblich verminderte geistige Zurechnungsfähigkeit thematisiert. Seine Ansichten und kriminellen Methoden werden – obwohl Egon recht häufig Erfolg damit hat – sowohl von der Bande als auch von ihren Gegnern als nicht mehr zeitgemäß angesehen. Dies endet schließlich mit der Einweisung Egons in eine psychiatrische Anstalt am Ende des 13. Films. Trotzdem wird er im 14. Film von Oberstaatssekretär Hallandsen engagiert, da dessen Ansicht nach Egon der Einzige ist, der noch ordentlich arbeiten kann, auch wenn seine Methoden nicht unbedingt zeitgemäß sind. Im selben Film bezeichnet Inspektor Jensen Egon als Gentleman, mit der Begründung, er habe wenigstens immer nur illegale Verbrechen begangen, nicht wie viele Wirtschaftsverbrecher „heutzutage“, deren Verbrechen legal sind.
Für das Geburtsjahr Egons gibt es zwei Angaben: 1925 oder 1927. Die Anzahl seiner Haftstrafen ist nicht genau feststellbar. Nach Aussage von Benny aus Film 2 saß Egon 1962 (also mit 35 beziehungsweise 37) zum ersten Mal in Haft. Im selben Film feiert er seine zehnte Haftentlassung. Dem widerspricht, dass er am Ende des 10. Films Die Olsenbande steigt aufs Dach seine zehnte Haftstrafe antritt, samt Empfang mit Spalier und Gefängnisband. Insgesamt sitzt er während der Filme 25 Mal im Gefängnis – laut der Filme meistens jeweils etwa sechs bis acht Monate (außer im ersten Film – dort sitzt er zweimal je zwei Jahre und in der Zeit zwischen Film 13 und 14 (17 Jahre), da er nach Ende des 13. Films als unheilbar kriminell in die psychiatrische Abteilung eingewiesen wird). Im achten Film ist die Rede von 20 Verurteilungen. Trotzdem wird er am Ende des zehnten Films feierlich vom Gefängnisdirektor zum zehnten Mal begrüßt.