Sven Olof Joachim Palme (kurz Olof Palme, [ˈuːlɔf ˈpalˌmɛ] ; * 30. Januar 1927 in Stockholm; † 28. Februar 1986 ebenda) war ein sozialdemokratischer schwedischer Politiker, Staatsmann und zweimaliger Ministerpräsident Schwedens (1969–1976 und 1982–1986). Er galt international als Stimme für Abrüstung und Verständigung und setzte sich für die Belange der Dritten Welt ein.
Palme wurde am 28. Februar 1986 nach einem Kinobesuch auf offener Straße im Zentrum Stockholms erschossen. Nach zunächst erfolglosen Ermittlungen wurde im Jahr 1989 der drogenabhängige Christer Pettersson (1947–2004) für schuldig befunden, aber in zweiter Instanz freigesprochen. Eine 2017 neu zusammengestellte Ermittlungsgruppe gab 2020 bekannt, dass Stig Engström wahrscheinlich der Täter gewesen sei. Da dieser schon verstorben war, wurden das Verfahren und weitere Ermittlungen eingestellt. 2025 distanzierte sich die Staatsanwaltschaft nach einer neuen Untersuchung der Indizien gegen Engström von diesem Schlusssatz, lehnte aber aufgrund der unveränderten Beweislage eine Wiederaufnahme der Ermittlungen ab.
Olof Palme entstammte einer großbürgerlichen, konservativen und zugleich toleranten und weltoffenen Familie mit Wurzeln in Schweden, Finnland und Lettland. Sein Großvater väterlicherseits war der Generaldirektor Sven Palme, sein Großonkel der Bankvorstand Henrik Palme. Die Familie seines Vaters, des Generaldirektors Gunnar Palme (1886–1934), stammte aus den Niederlanden. Seine Mutter Elisabeth von Knieriem (1890–1972) war Tochter des deutsch-baltischen Agrarökonomen Woldemar von Knieriem. In den Wirren des Ersten Weltkriegs brach sie das Medizinstudium in Deutschland ab. Sie folgte ihrer nach Russland verschleppten Mutter und durfte 1915 nach Schweden ausreisen. 1916 heiratete sie Gunnar Palme, der sich auf konservativer Seite politisch engagierte. Er starb mit 48 Jahren an einem Aneurysma, als sein Sohn Olof sieben Jahre alt war. Der Historiker Sven Ulric Palme war Olof Palmes Cousin.
Olof Palme besuchte zuerst bis zur Oberschule die Privatschule „Beskowska“ in der nahe gelegenen Engelbrektsgatan und lernte als Kind Deutsch sowie Französisch. Später wechselte er an das Elite-Internat von Sigtuna und dann die Militärakademie Schwedens. Seinen Wehrdienst leistete er als Leutnant der Kavallerie ab. Durch Beziehungen seiner Mutter begann er – unbezahlt – für die größte konservative Zeitung des Landes, das Svenska Dagbladet, zu schreiben, bis er ein Stipendium der American-Scandinavian Foundation für das Kenyon College in Gambier in den USA erhielt. Dort lernte er unter anderem Paul Newman, den Politiker William Bulger und den Juristen Henry Abraham kennen, mit denen er lebenslang befreundet blieb. An den Wochenenden besuchte er Fabriken und machte sich mit der Gewerkschaftsbewegung vertraut. Innerhalb des einen Studienjahres 1947/48 erhielt er den Bachelor of Arts mit einer Arbeit über den Freiheitsbegriff in Friedrich August von Hayeks Der Weg zur Knechtschaft und schloss einige Monate an, in denen er per Anhalter 34 US-Bundesstaaten bereiste. Die Erfahrung der USA gab ihm laut späterer Eigeneinschätzung ein starkes Gefühl für die dort herrschende soziale Ungleichheit. Im Herbst 1948 begann Palme ein Studium der Rechtswissenschaft an der Universität Stockholm und trat dort dem Sozialdemokratischen Studentenverein bei, 1952/1953 war er Vorsitzender der Schwedischen Hochschülerschaft. Er beendete das Studium mit einem Bachelor of Laws.
Er war als Freiwilliger am Bau der 1947 eröffneten Bahnstrecke Šamac–Sarajevo in Jugoslawien beteiligt.
Von 1949 bis 1952 war er mit der Tschechin Jelena Rennerová in einer Scheinehe verheiratet. Am 9. Juni 1956 heiratete Palme die Psychologin Lisbeth Beck-Friis (* 14. März 1931; † 18. Oktober 2018); sie bekamen drei Söhne: Joachim, Marten und Mattias.
Im Jahr 1953 wurde er Sekretär des 25 Jahre älteren Ministerpräsidenten Tage Erlander, mit dem sich rasch eine enge Zusammenarbeit entwickelte. Beide setzten auf Schritte zur Veränderung der sozialen und politischen Gesellschaftsstruktur in Schweden. Als rechte Hand des Premierministers mit einer Strategie zur Modernisierung und Erneuerung stieß Olof Palme nicht nur auf Wohlwollen. Vor allem konservative Kreise beargwöhnten sein Vorgehen erheblich. Im Jahr 1955 wurde er zum Vorstand des sozialdemokratischen Jugendverbandes gewählt. Als nächsten Schritt schaffte er es 1958 in die erste Kammer des Parlaments einzutreten. Zwei Jahre später nahm Palme eine leitende Position in der schwedischen Regierungskanzlei ein. Im Jahr 1963 wurde Palme Minister, hier noch ohne Amtsbereich, aber 1965 dann Verkehrs- sowie 1967 Bildungsminister. In diesem Amt verfolgte er das Ziel der Reformierung des schwedischen Bildungssystems, um größere Chancengleichheit für alle zu erreichen. Ab Oktober 1969, nach dem Rücktritt Tage Erlanders übernahm Palme den Parteivorsitz in der schwedischen Sozialdemokratie und wurde Erlanders Nachfolger als Ministerpräsident.
In dieser Zeit hatte Palme an der Umsetzung der Idee von der „starken Gesellschaft“ mitgewirkt, die Erlanders Reformpolitik der 1950er und 1960er Jahre geprägt hatte. Auf dem Weg dorthin setzte er sich mit Fragen der modernen Industriegesellschaft aber auch der gesellschaftlichen Wirklichkeit des Kommunismus auseinander. Das wurde von seinen Gegnern und der Presse genutzt, ihn auf die übelste Art zu diffamieren. Dabei verfolgte er das Ziel der Fortsetzung und Realisierung der für Schweden und Skandinavien notwendigen gesellschaftlichen Veränderungen. Für sein Land brachte er maßgebliche familienpolitische Reformen auf den Weg, darunter zur Gleichstellung im Berufsleben, zur Kinderbetreuung und zur steuerlichen Gleichstellung der Ehepartner. Enorme Veränderungen erfuhr das schwedische Bildungssystem. Im Jahr 1968 demonstrierte er in Moskau an der Seite des nordvietnamesischen Botschafters gegen den Vietnamkrieg. Dies führte zum temporären Abzug des Botschafters der USA aus Schweden. Nicht nur innenpolitisch, sondern auch auf internationaler Ebene war er zu einer bekannten politischen Persönlichkeit geworden.
Nach seinem Amtsantritt als Regierungschef 1969 versuchte Palme, die Politik Erlanders fortzuführen, begegnete aber Problemen, die nicht nur wirtschaftlicher Art waren, sondern zum Teil auch durch die von ihm verfolgten gesellschaftlichen Umbrüche mit hervorgerufen wurden. Mehr Mitbestimmung, breitere Demokratie hoben dabei das Selbstbewusstsein bisher nicht im Mittelpunkt stehender Bevölkerungskreise und deren Interessenvertretungen. Auch erschwerten die Verfassungsreform und die neue parlamentarische Situation nach der Wahl von 1973 eine stabile Zusammenarbeit über die Blockgrenzen hinweg; zum anderen überschatteten wirtschaftliche Probleme, vor allem nach der Ölkrise 1973, die soziale Reformarbeit. Die gewerkschaftliche Forderung nach Einführung von Arbeitnehmerfonds verschärfte die bestehenden Interessenwidersprüche, vor allem zu den bürgerlichen Parteien.
Palme war ein Befürworter der Atomkraft. Er sah u. a. in der aus seiner Sicht umweltfreundlichen technischen Entwicklung die Voraussetzung für höheres Wachstum und eine egalitärere Gesellschaft. Die Atomkraftdebatte entzweite die eigene Partei und brachte mit der Umweltpolitik und der grünen Bewegung neue politische Faktoren ins Spiel.
Wie kein anderer prägte Palme das Bild Schwedens im Ausland durch seine engagierte Außenpolitik: durch seine harte Kritik am Vietnamkrieg, als UNO-Vermittler im Irak-Iran-Krieg und durch seine internationalen Abrüstungsinitiativen, wie zum Beispiel im Rahmen der Palme-Kommission. Er hatte enge persönliche Beziehungen zu europäischen Politikern wie Willy Brandt und Bruno Kreisky und setzte sich in Zusammenarbeit mit Brandt Mitte der 1970er Jahre in der Sozialistischen Internationale dafür ein, dass die bisherigen Diktaturen Spanien, Portugal und Griechenland schnell den Weg zu stabilen Demokratien finden konnten.
Bei der Wahl zum Schwedischen Reichstag 1976 erzielte seine Sozialdemokratische Partei 42,7 Prozent der Stimmen, das schlechteste Ergebnis seit der Wahl 1932. Die bürgerlichen Parteien erreichten gemeinsam eine Mehrheit und regierten das Land zwei Legislaturperioden lang, bis Palme nach der Wahl 1982, bei der die Sozialdemokraten 45,6 Prozent der Stimmen erzielten, an die Macht zurückkehrte. Er blieb Regierungschef bis zu seinem Tod.