William Oliver Stone (* 15. September 1946 in New York City) ist ein US-amerikanischer Regisseur, Drehbuchautor und Produzent, der vor allem für politische Filme bekannt ist. Er wurde dreimal mit dem Oscar ausgezeichnet.
Oliver Stones Vater, Louis Stone, war Jude, seine Mutter eine in Frankreich geborene Katholikin. Die Eltern einigten sich auf den Kompromiss, Oliver episkopalisch zu erziehen. Stone ist später zum Buddhismus konvertiert. Die Familie war wohlhabend, der Sohn ging auf die Trinity-School in Manhattan, bevor er auf „The Hill School“ in Pennsylvania seine College-Reife erlangte. Die Ferien verbrachte er regelmäßig bei seiner Großmutter in Frankreich. Er spricht fließend Französisch.
Im Alter von fünf Jahren schrieb Oliver bereits Marionettentheater-Stücke für seine Cousins. Mit sieben schrieb er erste Geschichten, für die ihm sein Vater einen Vierteldollar pro Stück bezahlte. Mit neun begann er ein 100 Seiten langes Buch über seine Familie und das Leben im Allgemeinen zu schreiben.
Mit 14 Jahren wurde Stone von seinen Eltern auf ein Internat geschickt. Seine Eltern ließen sich dann in Olivers Abwesenheit scheiden. Der Vater hatte Affären mit Ehefrauen aus befreundeten Familien. Er war Broker an der Wall Street, bis er durch schlechte Investments finanziell Schiffbruch erlitt. Stone verarbeitete diese Erlebnisse in dem börsenkritischen Spielfilm Wall Street. Der Bankrott seines Vaters ließ Stone zum ersten Mal begreifen, dass er bisher ein privilegiertes Leben geführt hatte.
Nach einem eher erfolglosen Jahr an der Yale University ging Stone nach Vietnam und arbeitete als Englischlehrer. Er kehrte noch einmal nach Yale zurück, verließ die Universität aber erneut nach kurzer Zeit, da er zu sehr damit beschäftigt war, den extrem langen Roman A Child’s Night Dream zu schreiben, der von einer Reihe von Verlagen abgelehnt wurde. Stone warf das halbe Manuskript frustriert in den East River. Er ging als Freiwilliger in den Vietnamkrieg. Stone führt diese Entscheidung auf den Einfluss seines Vaters und der damaligen Filme zurück:
Stone diente von April 1967 bis November 1968 in Vietnam als Teil der 25th Infantry Division. Er bestand auf Fronteinsatz, wurde zweimal verwundet und mit den Orden Purple Heart und Bronze Star für „außerordentlich mutiges Verhalten in Kampfhandlungen“ geehrt. Seine Kriegserfahrungen verarbeitete Stone später in seiner Anti-Kriegsfilm-Trilogie Platoon, Geboren am 4. Juli (Born on the Fourth of July) und Zwischen Himmel und Hölle (Heaven & Earth).
Nach der Rückkehr aus dem Krieg erlebte Stone in Berkeley die Studentenrevolte mit. Er verbrachte einige Zeit in Mexiko. Bei seiner Rückkehr in die USA wurde er wegen Besitzes von Marihuana festgenommen, sein Vater hinterlegte eine Kaution und er kam wieder frei. Stone begann ein Studium an der Filmhochschule der New York University, an der Martin Scorsese sein erster Lehrer war. Stone schrieb nach Studienende zehn Drehbücher, die nicht realisiert wurden, und arbeitete als Taxifahrer und Kopierbote. 1972 konnte er sein erstes Drehbuch verkaufen und selbst verfilmen, das Horror-B-Movie Die Herrscherin des Bösen (Seizure).
Es folgte eine erneute Durststrecke. Stone arbeitete für eine Sportfilmproduktionsfirma und schrieb weitere 14 Drehbücher, darunter Platoon, in dem er seine alptraumhaften Erlebnisse im Krieg verarbeitete. Das Buch konnte er verkaufen, doch wurde die Produktion eines Filmes zunächst zurückgestellt. Für Columbia Pictures schrieb Stone schließlich das Drehbuch zu 12 Uhr nachts – Midnight Express (Midnight Express), für das er 1978 seinen ersten Oscar erhielt. Damit hatte Stone in Hollywood den Durchbruch geschafft. Weitere Drehbücher schrieb er unter anderem für Conan der Barbar (Conan the Barbarian), Scarface und Im Jahr des Drachen (Year of the Dragon).
In der Zeit seiner Erfolge wurde Stone drogensüchtig, lebte ein wildes Partyleben und war am Ende nahezu bankrott. Was ihn rettete, war der überwältigende Erfolg seines Films Platoon, für den er den zweiten Oscar erhielt – seinen ersten als Regisseur. Es folgte ein weiterer Regie-Oscar für Geboren am 4. Juli (Born on the Fourth of July). In beiden Filmen thematisierte Stone den Vietnamkrieg und löste politische Debatten aus. Es folgten weitere zeitgeist- und politikkritische Filme wie John F. Kennedy – Tatort Dallas (JFK), Natural Born Killers und Nixon – Der Untergang eines Präsidenten (Nixon).
Mit besonderer Optik bestechen insbesondere seine Werke JFK, Natural Born Killers und The Doors, die Stone neben weiteren acht Spielfilmen mit dem mehrfach Oscar-prämierten Kameramann und Bildgestalter Robert Richardson realisierte. Typisch für diese Filme sind verschiedenste Kamera- und Filmformate, die sich aus der gesamten Bandbreite visueller Ausdrucksformen generieren. In den Filmen JFK´und Natural Born Killers werden von Richardson/Stone die Formate VHS, 8mm, Super 8, 16mm, Super 16 (in Schwarzweiß, auch in Farbe) 35mm und 70-mm-Film sowie spezielle Kamerafilter und Kameraobjektive eingesetzt. Diese Formate zeichnen sich vor allem durch eine vollkommen unterschiedliche Körnung aus. Im anschließenden Filmschnitt werden die ohnehin schon hektisch und unruhig wirkenden Sequenzen durch eine hohe Schnittfrequenz zusätzlich verstärkt. Mittels dieser Techniken in Kombination mit entsprechenden Kameraeinstellungen, Beleuchtungstechniken, Maskenbildern, Kostümen und Drehorten wird die Wirkung eines Dokumentarfilms erzielt.
Stone bedient sich bei seinen Filmen durchaus aus dem Material anderer Autoren und verarbeitet dieses in seinen Drehbüchern. So basiert Salvador (1986) auf den realen Erlebnissen von Rick Boyle. Und das Drehbuch von John F. Kennedy – Tatort Dallas auf der literarischen Vorlage von Jim Garrison On the Trail of the Assassins (dt. Ausgabe 1992: Wer erschoß John F. Kennedy? – Auf den Spuren der Mörder von Dallas). Da Stone noch zum Zeitpunkt seines Interesses der filmischen Umsetzung mit eigenen Dreharbeiten beschäftigt war, hatte Zachary Sklar zunächst einen Entwurf verfasst, den Stone dann überarbeitete.
Sein über 15 Jahre vorbereitetes, ambitioniertes Filmprojekt über Alexander den Großen, Alexander (2004), wurde von vielen Kritikern „verrissen“, was Stone sehr schmerzte. Der Film war finanziell ein Misserfolg, dessen Ausmaß sich jedoch durch gute DVD-Verkaufszahlen abschwächte.
Stones nächster Film World Trade Center war eine der ersten filmischen Auseinandersetzungen mit den Anschlägen vom 11. September 2001. Der Film wurde von Stones rechten Kritikern gut angenommen, während ihm eher liberale und linke Beobachter vorwarfen, einen harmlosen und verklärenden Film gedreht zu haben.
Oliver Stone ist bekennender Drogenkonsument, was ihn mehrfach mit dem Gesetz in Konflikt brachte. Zur Zeit der Arbeit an Scarface erholte er sich gerade von seiner Kokainsucht. Auf der DVD zu Natural Born Killers berichtet die Produzentin Jane Hamsher, Stone habe während des Drehs halluzinogene Pilze konsumiert. Auch während des Drehs zu Platoon soll der Regisseur mit seinen Darstellern Marihuana geraucht haben, um eine Szene, in der die Soldaten Marihuana rauchen, so realistisch wie möglich wirken zu lassen.
1997 gehörte Stone zu den Unterzeichnern eines offenen Briefes an Bundeskanzler Helmut Kohl, der das Verhalten des deutschen Staates gegenüber der Scientology-Organisation mit der Judenverfolgung im Dritten Reich verglich. Der Brief wurde in der International Herald Tribune abgedruckt und sorgte in Deutschland für große Empörung.
2012 produzierte Stone in Zusammenarbeit mit dem Historiker Peter Kuznick eine zehnteilige Fernsehdokumentation über die amerikanische Geschichte von 1940 bis zur Wahl Obamas. Das 900-seitige Begleitbuch stammt auch von ihm.
Nachdem Ende Oktober 2012 Hurrikan Sandy während des Präsidentschaftswahlkampfs die Ostküste der USA getroffen hatte, kritisierte Stone sowohl Barack Obama als auch Mitt Romney dafür, dass sie sich bis dahin in ihren Wahlkampfdebatten nicht zum Klimawandel geäußert hatten. Das Problem sei schon lange bekannt, aber man tue nichts dagegen, weil es unbequem sei. Es sei leichter, gewählt zu werden, wenn man über Arbeitsplätze spreche.