Oliver Rolf „Oli“ Kahn (* 15. Juni 1969 in Karlsruhe) ist ein ehemaliger deutscher Fußballtorwart und Fußballfunktionär.
Er begann beim Karlsruher SC mit dem Fußball, wurde dort Profi und wechselte 1994 als 25-Jähriger zum FC Bayern München, mit dem er in 14 Jahren zahlreiche Titel gewann, darunter 2001 die Champions League sowie den Weltpokal. Er wurde dreimal zum IFFHS-Welttorhüter des Jahres gewählt und erhielt 2002 als erster und bisher einziger Torhüter den Goldenen Ball für den besten Spieler der Weltmeisterschaft. Von 1995 bis 2006 stand er bei 86 Länderspielen im Tor der deutschen Nationalmannschaft, wurde mit ihr 1996 Europameister und 2002 Vizeweltmeister.
Von 2008 bis 2020 war Kahn als Fußballexperte beim ZDF zu sehen, außerdem war er als Unternehmer tätig. Von Januar 2020 bis Mai 2023 war Kahn Mitglied im Vorstand der FC Bayern München AG. Am 1. Juli 2021 trat er die Nachfolge von Karl-Heinz Rummenigge als Vorstandsvorsitzender an. Am Abend vor dem letzten Spiel der Saison 2022/23 wurde er mit sofortiger Wirkung von seinen Aufgaben entbunden.
Oliver Kahn ist der jüngere Sohn des in Lettland geborenen Deutsch-Balten und ehemaligen Karlsruher Bundesliga-Fußballspielers Rolf Kahn. Oliver Kahns älterer Bruder Axel ist ebenfalls ehemaliger Karlsruher Profi-Fußballspieler.
Oliver Kahn legte 1988 sein Abitur am Helmholtz-Gymnasium in Karlsruhe ab und begann Wirtschaftswissenschaften an der Fernuniversität in Hagen zu studieren, schloss jedoch nur das Grundstudium ab. Von 2009 bis einschließlich 2011 belegte er an der Privatuniversität Schloss Seeburg den Studiengang General Management mit Nebenfach Sportmanagement, den er mit dem akademischen Grad Master of Business Administration abschloss.
Im Juni 1999 heiratete Kahn seine langjährige Freundin Simone Belz. Mit ihr hat er zwei Kinder (* 1998 und 2003). Von 2003 bis 2008 folgte eine Liaison mit der späteren Moderatorin Verena Kerth. 2008 kehrte Kahn in die Ehe zurück, 2009 teilte er die Trennung mit. Am 8. Juli 2011 heiratete er das Model Svenja Kögel, mit der er zwei Kinder (* 2011 und 2016) hat.
Als Kahn im Alter von sechs Jahren mit dem Fußballspielen begann, war er zunächst Feldspieler, doch schon bald wechselte er ins Tor. Anlass hierfür war eigenen Aussagen zufolge eine Torwartuniform der „Sepp-Maier-Edition“, die er von seinem Großvater zum Geburtstag bekommen hatte. Sein erster Verein war der Karlsruher SC, wo schon Kahns Vater Rolf von 1963 bis 1965 in der Fußball-Bundesliga gespielt hatte. Sein Bruder Axel brachte es für den KSC auf fünf Spiele im Profifußball. Auf der Torhüterposition durchlief er den Jugendbereich und spielte anschließend in der Amateurmannschaft des Vereins. In der Saison 1987/88 saß er dann zum ersten Mal bei den Profis auf der Ersatzbank und hatte am 27. November 1987 in Köln sein Bundesligadebüt. Im November 1990 hatte er sich in der Bundesligamannschaft des KSC einen Stammplatz erarbeitet und löste Alexander Famulla ab. Er spielte bis zu seinem Wechsel als unangefochtene Nummer eins im KSC-Tor. Der KSC unter Trainer Winfried Schäfer erreichte in den Jahren 1993 und 1994 jeweils Platz 6 und damit seine bisher beste Platzierung in der Bundesliga. Kahn stand auch beim Wunder vom Wildpark 1993 im Tor, als der KSC den FC Valencia in einem UEFA-Pokal-Spiel mit 7:0 schlug.
Für 4,6 Millionen Deutsche Mark (rund 2,4 Millionen Euro) wechselte er 1994 als Nachfolger von Raimond Aumann zum FC Bayern München. So viel war bis dahin nie für einen Bundesliga-Torhüter gezahlt worden. Während seiner Zeit beim FC Bayern gewann er den UEFA-Pokal, acht deutsche Meisterschaften, sechs Ligapokale, sechs DFB-Pokale sowie die UEFA Champions League und den Weltpokal. Den DFB-Pokal gewannen nur Bastian Schweinsteiger und Manuel Neuer häufiger als Kahn.
Während seiner Vereinskarriere wurde Kahn des Öfteren von gegnerischen Fans mit Bananen beworfen, um ihn wegen seiner angeblichen Ähnlichkeit mit einem Gorilla zu verspotten. In der Saison 2000/01 kam es am 34. Spieltag (19. Mai 2001) im Spiel gegen den Hamburger SV deshalb zu einem bemerkenswerten Ereignis im Fernduell um die deutsche Meisterschaft mit Schalke 04. Die Partie wurde aufgrund der Bananenwürfe und der daraus resultierenden Aufräumarbeiten verspätet angepfiffen. Patrik Andersson verwandelte in der 94. Minute einen indirekten Freistoß zum 1:1-Endstand, durch den die deutsche Meisterschaft vor dem sich bereits als Meister wähnenden FC Schalke 04 gesichert wurde.
Am ersten Spieltag der Saison 2006/07 bestritt Kahn gegen Borussia Dortmund sein 500. Bundesligaspiel, am 5. Dezember 2006 gegen Inter Mailand sein 100. Champions-League-Spiel.
Am 2. September 2007 löste er bei der Partie gegen den Hamburger SV Eike Immel als Rekord-Torhüter mit seinem 535. Bundesligaspiel ab. In der Saison 2001/02 erreichte er unter den Torhütern den Rekord für die Saison mit den meisten Bundesligaspieleinsätzen ohne Gegentor (19 Spiele) und wurde erst 13 Jahre später von Manuel Neuer mit 20 gegentorlosen Bundesligapartien übertroffen. Sein Rekord von 204 Spielen ohne Gegentor wurde 2021 ebenfalls von Neuer überboten.
Sein letztes Pflichtspiel bestritt Kahn am 17. Mai 2008, dem letzten Spieltag der Bundesliga-Saison 2007/08, als er im Heimspiel gegen Hertha BSC in der 89. Minute vom Platz ging und durch seinen Nachfolger Michael Rensing ersetzt wurde. München gewann das Spiel, Kahns 557. in der Bundesliga, mit 4:1 und stellte mit nur 21 erhaltenen Gegentoren einen neuen Bundesligarekord auf. Das letzte Pflichtspieltor gegen Kahn erzielte dabei Waleri Domowtschijski. Der FC Bayern begab sich dann noch auf eine Asien-Reise, bei der Kahn am 27. Mai 2008 im indischen Kalkutta gegen den Mohun Bagan AC vor rund 120.000 Zuschauern nach 14 Jahren im Bayern-Tor sein letztes reguläres Spiel für den FC Bayern bestritt. Das Spiel gewann Bayern mit 3:0 und Kahn bekam von den Gastgebern unter anderem einen Motorroller geschenkt. Ein Abschiedsspiel für Kahn fand dann am 2. September 2008 in der Allianz Arena zwischen dem FC Bayern München und der deutschen Nationalmannschaft statt. Vor dem Spiel wurde er zum Ehrenspielführer des FC Bayern München ernannt. Kahn wurde in der 75. Minute von Michael Rensing abgelöst und das Spiel wurde kurzzeitig unterbrochen, um Kahn zu verabschieden. Das Spiel endete 1:1.
Mehrmals hatte Manchester United unter der Leitung von Trainerlegende Sir Alex Ferguson Interesse an einem Transfer. Am konkretesten wurden die Wechselambitionen im Sommer 2003. Die Engländer suchten eine bessere Alternative zum französischen Nationaltorhüter Fabien Barthez. Auch beim FC Arsenal fahndete Arsène Wenger nach einem Nachfolger für den 40-jährigen David Seaman. Kahn deutete an, dass ihn ein Wechsel ins Ausland gereizt habe. Nach seinem Karriereende gab er an, dass er es bereue, diese Möglichkeit nicht angenommen zu haben. Damals sei es ihm aber wichtig gewesen, in München eine Ära zu prägen.
Erstmals in die Nationalelf berufen wurde Kahn im Herbst 1993, ohne jedoch zum Einsatz zu kommen. An der Weltmeisterschaft 1994 in den USA nahm er als dritter Torwart teil.
Sein Debüt im DFB-Team gab Kahn am 23. Juni 1995 beim 2:1-Sieg in Bern gegen die Schweiz. 1996 wurde er als Reservetorwart hinter Andreas Köpke Europameister in England. Als zweiter Torwart nahm er außerdem an der Weltmeisterschaft 1998 in Frankreich teil. Als Köpke nach dem Turnier aus der Nationalmannschaft zurückgetreten war, stieg Kahn zum Stammtorwart auf. Am 26. Januar 2002 übernahm er außerdem die Funktion des Kapitäns der deutschen Nationalmannschaft von Oliver Bierhoff.
Auch mit der Nationalmannschaft konnte Kahn Erfolge verbuchen, beispielsweise bei der Weltmeisterschaft 2002 in Japan und Südkorea, bei der er durch seine Leistung maßgeblich zum Erreichen des Finales beitrug und mit dem Goldenen Ball als bester WM-Spieler ausgezeichnet wurde. Im Endspiel gegen Brasilien allerdings wehrte er einen Schuss von Rivaldo unglücklich vor die Füße Ronaldos ab, der damit das 1:0 erzielte. Im August 2004, nach der für Deutschland eher unglücklich verlaufenen Europameisterschaft in Portugal, wurde Kahns Mannschaftskollege Michael Ballack vom FC Bayern München neuer Kapitän der Nationalmannschaft.