Olaf Ludwig (* 13. April 1960 in Gera) ist ein ehemaliger deutscher Radrennfahrer und Olympiasieger im Radsport.
In den 1980er- und 1990er-Jahren war er in dieser Sportart einer der erfolgreichsten Deutschen. Seine größten internationalen Erfolge als „Staatsamateur“ der DDR waren zwei Gesamtsiege bei der Internationalen Friedensfahrt in den Jahren 1982 und 1986 sowie der Olympiasieg im olympischen Straßenrennen bei den Olympischen Sommerspielen 1988. Auf nationaler Ebene siegte er 1986 und 1989 bei den DDR-Straßen-Radmeisterschaften im Einzelrennen. 1981 Weltmeister Mannschaftsfahren
Nach dem Fall der Berliner Mauer unterzeichnete er Ende 1989 seinen ersten Profivertrag. Als Profi gewann er insgesamt drei Etappen der Tour de France sowie einmal die Sprintwertung um das grüne Trikot. Im Jahr 1992 wurde er Gesamtsieger im Rad-Weltcup. Bei den Straßen-Radweltmeisterschaften im folgenden Jahr erreichte er den dritten Platz im Einzelrennen der Profis.
Nach dem Ende seiner aktiven Laufbahn gründete er das Unternehmen Olaf Ludwig Cycling GmbH, das bis zum 31. Oktober 2006 das Team T-Mobile leitete. Darüber hinaus übernahm er verschiedene Funktionen beim Bund Deutscher Radfahrer, bei der Profimannschaft Team Telekom sowie beim Weltradsportverband UCI.
Olaf Ludwigs Eltern waren der Maschinist Rolf Ludwig († 1977) und Sieglinde Ludwig. Seit 1967 lebte die Familie im Geraer Stadtteil Thieschitz. Schon in seiner Kindheit war Olaf Ludwig sehr sportbegeistert – er spielte Fußball und war Leichtathlet. In beiden Sportarten verfügte er nach Meinung seiner Trainer über ein gewisses Talent.
Im Mai 1972 war Gera Etappenort der Internationalen Friedensfahrt, wobei der DDR-Fahrer Karl-Heinz Oberfranz Etappensieger wurde. Dieses Ereignis war für den zwölfjährigen Olaf derart beeindruckend, dass er bei der SG Dynamo Gera Mitte bei seinem ersten Übungsleiter Heinz Hiepe mit dem Radsport begann. Dort wurde sein Talent schnell erkannt. Bereits ein Jahr später sollte der Junge entsprechend dem Leistungssportsystem der DDR zu einem Verein in Berlin delegiert werden. Dies hätte bedeutet, ihn auf ein Internat zu schicken. Seine Eltern lehnten jedoch ab, und Olaf blieb in Gera.
Ab 1974 wurde er bei der SG Wismut Gera, zu der die Rennabteilung der Sportgemeinschaft Dynamo gewechselt war, vom ehemaligen Straßenfahrer Werner Marschner trainiert, der ihn sehr förderte. Einen Titel gewann er bei den Rennen der Kinder- und Jugendspartakiade 1977. Nachdem er 1976 bei der Internationalen Junioren-Sternfahrt in Neugersdorf den dritten Platz belegt hatte, wurde er in die Junioren-Nationalmannschaft der DDR aufgenommen.
1977 war das bis dahin erfolgreichste Jahr für den jungen Olaf Ludwig. Bei den Jugendwettkämpfen der Freundschaft in Havanna gewann er mit Thomas Barth, Falk Boden und André Kluge im Mannschaftszeitfahren. Wenige Wochen später errang die Mannschaft bei den Junioren-Weltmeisterschaften im österreichischen Stockerau die Goldmedaille. Im August desselben Jahres lernte er in einer Disco seine spätere Ehefrau kennen. Überschattet wurde dieses für Olaf Ludwig so erfolgreiche Jahr im November durch den plötzlichen Tod seines Vaters Rolf.
Den Juniorenweltmeistertitel konnte die Mannschaft in unveränderter Besetzung 1978 in Washington, D.C. verteidigen. Im Sommer 1979 legte er – gemeinsam mit Thomas Barth – an der Kinder- und Jugendsportschule in Gera das Abitur ab. Neben seiner Radsportkarriere begann er in Leipzig ein Studium zum Sportlehrer, übte den Beruf aber niemals aus.
1979 errang er mit dem Gewinn der Wertung für den besten Nachwuchsfahrer in der DDR-Rundfahrt einen Achtungserfolg. International konnte er mit zwei Etappensiegen in der Setubal-Rundfahrt in Portugal auf sich aufmerksam machen. Nachdem er die Oder-Rundfahrt gewonnen hatte, nahm er 1980 erstmals an der Internationalen Friedensfahrt teil und sorgte für Aufsehen, als er gleich die erste Etappe rund um Breslau gewann und zwei Etappen lang das Gelbe Trikot trug. In Berlin konnte er auch die sechste Etappe gewinnen – eine Prestigefrage, da hier bei der Zieleinfahrt die Staats- und Parteiführung der DDR auf der Tribüne saß. Zwei Tage später gewann er die achte Etappe in Halle und anschließend noch das Bergzeitfahren in Solenice. Seine erste Friedensfahrt konnte er mit einem dritten Platz in der Gesamtwertung beenden.
Im selben Jahr nahm er in Moskau an seinen ersten Olympischen Spielen teil. Im Mannschaftszeitfahren gewann er mit Hans-Joachim Hartnick, Bernd Drogan und Falk Boden knapp die Silbermedaille, beim Einzelrennen wenige Tage später wurde er jedoch nur Zweiunddreißigster. Kurz nach seiner Rückkehr heirateten Olaf und Heike Ludwig im August 1980, nachdem ihre erste gemeinsame Tochter im Juli 1979 zu Welt gekommen war.
1981 siegte er bei der Niedersachsen-Rundfahrt (mit drei Etappensiegen), anschließend konnte er fünf Etappensiege bei der Friedensfahrt feiern und belegte in der Gesamtwertung den vierten Platz. 1982 konnte er schließlich seinen ersten Friedensfahrt-Gesamtsieg feiern, nachdem er das Gelbe Trikot, das er im Prolog gewonnen hatte, schon am nächsten Tag verloren und erst in der vorletzten Etappe zurückgeholt hatte. Über die Folgen dieses Sieges schrieb er später in seiner Autobiografie Höllenritt auf der Himmelsleiter:
1980, 1981 und 1988 siegte er im Auswahlrennen Rund um Langenau. Im September 1982 wurde er mit dem Nationalteam der DDR Mannschaftssieger bei der Tour de l’Avenir in Frankreich. 1983 wurde er bei dieser Tour Gesamtsieger. Im selben Jahr wurde er zum zweiten Mal Vater – am 3. Oktober kam sein Sohn zur Welt. 1983 startete er bei den UCI-Straßen-Weltmeisterschaften und wurde als Sechster im Straßenrennen der Amateure klassiert. 1980 (mit Thomas Barth), 1982 (mit Gerald Mortag), 1983 (mit Jörg Köhler) und 1987 (mit Andreas Wartenberg) gewann er die 6 Tage um den Preis der Jungen Welt.
1984 konnte er wegen des Boykotts der sozialistischen Staaten nicht an den Olympischen Spielen in Los Angeles teilnehmen.
Als Ersatz wurden auf dem Schleizer Dreieck die sogenannten „Internationalen Wettkämpfe der Freundschaft“ ausgetragen. Ein Sieg bei diesen Wettkämpfen, bei denen 33 Fahrer aus elf Ländern teilnahmen, sollte vom DTSB wie ein Olympiasieg gewertet werden. Trotz der heimischen Kulisse konnte Olaf Ludwig nur Platz acht erreichen.
1985 musste er wegen einer schweren Erkältung erstmals auf den Start bei der Friedensfahrt verzichten. Allerdings wurde er wenig später Gesamtsieger der Rheinland-Pfalz-Rundfahrt.
1986 gewann er die Internationale Friedensfahrt zum zweiten Mal und gewann den Titel bei den DDR-Meisterschaft im Straßenrennen. Die Friedensfahrt begann am 7. Mai in Kiew – nur zwei Wochen nach dem Reaktorunfall von Tschernobyl. Wegen der Nähe zum Reaktor in Tschernobyl sagten bis auf Frankreich und Finnland alle westlichen Länder ab. Gemäß Weisung der Regierung ging das DDR-Team dennoch an den Start, und Ludwig ging aus der Tour als Sieger hervor – die Formulierung „strahlender Sieger“ durften die allesamt staatlichen DDR-Medien Weisung aus Ost-Berlin in diesem Jahr nicht verwenden. Für seinen Sieg wurde Ludwig in der DDR erstmals zum Sportler des Jahres ernannt. Im Frühjahr hatte Ludwig Berlin–Leipzig gewonnen.
Bei der Friedensfahrt 1987 trat erstmals der junge Usbeke Dschamolidin Abduschaparow an. Er wurde in den folgenden Jahren Ludwigs wichtigster Rivale. Ihre Sprintduelle wurden legendär. In der Friedensfahrt konnte Ludwig im Verlauf seiner Karriere alle Sonderwertungen mindestens einmal gewinnen.