Der XO-1 der Initiative One Laptop Per Child, deutsch „Ein Laptop pro Kind“, (kurz OLPC) war ein preisgünstiger, robuster und speziell an Kinderbedürfnisse angepasster Laptop, der für den Einsatz im Schulunterricht, insbesondere in Entwicklungs- und Schwellenländern, vorgesehen war. Er wurde auch als 100-Dollar-Laptop oder Children’s Machine bezeichnet.
Das Projekt bezeichnete sich als Ausbildungsprojekt, nicht als Laptopprojekt. Der Leitgedanke war, den Computer zu einem kindgerechten und vielseitigen Lernwerkzeug für die Schule zu machen und den Zugang zu aktuellem Wissen über digitale Medien aller Art und das Internet zu ermöglichen. Die Verwendung von freier Software wurde angestrebt. Gründer und Vorsitzender der Initiative war der MIT-Professor Nicholas Negroponte.
Der Einsatz als Schülerlaptop im Rahmen von E-Learning erforderte eine Umgestaltung des Laptopdesigns, weg von der bisherigen Konzeption als Bürogerät für Erwachsene hin zur Gestaltung als Lernwerkzeug. Dazu wurden sowohl die Hardware als auch die Software für die Anforderungen und Bedürfnisse von Schülern maßgeschneidert: Es wurde eine neue grafische Benutzeroberfläche namens Sugar konzipiert.
Der Lerncomputer sollte als Plattform für unterschiedliche Lernkonzepte und Unterrichtsmethoden dienen, wobei im Rahmen des Projektes die Konstruktivistische Didaktik nach Seymour Papert im Vordergrund stand. Nach diesem Konzept soll der Lehrer den Schülern selbständiges Lernen ermöglichen, kann aber daneben weiterhin auf klassische Unterrichtsmethoden bis hin zum Frontalunterricht zurückgreifen.
Der Laptop sollte nicht nur Unterrichts-, sondern auch Kommunikationsmedium sein. Er konnte zur Nutzung von Lernprogrammen, zum Lesen von E-Books oder für netzbasierte Videokonferenzen, Telefongespräche und Chats verwendet werden. Der Laptop ermöglichte die spontane Bildung von Lernteams (kollaboratives Lernen), indem sich die Computer auf Anforderung ihrer Nutzer selbständig miteinander vernetzten (Mesh-Netzwerk). Die mitgelieferten Anwendungen waren für Gruppenarbeit über das Netz (LAN und Internet) optimiert. Dieses aktive, situierte Lernen sollte eine neue Qualität des Wissenserwerbs ermöglichen.
Träger des Projekts war die Non-Profit-Organisation „One Laptop per Child“ unter Vorsitz des MIT-Professors Nicholas Negroponte. Sie wurde nach Abschluss eines Forschungsprojekts am MIT Media Lab gegründet. Als gemeinnützige Gesellschaft war OLPC nicht auf Gewinnmaximierung ausgerichtet; das Projekt verstand sich als gemeinwohlorientiertes Bildungsprojekt. Die im Rahmen des Projekts entwickelte Software stellte OLPC als Open-Source-Projekt der Allgemeinheit als freie Software uneingeschränkt und kostenlos zur Verfügung. Damit stand es jedem frei, die Software weiterzuentwickeln und an spezifische Bedürfnisse anzupassen.
Die Zielgruppe des Geräts waren Schüler vorwiegend aus Entwicklungs-, Schwellen-, aber auch aus Industrieländern. Die durch hohe Stückzahlen erhoffte Verringerung der Produktionskosten sollte unmittelbar an die Abnehmer weitergereicht werden. Neben der Verbesserung der Schulausbildung zielte das Projekt darauf, die wachsende digitale Kluft zwischen Industrieländern sowie Entwicklungs- und Schwellenländern langfristig zu schließen. Durch seinen niedrigen Preis sollte der Laptop möglichst allen Bevölkerungsschichten den Zugang zum Internet und damit zu modernem Wissen erlauben und so Bildung ermöglichen. Daher unterstützten die Vereinten Nationen das Projekt.
Der MIT-Professor Seymour Papert hatte bereits in den 1970er Jahren in einem Forschungsprojekt Computertechnik in ein afrikanisches Dorf gebracht und beobachtet, dass Kinder, die vorher keinen Kontakt damit hatten, innerhalb kürzester Zeit lernten, den Computer zu bedienen und sich so neues Wissen anzueignen.
In der Folge kam am MIT Media Lab die Idee auf, einen preiswerten Laptop speziell für Entwicklungsländer zu konzipieren. Im Jahr 2001 wurde jedem Kind einer Dorfschule in Kambodscha ein damals moderner Laptop für den Schulunterricht zur Verfügung gestellt. Man testete, welche besonderen Anforderungen an ein solches Gerät im Rahmen des Schulunterrichts, insbesondere in einem infrastrukturell schwachen Gebiet gestellt werden, und zog daraus Schlussfolgerungen für das Design eines solchen Laptops.
Ausgliederung des Projektes One Laptop per Child
Als sich abzeichnete, dass das Projekt den Rahmen eines reinen Forschungsprojektes sprengen würde, wurde zu dessen Umsetzung in die Praxis die Non-Profit-Organisation One Laptop per Child (kurz: OLPC) gegründet und organisatorisch von der Universität getrennt. Vorstandsmitglieder waren unter anderem Nicholas Negroponte (Vorsitzender), Antonio Battro (Chief Education Officer) und Walter Bender (Software and Content)
Der Projektstart erfolgte im Januar 2005 auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos (Schweiz), als Nicholas Negroponte das Konzept zur Entwicklung eines Hundred-Dollar-Laptop-Project (HDLP) bekannt gab. Damals konnte als erster Partner AMD gewonnen werden. Noch im selben Monat folgten News Corporation und Google. Am 16. November 2005 stellte Nicholas Negroponte gemeinsam mit UN-Generalsekretär Kofi Annan auf dem zweiten Weltgipfel zur Informationsgesellschaft (WSIS) in Tunis erstmals öffentlich funktionsfähige Prototypen des 100-Dollar-Laptops vor.
Danach erhielt das Projekt von weiteren Partnern aus der Industrie wie etwa Marvell, Brightstar, Nortel, SES-Astra und Red Hat Unterstützung. In einer Pressemitteilung vom Dezember 2005 gab „One Laptop per Child“ bekannt, dass als Laptop-Hersteller das Unternehmen Quanta mit Sitz in Taiwan gewonnen werden konnte. Auf dem Weltwirtschaftsforum im Januar 2006 wurde schließlich die Zusammenarbeit von „One Laptop per Child“ mit dem Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen bekanntgegeben.
Im April 2006 begann der „Alpha-Test“ mit der Hauptplatine für die Großproduktion und ihren integrierten Komponenten. Im Juni 2006 erhielten die beteiligten Entwickler ca. 500 Stück der Hauptplatine für weitere Tests.
Im Sommer 2006 begann die Beta-Testphase. Beim Beta-Test 1 im November 2006 wurden 875 Laptops mit allen relevanten Komponenten an die Entwickler sowie für praktische Tests in Schulklassen versendet. Anschließend wurden die verwendeten Laptops zusätzlichen mechanischen Belastungstests unterzogen, um weitere Erkenntnisse über die Stabilität und maximale Belastbarkeit von Konstruktion und Design zu erhalten. Mitte Februar 2007 begann der Beta-Test 2 zur weiteren Optimierung des Systems. Etwa 2500 Beta-2-Laptops wurden wieder an Entwickler und zum testweisen Praxiseinsatz in Schulklassen versandt.
Parallel dazu wurden verschiedene Tastatur-Layouts für weniger verbreitete Sprachen wie Kinyarwanda, Amharisch, Urdu, Nepali, Kasachisch, Mongolisch, Devanagari, Paschtu oder Darī entwickelt. Bislang war für einige dieser Sprachen keine Computertastatur verfügbar. Es wurden auch verfügbare Tastatur-Layouts für verbreitete Sprachen wie Libysch, Türkisch oder Englisch an die Bedürfnisse der Zielgruppe des XO-Laptops angepasst.
Im Mai 2007 wurden für den Beta-Test 3 ca. 100 Stück produziert, Ende Juni 2007 ca. 2000 Stück des Prototyps der 4. Generation. Ende Juli 2007 wurde eine kleine Auflage an „pre-production test systems“ hergestellt (ca. 300 Stück), der sogenannte CTest-1, gefolgt von einem CTest-2. Diese Prototypen waren weitgehend identisch mit dem Endprodukt.
Die Serienproduktion des XO-Laptops startete im November 2007. Er wurde durch den Auftragsfertiger Quanta Computer Inc. mit Sitz in Taiwan hergestellt, die Auslieferung begann im Dezember 2007. Bis Mitte 2010 wurden etwa 2 Millionen Laptops produziert, die hauptsächlich in Uruguay, Peru, Mexiko, Ruanda, Haiti und in den USA eingesetzt werden. Der Laptop wurde beim Start der Großproduktion zu einem Preis von ca. 188 US-Dollar (umgerechnet etwa 135 Euro) angeboten. Die ursprünglich geplante Preissenkung auf 100 Dollar 2009 und 50 Dollar 2010 konnte nie verwirklicht werden; der Preis blieb bei 190 Dollar (Stand Ende 2009). OLPC gab für die Total Cost of Ownership (TCO), also die Fixkosten, die Wartung und den Internetzugang insgesamt 1 Dollar pro Woche an (Stand Ende 2009).