An diesem Tag

Norodom Sihanouk

Kambodschanischer Adliger, König von Kambodscha

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Preah Bat Samdech Preah Norodom Sihanouk Varman (Khmer: ព្រះករុណា ព្រះបាទសម្ដេចព្រះ នរោត្ដម សីហនុ រាជហរិវង្ស ឧភតោសុជាតិ វិសុទ្ធពង្ស អគ្គមហាបុរសរតន៍ និករោត្ដម ធម្មិកមហារាជាធិរាជ បរមនាថ បរមបពិត្រ ព្រះចៅក្រុងកម្ពុជាធិបតី, kurz នរោត្ដម សីហនុ, * 31. Oktober 1922 in Phnom Penh; † 15. Oktober 2012 in Peking) war von 1941 bis 1955 und von 1993 bis 2004 König von Kambodscha. Dazwischen betätigte er sich als Politiker, gründete 1955 die bis 1970 herrschende Partei Sangkum Reastr Niyum („Sozialistische Volksgemeinschaft“), war von 1958 bis 1960 Ministerpräsident, anschließend bis 1970 Staatsoberhaupt. Kambodscha war in dieser Zeit Mitglied der Bewegung der Blockfreien Staaten.

Nach seinem Sturz durch den pro-amerikanischen General Lon Nol führte er eine Exilregierung (GRUNK) und die Widerstandsorganisation FUNK. Die Roten Khmer setzten ihn von 1975 bis 1976 als nominelles Staatsoberhaupt des „Demokratischen Kampuchea“ ein, stellten ihn dann aber unter Hausarrest. Während der vietnamesischen Besetzung ab 1979 erneut im Exil, gründete Sihanouk 1981 die FUNCINPEC und war von 1982 bis 1987 Präsident der „Koalitionsregierung des Demokratischen Kampuchea“. In der Übergangszeit zwischen den Pariser Friedensabkommen von 1991 bis zu den Wahlen und der Wiedererrichtung der Monarchie 1993 war er Vorsitzender des Obersten Nationalrats.

Junger König unter französischem Protektorat

Sihanouk wurde als Sohn von König Norodom Suramarit und seiner Frau Sisowath Kossamak in Phnom Penh geboren. Prinz Sihanouk wurde auf französischen Schulen in Saigon (heute Ho-Chi-Minh-Stadt) und Paris erzogen. 1941 wurde er im Alter von 18 Jahren auf Betreiben der französischen Kolonialverwaltung unter dem Vichy-Regime zum König ausgerufen. Die Franzosen hofften, Sihanouk als gefügigen Vollzugsgehilfen ihrer Kolonialinteressen instrumentalisieren zu können. Nachdem die Japaner Indochina besetzt hatten, rief Sihanouk die Unabhängigkeit Kambodschas aus.

Nach der Niederlage Japans und der Rückkehr der französischen Kolonialmacht verstand er es, sich wieder mit Frankreich zu arrangieren. Gleichzeitig entwickelte er Ambitionen, Kambodscha in eine echte Unabhängigkeit zu führen. 1952 entließ Sihanouk die Regierung, setzte die Verfassung außer Kraft und ernannte sich zum Regierungschef. 1953 erklärte Sihanouk das Kriegsrecht, löste das gewählte Parlament auf und proklamierte – die Niederlage Frankreichs bei Dien Bien Phu 1954 vorausahnend – einseitig die politische Unabhängigkeit Kambodschas.

Nach der Unabhängigkeit war Kambodscha das einzige Land Indochinas, das die geplanten Wahlen auch durchführte, die von der monarchiekritischen Demokratischen Partei gewonnen wurden.

1955 dankte Sihanouk zugunsten seines Vaters Norodom Suramarit als König ab und gründete mit der „Sozialistischen Volksgemeinschaft“ (Sangkum Reastr Niyum) eine Partei, mit der er die Wahlen gewann. Sie erhielt offiziell 83 % der Stimmen. Da Norodom Sihanouk von der einfachen Bevölkerung als direkter Nachkomme der Gottkönige von Angkor verehrt wurde, war der Sieg der Sangkum so gut wie sicher. Sihanouk regierte von 1955 bis 1970 praktisch als Alleinherrscher und war nach dem Tode seines Vaters 1960 auch wieder Staatsoberhaupt, ohne jedoch den Königstitel wieder anzunehmen. Stattdessen war seine Mutter Sisowath Kossamak ab 1960 das zeremonielle Oberhaupt der Monarchie. Innenpolitisch leitete Sihanouk unter dem Schlagwort eines „Buddhistischen Sozialismus“ eine Verstaatlichungspolitik ein, außenpolitisch erklärte er die Neutralität Kambodschas.

Während Sihanouk von der Landbevölkerung als Gottkönig verehrt wurde, regte sich in Teilen der Studentenschaft und unter der städtischen Mittelschicht Opposition gegen Sihanouks Politik und Regierungsstil. In diese Zeit fiel die Formierung rechter (Khmer Serai) und linker (Rote Khmer) politischer Organisationen. Als Reaktion auf die Bombardierung kambodschanischer Dörfer nahe der Grenze zu Südvietnam durch die US-Luftstreitkräfte im Frühjahr 1965 brach Sihanouk die diplomatischen Beziehungen zu den USA ab. Obwohl er sich offiziell weiterhin zur Neutralität Kambodschas bekannte, lehnte er sich in der Folgezeit außenpolitisch verstärkt an die Volksrepublik China und den sowjetisch geführten Ostblock an. Er duldete eine heimliche Nachschubroute der Vietnamesischen Volksarmee vom Hafen Sihanoukville über kambodschanisches Gebiet zum Vietcong in Südvietnam, die die Amerikaner “Sihanouk Trail” (analog zum durch Laos verlaufenden Ho-Chi-Minh-Pfad) nannten. Dennoch empfing Sihanouk im November 1967 Jacqueline Kennedy, Witwe des ermordeten US-Präsidenten John F. Kennedy, in Angkor Wat. Damit begann dem auf Südostasien spezialisierten Historiker Milton Osborne zufolge eine Wiederherstellung der kambodschanisch-amerikanischen Beziehungen. Ab März 1969 bombardierte jedoch die US Air Force unter dem neuen Präsidenten Richard Nixon kambodschanisches Territorium, um den fortgesetzten Nachschub für den Vietcong durch Kambodscha zu unterbinden (Operation MENU).

Bürgerkrieg und Herrschaft der Roten Khmer

1970 kam es zum Konflikt zwischen Sihanouk und seinem seit 1969 amtierenden Ministerpräsidenten und Armee-Oberbefehlshaber, General Lon Nol. Während Sihanouk sich auf Auslandsreise in Paris aufhielt, forderte Lon Nol ein schärferes Vorgehen gegen vietnamesische Truppen auf kambodschanischem Boden. Sihanouk drohte mit der Verhaftung der Regierung, blieb aber im Ausland. Daraufhin unternahm Lon Nol im März 1970 einen Putsch, erklärte Sihanouk für abgesetzt und rief die Republik Khmer aus.

Sihanouk ging nach Peking ins Exil, wo er eine Koalition von Widerstandsgruppen arrangierte, die Front uni national du Kampuchéa (FUNK), die im Kambodschanischen Bürgerkrieg von 1970 bis 1975 gegen das pro-amerikanische Regime Lon Nols kämpfte. Die FUNK enthielt auch die kommunistische Guerilla der Roten Khmer, die zuvor gegen Sihanouks Sangkum-Regierung gekämpft hatten, sich nun aber mit ihm gegen den gemeinsamen Feind verbündeten. Zudem führte Sihanouk eine Exilregierung mit Sitz in Peking, das Gouvernement royal d'union nationale du Kampuchéa (GRUNK), das von der Volksrepublik China und den Ostblockstaaten unterstützt wurde.

In den von Lon Nols Herrschaft „befreiten Zonen“ Kambodschas übernahmen jedoch die zunehmend fanatischen Roten Khmer die Kontrolle. Diese verfolgten nicht nur vermeintliche „Rechte“, sondern auch angebliche Verräter in den eigenen Reihen brutal. Ab Mitte 1971 schalteten sie die Sihanouk-treuen Kräfte innerhalb der Widerstandsbewegung aus. Dennoch stand Sihanouk öffentlich zu dem Bündnis mit den Roten Khmer und repräsentierte die FUNK/GRUNK auf dem internationalen Parkett. Er verteidigte die Roten Khmer gegen Vorwürfe von Menschenrechtsverletzungen und Verbrechen. So behauptete er beispielsweise gegenüber Newsweek, dass Khieu Samphan ein Sozialist mit derselben Grundideologie wie der schwedische Ministerpräsident Olof Palme sei, und lobte die Arbeit der Roten Khmer in Kambodscha als „fantastisch“. Nur einmal in dieser Zeit reiste Sihanouk im September 1973 selbst in die „befreiten Zonen“ Kambodschas, wo er sich in der Uniform der Roten Khmer mit kariertem Halstuch (Krama) neben den Kommunistenführern Khieu Samphan und Ieng Sary fotografieren ließ.

Nachdem die Roten Khmer am 17. April 1975 die Hauptstadt Phnom Penh eingenommen hatten, bestätigten sie Sihanouk pro forma als Staatsoberhaupt. Er war jedoch ebenso machtlos wie sein Ministerpräsident Penn Nouth, da die tatsächliche Kontrolle von der Angka padevat („revolutionären Organisation“), d. h. dem Führungszirkel der Roten Khmer um Pol Pot, ausgeübt wurde. Sihanouk reiste im September 1975 kurz nach Phnom Penh, um seine verstorbene Mutter zu bestatten, bevor er am Silvestertag des Jahres 1975 dauerhaft nach Kambodscha zurückkehrte. Fünf Tage später setzte er die von den Kommunisten ausgearbeitete neue Verfassung des „Demokratischen Kampuchea“ in Kraft. Im März 1976 trat er – offiziell aus gesundheitlichen Gründen – als Staatsoberhaupt zurück, ihm folgte Khieu Samphan als Vorsitzender des Staatspräsidiums nach. In den drei Jahren bis zum Ende der Herrschaft der Roten Khmer Anfang 1979 stand Sihanouk unter Hausarrest, wurde stetig überwacht und von der Außenwelt abgeschirmt. Er lebte im Königspalast wie in einem „goldenen Käfig“. Während sie das Leben des Prinzen selbst verschonten, töteten die Roten Khmer mehrere seiner Familienangehörigen, darunter fünf Kinder und mindestens 15 Enkel.

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