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Normannische Eroberung Süditaliens

Die normannische Eroberung von Süditalien fand über einen Zeitraum von mehreren Jahrzehnten im 11. Jahrhundert statt.

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Die normannische Eroberung von Süditalien fand über einen Zeitraum von mehreren Jahrzehnten im 11. Jahrhundert statt.

Normannische Söldner dienten im Mezzogiorno verschiedenen langobardischen und byzantinischen Parteien. Mit der Zeit begannen die Normannen, eigene Besitztümer und Vorformen von Kleinstaaten zu errichten. Diese schlossen sich zusammen, was die Normannen mit der Zeit zu einem de facto unabhängigen Machtfaktor in der Region machte. Dies geschah bereits rund fünfzig Jahre nach ihrer Ankunft um 1017. Ihre ausgedehnten Eroberungen schlossen das Königreich Sizilien, den gesamten Süden der italienischen Halbinsel (mit Ausnahme von Benevento, das sie nur zweimal kurz besetzten) und Malta ein. Im Gegensatz zur normannischen Eroberung Englands, die nur einige Jahre in Anspruch nahm und mit einer Entscheidungsschlacht begann, war die Eroberung Süditaliens ein langer Prozess mit vielen kleinen Schlachten. Viele kleine normannische Parteien eroberten auf sich allein gestellt kleine Territorien, die sich mit der Zeit zu Staaten zusammenschlossen. Im Vergleich zur Eroberung Englands war der Ablauf ungeplant und unorganisiert, aber trotzdem andauernd.

Vorgeschichte und Ausgangslage

In der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts bot die Apenninenhalbinsel ein Bild politischer Zersplitterung. Die einstige Einheit von Nord- und Süditalien – zuletzt unter byzantinischer Herrschaft – war durch die langobardische Invasion (568) endgültig verloren gegangen. Als Folge der Eroberung des Langobardenreiches durch Karl den Großen (774) wurde der Norden Italiens ein Teil des Fränkischen Reiches. Dieses fungierte nicht nur als Schutzmacht des Papsttums und mit ihm des beginnenden Kirchenstaats, sondern übte zunächst auch noch die Oberherrschaft über das in Süditalien gelegene langobardische Herzogtum Benevent und die später daraus entstehenden Fürstentümer Capua und Salerno aus – ein Herrschaftsanspruch, der über die Person Karls des Großen an das Heilige Römische Reich Deutscher Nation quasi „weitervererbt“ wurde. So gut wie unabhängige Staatsgebilde waren hingegen das Herzogtum Neapel, das Gebiet um die Stadt Gaeta und die „Seerepublik“ Amalfi.

Unter Kontrolle des Byzantinischen Reiches waren nach der langobardischen Einwanderung und Eroberung lediglich Apulien, Kalabrien und – zunächst noch – Sizilien geblieben. Diese Gebiete waren wegen ihres fruchtbaren Bodens als Besitztümer überaus attraktiv – Sizilien hatte bereits im Römischen Reich als „Kornkammer“ fungiert – und bildeten eine wichtige, wenn auch weit entfernte, Flanke des Reiches, sie standen aber dennoch nie im Zentrum des byzantinischen Interesses. Das war mit ein Grund, dass die Herrscher in Konstantinopel weder in der Lage waren, dort eine lückenlose politisch-militärische Kontrolle zu gewährleisten, noch die Bewohner wirksam vor den Einfällen der Araber zu beschützen, die in der ersten Hälfte des 9. Jahrhunderts mit der Eroberung Siziliens begonnen hatten und seither mit zunehmender Häufigkeit auch das italienische Festland heimsuchten.

Da weder die römisch-deutschen Kaiser noch die oströmischen Herrscher auf Dauer wirksamen Schutz vor arabischen Einfällen garantieren konnten, waren die lokalen Machthaber und Stadtverwaltungen mehr oder minder zur Selbsthilfe gezwungen. Immer öfter nahmen sie normannische Kämpfer in ihre Dienste, die sich entweder als Pilger oder aber als landlose Abenteurer und Glücksritter – als nachgeborene Söhne waren viele von ihnen daheim nicht erbberechtigt – in Süditalien aufhielten. Die Normannen kämpften aber nicht nur gegen die „Sarazenen“, wie man die Muslime im Mittelmeerraum damals nannte, sondern wurden auch in den internen Querelen der süditalienischen Staatenwelt als Kampftruppe eingesetzt. Umgekehrt ergriffen die Abenteurer aus dem Norden schon bald die Gelegenheit, welche sich aus der politisch instabilen Lage in Süditalien ergab, beim Schopf und begannen sich dort dauerhaft zu etablieren, indem sie die Rivalitäten der lokalen Machthaber ausnützten, um sich eigene Herrschaftsbereiche aufzubauen. Ihr erfolgreiches Beispiel sorgte wiederum für weitere Zuzügler aus der Heimat, unter denen sich auch die Söhne Tankreds von Hauteville befanden, welche die weitere Geschichte Süditaliens entscheidend prägen sollten.

Erstmals in der Gegend erwähnt wurden normannische Ritter im Jahre 999. Es waren normannische Pilger, die von ihrer Pilgerfahrt aus Jerusalem zurückkehrten und einen Zwischenhalt in Salerno einlegten. Die Stadt und deren Umgebung wurde zu dieser Zeit von Überfällen der Sarazenen aus Nordafrika heimgesucht, die den jährlichen Tribut forderten. Die Normannen wurden von Fürst Waimar III. von Salerno freundlich empfangen, da er sich von ihnen Hilfe gegen die Sarazenen versprach. Während Waimar versuchte, den geforderten Tribut einzutreiben, waren die Normannen der Überlieferung zufolge über den Mangel an Mut der Langobarden erschrocken. Sie nahmen die Sache in die Hand, griffen die Sarazenen an und vertrieben sie aus der Gegend. Waimar bat die Normannen zu bleiben, was sie jedoch ablehnten. Sie versprachen dem Fürsten aber, in der Normandie für ihn Söldner anzuwerben. Einige Quellen sprechen auch davon, dass Waimar Werber in die Normandie sandte.

Die nächste Erwähnung der Normannen betrifft das Jahr 1016. Normannische Pilger reisten zum Schrein des Erzengels Michael auf dem Gargano, trafen dort auf den langobardischen Adligen Melus von Bari und wurden von ihm überzeugt, einen Angriff auf die Byzantiner in Apulien zu führen, wenn man dem Bericht des Wilhelm von Apulien trauen darf. Die erste nachgewiesene normannische militärische Aktion in Süditalien war der Kampf mit Melus gegen die Griechen im Mai 1017.

Langobardische Revolte 1017 bis 1022

Am 9. Mai 1009 kam es in Bari zu einem Aufstand gegen den Gouverneur des byzantinischen Katepanats von Italien. Angeführt von Melus breitete sich der Aufstand schnell auf andere Städte aus. Um 1010 wurde der Katepan Johannes Kurkuas während einer Schlacht getötet. Im März 1010 traf sein Nachfolger Basilius Mesardonites mit Verstärkung ein und begann sofort die Aufständischen in der Stadt zu belagern. Die griechischen Bewohner der Stadt verhandelten mit Basilius und zwangen so die langobardischen Anführer Melus und seinen Schwager Dattus in die Flucht.

Basilius zog am 11. Juni 1011 in die Stadt ein und stellte die byzantinische Herrschaft wieder her. Es kam dabei nicht zu Repressalien gegen die Bevölkerung. Die Familie des Melus wurde jedoch nach Konstantinopel gebracht. Basilius starb 1016. Nach seinem Tod kam es unter der Führung des Melus erneut zu einer Rebellion. Dieses Mal wurden sie von einer Gruppe Normannen unterstützt, die entweder von Papst Benedikt VIII. geschickt worden war, oder die er durch die Vermittlung Waimars III. von Salerno auf dem Monte Gargano traf. Leo Tornikios Kontoleon wurde als Basils Nachfolger bestimmt und traf im Mai 1016 in Süditalien ein.

Leo sandte seinen General Leo Passianos mit einer Armee gegen das langobardisch-normannische Heer. Passianos’ und Melus’ Truppen trafen sich am Fluss Fortore in Arenula. Die Schlacht endete nach dem Geschichtsschreiber Wilhelm von Apulien unentschieden oder nach Leo von Ostia mit dem Sieg des Melus. Tornikios übernahm nach der ersten Schlacht selbst das Kommando und führte seine Truppen in eine zweite Schlacht in der Nähe von Civita. Diese zweite Schlacht gewann Melus. Die dritte Schlacht fand in Vaccarizia statt und war der entscheidende Sieg für Melus. Die gesamte Region von Fortore bis Trani fiel in seine Hände. Im September wurde Tornikios seiner Funktionen enthoben und durch Basilius Boioannes ersetzt. Dieser erreichte die Region im Dezember.

Auf Anfrage des Boioannes wurde eine Eliteeinheit der Warägergarde nach Italien gesandt, um die Normannen zu bekämpfen. Die beiden Heere trafen an den Ufern des Flusses Ofanto in der Nähe von Cannae aufeinander, dem Ort von Hannibals Sieg über die Römer. Die Schlacht von Cannae endet mit einem entscheidenden Sieg der Byzantiner. Boioannes begann sofort, eine Festung auf einem Pass der Apenninen zu bauen, um den Eingang in die apulische Ebene zu sichern. 1019 wurde die Festung Troia fertiggestellt und mit einem Kontingent normannischer Söldner besetzt. Dies ist ein eindeutiges Zeichen für die Söldnertätigkeiten der Normannen in der Gegend.

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