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Nordwest-Territorien

Territorium im Norden Kanadas

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Die Nordwest-Territorien (englisch Northwest Territories [nɔɹθˌwɛst ˈtʰɛɹɪtʰɔɹiz], französisch Territoires du Nord-Ouest [tɛʁiˈtwaʁ dy nɔʁˈwɛst]) sind neben Yukon und Nunavut ein Gebiet (Territorium) in Kanada. Diese drei den Norden des Staates Kanada bildenden Territorien sind im Gegensatz zu den Provinzen im Süden der kanadischen Bundesregierung direkt unterstellt. Hauptstadt der Nordwest-Territorien ist Yellowknife.

Im Jahr 2021 lebten auf einer Fläche von 1.127.711,92 km² 41.070 Menschen. Davon zählten sich 20.635 zu den Ureinwohnern, also Inuit, Métis oder First Nations, wie die Indianer in Kanada genannt werden. Letztere gliedern sich in 26 Stämme mit mehr als 17.000 Angehörigen auf. Die Bevölkerung, die 2011 bei 41.462 Einwohnern lag und damit nahezu unverändert blieb, lebt ganz überwiegend um die Hauptstadt Yellowknife und an der Mündung des Mackenzie in die Beaufortsee.

Das Klima ist überwiegend kaltgemäßigt (boreal) sowie im höchsten Norden polar – mit entsprechend Nadelwäldern im Süden, die nach Norden von Waldtundren abgelöst werden, die schließlich in die baumlose Tundra übergehen. Flora und Fauna sind an die kurzen Sommer und die langen Winter angepasst, wobei vor allem die größten Karibuherden Amerikas, im Norden auch Herden von Moschusochsen, prägend sind.

Die Wirtschaft basiert überwiegend auf der Gewinnung von Rohstoffen. Keine bedeutende Rolle mehr spielt der Pelzhandel, der allerdings für die Entwicklung des Gebiets von erheblicher Bedeutung war.

Ursprünglich umfassten die Nordwest-Territorien den überwiegenden Teil Kanadas und dessen gesamten Norden. Das Territorium Yukon gehörte bis 1898 zu den Nordwest-Territorien, die Gebiete der Provinzen Alberta und Saskatchewan bis 1905, Teile von Manitoba bis 1912. Ein weiteres Mal verkleinert wurde das Gebiet mit der Gründung des Territoriums Nunavut im Jahr 1999. Der heute noch gebrauchte Plural für die Verwaltungseinheit Nordwest-Territorien wurde durch die Gründung der beiden anderen territorialen Verwaltungseinheiten sachlich überholt.

Die Nordwest-Territorien grenzen im Westen an Yukon, im Osten an Nunavut, im Südwesten an British Columbia, im Süden an Alberta und im Südosten an Saskatchewan. Im äußersten Südosten stößt das Territorium außerdem am Vierländereck Four Corners an die Provinz Manitoba.

Nach den Großen Seen finden sich hier die größten Seen Kanadas, wie der Große Bärensee mit einer Fläche von 31.153 km² und der Große Sklavensee mit 27.048 km². Zwischen den mit Abstand größten Seen liegt der Lac la Martre, der mit 1776 km² drittgrößte See des Territoriums.

Das größte Entwässerungsgebiet ist das des Mackenzie im Westen, der seinen Ausgang im Großen Sklavensee nimmt. Ihm strömen Flüsse wie der Liard, der wiederum den South Nahanni River aufnimmt, und der Peel River zu, die sich jedoch nur zu einem geringen Teil im Territorium befinden, sowie der Keele River. Im Osten befinden sich zahlreiche Seen, von denen die Vierergruppe Kasba Lake (1341 km²), MacKay Lake (1061 km²), Aylmer Lake (847 km²) und Clinton-Colden Lake (737 km²) zu den größten zählen. Hottah (918 km²), Selwyn (717 km²) und Wholdaia Lake (678 km²) schließen sich weiter im Osten an.

Im Norden gehören einige Inseln des kanadisch-arktischen Archipels im Arktischen Ozean zum Territorium, wie die Banksinsel, die Prinz-Patrick-Insel sowie Teile von Victoria Island und Melville Island. Die beiden größten Seen dort sind der Aubry und der Colville Lake.

Der höchste Punkt ist mit 2773 Metern ein namenloser Gipfel, der inoffiziell Mount Nirvana genannt wird und in den Mackenzie Mountains liegt, die zugleich den höchsten Gebirgszug darstellen. Er bildet zugleich die Grenze zu Yukon. Zweithöchster Berg ist der 26 km nördlich gelegene Mount Sir James MacBrien mit 2762 m.

Flüssiger Basalt lagerte sich vor knapp 1,3 Milliarden Jahren im Gebiet um den Coppermine River auf einer Fläche von 170.000 km² ab. Innerhalb von weniger als fünf Millionen Jahren lagerte sich Basalt bis zu einer Höhe von 3,5 km ab. Einen äußerst aktiven Magmabereich bildete dabei der Mackenzie Hotspot, später entstanden weitere vulkanische Hotspots in Nunavut bis nach Ellesmere Island.

Im Westen bilden die Mackenzie Mountains einen Teil der nördlichen Rocky Mountains. Entlang der Westgrenze des Territoriums bilden Gebirgszüge (Ranges) wie die Tawu Range oder die Backbone Range Abschnitte der Mackenzie Mountains. An dessen Ostseite befinden sich vergleichsweise waldreiche Flusstäler, ebenso wie im Süden des Territoriums, wo sich auch die Hauptstadt Yellowknife an der Einmündung des Yellowknife River in den North Arm des Großen Sklavensees befindet.

Zur Kreidezeit waren die tiefer liegenden Gebiete östlich der Mackenzie-Berge, die heute zum Entwässerungsgebiet des Mackenzie gehören, von einem Meeresarm bedeckt. Ostwärts des Mackenzie erheben sich Plateaus, wie das Horn-Plateau (838 m), oder Gebirgszüge wie die Franklin Mountains (Cap Mountain, 1577 m), bergige Landschaften die noch weiter ostwärts von zahlreichen Seen durchsetzt sind. Ostwärts der beiden großen Seen des Territoriums schließt sich eine weitgehend weglose Seenlandschaft an, durch die sich nordöstlich des Großen Bärensees bereits die Grenze nach Nunavut zieht.

Im äußersten Norden erstreckt sich die Küste des Festlands von der Mackenziemündung bis zum Amundsen Gulf, eine Region, die arktisch ist und eine geringe Vegetation aufweist, und in der nur der Ort Paulatuk besteht. Darüber hinaus gehören mehrere Inseln zum Territorium, wie etwa ein Teil der Victoria-Insel, an dessen Westküste die Siedlung Ulukhaktok liegt, die Banksinsel, die bis 750 m aufsteigt, oder die Prinz-Patrick-Insel. Die arktische Landschaft ist geologisch noch sehr jung. Das Gebiet war vor 20.000 Jahren vollständig mit Gletschern bedeckt und erst ab etwa 8000 v. Chr. wurde es von Süden nach Norden zunehmend eisfrei.

Im Südwesten von Fort Smith liegt das bedeutendste Gipskarstgebiet Nordamerikas mit zahlreichen Höhlen, Dolinen, Sinklöchern (das bekannteste ist der Pine Lake) und unterirdischen Flüssen. Im Wood Buffalo National Park finden sich mit Salzkrusten überzogene Gebiete, deren Salz aus dem hier befindlichen Meeresarm stammt, der einst den überwiegenden Teil des Territoriums bedeckte.

Der Großteil des Festlandes hat ein boreales Klima. In einem höchstens 200 km breiten Küstenbereich sowie auf den gesamten zugehörigen Inseln des kanadischen Archipels ist es polar bzw. arktisch mit sehr kalten und langen Wintern und kurzen Sommern. Das gesamte Territorium ist zudem hochkontinental mit ganzjährig geringem Niederschlag und Temperaturschwankungen zwischen Sommer und Winter von mehr als 40 Kelvin. Die Niederschläge fallen etwa zur Hälfte als Schnee. Frost ist überall prägend: Der Permafrost im Boden besteht im Norden ganzjährig, während er im Süden des Territoriums saisonal oberflächlich taut. Der höchste Norden wird zur Kryosphäre der Erde gerechnet. Die Sommer sind dementsprechend im Süden etwas milder, im Norden kürzer und kühler. Im Winter sind Temperaturen unter −40 °C keine Seltenheit. So lagen die Temperaturen in Yellowknife zwischen dem 31. Dezember 1993 und dem 19. Januar 1994 durchgängig unter −37 °C. Trotz eines sehr kalten Winters 2007/08, bei dem Yellowknife neun Tage lang −40 °C erlebte, waren die Winter der letzten 25 Jahre von vergleichsweise hohen Temperaturen geprägt. Die niedrigste jemals gemessene Temperatur von −57,2 °C wurde in Fort Smith am 26. Dezember 1917 gemessen. Die Niederschläge sind dabei gering, jedoch kam es um die Hauptstadt am 20. Juli 2008 zu ausgedehnten Niederschlägen mit starkem Hagel, bei Temperaturen von über 30 °C. In der Subarktis (Yellowknife) liegt die durchschnittliche Höchsttemperatur im Januar bei −23 °C und 21 °C im Juli, in der arktischen Zone bei −33 °C bzw. 10 °C. Im Juni herrscht dort 20 bis 24 Stunden Tageslicht und bis zu 24 Stunden Dunkelheit im Dezember.

Während der äußerste Westen und Süden des Territoriums von borealen Wäldern bedeckt sind, die sich im Mackenzietal weiter nach Norden ausdehnen, wird der Großteil des Festlandes (vor allem der Bereich zwischen den beiden großen Seen) von offenen Flechtenwäldern und Waldtundren eingenommen, bevor zur Küste hin die Wald- und Baumgrenze überschritten wird. Dort und auf den nördlichen Inseln liegen weitläufige Tundren. Die Baumbestände werden häufig von der Schwarz-Fichte gebildet. Jenseits der Waldgrenze dominieren bodennahe Pflanzen, wie Zwergsträucher und Gräser in der niederpolaren sowie Moose und Flechten in der hochpolaren Tundra der nördlichsten Inseln. Dort wächst als höhere Pflanzenart nur noch der Gegenblättrige Steinbrech (purple mountain saxifrage).

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