Nordhausen ([ˈnɔʁtˌhaʊ̯zn̩] ; auch Nordhausen am Harz; in nordthüringischer Mundart Nordhusen) ist eine Mittelstadt im Landkreis Nordhausen (Thüringen) und ehemalige Reichsstadt. Die Kreisstadt nimmt als Hochschulstandort sowie als nordthüringisches Kultur- und Industriezentrum den Status eines Oberzentrums ein. Die nach Einwohnern sechstgrößte Stadt in Thüringen liegt am Südrand des Harzes im Nordwesten der Goldenen Aue. Durch das Stadtgebiet fließt die Zorge.
Das 876 zum ersten Mal erwähnte Nordhusa wurde 927 als Nordhuse in einer Schenkungsurkunde Heinrichs I. an seine Frau Königin Mathilde genannt, die hier 961 ein Damenstift einrichtete. Nordhausen war ab 1220 neben Mühlhausen eine von zwei freien Reichsstädten in Thüringen, bis es 1803 infolge des Reichsdeputationshauptschlusses an Preußen fiel. Zudem gehörte sie mit der heutigen Landeshauptstadt Erfurt und Mühlhausen dem Thüringer Dreistädtebund an. Der Nordhäuser Roland als Wahrzeichen der Stadt symbolisierte die Reichsfreiheit. Im 15. Jahrhundert war die Stadt Mitglied der Hanse. Von 1943 bis 1945 produzierte das Rüstungszentrum Mittelwerk GmbH am Kohnstein zunächst im Buchenwalder Außenlager Dora, ab 1944 im verselbstständigten Konzentrationslager Mittelbau, in das weitere KZ-Außenlager in der Region eingegliedert wurden, unterirdisch die V2-Waffe und andere Rüstungsgüter. Anfang April 1945 wurde die von Fachwerkhäusern geprägte Stadt durch zwei Luftangriffe der Royal Air Force zu drei Vierteln zerstört; über 8800 Menschen starben, Zehntausende wurden obdachlos.
Das Nordhäuser Stadtbild ist von vielen Anhöhen, Grünanlagen, einer lockeren urbanen Bebauung mit Nachkriegsbauten, verschiedenen Baudenkmälern und Kirchbauten geprägt. Bedeutendstes Bauwerk ist der romanisch-gotische Dom zum Heiligen Kreuz mit der zu 25 % erhaltenen Altstadt um ihn herum. Anlässlich der Landesgartenschau 2004 wurden Teile der Stadt modernisiert. Überregional bekannt ist die Stadt für ihre Spirituosenherstellung, besonders den Nordhäuser Doppelkorn. Der Nordhäuser Bahnhof verknüpft die Harzquerbahn am Beginn der Süd-Nord-Achse der Harzer Schmalspurbahnen mit der West-Ost-Achse der Bahnstrecke Kassel–Halle sowie vor Ort mit der Straßenbahn Nordhausen.
Nordhausen ist eine Mittelstadt und liegt eingebettet zwischen den Vorhöhen des Harzes im Norden, der fruchtbaren Goldenen Aue im Südosten und der Rüdigsdorfer Schweiz im Nordosten. Nördlich angrenzend liegt der Naturpark Südharz. Die Umgebung von Nordhausen gehört der Schichtstufenlandschaft an, welche als südliches Vorland des Harzes den Raum zwischen dem Gebirgsrand und der Hainleite einnimmt. Dieses Vorland weist neben breiten und flachen, zuweilen beckenartig erweiterten Talniederungen eine Anzahl Höhenzüge von geringer Erhebung auf. Den Baugrund bilden diluviale Schotter über Oberem Buntsandstein.
Durch die Stadt fließen die Zorge – ein Nebenfluss der Helme – und die Salza, die der größten Quelle Thüringens, dem Salzaspring, entspringt. Südöstlich von Nordhausen befinden sich sechs Baggerseen, die durch Kiesabbau ab den 1960er Jahren entstanden und allgemein mit „Kiesschacht“ oder „Bielener Kiesseen“ zusammengefasst werden: Auesee, Bielener See, Forellensee, Möwensee, Sundhäuser See und Tauchersee.
Nordhausen ist nach Erfurt, Jena, Gera, Weimar und Gotha die nach Einwohnern sechstgrößte Stadt in Thüringen, vor Eisenach. Die nächstgelegenen Großstädte sind Göttingen (etwa 60 km westlich), Erfurt (etwa 61 km südlich), Halle (Saale) (etwa 81 km östlich), Braunschweig (etwa 87 km nördlich) und Magdeburg (etwa 91 km nordöstlich).
Das ursprüngliche Stadtgebiet (die heutige Altstadt) liegt auf einer westlich und südlich abfallenden Anhöhe. Die Höhenlage der Stadt schwankt zwischen 180 und 250 Meter (NHN). Daher rühren die charakteristischen Bezeichnungen Ober- und Unterstadt.
Die Fläche der Stadt beträgt 105,62 km² (2019), was 14,8 Prozent der Fläche des Landkreises ausmacht. Die Nord-Süd-Ausdehnung beträgt 12,8 km und die Ost-West-Ausdehnung 19,0 km. Der niedrigste Punkt des Stadtgebietes ist 165 m über HN und der höchste 360 m.
Ursprünglich besaß Nordhausen wenig Ländereien rund um das Stadtgebiet. Im Jahr 1315 erfolgte der Ankauf hohnsteinischer Gebiete rings um die Stadt. 1365 wurde das Neustadtgebiet eingemeindet, und es gab weiterhin das Bestreben, durch Kauf Land im Westen und Süden über die Zorge hinaus bis zu Helme und Salza zu gewinnen (1368, 1370, 1559, 1578). 1950 wurden die Dörfer Krimderode und Salza eingemeindet, ab den 1990er Jahren folgten insgesamt zwölf weitere Eingemeindungen, wodurch die Stadtfläche von 79,14 km² (1994) auf 105,62 km² (2019) anwuchs.
Bielen, etwa 1370 Einwohner, eingemeindet am 1. Juli 1994
Buchholz, etwa 210 Einwohner, eingemeindet am 6. Juli 2018
Herreden, etwa 400 Einwohner, eingemeindet am 1. Juli 1994
Hesserode, etwa 630 Einwohner, eingemeindet am 1. Juli 1997
Hochstedt, etwa 80 Einwohner, eingemeindet am 1. Juli 1950
Hörningen, etwa 350 Einwohner, eingemeindet am 1. Juli 1994 (am 1. Juli 1950 Eingemeindung nach Herreden, am 1. Januar 1963 Ausgliederung aus Herreden)
Krimderode (Stadtteil), eingemeindet am 1. Juli 1950
Leimbach mit Himmelgarten, etwa 900 Einwohner, eingemeindet am 1. Juli 1994
Petersdorf, etwa 390 Einwohner, eingemeindet am 1. Dezember 2007