An diesem Tag

Nobelpreis für Literatur

Internationaler Literaturpreis, gestiftet von Alfred Nobel

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Der Nobelpreis für Literatur ist einer der fünf von Alfred Nobel gestifteten Preise, die „denen zugeteilt werden, die […] der Menschheit den größten Nutzen geleistet haben“. Im Auftrag der 1900 gegründeten Nobel-Stiftung wird er alljährlich von der Schwedischen Akademie in Stockholm vergeben und ist seit 2023 mit elf Millionen Schwedischen Kronen (etwa 975.000 Euro) dotiert.

Nach Nobels Testament, das den Statuten der Nobel-Stiftung zugrunde liegt, soll mit dem Preis für Literatur ausgezeichnet werden, wer „das Vorzüglichste in idealistischer Richtung geschaffen hat“. Die Bekanntgabe des Preisträgers erfolgt jährlich Anfang bis Mitte Oktober, die feierliche Übergabe des Preises durch den schwedischen König am 10. Dezember, dem Todestag des Preisstifters. In den Jahren 1914, 1918, 1935 und 1940–1943 wurde der Preis nicht vergeben. Die Preise für die Jahre 1915, 1919, 1925–1927, 1936, 1949 und 2018 wurden erst im Folgejahr verliehen.

Auswahlprozess und Preisverleihung

Nobel legte in seinem Testament fest, dass für die Zuteilung des Literatur-Preises die Schwedische Akademie zuständig ist. Diese delegiert die Auswahl zum Teil an ein Nobelkomitee, welches aus fünf Mitgliedern besteht, einen Vorsitzenden hat und dem der Ständige Sekretär der Akademie qua Amt als beigeordnetes Mitglied angehört. In den Jahren 2018–2020, nachdem die Akademie in eine schwere Krise geraten war und zahlreiche Akademiemitglieder deren Arbeit boykottierten, bestand das Komitee vorübergehend auch aus externen Personen. Das Komitee erhält aber auch sonst Unterstützung von Fachleuten in verschiedenen Gebieten.

Bereits im November des Vorjahres bittet das Nobelkomitee sechs- bis siebenhundert ausgewählte Personen und Institutionen weltweit um Kandidatenvorschläge für den Literatur-Nobelpreis des kommenden Jahres. Darunter sind, entsprechend den Statuten,

bisherige Preisträger des Nobelpreises für Literatur;

Mitglieder der Schwedischen Akademie sowie anderer Akademien, Gesellschaften oder Institutionen, die in ihren Zielen und in ihrem Aufbau mit dieser vergleichbar sind;

Universitäts- und Hochschulprofessoren für Literatur beziehungsweise Linguistik;

Präsidenten von Schriftstellerverbänden, die für die Literaturproduktion ihres jeweiligen Landes repräsentativ sind.

Die Angeschriebenen können ihre Vorschläge – nur Lebende sind zugelassen – bis zum 31. Januar beim Nobelkomitee einreichen. Im Februar werden die üblicherweise ca. 200 Nominierungen gesichtet. Das Komitee kann Namen, die seiner Auffassung nach fehlen, hinzufügen. In der folgenden Zeit arbeiten die Komiteemitglieder daran, die Liste immer weiter zu kürzen. Bis April soll die sogenannte „halblange“ Liste vorliegen, welche in der Regel aus 20–25 Namen besteht. Im Mai wird dann die kurze Liste von in der Regel fünf Namen der ganzen Akademie präsentiert, so dass alle Mitglieder sich mit den Werken dieser Kandidaten vertraut machen können. Bis August soll jedes Nobelkomiteemitglied eine Bewertung verfassen und für eine der Personen plädieren. Wenn die Akademie sich Mitte September zur ersten Zusammenkunft nach dem Sommer trifft, geht die Entscheidungsfindung in die Endphase. Im Oktober wird schließlich der endgültige Beschluss gefasst. Lediglich der Preisträger wird bekanntgegeben, die Namen der übrigen Kandidaten unterliegen, wie auch Informationen über den gesamten Auswahlprozess, einer 50-jährigen Sperrfrist.

Die Preisträger werden zusammen mit den Medizin-, Physik-, Chemie- und Wirtschaftspreisträgern nach Stockholm eingeladen, wo am 10. Dezember, Nobels Todestag, die feierliche Überreichung der Preise durch den schwedischen König stattfindet. Neben einer Nobelmedaille und einem persönlichen Diplom erhält der Preisträger des Literatur-Nobelpreises ein Preisgeld von neun Millionen Schwedischen Kronen (seit 2017; das Preisgeld wird in unregelmäßigen Abständen angepasst). Wird der Preis mehreren Personen zuerkannt, wird diese Summe geteilt.

Die Teilung darf allerdings nur auf bis zu zwei verschiedene erbrachte Leistungen und drei verschiedene Preisträger verteilt werden. Daher kann es in einem Jahr nur drei Preisträger geben, wenn mindestens zwei der Preisträger für dieselbe prämierte Leistung geehrt werden. Dies ist in anderen Kategorien üblich, kam aber beim Literaturnobelpreis noch nie vor. Auch die Aufteilung des Preises auf zwei gleichwertige Preisträger mit entsprechenden getrennten Leistungen ist selten. Bislang wurde der Literaturpreis nur viermal geteilt. Dies geschah in den Jahren 1904 (Frédéric Mistral, José Echegaray), 1917 (Karl Gjellerup, Henrik Pontoppidan), 1966 (Samuel Agnon, Nelly Sachs) und 1974 (Eyvind Johnson, Harry Martinson).

Der Preisträger ist nach den Statuten der Nobelstiftung dazu angehalten, falls möglich eine Vorlesung über seine Arbeit zu halten. Sie findet in der Regel zwei Tage vor der Preisverleihung in der Schwedischen Akademie statt und ist im Gegensatz zu den anderen in Stockholm stattfindenden Preisvorlesungen nicht für die Allgemeinheit zugänglich, kann aber in den Medien verfolgt werden. Beim Literaturnobelpreis handelt es sich oft um Reden mit politischem Einschlag. Verschiedene Preisträger, die nicht persönlich zugegen sein konnten, schickten ihre Vorlesung in schriftlicher Form oder als Videobotschaft.

Kritik am Nobelpreis für Literatur

Trotz oder gerade wegen seiner Bedeutung wird der Nobelpreis für Literatur immer wieder kritisiert. Dies liegt vor allem an der Auswahl der Preisträger, die offensichtlich bis weit ins letzte Viertel des 20. Jahrhunderts vor allem aus dem nord- und mitteleuropäischen Sprachraum stammten. Eine Erklärung hierfür ist, dass die Jury grundsätzlich nur aus Skandinaviern besteht und viele literarische Meisterwerke aus anderen Teilen der Welt zu Lebzeiten ihrer Autoren dort schlichtweg zu unbekannt waren. Der Anteil der nicht-europäischen Schriftsteller unter den Preisträgern hat in den letzten Dekaden jedoch deutlich zugenommen.

Arno Schmidt spottete in einer in den 1950er Jahren verfassten Polemik gegen die Ehrung für Henryk Sienkiewicz („dann hätte man ihn genau so gut Karl May geben können!“), Paul Heyse („Zuckerwasser“) und Winston Churchill („ein ausgesprochener Journalist von Mittelmaß“), denen er bedeutende Schriftsteller gegenüberstellte, die den Preis nicht bekamen: Rainer Maria Rilke, Theodor Däubler, Franz Kafka, Alfred Döblin, Hans Henny Jahnn, August Stramm, Georg Trakl, James Joyce, Ezra Pound, Francis Ponge und Samuel Beckett (letztgenannter erhielt den Preis einige Jahre später dann doch). Kriterium für die Preisvergabe sei nicht die sprachlich herausragende Leistung des Geehrten, sondern eher literarische Schlichtheit: „Was sich gut übersetzen läßt, kriegt’n Preis!“ Daher bedeute der Preis für seine Träger ein „Stigma der Mittelmäßigkeit“.

Ein weiterer häufig vorgebrachter Kritikpunkt ist, dass die Ausgezeichneten oft eher wegen ihres (gesellschafts-)politischen Engagements als für ihre literarischen Werke bekannt seien. Nobel verpflichtete die Jury im Testament ausdrücklich, den Idealismus des Autors beziehungsweise seines Werkes als Maßstab zu verwenden.

1938 wurde die US-Amerikanerin Pearl S. Buck mit dem Literaturpreis ausgezeichnet. Diese Auszeichnung wurde damals mit Unverständnis aufgenommen und wird bis in die Gegenwart noch oft als Fehlentscheidung angesehen, da Bucks Werke wenig literarischen Wert hätten. Aus dieser Kritik heraus entstand die sogenannte „Lex Buck“. Es handelt sich dabei um die ungeschriebene Regel, nur Autoren auszuzeichnen, die mindestens einmal zuvor nominiert worden waren. Nach Aussagen des ehemaligen Ständigen Sekretärs der Schwedischen Akademie, Horace Engdahl, kommt diese Richtlinie zum Einsatz. Wie oft sie eingehalten wird, ist allerdings wegen der Verschlussfristen der Nobelstiftung frühestens 50 Jahre nach Preisvergabe endgültig festzustellen. Aus den bisher von der Nobelstiftung veröffentlichten Daten, die bis in das Jahr 1950 reichen, ist abzulesen, dass sowohl William Faulkner (1949) als auch Bertrand Russell (1950) ihre Nobelpreise nach nur einmaliger Nominierung erhielten. Allerdings handelte es sich hierbei um eine außergewöhnliche Situation: Nach den Statuten kann der Preis ein Jahr zurückgestellt werden, wenn sich kein geeigneter Preisträger findet. Das war im Jahr 1949 trotz 35 Nominierungen anscheinend der Fall. Hätte man unter den 54 Nominierungen von 1950 – bis dahin ein Rekord – keinen würdigen Preisträger für 1949 gefunden, wäre der Preis an die Stiftung zurückgegangen.

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