An diesem Tag

Noam Chomsky

US-amerikanischer Sprachwissenschaftler, Publizist und Aktivist

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Avram Noam Chomsky [ˈævɹəm ˈnoʊəm ˈtʃɑmski] (* 7. Dezember 1928 in Philadelphia, Pennsylvania) ist ein US-amerikanischer Sprachwissenschaftler sowie politischer Publizist und Aktivist.

Chomsky ist emeritierter Professor für Linguistik am Massachusetts Institute of Technology (MIT) und gehört zu den bekanntesten Linguisten der Gegenwart. Er übte durch die Verbindung der Wissenschaftsdisziplinen Linguistik, Kognitionswissenschaften und Informatik besonders in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts starken Einfluss auf deren Entwicklung aus. Seine Beiträge zur allgemeinen Sprachwissenschaft sowie seine Modelle der generativen Transformationsgrammatik veränderten den bis dahin vorherrschenden US-amerikanischen Strukturalismus. Seine Kritik am Behaviorismus förderte den Aufstieg der Kognitionswissenschaft.

Chomsky war seit den 1960er und 1970er Jahren oft im politischen und wissenschaftlichen Diskurs in den Massenmedien präsent. Seit seiner Kritik am Vietnamkrieg trat er wiederholt als scharfer Kritiker der US-amerikanischen Außen- und Wirtschaftspolitik in Erscheinung und wurde als Kapitalismus- und Globalisierungskritiker weltweit bekannt. Dem Arts and Humanities Citation Index von 1992 zufolge war Chomsky im Zeitraum zwischen 1980 und 1992 die am häufigsten zitierte lebende Person der Welt in den Geisteswissenschaften.

Noam Chomsky wurde am 7. Dezember 1928 in Philadelphia (Pennsylvania, USA) als Sohn der jüdischen Einwanderer William Chomsky und Elsie Simonofsky geboren. Sein Vater war 1913 aus dem Russischen Reich geflohen, um der Einberufung zu entgehen. Der spätere Hebraist arbeitete in Baltimore zunächst in Sweatshops und hebräischen Grundschulen, bevor er die Universität besuchte.

Noam Chomsky begann 1945 sein Studium der Philosophie und Linguistik an der University of Pennsylvania. Zu seinen Lehrern zählten der Sprachwissenschaftler Zellig S. Harris und der Philosoph Nelson Goodman. Chomskys anarchistische Überzeugungen bildeten sich schon in den 1940er Jahren heraus. Von Bedeutung war dabei die Auseinandersetzung mit dem Anarchismus in Spanien während des Bürgerkrieges. Auch wenn Chomsky selbst nicht religiös ist, so sieht er „gütige“ Formen von Religiosität vereinbar mit den anarchistischen Ideen.

Anfang der 1950er Jahre studierte Chomsky einige Jahre an der Harvard University. 1955 wurde er an der Universität von Pennsylvania in Linguistik promoviert. Seine Dissertation Transformational Analysis war Teil eines groß angelegten Frühwerks, in welchem er bereits einige jener Ideen zu entwickeln begann, die er 1957 in seinem Buch Syntactic Structures, einem der bekanntesten Werke der Linguistik, ausarbeitete. Das Buch ist ein gekürzter, umgearbeiteter Auszug aus einer bereits in den frühen 1950er Jahren während seiner Zeit in Harvard entstandenen, weit umfangreicheren Arbeit mit dem Titel The Logical Structure of Linguistic Theory, in der er die Transformationsgrammatik einführte. In Syntactic Structures fasste er seine linguistischen Forschungen anhand dreier Modelle der generativen Grammatik zusammen: Grammatik des finiten Zustands, Phrasenstrukturgrammatik und Transformationsgrammatik.

Nach der Verleihung der Doktorwürde lehrte Chomsky zunächst als Assistenzprofessor, ab 1961 dann als ordentlicher Professor Linguistik und Philosophie am Massachusetts Institute of Technology. In den 1960er Jahren wurden seine revolutionären linguistischen Arbeiten weltweit anerkannt, seither gilt er als einer der wichtigsten Theoretiker auf diesem Gebiet.

Noam Chomsky war mit der Linguistin Carol Chomsky (1930–2008) verheiratet. Die Lateinamerikawissenschaftlerin Aviva Chomsky ist die älteste gemeinsame Tochter des Paares. Nach dem Tod seiner ersten Frau heiratete Chomsky 2014 die im brasilianischen Poços de Caldas geborene Übersetzerin Valeria Wasserman. 2015 erwarb das Paar ein Haus in São Paulo. Nach einem Schlaganfall Chomskys im Juni 2023 zogen sie dauerhaft nach Brasilien. Im Juni 2024 besuchte der brasilianische Präsident Luiz Inácio Lula da Silva Chomsky in seinem Haus. Zuvor hatten Chomsky und seine Frau im Jahr 2018 Lula, als dieser in Curitiba inhaftiert war, besucht.

Die Formalisierung natürlicher Sprachen war in der Sprachwissenschaft zwar schon länger bekannt, allerdings war es Noam Chomsky, der die einzelsprachlichen Ausdrücke rekursiv mit Hilfe einer Metasprache definierte. Die aus der Metasprache abgeleiteten Klassen von Grammatiken können in eine Hierarchie eingeteilt werden, die heute Chomsky-Hierarchie genannt wird. Seine Arbeit stellt einen Meilenstein für die Linguistik dar.

Formale Sprachen und die Chomsky-Hierarchie spielen auch in der Informatik eine wichtige Rolle, insbesondere in der Komplexitätstheorie und im Compilerbau. Zusammen mit den Arbeiten Alan Turings begründen sie einen eigenen Bereich in der Mathematik und machen strukturelle Bereiche und Formalismen natürlicher Sprachen einer mathematischen Betrachtung zugänglich, unter anderem mit dem Ergebnis, dass maschinelle Übersetzungen prinzipiell möglich sind.

Die mathematische Formalisierung natürlicher Sprachen legte Grundlagen für die Computerlinguistik und das Projekt maschineller Sprachübersetzung. Chomskys Theorien selbst gelangten aber schnell in die Kritik, nachdem bewiesen wurde, dass die generative Transformationsgrammatik Turing-vollständig und damit nicht endlich bearbeitbar ist. Als Reaktion beschränkte Chomsky daraufhin die Eigenschaften seiner Grammatik in Government & Binding und Barriers durch allgemeine Beschränkungen für mögliche Transformationen und Positionen, die Wortgruppen in Strukturen einnehmen können. Diese und spätere Grammatiktheorien wie das Minimalistische Programm sind allerdings nicht ausreichend mathematisch formalisiert und spielen damit für die Computerlinguistik, im Gegensatz zu unifikationsbasierten Grammatiken wie der Lexikalisch-funktionalen Grammatik (LFG) und der Head-driven Phrase Structure Grammar (HPSG), nur eine untergeordnete Rolle.

Chomsky begann in den 1950er Jahren mit der Arbeit an seiner Theorie der generativen Transformationsgrammatik und versuchte dabei über die strukturalistischen, distributionalistischen oder behavioristischen Ansätze der Linguistik hinauszugehen. Seine Theorie hat das Ziel, die angeborenen Strukturen der menschlichen „Sprachfähigkeit“ zu erklären. Sie wird oft als der wichtigste Beitrag auf dem Feld der theoretischen Linguistik des 20. Jahrhunderts beschrieben und als „Chomskysche Revolution“ bezeichnet. Um auf die in den 1970er Jahren an seinem ersten Modell entwickelte Kritik zu reagieren, präsentierte Chomsky Anfang der 1980er Jahre eine neue Version seiner Theorie, die auf einem modularen Ansatz basierte. In den 1990er Jahren legte er dann den Grundstein für das, was er das „minimalistische Programm“ nannte.

Chomskys Forschung spielte eine entscheidende Rolle bei der sogenannten kognitiven Wende. Seine Kritik an B. F. Skinners Verbal Behavior im Jahr 1959 stellte den in den 1950er Jahren vorherrschenden behavioristischen Ansatz zur Erforschung von Geist und Sprache in Frage. Er entwickelte darüber hinaus die Chomsky-Hierarchie, eine Methode, um formale Sprachen nach ihrer Erzeugungskraft zu klassifizieren.

Chomsky trat gegen die behavioristische Theorie des Spracherwerbs auf (siehe das Poverty-of-the-Stimulus-Argument), in der davon ausgegangen wird, dass die Aneignung von Sprache ausschließlich über einen Lernprozess erfolgt. Im Gegensatz dazu wird in seiner Theorie ausgeführt, dass eine Sprache mittels der Entfaltung angeborener Fähigkeiten erlernt wird. Diesen angeborenen Spracherwerbsmechanismus nennt er Language Acquisition Device (LAD). Chomsky führt den Begriff einer Universalgrammatik ein, der auf der Annahme beruht, dass allen Sprachen eine universelle Grammatik gemein sei, über die jeder Mensch verfüge, da sie angeboren sei. Damit weist sich Chomsky als Vertreter des philosophischen Mentalismus aus, dessen Tradition auf René Descartes zurückgeht. Zugleich wurde er so Wegbereiter der Biolinguistik.

Chomskys Theorie geht von Äußerungen wie Wörtern, Phrasen und Sätzen aus und bringt sie mit Oberflächenstrukturen in Zusammenhang, die selbst wieder mit abstrakteren Tiefenstrukturen korrespondieren. Umformungsregeln bestimmen zusammen mit den Regeln für die Struktur von Phrasen und anderen Strukturprinzipien sowohl die Erzeugung als auch die Interpretation von Äußerungen. Mit einem begrenzten Instrumentarium von grammatikalischen Regeln und einer begrenzten Anzahl von lexikalischen Einheiten (Wörter bzw. Morpheme) kann eine unbegrenzte Menge von Sätzen gebildet werden, darunter solche, die noch nie zuvor gesagt wurden. Nach Chomskys Vorstellungen ist die Fähigkeit, Äußerungen auf diese Weise zu strukturieren, angeboren und somit ein Teil des genetischen Programms der Menschen. Das ist der Gedanke der Universalgrammatik und wird von Chomsky aus der Cartesianischen Linguistik hergeleitet. Solche Strukturprinzipien werden im Allgemeinen genauso wenig bewusst wie die meisten biologischen und kognitiven Eigenschaften.

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