Noach oder Noah (seltener Noé oder Noe; hebräisch נֹחַ Nṓaḥ „Ruhe“; griechisch Νῶε Nôe; arabisch نُوح Nuh, DMG Nūḥ) ist eine biblische Figur und soll nach dem Buch Genesis (1. Buch Moses) der Bibel der zehnte Urvater nach Adam gewesen sein. Wegen seiner Glaubenstreue wurde er gemäß der biblischen Überlieferung von Gott auserwählt, durch den Bau der Arche mit seiner Familie die Sintflut zu überleben.
Auf Noachs drei Söhne Sem, Ham und Jafet geht nach Genesis 10,1–32 die Aufspaltung der Menschheit in die drei damals bekannten unterschiedenen Völkerschaften zurück. In der Geschlechterfolge der Bibel ist Noach der zehnte Vorfahre Abrahams.
Noach im 1. Buch Mose (Genesis)
Nach dem Buch Genesis, dem Bereschit (hebräisch בְּרֵאשִׁית ‚Im Anfang‘), war Noach der Sohn von Lamech (Gen 5,28 ). Sein Name Noach bzw. Noah könnte von dem hebräischen Wort für Ruhe/ausruhen abgeleitet sein. Im Alter von 500 Jahren zeugte er seine drei Söhne Sem, Ham und Jafet. Über deren genaues Geburtsjahr wird keine Auskunft gegeben (Gen 5,32 ). Mit Ham als Jüngstem (Gen 9,24 ) entspricht die übliche Aufzählung der Bedeutung für das Nachfolgende.
Insgesamt wird sein Lebensalter mit 950 Jahren angegeben (Gen 9,29 ). Mit ihm endet die Ära der ersten Patriarchen, deren Lebensdauer mit Ausnahme von Henoch weit über 700 Jahre war. Bei den folgenden Generationen nahm das Alter sprunghaft ab (vgl. Biblisches Alter).
Nach der biblischen Erzählung will der Gott JHWH die Menschheit wegen ihrer Sündhaftigkeit auslöschen, erbarmt sich aber Noachs und dessen Familie wegen seiner Frömmigkeit. In der Arche kann Noah sich, seine Frau, seine Söhne und deren Frauen sowie viele Tiere vor einer Vernichtung durch die Sintflut retten und sichert so den Fortbestand der Menschheit und der Tiere auf der Erde. Die Taube spielt in der biblischen Sintflut-Erzählung die Rolle des frohen Botschafters: Eine von Noach ausgelassene Taube kehrt mit einem frischen Olivenzweig im Schnabel zur Arche zurück (Gen 8,11 ). Nach der Flut übergibt JHWH den Menschen die unbeschränkte Herrschaft über alles Leben auf der Erde (Gen 9,1–2 ). JHWH schließt einen Bund mit Noach, verspricht, es werde nie wieder eine Sintflut geben, und setzt den Regenbogen als Zeichen hierfür in die Wolken (Gen 9,8–17 ).
Ähnliche mythologische Fluterzählungen sind aus vielen Kulturen überliefert. Eine besonders enge Verwandtschaft lässt sich mit dem viel älteren sumerisch-babylonischen Atraḫasis-Epos (etwa 1800 v. Chr.) und seinem Sintfluthelden Ziusudra sowie mit dem griechischen Deukalion-Epos (etwa 1400 v. Chr.) erkennen.
Auf Noachs drei Söhne werden in der sogenannten „Völkertafel“ der Genesis die damals den Hebräern bekannten Völker zurückgeführt (Gen 10,1–32 ; 1 Chr 1,5–23 ): Auf Sem die Semiten, auf Ham die Hamiten (dunkelhäutige Afrikaner) und auf Jafet die Jafetiten.
Die Verfluchung Hams durch Noach
Noach ist der biblischen Erzählung nach ein Mann des Ackerbodens und der ersterwähnte Weinberg-Pflanzer (Gen 9,20 ). Der ersterwähnte Ackerboden-Bearbeiter war gemäß der Bibel (Gen 4,2 ) hingegen bereits Kain.
Noachs Sohn Ham entdeckte den nach Alkoholkonsum in seinem Zelt unbekleidet eingeschlafenen Vater. Er erzählte seinen Brüdern Sem und Japhet davon, die daraufhin die Blöße des Vaters mit einem Tuch bedeckten, ohne diesen dabei anzusehen. Als der Vater erwachte und erfuhr, was passiert war, verfluchte er Hams Sohn Kanaan und alle seine Nachkommen dazu, Knechte seiner Brüder zu sein (Der Fluch über Ham). Zugleich werden Hams Brüder durch den besonderen Segen ihres Vaters ausgezeichnet, da sie ihn zugedeckt hatten.(Gen 9,21–27 )
Die meisten Bibelübersetzungen in neuzeitliche Sprachen legen nahe, dass Ham seinen betrunkenen Vater zufällig nackt gesehen habe und dieser dafür dessen Sohn Kanaan verfluchte. Die Strafe erscheint dafür jedoch unverhältnismäßig und unverständlich, so dass in der Regel mit unterschiedlichen Schwerpunktsetzungen der Umgang Hams mit den Ereignissen als die eigentliche Verfehlung interpretiert wird: er verhöhnte seinen schutzlosen Vater statt ihn zu ehren und zu schützen, wie es seine Pflicht als Sohn gewesen wäre.
Andere moderne Interpretationen identifizieren die Tat durch eine Analyse der hebräischen Originalpassage als einen sexuellen Übergriff; Varianten sprechen von Voyeurismus oder Inzest mit der Mutter, für den die Aufdeckung der Nacktheit des Vaters nur ein stellvertretendes Bild darstelle; vor diesem Hintergrund scheint der Fluch gegen den Sohn als Folge der Verfehlung und die Schwere der Strafe plausibel. Eine verbreitete Lesart sieht das Vergehen in einer am hilflosen Vater begangenen homosexuellen Handlung, sie findet sich bereits in jüdischen Texten des 5. Jahrhunderts. Ausschließlich in alten jüdischen Texten findet sich daneben die Ansicht, das Vergehen bestehe in einer Kastration des Vaters.
Die Bedeutung dieser Passage ist umstritten, es wurde unterschiedlich ausgelegt, ob der Fluch Ham galt, der die Verfehlung beging, oder tatsächlich seinem Sohn Kanaan. Daraus folgen unterschiedliche Auslegungen, welche Völker durch den Fluch getroffen werden. Er wurde so etwa als Legitimationsfigur für die gottgewollte Überlegenheit der Hebräer in der Auseinandersetzung mit den Kanaanitern verwendet.
Einige Interpretationen identifizieren die Nachkommen des Ham als Afrikaner, damit wurde von Christen später die Versklavung schwarzer Völker biblisch gerechtfertigt.
Noach im Talmud: Noachidische Gebote
Der Talmud leitet aus der biblischen Erzählung den Noachidischen Bund und dazugehörige sieben Noachidische Gebote ab. Diese sind nach jüdischem Verständnis allen Menschen vermacht und daher in den großen Religionen oft angelegt.
Ein Nichtjude, der sich an die Noachidischen Gebote hält, kann nach jüdischem Verständnis Anteil an der kommenden Welt wie ein Jude erlangen. Aus diesem Grund besteht aus jüdischer Sicht kein Bedarf an Mission, andere Religionen verdienen Respekt, solange sie umgekehrt auch die jüdische Identität achten.