Noé-Antoine-Abraham Bonjour (* 6. Juli 1731 (Taufdatum) in Avenches; † 25. Dezember 1807 ebenda) war ein Schweizer Offizier in fremden Diensten und Politiker und Schriftsteller.
Noé-Antoine-Abraham Bonjour stammte aus einer Familie, die seit 1363 in Avenches urkundlich erwähnt wurde. Er war der Sohn von David le Jeune Bonjour und dessen Ehefrau Catherine (geb. Blanc).
1778 heiratete er Henriette, die Tochter von Jean-Louis de Bonstetten, der zuerst Landvogt von Aigle und später von Biberstein war. Seine Ehefrau war eine Cousine des Schriftstellers Karl Viktor von Bonstetten, Landvogt von Nyon und Bekannter von Madame de Staël, die er häufig auf Schloss Coppet am Genfersee besuchte. Durch diese Verbindung erhielt Bonjour Zugang zu einem Netzwerk bernischer und waadtländischer Prominenter. Aus der Ehe gingen zwei Töchter hervor:
Marie-Albertine-Henriette (* 1780; † 1835), die 1800 François-Louis-Samuel d'Erlach († 1815) heiratete, einen Generalstabsoffizier und späteren Großrat von Bern;
Julie-Anne-Louise (* 1782), die 1800 Jean-Antoine Herrenschwand († 1835), Sohn des Arztes Johann Friedrich von Herrenschwand, heiratete, einen ehemaligen Major im Regiment Nassau-Usingen, 1803 Staatsrat in Freiburg, später Tagsatzungsdeputierter und Oberst. Um 1815 ließ er sich in Bern nieder, wurde in den Großrat gewählt und war Mitglied des Kriegsrats. Ihr gemeinsamer Enkel war der spätere Feldmarschallleutnant Johann Albrecht Friedrich von Herrenschwand (1833–1907).
1751 trat Bonjour als Kadett in eine Kompanie ein, die vom Basler Lukas Schaub, britischer Diplomat in Wien, für die Britische Ostindien-Kompanie rekrutiert wurde. Bonjour war nicht allein. Andere Waadtländer wie der spätere Hauptmann Jean-François Paschoud häuften Vermögen an, das es ihnen ermöglichte, Herrschaften zu kaufen.
In der Britischen Ostindien-Kompanie stieg Bonjour vom Kadett zum Major (1770) und schließlich zum Oberst auf. Seine lange Karriere von etwa 25 Jahren in Indien, von 1751 bis 1776, ermöglichte ihm nicht nur die Akkumulation beträchtlichen Vermögens, sondern auch die intensive Beschäftigung mit indischen Religionen, Kulturen und Verwaltungspraktiken. Er studierte, wie er später schrieb, in den Veden und in der Lehre des Brahma die Kunst zu regieren.
1776 kehrte der Oberst Bonjour in die Schweiz zurück—als wohlhabender Mann mit bedeutenden Dokumenten über die Religionen Indiens und einem Vermögen, das beträchtliche Investitionen ermöglichte. So brachte er unter anderem Bildsequenzen des Gottes Krishna, gemalt auf Leinwandstreifen von insgesamt 14 m Länge, aus einem südindischen Krishnatempel in die Schweiz; heute befindet es sich im Bernischen Historischen Museum.
Auch nach seiner Rückkehr blieb er in Kontakt mit einem weiteren Angehörigen seiner Einheit in Indien, dem Oberst Daniel Frischmann.
Mit seinem in Indien erworbenen Reichtum tätigte Bonjour eine strategische Investition. Am 20. Januar 1777 kaufte er die Herrschaften Bellerive und Vallamand von Sigmund Emanuel von Graffenried (1737–1818) für 200.000 Livres. Diese beträchtliche Summe machte Bonjour zu einem bedeutenden Grundherrn in der Region. Die Herrschaften lagen im Vully, einer landwirtschaftlich reichen, aber auch konfliktreichen Gegend zwischen waadtländischen, bernischen und später freiburgischen Einflusssphären.
Nach dem Kauf der Herrschaften widmete sich Bonjour dem Leben eines Grundherren. Die Jahre zwischen 1777 und 1798 waren geprägt von familiären Kontakten, landwirtschaftlicher Verwaltung und intellektuellen Überlegungen.
Am 16. März 1779 war Bonjour Pate des späteren Generals Antoine-Henri Jomini, der später einer der bedeutendsten Militärtheoretiker des 19. Jahrhunderts werden sollte. Seine Ehefrau Henriette übernahm das Amt der Patin. Die spätere Beziehung zwischen Bonjour und seinem Taufkind ist quellenmäßig wenig dokumentiert. Die Verbindungen zur Familie von Antoine-Henri Jomini entstanden vermutlich durch die Marcuard von Grandcour.
Die Französische Revolution und die nachfolgende Helvetische Republik brachten tiefgreifende Umwälzungen. 1798 wurde Bonjour zum Unterpräfekt des Bezirks Avenches ernannt. Diese administrative Position verlangte in turbulenten Zeiten sowohl diplomatisches Geschick als auch die Umsetzung revolutionärer Dekrete. Die Unterpräfektur war zunächst dem Kanton Sarine et Broye, später dem Kanton Freiburg unterstellt.
Die Verwaltung des Bezirks war alles andere als einfach. Regionale Widersprüche durchzogen den Bezirk: Die Dörfer der früheren Herrschaft Grandcour wünschten, sich dem Bezirk Payerne anzugliedern; die Bewohner von Faoug reichten eine Petition an den Exekutivrat der Helvetischen Republik ein, um dem Bezirk Murten angegliedert zu werden. Diese regionalen Spannungen spiegeln die grundsätzliche Problematik wider: Murten und Bern waren für diese Gegenden kulturelle, kommerzielle und politische Zentren; Avenches und das katholische Freiburgerland waren ihnen fremd; Lausanne war "eine fremde Welt". Die traditionellen Loyalitäten kollidierten mit den administrativen Grenzen der Helvetischen Republik.
Im August 1798 musste Bonjour die Durchsetzung des Bürgereids vom 19. August leiten. In seinem am 13. August in Avenches erlassenen Befehl forderte er die Teilnahme aller männlichen Bürger über 20 Jahren, dem auch Folge geleistet wurde.
Seine Verbindungen zu Rudolf Ludwig von Erlach, dem Mitgründer des Wiedervereinigungs-Vereins gegen die Helvetische Zentralregierung zur Wiederherstellung der ehemaligen ständischen Ordnung, führten zum Vorwurf, dass er diesen unterstützt habe. Am 30. April 1799 reichte er sein Rücktrittsgesuch aus gesundheitlichen und Altersgründen ein, das die Verwaltungskammer des Kantons Freiburg am 1. Mai entgegennahm.
Nach seinem Rücktritt zog sich Bonjour in sein Schloss Vallamand zurück. Er kümmerte sich um seine Güter und behielt das Vertrauen seiner Dorfbewohner. 1803 wurde er Mitglied des ersten Waadtländer Großrats nach der Kantonsgründung.
Im Juli 1798 veröffentlichte Bonjour seine erste größere Abhandlung bei Isaac Hignou (1742–1814) in Lausanne: Reflexionen über die Revolution, die 1798 in der Schweiz stattgefunden hat, nach ihren Ursachen dargelegt.