An diesem Tag

Nina Simone

US-amerikanische Sängerin, Musikerin, Songschreiberin und Bürgerrechtlerin

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Nina Simone (bürgerlich Eunice Kathleen Waymon; * 21. Februar 1933 in Tryon, North Carolina, USA; † 21. April 2003 in Carry-le-Rouet, Frankreich) war eine US-amerikanische Jazz- und Bluessängerin, Pianistin, Songschreiberin und Bürgerrechtsaktivistin.

Nina Simone war das sechste von acht Kindern. Ihre Mutter war eine Methodistenpredigerin, und ihr Vater arbeitete als Entertainer und Frisör sowie in einer chemischen Reinigung. Bereits im Alter von drei oder vier Jahren begann sie mit dem Klavierspielen. Das erste Lied, das sie lernte, war God Be With You, Till We Meet Again. Sie zeigte Talent am Klavier und trat in ihrer örtlichen Kirche auf.

Ihr Konzertdebüt gab sie mit klassischer Musik im Alter von 12 Jahren. Später erzählte Simone, dass ihre Eltern, die in der ersten Reihe Platz genommen hatten, gezwungen waren, in den hinteren Teil des Saals zu gehen, um Platz für die Weißen zu machen. Sie sagte, dass sie sich weigerte zu spielen, bis ihre Eltern wieder nach vorne gebracht wurden, und dass dieser Vorfall zu ihrem späteren Engagement in der Bürgerrechtsbewegung beitrug. Simones Musiklehrerin half bei der Einrichtung eines Sonderfonds, um ihre Ausbildung zu finanzieren, anschließend wurde ein lokaler Fonds eingerichtet, um ihre weitere Ausbildung zu unterstützen. Mit Hilfe dieses Stipendiums konnte sie die Allen High School for Girls in Asheville, North Carolina, besuchen.

Nach einem Studium an der renommierten Juilliard School in New York City wollte sie ihre Ausbildung in Philadelphia am Curtis Institute of Music abschließen, wurde jedoch nicht zugelassen. Simone vertrat die Auffassung, dass sie aus rassistischen Gründen nicht zugelassen wurde. Mitarbeiter vom Curtis Institute bestritten dies, Curtis habe schon lange schwarze Studentinnen und Studenten zugelassen. Im Jahr, als sich Simone bewarb, wurden im Fach Klavier von 72 Bewerbern nur drei angenommen. Im Jahr 2003, wenige Tage vor ihrem Tod, verlieh ihr das Institut ein Ehrendiplom.

Über einen Job als Klavierlehrerin kam Nina Simone zum Gesang und improvisierte von Anfang an eigene Stücke. Sie wählte den Nachnamen Simone, weil sie ein Fan der Schauspielerin Simone Signoret war. Ihr Gesangs- und Klavierstil war von Nellie Lutcher beeinflusst, deren Karriere ungefähr zu der Zeit endete, als Nina Simone bekannt wurde. Nina Simone vermied den Ausdruck Jazz und nannte ihre Musik Black Classical Music.

1957 veröffentlichte sie in New York ihr erstes Album auf Bethlehem Records, ein Konzert 1959 in der New York City Town Hall machte sie in den USA und in Europa bekannt. Von ihren Fans wurde sie ehrfürchtig als „Hohepriesterin des Soul“ bezeichnet. In den 1960er-Jahren engagierte sie sich in der US-amerikanischen Bürgerrechtsbewegung. Mit Liedern wie Mississippi Goddam und To Be Young, Gifted, and Black (Liedtext von Weldon Irvine) wurde sie eine der musikalischen Leitfiguren dieser Bewegung.

1961 heiratete sie den New Yorker Polizisten Andrew „Andy“ Stroud (1925–2012), der später ihr Manager wurde und einige Songs für sie schrieb. 1962 brachte sie die gemeinsame Tochter Lisa Celeste Stroud zur Welt, die unter dem Künstlernamen Lisa Simone als Sängerin bekannt wurde. 1971 wurde die Ehe geschieden.

1964 wechselte Simone den Plattenvertrieb von der amerikanischen Firma Colpix zur niederländischen Philips Records, was eine Änderung des Inhalts ihrer Aufnahmen bedeutete. Sie hatte schon immer Lieder in ihr Repertoire aufgenommen, die sich auf ihr afroamerikanisches Erbe bezogen, wie z. B. Brown Baby von Oscar Brown und Zungo von Michael Olatunji auf ihrem Album Nina at the Village Gate von 1962. Auf ihrem Debütalbum für Philips, Nina Simone in Concert (1964), thematisierte sie in dem Song Mississippi Goddam erstmals die Rassenungleichheit in den Vereinigten Staaten. Damit reagierte sie auf die Ermordung von Medgar Evers am 12. Juni 1963 und den Bombenanschlag auf die 16th Street Baptist Church in Birmingham, Alabama, am 15. September 1963, bei dem vier junge schwarze Mädchen getötet wurden und ein fünftes teilweise erblindete. Sie sagte, das Lied sei, „als würde man zehn Kugeln auf sie zurückwerfen“, und wurde zu einem von vielen weiteren Protestsongs, die Simone schrieb. Das Lied wurde als Single veröffentlicht und in einigen Südstaaten boykottiert.

Später erinnerte sie sich daran, dass Mississippi Goddam ihr „erstes Bürgerrechtslied“ war und dass das Lied „in einem Ansturm von Wut, Hass und Entschlossenheit“ zu ihr kam. Das Lied stellte den Glauben in Frage, dass sich die Rassenbeziehungen schrittweise ändern könnten, und forderte sofortige Entwicklungen: „Ich und meine Leute sind jetzt fällig“. Es war ein Schlüsselmoment auf ihrem Weg zum Bürgerrechtsaktivismus. Der Song Old Jim Crow auf demselben Album thematisiert die Jim-Crow-Gesetze zur Verstärkung der Rassentrennung. Nach Mississippi Goddam wurde die Botschaft der Bürgerrechte zur Norm in Simones Aufnahmen und wurde Teil ihrer Konzerte. Als ihr politischer Aktivismus zunahm, verlangsamte sich das Tempo der Veröffentlichung ihrer Musik.

Simone trat auf und sprach bei Bürgerrechtsversammlungen wie den Märschen von Selma nach Montgomery. Wie Malcolm X, ihr Nachbar in Mount Vernon (New York), unterstützte sie den schwarzen Nationalismus und befürwortete eine gewaltsame Revolution anstelle des gewaltlosen Ansatzes von Martin Luther King Jr. Sie hoffte, dass die Afroamerikaner mit Hilfe des bewaffneten Kampfes einen eigenen Staat bilden könnten, obwohl sie in ihrer Autobiografie schrieb, dass sie und ihre Familie alle Rassen als gleichwertig betrachteten.

Simone nahm 1974 ihr letztes Album für RCA Records, It Is Finished, auf und nahm erst 1978 wieder eine Platte auf, als sie von Creed Taylor, dem Besitzer von CTI Records, überredet wurde, ins Tonstudio zu gehen. Das Ergebnis war das Album Baltimore, das zwar kein kommerzieller Erfolg war, aber von der Kritik recht gut aufgenommen wurde und eine stille künstlerische Renaissance in Simones Schaffen einläutete. Die Auswahl ihres Materials blieb eklektisch und reichte von geistlichen Liedern bis zu Hall & Oates' Rich Girl. Vier Jahre später nahm Simone Fodder on My Wings bei einem französischen Label, Studio Davout, auf.

Ihr privates Leben war von Krisen geprägt. Sie floh aus ihren Ehen, hatte eine Affäre mit Errol Barrow, dem Premierminister von Barbados, suchte aufgrund einer Empfehlung von Miriam Makeba ihre Bestimmung in Afrika, unternahm Europatourneen, die sie ihrem politischen Kampf in den USA entfremdeten, und galt in der Plattenindustrie zunehmend als schwierig. Ihr Album Baltimore (1978) wurde von der Kritik gelobt, verkaufte sich aber zunächst schlecht. In den 1980ern trat sie regelmäßig im Jazzclub von Ronnie Scott in London auf und nahm dort auch ein Album auf. Ihre Autobiografie I Put a Spell on You erschien 1992, ihr letztes reguläres Album 1993. Im gleichen Jahr zog sie nach Südfrankreich, wo sie zehn Jahre lebte und 2003 nach langem Krebsleiden starb.

Simones Haltung und Bühnenpräsenz brachten ihr den Titel „Hohepriesterin des Soul“ ein. Sie war Pianistin, Sängerin und Performerin, „getrennt und gleichzeitig“. Meist als Arrangeurin und seltener auch als Komponistin bewegte sich Simone vom Gospel über Blues, Jazz und Folk bis hin zu Stücken im Stil der europäischen Klassik. Neben der Verwendung des Bach'schen Kontrapunkts griff sie auf die besondere Virtuosität des romantischen Klavierrepertoires des 19. Jahrhunderts zurück – Frédéric Chopin, Franz Liszt, Sergej Rachmaninow und andere. Der Jazztrompeter Miles Davis sprach in höchsten Tönen von Simone und zeigte sich tief beeindruckt von ihrer Fähigkeit, einen dreistimmigen Kontrapunkt zu spielen (ihre beiden Hände am Klavier und ihre Stimme liefern jeweils eine separate, aber ergänzende Melodielinie). Auf der Bühne baute sie Monologe und Dialoge mit dem Publikum in ihr Programm ein und nutzte oft die Stille als musikalisches Element. Die meiste Zeit ihres Lebens und ihrer Plattenkarriere wurde sie von dem Schlagzeuger und Jazz-Musiker Leopoldo Fleming und dem Gitarristen und musikalischen Leiter Al Schackman begleitet. Sie war dafür bekannt, dass sie dem Design und der Akustik jedes Veranstaltungsortes große Aufmerksamkeit schenkte und ihre Auftritte auf den jeweiligen Veranstaltungsort abstimmte.

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