An diesem Tag

Nil

Strom in Afrika und längster Fluss der Erde

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Der Nil (arabisch النيل an-Nīl; von altgriechisch Νεῖλος Neilos (m. sg.), später Nīlos, davor lateinisch Nilus, altägyptisch ı͗tr.w bzw. *ı͗ắtraw „Fluss“, koptisch ⲫⲓⲁⲣⲱ piaro bzw. phiaro) ist ein Strom in Afrika, der mit einer Gesamtlänge von ungefähr 6650 km als längster Fluss der Erde gilt. Die Diskussion darüber, ob er nicht nach dem Amazonas als zweitlängster Fluss einzuordnen ist (s. u.), hält an. Er entspringt in den Bergen von Ruanda und Burundi, durchfließt dann Tansania, Uganda, den Südsudan und den Sudan, bevor er in Ägypten in das Mittelmeer mündet. Sein Wasser erhält der Nil größtenteils aus den wechselfeuchten Tropen Ostafrikas und zu einem geringeren Teil aus den immerfeuchten Tropen Zentralafrikas. Als einziger Fluss der Erde durchquert er dann vollständig einen der beiden subtropischen Trockengürtel, der hier zudem die größte Trockenwüste der Erde, die Sahara, hervorgebracht hat. Die besonderen Eigenheiten des Flusses ließen an seinen Ufern eine der frühesten Hochkulturen entstehen, das altägyptische Pharaonenreich. Auch heute noch ist der Nil für Ägypten und den Sudan von entscheidender wirtschaftlicher Bedeutung.

Die Angaben zur Gesamtlänge des Nil reichen von 5499 km bis 7088 km und hängen unter anderem vom gewählten Messweg ab (etwa ab den Quellgebieten oder ab dem Ausfluss des Viktoriasees).

Die Encyclopædia Britannica beziffert die Gesamtlänge mit rund 6650 km, gemessen vom United States Geological Survey.

Eine unveröffentlichte brasilianische Studie aus dem Jahr 2008 kommt auf eine von den Quellen des Kagera-Nils aus gemessene Länge von insgesamt 6852 km, nach anderen Angaben erreicht er von dort aus eine Länge von 6671 km.

Chinesische Wissenschaftler kamen dagegen in einer 2009 veröffentlichten Studie durch Einbeziehung des Rukarara-Quellflusses auf eine Länge von 7088 km.

Da auch beim Amazonas ähnlich große Unterschiede in den Längenangaben existieren (Werte reichen von 6275 km bis 7025 km), ist die genaue Länge beider Flüsse und somit die Frage nach dem längsten Fluss der Erde auch zu Beginn der 2020er-Jahre noch ungewiss. Werke wie die Encyclopædia Britannica stufen den Nil als längsten Fluss ein, halten die Ergebnisse und somit den Wettstreit aber grundsätzlich weiterhin für offen und von Interpretation und Diskurs abhängig.

Nach dem Verlassen des Victoriasees verbleibt ein Fließweg von rund 5500 km, während dessen der Strom mehrmals seinen Namen ändert. Der ungefähr 480 km lange Abschnitt vom Victoriasee bis zum Albertsee heißt Victoria-Nil. Der sich anschließende, 210 km lange Abschnitt vom Albertsee bis zur Stadt Nimule heißt Albert-Nil. Von Nimule bis zur Einmündung des linken Nebenflusses Bahr al-Ghazal im No-See trägt der Fluss auf ca. 800 km Länge den Namen Bahr al-Dschabal. Die folgenden ca. 1000 km vom No-See bis zur sudanesischen Hauptstadt Khartum, bzw. bis zur Einmündung des Blauen Nils, trägt der Fluss den Namen Weißer Nil. Erst auf den letzten ca. 3000 km wird der Fluss tatsächlich als Nil bezeichnet. Dabei legt er zwischen Khartum und Kairo (Beginn des Nildeltas) eine Entfernung von ca. 2800 km, darunter etwa 900 km zwischen Assuan und Kairo zurück. Im Nildelta spaltet sich der Strom in zwei annähernd gleich lange Mündungsarme auf, den westlichen Rosette-Arm mit einer Länge von ca. 239 km und den östlichen Damietta-Arm mit einer Länge von ca. 230 km.

Das Einzugsgebiet des Nils erstreckt sich über 11 Länder. Hinzu kommen noch einige Quadratkilometer des Tschad, die über das Wadi Howar in das Nileinzugsgebiet entwässern.

Je nach Quelle und Messverfahren wird das Einzugsgebiet mit Werten zwischen 3,108 und 3,255 Mio. km² angegeben. Dabei teilt sich das Einzugsgebiet des Nil wie folgt auf (ausgehend von 3,177 Mio. km²):

Neben dem Weißen und dem Blauen Nil ist der Atbara (Schwarzer Nil) noch erwähnenswert am Abfluss des Nils beteiligt. Je nach Quelle sind 55 bis 80 % des Wassers an der Mündung aus dem Blauen Nil. Allerdings ist dessen Abfluss, genau wie der des Atbara, sehr stark saisonal bedingt. Im Gegenzug dazu liefert der Weiße Nil mehr oder minder konstant Wasser.

Anteil der einzelnen Hauptzuflüsse zum Abfluss über das Jahr (Summenkurven; Werte aus Diagramm übernommen).

Die Abflussmengen des Nils wurden über lange Zeiträume an verschiedenen Pegeln gemessen. Hier grafisch dargestellt der Abfluss am Pegel Dongola, nach der Einmündung aller wasserführenden Nebenflüsse und etwa 350 km vor der Einmündung in den Nasser-Stausee, gemessen über einen Zeitraum von 105 Jahren (1890–1995) in m³/s.

Von der mittleren Wasserführung von 2770 m³/s unterhalb der Einmündung des Atbara im Mittellauf erreichen unter natürlichen Bedingungen nur etwa 1250 m³/s das Mündungsgebiet unweit von Kairo; hinsichtlich der Wasserführung wird der Nil somit von zahlreichen Flüssen geringerer Länge weit übertroffen. Bedingt durch die starken Entnahmen zu Bewässerungszwecken erreichen heute nur rund 140 m³/s das Mittelmeer.

Die Wasserführung des Nils schwankt stark, so wurden in Assuan in der Periode 1971/72 nur 50 Mrd. m³/Jahr gemessen, in der Periode 1975/76 aber 100 Mrd. m³/Jahr. Der Effekt der Schwankungen wird dadurch verstärkt, dass häufig mehrere wasserarme Jahre aufeinanderfolgen und ebenso mehrere wasserreiche Jahre. In den 1960er Jahren führte der Nil viel Wasser, während die 1980er Jahre niedrige Wasserstände hatten. Auch die beiden Quellflüsse gleichen die Wasserführung des Nils nur selten aus. Sie können beide viel Wasser führen oder, wie in den 1980er Jahren, beide wenig Wasser, was für Ägypten fast zu katastrophalen Folgen führte.

Der Nil besitzt zwei Quellflüsse: den kürzeren, aber wasserreicheren Blauen Nil und den wesentlich längeren Weißen Nil. Letzterer bildet die Hauptachse des Einzugsgebietes, das mit rund 3.255.000 km² nur wenig kleiner ist als das des Kongo (3.731.000 km²).

Der Blaue Nil entwässert große Teile des niederschlagsreichen Hochlandes von Abessinien. Seine Quellflüsse sammeln sich im großen Tanasee. Bald nach Verlassen des Sees bildet der Blaue Nil den Wasserfall Tis Issat und fließt durch lange, bis 1.500 m tiefe Cañons. Bedingt durch internationale Restriktionen konnte er in Äthiopien lange nur geringfügig genutzt werden. Inzwischen ist die Grand-Ethiopian-Renaissance-Talsperre fertiggestellt worden, die zumindest in der Lage ist, die Wasserführung des Blauen Nils zu beeinflussen. Im Sudan wird der Blaue Nil durch den Roseires-Damm und den Sennar-Damm zur Bewässerung vor allem des Gezira-Projektes und zur Energiegewinnung aufgestaut. Nach einer Lauflänge von 1.783 km fließt er bei Khartum mit dem im Mittel um etwa ein Viertel weniger Wasser führenden Weißen Nil zusammen.

Der Blaue Nil ist sedimentreich und war deshalb früher der Hauptlieferant der für die Ablagerung des fruchtbaren Nilschlammes in Ägypten wichtigen Nilschwemme, die aber spätestens seit dem Bau des Assuan-Staudamms ihre Bedeutung verloren hat. Sie fand, abhängig vom Verlauf der Regenzeit im äthiopischen Hochland, in den Monaten Juli bis Oktober statt. In dieser Zeit führt der Blaue Nil im Mittel gut fünfmal so viel Wasser wie der Weiße Nil, der eine wesentlich gleichmäßigere Wasserführung zeigt. Umgekehrt führt im Mittel der übrigen acht Monate der Weiße Nil fast das 1,8fache des Blauen Nil.

Der Weiße Nil wird trotz der im Unterlauf geringeren Wasserführung meistens als eigentlicher Nil angesehen. Er hat gegenüber dem Blauen Nil ein mehr als fünfmal so großes Einzugsgebiet und mit rund 3800 Kilometern eine mehr als 2,5-fache Länge.

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