Nikolaus Kopernikus (* 19. Februar 1473 in Thorn, Königlich Preußen, Königreich Polen; † 24. Mai 1543 in Frauenburg, Königlich Preußen, Königreich Polen; eigentlich Niklas Koppernigk, latinisiert Nicolaus Cop[p]ernicus, erst im 19. Jahrhundert polonisiert zu Mikołaj Kopernik) war ein Domherr des Fürstbistums Ermland in Preußen sowie Astronom und Arzt, der sich auch der Mathematik und Kartographie widmete.
In seinem Hauptwerk De revolutionibus orbium coelestium von 1543 beschreibt er ein heliozentrisches Weltbild, nach dem die Erde ein Planet sei, sich um ihre eigene Achse drehe und zudem wie die anderen Planeten um die Sonne bewege. Die Rezeption des Werkes führte zu dem Umbruch, der als „kopernikanische Wende“ bezeichnet wird und in der Geschichtswissenschaft eine der Zäsuren darstellt, die den Übergang vom Spätmittelalter zur Neuzeit markieren.
Kopernikus war der Sohn des Niklas Koppernigk, eines wohlhabenden Kupferhändlers und Schöffen in Thorn, und dessen Frau Barbara Watzenrode. Die Familie Koppernigk gehörte zur deutschsprachigen Bürgerschaft der Hansestadt Thorn im Kulmerland, der ältesten Stadt Preußens, die sich im Dreizehnjährigen Krieg im Verein mit dem Preußischen Bund aus dem Deutschordensstaat gelöst und sich 1467 als Teil des autonomen Königlichen Preußen dem König von Polen als Schutzherrn unterstellt hatte. Kopernikus’ Vater war zwischen 1454 und 1458 aus Krakau, wo er als Kupferhändler tätig gewesen war, nach Thorn umgesiedelt. Die Familie mütterlicherseits war ebenfalls wohlhabend. Sie stammte ursprünglich aus Wazygenrode. 1470 kam sie nach Thorn, wo Kopernikus’ Großvater Lukas Watzenrode (der Ältere) ab 1440 als Schöffe und später als Schöffenmeister tätig war.
Als Geburtshaus von Kopernikus wurde lange Zeit das Haus in der St. Annengasse 15/17 angesehen, weshalb es die Bezeichnung „Kopernikus-Haus“ erhielt und die ganze Straße in ulica Kopernika umbenannt wurde. Jedoch hatten die Eltern schon vor Kopernikus’ Geburt auch Häuser an der Ringstraße um das Rathaus in der Stadtmitte erworben, wo die angesehensten Bürger wohnten. Inzwischen geht man davon aus, dass die Familie schon im Jahre 1468 in ihre neu erworbene Doppelhaushälfte am Ring umgezogen war (heute Rynek Staromiejski Nr. 36), in deren zweiter Haushälfte schon lange die Watzenrodes wohnten, so dass Kopernikus wohl eher dort geboren wurde.
Die Familie Koppernigk wurde im Jahre 1469, schon vier Jahre vor der Geburt von Kopernikus, in den Dritten Orden des hl. Dominikus aufgenommen. Als der Vater 1483 starb, war Nikolaus zehn Jahre alt. Der Bruder seiner Mutter, Lucas Watzenrode, ab 1489 Fürstbischof von Ermland, sorgte nach dem Tod der Eltern für die Ausbildung der vier Waisen. Der ältere Bruder Andreas wurde wie Nikolaus ebenfalls Domherr in Frauenburg, erkrankte aber um 1508 an Aussatz, wurde später ausgeschlossen und starb um 1518 vermutlich in Italien. Die ältere Schwester Barbara Koppernigk wurde Äbtissin im Kloster von Kulm, die jüngere Katharina heiratete Barthel Gertner, einen Krakauer Kaufmann.
Kopernikus wurde zunächst an der Sankt-Johannes-Schule in Thorn ausgebildet. In den Jahren 1488 bis 1491 besuchte er eine höhere Schule. Während manche Kopernikusforscher diese Schule in Leslau (Włocławek) sehen möchten, sprechen zahlreiche Gründe eher für einen Besuch des Partikulars der Brüder vom gemeinsamen Leben in Kulm (Chełmno), insbesondere die enge Verbindung der Familien Koppernigk und Watzenrode zu dieser Nachbarstadt von Thorn, wo mehrere weibliche Verwandte von Kopernikus im Zisterzienserinnen-Kloster lebten, unter anderem Kopernikus’ Stieftante Katharina und später auch seine Schwester Barbara als Äbtissinnen. Auch Lukas Watzenrode zog es besonders nach Kulm, so dass er 1488 auf dem polnischen Reichstag in Petrikau sogar beantragte, das Kulmer Domkapitel, dem er damals selbst angehörte, von Kulmsee (Chełmża) nach Kulm zu verlegen.
Von 1491 bis 1494 besuchte Kopernikus gemeinsam mit seinem Bruder Andreas die Universität Krakau, wo er die Sieben Freien Künste studierte. Er war dort unter anderem Schüler von Albert de Brudzewo, erlangte dort aber keinen Abschluss. Während dieser Zeit lernte er auch den schlesischen Gelehrten Laurentius Corvinus kennen, der später in Thorn tätig war.
1495 wurde Kopernikus zum Kanoniker der ermländischen Domschule in Frauenburg ernannt. Sein Onkel Watzenrode schickte ihn an die Universität Bologna, wo er zum Wintersemester 1496/1497 ein Studium beider Rechte begann, jedoch noch keinen akademischen Grad darin erwarb, und, wie erst nach Mitte des 19. Jahrhunderts bekannt wurde, in den Matricula Nobilissimi Germanorum Collegii und Annales Clarissimae Nacionis Germanorum der Natio Germanica Bononiae mit dem Eintrag Dominus Nicolaus Kopperlingk de Thorn – IX grosseti erwähnt wird. In Bologna studierte Kopernikus neben Griechisch bei Urceus Codrus auch Astronomie und lernte bei Domenico Maria da Novara neuere Theorien zur Bewegung der Planeten kennen. Er erwarb sich dort den Titel eines Magister artium. Novara führte ihn in die Gedankenwelt des Neuplatonismus ein, für den die Sonne als materielles Abbild Gottes bzw. des Einen von herausgehobener Bedeutung war.
1500 verließ Kopernikus Bologna und verbrachte anlässlich des Heiligen Jahres einige Zeit in Rom, bevor er 1501 nach Frauenburg ins Ermland zurückkehrte. Er erbat eine Genehmigung für eine Verlängerung seines Studienaufenthaltes in Italien und begann noch im selben Jahr ein Medizinstudium an der Universität Padua. Parallel dazu setzte er sein Jurastudium fort. Während dieser Zeit wurde Kopernikus das Amt eines Scholastikers der Breslauer Kreuzkirche übertragen, das er nicht persönlich ausübte, jedoch bis kurz vor seinem Tod innehielt. Kopernikus und sein Bruder Andreas, welcher ebenfalls eine Studienerlaubnis erhalten hatte, hielten sich zeitweilig auch bei der Kurie in Rom als Bevollmächtigte des Frauenburger Domkapitels auf.
Zum Doktor des Kirchenrechts (Doctor iuris canonici) wurde Kopernikus am 31. Mai 1503 an der Universität Ferrara promoviert. Einen akademischen Grad in der Medizin erwarb er nicht.
Tätigkeit als Arzt, Domherr und Administrator
1503 kehrte er ins Ermland zurück und begann zunächst als Sekretär und Arzt für seinen Onkel Lucas Watzenrode, den Fürstbischof des Ermlandes, zu arbeiten. Kopernikus wurde Arzt und bekam durch seinen Onkel eine Stelle im ermländischen Domkapitel in Frauenburg, in hoc remotissimo angulo terræ („im hintersten Winkel der Welt“), wie er die Lage seiner Arbeitsstätte in der Vorrede an den Papst in seinem Hauptwerk beschrieb. Watzenrode plante, seinen Neffen ebenfalls Fürstbischof werden zu lassen.
Kopernikus hatte als Administrator die Regierungsgeschäfte zu regeln. In den Verhandlungen über die Reform des preußischen Münzwesens erarbeitete er die Position der preußischen Städte. Er gab dazu ein Schreiben heraus, das noch Jahrhunderte später als wegweisend für die Geldtheorie angesehen wurde. Im Jahr 1504 beteiligte sich Kopernikus an den Preußischen Landtagen in Marienburg und Elbing, 1506 sprach er auf der Preußischen Ständeversammlung in Marienburg. Als Administrator verfasste er 1516 bis 1521 die Locationes mansorum desertorum.
Trotz der schwierigen Lage in Preußen, wo Städte und Menschen für und gegen die katholische Regierung kämpften, konnten Watzenrode, als Fürstbischof zugleich Landesherr, und sein Neffe Kopernikus die Eigenständigkeit des Ermlands gegenüber dem Orden und Selbstverwaltungsbefugnisse gegenüber der polnischen Krone bewahren. Zum Kanzler des Ermländer Domkapitels wurde Kopernikus 1510, 1519, 1525 und 1528 gewählt. Im Jahr 1510 unternahm Kopernikus als erste Amtshandlung als Kanzler, gemeinsam mit dem späteren Fürstbischof Fabian von Lossainen, eine Reise nach Allenstein. Im folgenden Jahr nahm er als Vertreter seines Onkels an der Hochzeit von Sigismund I. teil. Nach dem Tode des bisherigen Ermländer Bischofs Mauritius Ferber wurde Kopernikus 1537 von Tiedemann Giese als Bischof vorgeschlagen, unterlag jedoch Johannes Dantiscus von Höfen.