Nicolas Sarkozy ( [nikɔ'la saʁkɔ'zi], vollständig Nicolas Paul Stéphane Sárközy de Nagy-Bocsa; * 28. Januar 1955 in Paris) ist ein französischer Politiker. Von Mai 2007 bis Mai 2012 war er Staatspräsident der Französischen Republik.
Zuvor war er von 2002 bis 2004 und 2005 bis 2007 Innenminister sowie von März bis November 2004 Wirtschafts- und Finanzminister Frankreichs. Von 2004 bis 2007 war Sarkozy Parteivorsitzender der konservativen Union pour un mouvement populaire (UMP), von November 2014 bis August 2016 war er es erneut; in dieser Zeit benannte sich die Partei in Les Républicains um. 2012 verlor er die Präsidentschaftswahl gegen François Hollande (Parti socialiste).
Sarkozy wurde nach seiner Amtszeit in mehreren Strafverfahren angeklagt und rechtskräftig wegen Bestechung, Vorteilsgewährung sowie illegaler Wahlkampffinanzierung jeweils zu einer Freiheitsstrafe verurteilt.
Sarkozys Vater Pál Sarkozy (1928–2023) stammte aus einer ungarischen Familie (Sárközy de Nagybócsa, ungarisch Nagybócsai Sárközy), die 1628 in Wien von Kaiser Ferdinand II. in seiner Funktion als König von Ungarn geadelt worden war. Die Familie besaß in Alattyán (Komitat Jász-Nagykun-Szolnok), ca. 100 km südöstlich von Budapest, ein Schloss und Ländereien. 1944 floh Sarkozys Vater vor dem Einmarsch der Roten Armee über Österreich nach Deutschland. Nach dem Krieg ließ er sich von einem französischen Rekrutierungsbüro in Baden-Baden für die Fremdenlegion anwerben. Nach dem Abschluss seiner Rekrutenzeit in Sidi bel Abbès (Französisch-Algerien) sollte er ursprünglich in Indochina eingesetzt werden. Aufgrund eines medizinischen Attests konnte er jedoch bereits 1948 nach Marseille ziehen. 1949 traf er in Paris Nicolas Sarkozys spätere Mutter Andrée Mallah. Pál Sarkozy, der insgesamt viermal verheiratet war, trat auch als Maler öffentlich in Erscheinung. So berichtete El País im Dezember 2011 von der bevorstehenden Ausstellung seiner Bilder im uruguayischen Badeort Punta del Este in der dortigen Galería de las Misiones.
Sarkozys Mutter Andrée Mallah ist eine Nachfahrin sephardischer Juden aus Thessaloniki. Ihr Großvater hieß Mordechai Mallah und war ein wohlhabender Juwelier aus Thessaloniki. Zusammen mit seiner Ehefrau Reina hatte Mallah sieben Kinder. Aaron Benico Mallah, der Großvater Sarkozys, war das jüngste der Kinder. Aaron Benico Mallah heiratete 1917 die Katholikin Adèle Bovier und konvertierte zum Christentum. Das Ehepaar hatte zwei Töchter namens Suzanne und Andrée.
Nicolas Sarkozy hat zwei Brüder, Guillaume (* 1951) und François (* 1958), sowie zwei jüngere Halbgeschwister, Caroline und Pierre-Olivier (* 1970), die aus der dritten Ehe seines Vaters (mit Christine de Ganay) stammen. Als diese Ehe 1977 scheiterte, heiratete seine Stiefmutter den US-Diplomaten Frank Wisner jun., Sohn des ehemaligen CIA-Direktors Frank Gardiner Wisner. Sie ging mit ihm in die USA. Nicolas Sarkozy hat bzw. hatte enge Beziehungen zu seinen amerikanischen Stiefgeschwistern und dem 2025 verstorbenen Frank Wisner.
Sarkozy besuchte zunächst das angesehene Lycée Chaptal im 8. Arrondissement von Paris. Da er die sechste Klasse nicht bestand, wechselte er auf das katholische Privatgymnasium Saint Louis de Monceau und legte dort 1973 das Baccalauréat ab (entspricht dem Abitur). Anschließend absolvierte er ein Jurastudium an der Universität Paris-Nanterre (Universität Paris X), das er 1978 mit einer Maîtrise en droit im Privatrecht abschloss. Nach dem verpflichtenden Wehrdienst bei den Luftstreitkräften erwarb er ein Diplôme d’études approfondies (DEA) in Politikwissenschaft. Von 1979 bis 1981 studierte er zudem am Institut d’études politiques de Paris (Sciences Po), blieb dort aber ohne Abschluss.
Seit 1981 besitzt er eine Zulassung als Rechtsanwalt (avocat) bei der Anwaltskammer Paris. 1987 gründete er mit zwei Kollegen die Kanzlei Leibovici – Claude – Sarkozy. Auch parallel zu seiner politischen Karriere setzte er seine Tätigkeit als Anwalt fort.
Bis 1993: politischer Aufstieg
Sarkozy engagierte sich bei der gaullistischen Jugendorganisation Union des jeunes pour le progrès (UJP) und trat 1974 der damaligen Regierungspartei Union des démocrates pour la République (UDR) bei. Im selben Jahr war er Wahlkampfhelfer des (erfolglosen) Präsidentschaftskandidaten Jacques Chaban-Delmas. Aus der UDR ging 1976 das von Jacques Chirac geführte neogaullistische Rassemblement pour la République (RPR) hervor, in dem Sarkozy schnell Karriere machte; im Alter von 21 Jahren arbeitete er 1977 bereits im Zentralkomitee der Partei mit.
Ebenfalls 1977 wurde er in den Gemeinderat von Neuilly-sur-Seine, einem der wohlhabendsten Vororte von Paris, gewählt und war dort von 1983 bis 2002 Bürgermeister. Landesweite Bekanntheit erlangte er 1993 als Vermittler bei einer Geiselnahme in einem Kindergarten seiner Stadt. Die Geiseln blieben unverletzt, der Geiselnehmer wurde durch ein Spezialeinsatzkommando getötet. Von 1983 bis 1988 war Sarkozy zudem Abgeordneter im Regionalrat der Hauptstadtregion Île-de-France. Darüber hinaus war er von 1986 bis 1988 Vizepräsident des Generalrats des Départements Hauts-de-Seine und zeichnete in dieser exekutiven Funktion für die Kulturpolitik des Départements verantwortlich.
Bei der Parlamentswahl 1988 kandidierte Sarkozy erstmals im 6. Wahlkreis des Départements Hauts-de-Seine, in dem Neuilly-sur-Seine und Puteaux liegen. In dieser Hochburg der Konservativen wurde er mit 67,4 Prozent der Stimmen gleich im ersten Wahlgang als Abgeordneter in die Nationalversammlung gewählt. Dieser gehörte er während vier Legislaturperioden bis 2005 an – mit Unterbrechungen, wenn er ein Regierungsamt innehatte und sein Parlamentsmandat daher niederlegen musste.
1993–2002: Haushaltsminister und Oppositionszeit
Vom 30. März 1993 bis zum 11. Mai 1995 war Sarkozy Haushaltsminister der Regierung Balladur, deren Sprecher er auch war. Im Wahlkampf für die Präsidentschaftswahl 1995 unterstützte Sarkozy nicht seinen Parteichef, Jacques Chirac, sondern dessen innerparteilichen Konkurrenten, den amtierenden Premierminister Édouard Balladur. Chirac wertete dies als Verrat, das Verhältnis zwischen Sarkozy und Chirac galt seither als nachhaltig zerrüttet. Chirac gewann die Wahl und Sarkozy wurde nicht in das Kabinett des neuen Premierministers und Chirac-Vertrauten Alain Juppé berufen.
Als Abgeordneter gehörte Sarkozy von 1995 bis 2002 dem Finanz- und Wirtschaftsausschuss der Nationalversammlung an, in der das Mitte-rechts-Lager nach dem Sieg der Linken bei der Parlamentswahl 1997 in Opposition stand. Unter dem Parteivorsitzenden Philippe Séguin wurde er 1998 Generalsekretär des RPR. Nach dem Rücktritt Séguins im April 1999 war Sarkozy Interimsvorsitzender der Partei, bis das RPR im Dezember desselben Jahres Michèle Alliot-Marie zur neuen Vorsitzenden wählte. Bei der Europawahl im Juni 1999 war er Spitzenkandidat der gemeinsamen Liste von RPR und Démocratie libérale, die mit 12,8 Prozent der Stimmen eine schwere Niederlage erlitt. Sarkozy selbst erhielt ein Mandat im Europäischen Parlament, auf das er jedoch bereits zwei Monate später verzichtete.
2002–2007: Innen- und Wirtschaftsminister, UMP-Vorsitzender
Das RPR ging im Zuge der Präsidentschaftswahl 2002 in der Mitte-rechts-Sammelpartei Union pour un mouvement populaire (UMP) auf, die den Amtsinhaber Jacques Chirac unterstützte. Anschließend war Sarkozy vom 7. Mai 2002 bis zum 30. März 2004 französischer Innenminister in der Regierung von Premierminister Jean-Pierre Raffarin. In dieser Zeit erwarb er sich den Ruf eines Law-and-order-Politikers, der entschlossen gegen Kriminalität vorgeht. Dies machte ihn in der Bevölkerung populär.
Bei den französischen Regionalwahlen im März 2004 erlitten die Konservativen eine Niederlage, Sarkozy selbst überstand die Wahl jedoch unbeschadet und wurde als Abgeordneter des Wahlbezirks (Kanton) Neuilly-sur-Seine Nord in den Generalrat des Départements Hauts-de-Seine und zum Präsidenten dieses Generalrats gewählt. Am 31. März 2004 billigte Staatspräsident Chirac eine neue Kabinettsliste, auf der Sarkozy als „Superminister“ für Wirtschaft, Finanzen und Industrie stand, der damit auch die Verantwortung für die geplanten Wirtschaftsreformen in Frankreich übernahm. Während dieser Zeit setzte er u. a. die Übernahme des deutsch-französischen Pharmaunternehmens Aventis durch den französischen Konkurrenten Sanofi-Synthélabo (seither Sanofi-Aventis) durch.