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Nicolò da Ponte

Doge von Venedig (1578–1585)

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Nicolò da Ponte (* 15. Januar 1491 in Venedig; † 30. Juli 1585 ebenda) war, folgt man der Zählweise der staatlich gesteuerten Geschichtsschreibung der Republik Venedig, ihr 87. Doge. Er füllte dieses höchste Amt der Republik von 1578 bis zu seinem Tod aus.

Nicolò da Ponte verfügte über gute Kontakte zur Kurie, besonders zu den Päpsten Paul III., Julius III. und Gregor XIII.; er war Berater beim Konzil von Trient. Dennoch war er antiklerikal eingestellt und misstraute zugleich der kaiserlichen Großmacht. Er war Botschafter bei Kaiser Karl V. und bei König Franz II. von Frankreich. 1570 wurde er Prokurator von San Marco, mehrfach war er für die Universität Padua zuständig (Riformatore dello Studio di Padova), lehrte in Venedig Philosophie. Er war Statthalter im Friaul und nahm eine ähnliche Stellung auf Korfu ein, war für die venezianischen Gebiete in Oberitalien, die Terraferma zuständig. Zudem war er Podestà in verschiedenen Städten. Immer wieder saß er in den entscheidenden Gremien Venedigs, sei es im Rat der Zehn, im Senat oder in anderen zentralen Kollegien und Expertengremien. Er war zeitweise für die Inquisition zuständig. Er betrieb den Separatfrieden von 1573, mit dem sich Venedig aus der anti-osmanischen Koalition mit Spanien und dem Papst löste, nachdem diese noch 1571 in der Seeschlacht von Lepanto gesiegt hatte. Doch war die Flotte in dieser Größenordnung nicht mehr aufrechtzuerhalten und Zypern ging endgültig verloren.

In das Dogenamt, das er bis zu seinem Tod ausfüllte, wurde er am 3. März 1578 gewählt. Während seiner Amtszeit wurden dem Rat der Zehn, der zeitweise beinahe eine Nebenregierung Venedigs dargestellt hatte, erhebliche Machtmittel entzogen.

Die Familie da Ponte ist in Venedig urkundlich zum ersten Mal um 1100 nachgewiesen. Nicolò ist der einzige Doge aus der Familie, die Anfang des 19. Jahrhunderts ausgestorben ist. Geboren wurde Nicolò da Ponte in einem Haus in der Gemeinde Sant’Agnese, am Ponte della Calcina. Er war der älteste von sechs Söhnen des Antonio da Ponte und der Regina Spandolin, Tochter des Ritters Demetrio aus Konstantinopel.

Die wirtschaftliche Basis der Familie war der Handel, insbesondere von der Ägäisinsel Negroponte aus. Doch 1470, als die Osmanen die bedeutende Insel eroberten, flohen viele Venezianer, darunter Nicolòs Onkel Giovanni, dessen Schiff mitsamt seinem Vermögen versank. Andererseits weist die Ehe des Vaters mit einer Griechin (1489) darauf hin, dass weiterhin oder wieder Handelsbeziehungen dorthin bestanden haben könnten.

Nicolò da Ponte heiratete 1520 Arcangela Canal di Alvise di Luca, die einer der ältesten Familien Venedigs entstammte, und die mit seiner Wahl zum Dogen für seine verbleibende Amtszeit, also die Jahre 1578 bis 1585, Dogaressa hätte werden können; sie starb jedoch bereits 1566. Das Paar hatte zwei Kinder, nämlich den 1526 geborenen Sohn Antonio und eine Tochter namens Paolina. Antonio war im Jahr 1558 bereits nicht mehr am leben; er hatte 1542 Paola Mocenigo geheiratet. Aus dieser Ehe gingen gleichfalls zwei Kinder hervor: Paolina heiratete 1572 Gabriele Corner; Nicolò, der Prokurator von San Marco und Haupterbe des Dogen, machte im Jahr 1590 sein Testament.

Ausbildung und Ämterlaufbahn, Erwerb des Vermögens

Da Ponte war umfassend gebildet. Er lernte bei dem gefeierten Meister Egnazio (1478–1553), studierte an der Universität Padua und schloss sein Studium als Doktor der Philosophie dennoch nicht ab (was in seinem Stand üblich war). Dies dürfte aber auch mit den Kämpfen wegen der Liga von Cognac zusammenhängen, die eine lange Unterbrechung des Lehrbetriebs zur Folge hatten. Stattdessen erlangte er seinen Doktorgrad am 8. März 1514 in Venedig in den freien Künsten durch „dotori medici“, wie Marin Sanudo vermerkt. Er verfügte über Kenntnisse in Mathematik und Theologie und er vertrat die Republik schon in jungen Jahren als Diplomat an verschiedenen europäischen Höfen.

Bereits im Alter von 20 Jahren war er, sicher nach der Balla d’oro, einem Losverfahren, vorzeitig in den Großen Rat gelangt. Dort wurde er sogleich in eine typische Anfängerposition gewählt, nämlich zum Savio agli Ordini. Diese Stellung war sehr begehrt, da sie oft den Anfang einer viel versprechenden Ämterlaufbahn darstellte. Folgt man Andrea Da Mosto, so war er von hoher Statur, robust und wohl proportioniert, eine würdevolle Erscheinung, zugleich jovial und fröhlich, eine Freude für jeden, der ihn kannte. Niemals ermüdete er, was sich bis ins hohe Alter durchhielt. Außerdem war er von hoher Redegewandtheit und tiefer Bildung, vom Lesen konnte er nicht genug bekommen. Agostino Valier sprach 1719 geradezu von einer „aviditas legendi“.

Vermögensaufbau, Ehe, Lehrmeister für Philosophie

In der Zeit von 1512 bis 1532 betätigte sich Nicolò da Ponte nicht politisch. In dieser Zeit erwarb er sich im Handel ein gewaltiges Vermögen, das Zeitgenossen auf 150.000 Dukaten schätzten. So konnte er sich einen großartigen Palast, den Palazzo di San Maurizio, bauen lassen. Irgendwann zwischen 1554 und 1565 zog er in den Stadtpalast ein. Neben seinen ökonomischen Interessen verfolgte er weiterhin kulturelle. So gelang es ihm, am 10. August 1521 Sebastiano Foscarini im Amt eines Lektors für Philosophie an der Scuola di Rialto nachzufolgen. Foscarini, sein Meister, war für zwei Jahre als Consigliere nach Zypern geschickt worden, nachdem er an der Rialtoschule über 45 Jahre gelehrt hatte. Er hatte ihn gelehrt, den Aristotelismus neu zu betrachten, vor allem aber, jede Einmischung durch die Kirche abzuwehren. Der Senat ermöglichte da Ponte die Übernahme der neuen Stellung per Dekret. 1520 hatte er Arcangela Canal di Alvise di Luca geheiratet. An der Scuola führte er Disputationen, u. a. mit Egidio da Viterbo.

Wiederaufnahme der politischen Tätigkeit: Korfu (1532–1535), Senator, Anwalt der Kommune

Der Segretario alle Voci schlug da Ponte 1532 für das Amt des Bailò und Capitano auf Korfu vor. Dort hielt er sich vom 20. Juli 1532 bis zum 19. Mai 1535 auf. Seine dringlichste Aufgabe war dort die Lebensmittelversorgung, denn es war bereits zu Tumulten gekommen. Die schwierigere Aufgabe stellten jedoch die Osmanen dar, die im Streit mit der Flotte unter Andrea Doria lagen. Da Ponte versuchte sich neutral zu halten, verstärkte aber zugleich die Festungen und ließ einen Getreidespeicher bauen.

Nach seiner Rückkehr wurde er am 1. September 1535 zum Senator ernannt; er saß in den nächsten Jahren im Senat und in dessen Zonte, also in ergänzenden Gremien für besondere Aufgaben. Am 25. Januar 1540 wurde er zum Avogador di Comun gewählt. In dieser Rolle verteidigte er erfolgreich Alessandro Contarini, der 1537 für die Versorgung der Flotte zuständig gewesen war. In diesem Amt hatte er eine osmanische Galeere gekapert, noch bevor offiziell der Krieg zwischen Venedig und dem Osmanenreich erklärt worden war.

Im Februar 1541 wurde er Statthalter des Friaul, wo es ihm unter Aufbietung seiner diplomatischen Geschicklichkeit gelang, Österreich dazu zu bewegen, die Übergabe der Festung von Marano durch den Florentiner Pietro Strozzi an Venedig zu akzeptieren. Er ließ in Udine den Brunnen fertigbauen, der noch heute den Platz schmückt.

Gesandter am Kaiserhof (1542–1543), weiterer Aufstieg bis in den Rat der Zehn (1546)

Die Wahl zum Gesandten am kaiserlichen Hof erfolgte am 12. April 1542, als er noch im Friaul war. Nach dem gescheiterten Versuch, Algier zu erobern, sah sich der Kaiser der Bedrohung durch Frankreich ausgesetzt, so dass Venedig einen geschickten Unterhändler mit einem gewissen Vertrauensvorschuss wählte. Tatsächlich erklärte Frankreich dem Habsburger den Krieg. Bereits zwei Tage nach seiner Berufung war Nicolò da Ponte am 13. September in Mailand. Über Genua erreichte er schließlich Barcelona, wo er vom Kaiser die Erlaubnis erlangte, Salpeter für die venezianische Flotte auszuführen. Im Gefolge Kaiser Karls V. reiste er nach Genua. Er erkrankte allerdings im Reich und musste nach Venedig zurückkehren, wo er am 18. September 1543 eintraf.

Nun erlangte er einen hochangesehenen Posten nach dem anderen. Am 1. September wurde er für die erste Jahreshälfte 1544 Savio di Terraferma, saß ab dem 30. Oktober 1544 im Collegio delle Fortezze, befasste sich also erneut mit Festungsbauwerken. Am 9. Dezember wurde er für die Jahre 1545 und 1546 zum Riformatore dello Studio di Padova gewählt. Erneut, diesmal vom 30. März bis zum 30. September, wurde er zum Savio di Terraferma gewählt, am 13. September zum Zensor, war am 30. des Monats bereits in der Zonta dei Pregadi (wie die Senatoren genannt wurden). Erneut am 5. Dezember wurde er in das Collegio delle Fortezze gewählt. Am 28. Juni 1546 wurde er erneut Savio di Terraferma, dann am 1. Oktober Governatore delle Entrate und gleichzeitig stieg er in die Zonta des Rates der Zehn auf.

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