An diesem Tag

Nico (Sängerin)

Deutsches Fotomodell, Schauspielerin und Sängerin

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Nico (* 16. Oktober 1938 als Christa Päffgen in Köln; † 18. Juli 1988 auf Ibiza) war eine deutsche Sängerin, Komponistin, Liedtexterin, Schauspielerin und ein Model. Sie gehörte in den 1950er-Jahren als erste Deutsche zu den international erfolgreichsten Models der Modeszene. Als Musikerin war sie wegweisend in Musikrichtungen wie Punk, Wave und Gothic sowie für die Rolle von Frauen in der Pop- und Rockmusik.

Über Christa Päffgens Leben existieren unterschiedliche Angaben, da sie ihre Biografie oft mit interessanten Herkunftsgeschichten aufhübschte, um ihre deutsche Herkunft zu kaschieren, und sich in Interviews auch manchmal jünger machte, als sie war. So erzählte sie oft, sie habe keine deutschen Wurzeln, sondern sei das Kind spanisch-jugoslawischer Eltern und in Budapest geboren, was aber durch Verwandte in Berlin widerlegt wurde.

Päffgens Vater Wilhelm, laut ihrer Aussage ein Archäologe, stammte angeblich aus der Kölner Brauereidynastie Päffgen. Das ist jedoch laut Aussage von Gisela Päffgen, die Stammbücher durchgegangen war, nicht korrekt, denn sie habe dort keine Verbindung zu Christas Vater Wilhelm entdecken können. Nicht belegte Aussagen englischer Biografen behaupteten zuvor, die vermögende katholische Familie soll mit seiner Ehe mit der aus einfachen Verhältnissen stammenden protestantischen Margarete Schulze nicht einverstanden gewesen sein, obwohl Christa extra dieser Familie zuliebe katholisch getauft worden war.

Es handele sich um eine Namensgleichheit.

Der Vater Wilhelm Päffgen wurde kurz nach ihrer Geburt zur Wehrmacht eingezogen. Die Mutter lebte mit ihrer Tochter in der Luxemburger Straße 26 und gab das Kind aus wirtschaftlicher Not für einige Monate in das Sülzer Kinderheim. Der Vater fiel 1942. Daraufhin zog die Witwe mit ihrer Tochter nach Berlin-Schöneberg zu ihrer Schwester Helma Wolff, deren Sohn Ulrich etwa gleich alt wie Christa war und später Architekt wurde. Als die alliierten Bombenangriffe zunahmen, zogen alle vier weiter nach Lübbenau/Spreewald, wo Helma Wolffs Vater Bahnhofsvorsteher war; dort fanden sie Unterkunft in einem Haus in der Nähe des Bahnhofs. Zur Familie ihrer Schwiegereltern habe Margarete Päffgen wenig Kontakt gehabt; ihren Cousin C. O. Paeffgen habe Christa erst als Erwachsene kennengelernt.

Mit 13 Jahren soll sie laut verschiedenartig kolportierten Aussagen, u. a. auch von ihr selbst, von einem GI der US Air Force vergewaltigt worden sein, der wegen der Tat zum Tode verurteilt worden sein soll. In dem Lied Secret Side auf dem Album The End … verarbeitete sie laut diversen Quellen die Tat.

Nach dem Krieg arbeitete die Mutter als Schneiderin und Verkäuferin für Damenmode im West-Berliner KaDeWe. Christa besuchte das Gymnasium und bekam Ballettstunden. Da die Mutter für viele wohlhabende Privatleute schneiderte, setzte sie ihre Tochter als Vorführdame ein; so kam Christa schon früh in Berührung mit Mode und wusste um ihre Wirkung. Personen aus Oper und Theater und anderen Kreisen der gehobenen Gesellschaft luden Mutter und Tochter zu Vorführungen ein, zu denen sie sonst aufgrund ihrer Herkunft aus einfachen Verhältnissen nicht so leicht Zugang bekommen hätten.

Als die Tochter mit 14 nicht mehr zur Schule gehen wollte, vermittelte ihr die Mutter zunächst eine Stelle als Verkäuferin im KaDeWe. Christa wollte aber lieber weiter Kleider vorführen und wurde schon bald wegen ihrer Größe von 1,75 m und ihres attraktiven Aussehens als hauseigene Vorführdame eingesetzt. Bei einer der KaDeWe-Modenschauen wurde sie mit 15 Jahren von dem jungen ehrgeizigen Fotografen Herbert Tobias entdeckt, der ihr Aufträge für Modestrecken in den ersten deutschen Nachkriegsmodemagazinen und Werbeprospekten vermittelte. Der Modedesigner Heinz Oestergaard verschaffte ihr internationale Aufträge bei namhaften Modemagazinen.

1956 (nach anderen Quellen 1959) zog sie nach Paris und kam in der Agentur von Dorian Leigh unter. Dort stellte sie sich dem Dior-Starfotografen Willy Maywald vor, der nicht nur Modefotos von ihr machte, sondern ihr auch als wichtiger Freund zur Seite stand. Oestergaard empfahl ihr einen Namenswechsel, da Christa zu deutsch klänge, und gab ihr nach dem Filmemacher Nikos Papatakis den Namen Nico. Ob Papatakis zu der Zeit sein – wegen der Strafbarkeit von Homosexualität heimlicher – Lebenspartner war, ist unklar. Fest steht, dass ihn Oestergaard sehr verehrte und Nico später Papatakis’ Freundin wurde. Zu dieser Zeit experimentierte sie mit verschiedenen Künstlernamen; so nannte sie sich Christa Nico, Nico Otzak, am Ende blieb sie bei Nico.

Ende der 1950er-Jahre gehörte sie als erste Deutsche zu den international erfolgreichsten Models der Modeszene und wurde von der New Yorker Agentur Eileen Ford unter Vertrag genommen. Sie verdiente zu dieser Zeit so viel Geld, dass sie es sich leisten konnte, 1962 ein Haus auf Ibiza zu kaufen und ihre Mutter dorthin zu bringen, die zu der Zeit wegen einer beginnenden Parkinson-Krankheit gesundheitlich schwer angeschlagen war.

Zunächst nur als attraktive Statistin ohne Text gebucht, bekam sie zunehmend mehr Angebote für den Film. Sie spielte in Werbespots mit und erhielt 1960 einen ersten längeren Auftritt in Federico Fellinis Film La Dolce Vita, in dem sie sich selbst spielte. 1961 besuchte sie in New York City die Schauspielschule von Lee Strasberg. Eine ihrer Mitstudentinnen war nach Nicos Aussage die 1961 in New York lebende Marilyn Monroe.

1963 hatte sie ihre erste Hauptrolle in dem französischen Film Das Mädchen Ariane, bei dem zwar ihr starker deutscher Akzent bemängelt, ihre Darstellung aber von den Kritikern wohlwollend besprochen wurde, was sie darin bestärkte, den Weg weiterzugehen und ihr schauspielerisches Können mit professionellem Schauspielunterricht zu vertiefen. Der Jazzmusiker Victor Brox führte sie in die Welt der Musik ein.

In New York lernte sie Andy Warhol kennen. Dieser suchte nach einem Zerwürfnis mit Edie Sedgwick eine neue Muse und begann sie und ihre Ambitionen zu fördern. Sie wurde Teil der Factory, einer der Warhol Superstars und spielte in diversen Filmen Warhols mit wie in Chelsea Girls. 1966 war sie so bekannt, dass sie zum „Popgirl '66“ gewählt wurde. Warhol suchte nach einer passenden Band für Nico und fand The Velvet Underground, brachte sie zusammen und produzierte deren Debütalbum The Velvet Underground & Nico, das nicht zuletzt von Nicos Gesang, ihrer charakteristischen tiefen Stimme und ihrem deutschen Akzent geprägt ist.

Ihre Anwesenheit war für die Plattenfirma ausschlaggebend, der Band überhaupt einen Plattenvertrag zu geben, was dem Sänger und Hauptsongschreiber Lou Reed zu schaffen machte. Zwischen Nico und Reed gab es eine kurze Liebesbeziehung; allerdings wollte sich Reed mit seiner Gruppe nicht auf die Rolle der Begleitband reduzieren lassen, so dass Nico nur drei Songs (Femme Fatale, All Tomorrow’s Parties und I’ll Be Your Mirror) auf der Platte singen durfte und ansonsten das Tamburin zu schlagen und bei Auftritten gut auszusehen hatte. In Nicos Augen bedeutete dies eine Zurücksetzung und sie beharrte auf der Fortsetzung ihrer Gesangskarriere. So zerbrach die Beziehung bald. Reed wurde die treibende Kraft der Band und drängte das inoffizielle Mitglied Nico aus der Gruppe. Nicos neuer Förderer wurde Reeds Bandkollege John Cale.

Nico hatte schon vor Velvet Underground eine Karriere als Solosängerin angestrebt und erste Erfolge in Europa gehabt. Sie pendelte zwischen Paris und London hin und her und lernte verschiedene Musiker wie Bob Dylan, Brian Jones von den Rolling Stones und Jimmy Page von den Yardbirds bzw. später Led Zeppelin kennen. 1965 nahm sie ihre erste Single I’m Not Sayin’ auf, deren schwarzweißes Musikvideo Nico singend auf den Straßen von London und am Ufer der Themse zeigt. Es gehört zu den ersten Musikvideos überhaupt. Der Song erschien auf Immediate, dem Label des Rolling-Stones-Managers Andrew Loog Oldham, bei dem neben Brian Jones, mit dem sie damals liiert war, Jimmy Page als Produzent arbeitete.

1967 nahm sie in New York ihr erstes Solo-Album Chelsea Girl auf, auf dem sie Songs von Bob Dylan, Tim Hardin, Lou Reed, Jackson Browne und John Cale sang. Nico war unzufrieden mit der Platte, die sie zu kitschig fand und deren musikalische Untermalung mit Flöten und Harfen sie nicht mochte. Zudem konnte sie auf der Platte mit It Was a Pleasure Then nur einen einzigen eigenen Titel unterbringen, alle anderen Lieder wurden von fremden Autoren geschrieben. Auch bei der Produktion hatte sie kein Mitspracherecht.

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