An diesem Tag

Nicholas Throckmorton

Englischer Agent, Diplomat und Politiker

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Sir Nicholas Throckmorton (oder Throgmorton) (* 1515 oder 1516; † 12. Februar 1571 in London) war ein englischer Agent, Diplomat und Politiker. Er gilt als graue Eminenz hinter mehreren Komplotten und Verschwörungen während der Regierungszeiten von Eduard VI., Maria I. und Elisabeth I., wurde jedoch niemals eindeutig für schuldig befunden. Unter Elisabeth fungierte er häufig als Bote zwischen ihr und ihrer Rivalin Maria Stuart. Wegen seiner Rolle in einer Verschwörung von Thomas Howard, 4. Duke of Norfolk gegen Königin Elisabeth fiel er 1569 in Ungnade. Er ist der Vater von Elizabeth Throckmorton, der bevorzugten Hofdame der Königin und späteren Ehefrau des Sir Walter Raleigh.

Nicholas wurde als vierter Sohn des Sir George Throckmorton (c.1489–1552) und dessen Frau Katherine geboren. Über seine Mutter war er ein Cousin der Königin Catherine Parr. Sein Geburtsdatum wird vom Bericht John Foxes abgeleitet, dass Throckmorton im Januar 1551, zur Verurteilung des Bischofs Stephan Gardiner, 35 Jahre alt war. In seiner Jugend diente er wahrscheinlich Henry Fitzroy, dem unehelichen Sohn König Heinrichs VIII., gemeinsam mit seinem Verwandten William Parr. Als Fitzroy 1532 gemeinsam mit seinem Vater nach Frankreich reiste und anschließend ein Jahr lang am französischen Hof blieb, begleitete Throckmorton ihn und lernte in dieser Zeit Französisch. Über sein Leben wurde das Gedicht The Legend of Sir Nicholas Throckmorton geschrieben und über seine Zeit in Frankreich heißt es dort:

Nach Fitzroys Tod trat er in den Dienst der Parrs, seiner Verwandten und diente 1543 an der schottischen Grenze. Als seine Cousine Catherine den König heiratete, erhielt Throckmorton eine Stellung bei Hofe. In Heinrichs Krieg gegen Frankreich 1544 gehörte er zur Armee, die Boulogne für England eroberte, wenngleich der Sieg nur von kurzer Dauer war. Wie Catherine Parr gehörte Throckmorton zu den Protestanten bei Hofe. Er besuchte u. a. die als Ketzerin verurteilte Anne Askew im Gefängnis und war Augenzeuge ihrer Hinrichtung. 1545 gelang es ihm erstmals ins Unterhaus des Parlaments gewählt zu werden, möglicherweise dank des Einflusses Catherine Parrs. Bis 1567 blieb er nacheinander für fünf unterschiedliche Wahlbezirke Mitglied des Unterhauses.

Nach dem Tod Heinrichs VIII. im Jahr 1547 trat Nicholas eine Stellung im Haushalt seiner Cousine an. Dort befreundete er sich mit ihrem neuen Mann Thomas Seymour und wurde Vertrauter der jungen Elisabeth Tudor, die seit dem Tod ihres Vaters bei Catherine lebte. Durch seine protestantischen Sympathien wurde Throckmorton auch ein Favorit des jungen Königs Eduard VI. 1547 nahm er beim erfolgreichen Feldzug gegen die Schotten an der Schlacht bei Pinkie Cleugh teil. Den Fall Thomas Seymours und später seines Bruders Edward Seymours überstand Throckmorton unbeschadet, da er sich rechtzeitig von beiden distanzierte und möglicherweise bereits frühzeitig Kontakte zu John Dudley knüpfte.

Unter dessen Protektorat wurde er im Jahr 1549 ein Gentleman der königlichen Privatgemächer und hatte somit die Aufgabe, den jungen König anzukleiden und ihn zu unterhalten. Obendrein erhielt er das lukrative Amt des Treasurer of the Mint, des Schatzmeisters, der die Aufsicht über die königliche Münzanstalt innehatte. Im selben Jahr heiratete er Anne Carew, Tochter von Nicholas Carew und Nichte von Francis Bryan. 1551 schlug ihn der König zum Ritter. Im selben Jahr begleitete er seinen Cousin William Parr, Marquess of Northampton, auf dessen Botschaft nach Frankreich und gehörte nach seiner Rückkehr zur Eskorte der schottischen Königin Marie de Guise während ihres Besuchs in England. Auch bereitete er den jungen König mehr und mehr auf seine Regierungsgeschäfte vor. So wird er häufig dafür verantwortlich gemacht, dass William Thomas, ein humanistischer Gelehrter, für Eduard Dokumente vorbereitete, in denen politische Diskussionen geführt wurden.

Als sich der Gesundheitszustand des Königs verschlechterte, versuchte Dudley, die Nachfolge der katholischen Maria Tudor zu verhindern. Zu diesem Zweck verheiratete er seinen Sohn Guildford Dudley mit der protestantischen Lady Jane Grey, einer Enkelin von Heinrichs jüngerer Schwester Mary Tudor. Möglicherweise auf Dudleys Rat hin änderte Eduard auf seinem Sterbebett die Thronfolge und ernannte Jane Grey zu seiner Nachfolgerin. Der Regentschaftsrat akzeptierte die Änderung der Thronfolge und auch Throckmorton, der dem König in seinen letzten Monaten zur Seite stand, unterzeichnete das Dokument. Am 6. Juli 1553 verstarb Eduard VI. Dudley verheimlichte den Tod des Königs und versuchte Maria Tudor zu verhaften. Obwohl Dudley Throckmorton genug vertraute, um ihm fünfundzwanzig bewaffnete Diener (englisch: Retainer) zuzugestehen, sandte Throckmorton Maria heimlich eine Nachricht von Eduards Tod und warnte sie. Somit konnte Maria rechtzeitig nach Norfolk zu den katholischen Howards flüchten. Wie so oft in seinem Leben positionierte sich Throckmorton nicht allzu deutlich, denn seine Frau Anne Carew diente Jane Grey bis zum Ende ihrer kurzen Herrschaft.

Schon nach neun Tagen konnte Maria ihren Machtanspruch durchsetzen und wurde zur Königin proklamiert. Einigen Berichten zufolge versuchte Throckmorton jedoch Marias Proklamation in Northampton zu verhindern, was als Unterstützung für Jane Grey gewertet wurde. Falls es tatsächlich der Fall war, ignorierte Maria den Vorfall, denn Throckmorton behielt seine Ämter und stellte am 24. Juli eine Eskorte für die neue Königin zusammen. Um eine erneute protestantische Thronfolge durch ihre Halbschwester Elisabeth zu verhindern, suchte Maria nach einem katholischen Ehemann. Ihre Wahl fiel auf den spanischen Kronprinzen Philipp. Dieser stieß bei den Engländern auf große Ablehnung. Auch Throckmorton ging in offene Opposition zu den Plänen der Königin, den Katholizismus wieder einzuführen. Sein Name tauchte auf einer Liste derer auf, die „für die wahre Religion stehen“. Dennoch ist kein Beweis überliefert, dass er sich jemals offen gegen Marias Heiratspläne aussprach.

Da Maria an ihrer Wahl festhielt, brachen Revolten aus, die in der Wyatt-Verschwörung gipfelten. Die königliche Armee besiegte Thomas Wyatts Truppen erst vor den Toren Londons und der Aufstand wurde niedergeschlagen. Throckmorton, Jane Greys Vater Henry Grey, 1. Duke of Suffolk und auch Elisabeth wurden als Mitverschwörer in den Tower gebracht. Throckmorton wurde als Verräter angeklagt und musste in der Guildhall aussagen. Dennoch konnte er aber die Jury von seiner Unschuld überzeugen, ein nahezu unerhörter Vorfall, da Verrätertribunale normalerweise dazu dienten, der Welt die Schuld des Angeklagten zu verdeutlichen. Der Kronrat war so erbost über das Urteil, dass die Jury für den Rest des Jahres eingekerkert wurde. Er wurde nach längerer Haft im Januar 1555 aus dem Tower entlassen.

Als im Dezember 1555 die Dudley-Verschwörung aufgedeckt wurde, verdächtigte man Throckmorton erneut der Mitwisserschaft. Aus Angst vor erneuter Haft und Prozess flüchtete er im Juni 1556 nach Frankreich ins Exil, was eine Konfiszierung all seiner Besitztümer zur Folge hatte. Dennoch beteuerte er seine Unschuld und Maria glaubte ihm schließlich. Sie erlaubte seiner Frau Anne Carew, ihn mit Geld zu versorgen und erlaubte ihm im Mai 1557, nach England zurückzukehren. Er erhielt seine Ländereien zurück und diente gemeinsam mit Robert Dudley, 1. Earl of Leicester im Sommer in der englischen Armee im Krieg gegen Frankreich. Gegen Ende von Marias Herrschaft nahm Throckmorton zunehmend Kontakt zu ihrer Schwester Elisabeth auf.

Unter Elisabeth erhielt Throckmorton mehrere diplomatische Aufträge, u. a. nach Frankreich. Dort war er am 30. Juni 1559 Augenzeuge des Turniers, in dem der französische König Heinrich II. tödlich verletzt wurde. Sein Sohn Franz II. folgte ihm auf den Thron, der Ehemann der jungen Maria Stuart. Gegenüber Elisabeth äußerte Throckmorton seine Sorge, dass Marias Onkel aus dem Haus de Guise allzu starken Einfluss auf das junge Königspaar nehmen würden. Seine Befürchtungen bewahrheiteten sich, als 1560 eine Rebellion gegen die Guises ausbrach, die von diesen selbst für damalige Begriffe blutigst niedergeschlagen wurde. Throckmorton zufolge, der die anschließenden Massenhinrichtungen miterlebte, waren „unter jenen, die gefangen wurden, achtzehn der tapfersten Hauptmänner in ganz Frankreich“.

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Nicholas Throckmorton | World in Stories