Die Neue Fundgrube in Lugau war der einzige Schacht des 1855 gegründeten Zwickau–Lugauer Steinkohlenbauvereins. Sie befand sich wie der Gottes-Segen-Schacht auf dem Höhenzug zwischen Lugau und Oelsnitz. Im Jahr 1869 wurde die Neue Fundgrube unter dem Namen Vertrauenschacht neu aufgewältigt. In den Jahren 1973/1974 wurde der Schacht verfüllt.
Der Vertrauenschacht befindet sich im westlichen Stadtgebiet von Lugau. Die Straßen Am Vertrauenschacht und Vertrauenschachtstraße weisen auf seine Lage hin. Am Standort sind einige Schachtgebäude und die Halde erhalten. Ein Denkmal in Form eines Hunts erinnert an die Geschichte der Grube, das Grubenunglück von 1867 und die Seilbahn zum Kohletransport zur Kohlenwäsche Kaisergrube in Gersdorf.
Mit dem Abteufen des Schachtes wurde 1856 begonnen, nachdem 1844 in Lugau Steinkohle entdeckt worden war. Im Jahre 1862 erhielt die Grube einen Gleisanschluss.
Am 1. Juli 1867 ereignete sich ein Schachtbruch, bei dem alle 101 Bergleute der Frühschicht ums Leben kamen. Er gehört zu den schweren Grubenunglücken in Deutschland. Ursache war die Ausspülung des Gebirges hinter dem Schachtausbau. Als er die Last der Bruchmassen nicht mehr zu tragen vermochte, brach die Vertonnung. Die Gesteinsmassen stürzten in den Schacht, der dadurch luftdicht verschlossen wurde. Sofort eingeleitete Rettungsmaßnahmen blieben erfolglos, da die Massen immer weiter nachbrachen. Der Direktor des Zwickau–Lugauer Steinkohlenbauvereins erlitt einen Nervenzusammenbruch, worauf der Direktor des benachbarten Gottes-Segen-Schachtes die Leitung der Arbeiten übernahm.
Die Unglücksnachricht verbreitete sich schnell in den umliegenden Gemeinden, und die Angehörigen der Bergleute eilten in großer Zahl zum Schacht. Trotz aller Forderungen und Anstrengungen konnte der Schacht nicht gehalten werden, er wurde am 11. Juli aufgegeben. Um ein weiteres Nachbrechen zu verhindern, begann man den Schacht mit Haldenmassen zu verstürzen. Diese Arbeiten wurden im September abgeschlossen.
Die in der Grube eingeschlossenen Bergleute erstickten.
Das Unglück führte zu einer weltweiten Solidaraktion für die Witwen und Waisen.
Unfälle wie dieser führten zum Ruf nach einer stärkeren Verantwortung der Bergwerksbetreiber.
Das sächsische Oberbergamt nahm das Grubenunglück zum Anlass, die schon vorher erhobene Forderung durchzusetzen, dass jedes Bergwerk mindestens zwei voneinander unabhängige Ausgänge haben muss.
Der Zwickau–Lugauer Steinkohlenbauverein ging in Konkurs.
1869 wurde der Lugauer Steinkohlenbauverein gegründet, der am 6. Oktober 1869 begann, den verbrochenen Schacht unter dem Namen Vertrauenschacht wieder aufzuwältigen. Im Juli 1872 fand man die sterblichen Überreste der verunglückten Bergleute und bestattete sie in einem Gemeinschaftsgrab. Für die Bergleute wurde ein Obelisk an der Lugauer Kirche errichtet.
Liste von Unglücken im Bergbau
Rolf Vogel: Das Lugau–Oelsnitzer Steinkohlenrevier. Hrsg.: Förderverein Bergbaumuseum Oelsnitz/Erzgeb. e. V. Hohenstein–Ernstthal 1992, S. 11, 78–82.
Statistische Mittheilungen über das Bergwesen. Aufhebung der im Jahre 1866 bei dem Steinkohlenwerk „Neue Fundgrube“ zu Lugau Verunglückten. In: Königl. Bergakademie zu Freiberg (Hrsg.): Jahrbuch für den Berg- und Hütten-Mann auf das Jahr 1873. S. 138–139 (tu-freiberg.de [PDF; 1,8 MB; abgerufen am 1. Februar 2011]).
Heino Neuber: „… denn man sah nichts als Elend“ – Die Grubenkatastrophe auf der „Neuen Fundgrube“ in Lugau. Bergbaumuseum Oelsnitz/Erzgebirge, 2018, ISBN 978-3-00-057625-6
Friedrich Hofmann: Tief unter der Erde! (Wikisource)
Friedrich Hofmann: Das furchtbare Trauerspiel in Lugau. (Wikisource)
Traditionspunkt 26 Vertrauen-Schacht. In: oelsnitz.net. Ehemals im Original (nicht mehr online verfügbar); abgerufen am 31. Januar 2016.@1@2Vorlage:Toter Link/www.oelsnitz.net (Seite nicht mehr abrufbar. Suche im Internet Archive)