Die Neuapostolische Kirche (abgekürzt NAK, englisch New Apostolic Church (NAC), französisch Église néo-apostolique (ENA)) ist eine christliche Religionsgemeinschaft, die sich Ende des 19. Jahrhunderts von Hamburg aus entwickelt hat und in Deutschland als Körperschaft des öffentlichen Rechts (K. d. ö. R.) anerkannt ist. Sie gehört zur Konfessionsgruppe der apostolischen Gemeinschaften.
Keimzelle war die Hamburger Allgemeine christliche apostolische Mission, die sich 1863 von den katholisch-apostolischen Gemeinden abgespalten hatte. Aus dieser Gemeinschaft entstanden weitere apostolische Gemeinden, die sich später größtenteils zur Neuapostolischen Kirche formierten. Die NAK sieht das in der urchristlichen Kirche noch vorhandene Apostelamt in ihrer Kirche wieder aufgerichtet. Zu ihren wichtigen Glaubensanschauungen gehört die Erwartung der Wiederkunft Christi in naher Zukunft.
Das Emblem der Neuapostolischen Kirche stellt ein über stilisierten Wellen schwebendes Kreuz dar, am Horizont geht die Sonne auf. Den einzelnen Elementen dieser Symbolik sind keine weitergehenden Bedeutungen zugedacht, sie sollen allgemein als Verweis auf die christliche Kirche stehen.
Die Neuapostolische Kirche hatte 1995 weltweit 8,29 Mio. Mitglieder, 1970 waren es erst 1,71 Mio. Die Kirche selbst gibt ihre aktuelle Mitgliederzahl mit knapp 9,2 Millionen an. Ihre weltweite Verbreitung per Januar 2019 unterteilt sich demnach wie folgt über die verschiedenen Kontinente:
Der eindeutige Mittelpunkt der Verbreitung liegt in Zentralafrika, dort speziell in der Demokratischen Republik Kongo (< 3 Mio.), in Sambia (> 1,2 Mio.) und Angola (ca. 270.000); darüber hinaus in Westafrika (ca. 423.00 in Ghana und 289.000 in Nigeria), den ostafrikanischen Ländern Kenia (ca. 425.000) und Tansania (ca. 220.000) sowie in Südafrika (besonders in der Kapregion). Andere Schwerpunkte liegen in Asien, darunter Bangladesch, Pakistan und Indien, wo die NAK 1990 laut eigenen Angaben noch eine Million Mitglieder zählte.
Die Zahl der Gemeinden wuchs während der letzten Jahre aufgrund der Missionstätigkeit vor allem in Afrika stetig an, während sie in Mitteleuropa, Amerika und besonders in Asien rückläufig ist. Zu Beginn des Jahres 2021 gab es weltweit 348 aktive Apostel.
In der Öffentlichkeit bekannte Mitglieder der Neuapostolischen Kirche sind:
der deutsche Fernseh- und Radiomoderator Marco Schreyl
der deutsch-österreichische Unternehmer und Kunstmäzen Reinhold Würth, der seine spätere Ehefrau in der NAK kennenlernte und sich öffentlich kritisch zum Exklusivitätsanspruch seiner Glaubensgemeinschaft äußerte
die österreichische Jazzmusikerin Julia Maier, die am Pfingstgottesdienst 2017 in Wien auftrat und den Titelsong Here I Am für den Internationalen Jugendtag (IJT) 2019 komponierte
der ehemalige Bundestagsabgeordnete Rudolf Karl Krause (CDU, REP)
der ehemalige baden-württembergische Landtagsabgeordnete Hans Peter Stauch (AfD)
der ehemalige südafrikanische Fußballspieler Quinton Fortune
Isolde Oechsle-Misfeld, ehemalige Anwältin und verurteilte Beihelferin des Kiez-Auftragsmörders Werner „Mucki“ Pinzner bei den sogenannten „St. Pauli-Morden“, ist nach ihrer Haftstrafe und Namensänderung wieder praktizierendes Mitglied geworden.
der ehemalige Bundestagsabgeordnete Ingo Bodtke (FDP)
der Musiker Tilo Wolff, Gründer und kreativer Kopf der Band Lacrimosa, ist Priester und Gemeindevorsteher der NAK.
Die Matrosen Max Reichpietsch und Albin Köbis, Organisatoren der Marineunruhen im Sommer 1917, waren ebenfalls neuapostolisch, was leitende Funktionäre der NAK in der DDR später dazu nutzten, die Integrität der Kirche gegenüber dem SED-Staat zu rechtfertigen. Der Jurist und CDU-Politiker Waldemar Schreckenberger wurde 1960 angeblich aus der NAK ausgeschlossen. Zuvor hatte er gegenüber Bezirksapostel Friedrich Bischoff und Stammapostel Schmidt ein Schuldbekenntnis zur Nicht-Erfüllung der „Botschaft“ gefordert. Auch der 1962 getötete DDR-Grenzsoldat Peter Göring war laut Historiker Olaf Wieland neuapostolisch. Laut Bernd Hartmann, ehemaliger Leiter der Evangelischen Allianz in Berlin, trifft dasselbe auch auf Heinz Mielke, Bruder des Ministers für Staatssicherheit der DDR Erich Mielke, zu.
Demo- und psychografische Merkmale