An diesem Tag

Nelson Rockefeller

US-amerikanischer Politiker und Geschäftsmann, 41. Vizepräsident der Vereinigten Staaten (1974–1977)

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Nelson Aldrich Rockefeller (* 8. Juli 1908 in Bar Harbor, Maine; † 26. Januar 1979 in New York City, New York) war ein US-amerikanischer Politiker (Republikanische Partei), von 1959 bis 1973 Gouverneur des Bundesstaates New York und in der Regierung des Präsidenten Gerald Ford vom 19. Dezember 1974 bis zum 20. Januar 1977 der 41. Vizepräsident der Vereinigten Staaten.

Rocky, wie er genannt wurde, war das dritte von sechs Kindern von John D. Rockefeller II. und Abby Aldrich Rockefeller und der Enkel von John D. Rockefeller, an dessen 69. Geburtstag er geboren wurde. Seinen Zwischennamen erhielt er nach seinem anderen Großvater, Nelson W. Aldrich, ehemals US-Senator für Rhode Island. Sein Bruder Winthrop wurde später Gouverneur von Arkansas, sein Neffe Jay Rockefeller wurde Gouverneur von West Virginia und US-Senator für diesen Bundesstaat.

Als Kind galt er als Anführer der fünf Rockefeller-Brüder John, Nelson, Laurance, Winthrop und David. 1930 schloss er sein Studium am Dartmouth College in Hanover, New Hampshire mit einem BA in Ökonomie ab.

Nelson Rockefeller arbeitete zunächst für Unternehmen und Wohltätigkeitseinrichtungen seiner Familie. Während des Zweiten Weltkriegs war er als Leiter des Office of the Coordinator of Inter-American Affairs (OCIAA) für amerikanische Propaganda in Mittel- und Südamerika zuständig. Von Dezember 1944 bis August 1945 fungierte er als Staatssekretär für Angelegenheiten amerikanischer Republiken (Assistant Secretary of State for American Republic Affairs) im US-Außenministerium. Er wurde aus diesem Amt von Harry S. Truman entlassen, nachdem er sich vor allem mit seiner freundlichen Einstellung gegenüber dem peronistischen Argentinien – er sah in Juan Perón eine Möglichkeit, die argentinische Linke zu kontrollieren – isoliert hatte. Diese Isolation resultierte hauptsächlich daraus, dass sowohl international als auch in der amerikanischen Öffentlichkeit Argentinien vorgeworfen wurde, während des Zweiten Weltkriegs, mit Perón in verschiedenen Positionen innerhalb der Regierung, mit den Achsenmächten kollaboriert zu haben.

Nach dem Krieg war er Vorsitzender des International Development Advisory Board, Teil von Präsident Trumans Point-IV-Programm für die Entwicklungshilfe.

Nach der Wahl seines republikanischen Parteifreundes Dwight D. Eisenhower zum US-Präsidenten wurde er 1953 Vorsitzender des Komitees President's Advisory Committee on Government Organization. Er wurde zudem Repräsentant des US-Präsidenten im Operations Coordinating Board, einem dem National Security Council angeschlossenen geheimen Ausschuss, welcher verdeckte Operationen der CIA koordinierte. Dies erlaubte Eisenhower, über verdeckte Operationen stets informiert zu bleiben und gleichzeitig gegenüber dem US-Kongress eine „glaubhafte Abstreitbarkeit“ (plausible deniability) für die zum Teil illegalen Aktionen zu wahren. Nelson Rockefeller war in dieser Position z. B. über das Programm MKULTRA informiert und hatte zu einigen Teilen des Programms, welche der CIA-Chef Allen Dulles wegen der Art der Finanzierung nicht selbst entscheiden wollte, als Vertreter des Präsidenten seine Zustimmung gegeben. Später wurde er Unterstaatssekretär im Ministerium für Gesundheit, Erziehung und Wohlfahrt.

1956 verließ Rockefeller die Regierung, um sich der Politik im Bundesstaat New York zu widmen.

Bei den Wahlen zum Gouverneur siegte er 1958 mit einem Vorsprung von 600.000 Stimmen (54 gegen 39 Prozent der Stimmen) gegen den demokratischen Amtsinhaber W. Averell Harriman. Unterstützt wurde er dabei von dem langjährigen Gouverneur Thomas E. Dewey, der den Staat von 1943 bis 1955 regiert hatte. Sein Amt als Regierungschef trat Rockefeller zum Jahresbeginn 1959 an. Er wurde dreimal, 1962, 1966 und 1970, wiedergewählt.

Am 9. September 1971 gab es einen Gefangenenaufstand im Staatsgefängnis Attica. Einer der Gründe sollen unmenschliche Haftbedingungen gewesen sein. Nach vier Tagen Verhandlung ließ Rockefeller die New York State Police und die United States National Guard das Gefängnis stürmen. Dabei starben 43 Menschen, davon 11 Angestellte des Gefängnisses, die als Geiseln gehalten wurden, die sämtlich von staatlichen Organen erschossen wurden.

Schwerpunkte seiner Arbeit als Gouverneur waren die Verbesserung der Infrastruktur, Sozialer Wohnungsbau und Erziehungswesen – darunter der Ausbau der State University of New York.

Zusammen mit großen Bauprojekten führte dies zu einem starken Anstieg des Budgets des Staates New York von 2,04 Milliarden US-Dollar in seinem ersten Amtsjahr auf 8,8 Milliarden Dollar im Haushaltsjahr 1973/1974. Von ihm initiierte strenge Gesetze gegen Drogenbesitz und Drogenhandel sind als Rockefeller drug laws bekannt. 1973 in Kraft getreten, gelten sie als mit die strengsten in den USA. Diese Gesetze wurden von anderen Bundesstaaten kopiert und werden heute für das massive Gefängnissystem und die sehr hohe Anzahl von Häftlingen in den USA, die Zahl stieg von 330.000 im Jahr 1973 auf bis zu 2,3 Millionen an, mitverantwortlich gemacht. Ebenfalls in seine Amtszeit fällt eine Reorganisation des öffentlichen Personennahverkehrs in New York City.

Er galt als führende Persönlichkeit des moderaten oder liberalen Flügels der Republikaner. Für diese Gruppe wurde in den 1960er- und 1970er-Jahren oft der Begriff Rockefeller Republicans verwendet (im Gegensatz zu Barry Goldwater und später Ronald Reagan).

Rockefeller trat im Dezember 1973 vom Posten des Gouverneurs zurück, um die Leitung der Commission on Critical Choices for Americans zu übernehmen, für die er sich engagierte. Sein Amt übernahm daraufhin der bisherige Vizegouverneur Malcolm Wilson, der die bis zum Jahreswechsel 1974/75 laufende Amtsperiode beendete.

Rockefeller bemühte sich 1960, 1964 und 1968 vergeblich um die Präsidentschaftskandidatur seiner Partei. 1960 gab er frühzeitig gegen den damaligen US-Vizepräsidenten Richard Nixon auf und unterstützte dann dessen Wahlkampf gegen den Demokraten John F. Kennedy. Die während dieser Zeit mit ihm verbündete Gruppe moderater und zentristischer Parteimitglieder wurden als „Rockefeller-Republikaner“ bezeichnet.

1964 galt Rockefeller zunächst als Favorit für die Nominierung zum republikanischen Präsidentschaftskandidaten gegen Barry Goldwater. Das Scheitern seiner Kandidatur – trotz zuvor ermutigender Umfragen – wurde mit seiner Scheidung und der schnellen Wiederheirat mit einer ebenfalls geschiedenen Frau erklärt. Bei der Republican National Convention in San Francisco hielt er am 14. Juli 1964 eine aufsehenerregende Rede, in der er vor einer drohenden Unterwanderung der Republikanischen Partei durch Extremisten wie etwa die John Birch Society warnte:

Während seiner Rede wurde er von Teilen des Publikums ausgebuht und mit lautstarken Rufen „Wir wollen Barry“ (Goldwater) unterbrochen. Die Tatsache, dass der nominierte Kandidat Goldwater von einem prominenten Parteimitglied öffentlich als Verbündeter von Extremisten dargestellt wurde, schadete Goldwater massiv bei gemäßigten Wählern und trug zu dessen erdrutschartigem Wahlverlust gegen Präsident Lyndon B. Johnson im November 1964 bei.

1968 scheiterte ein weiterer Versuch wiederum an Nixon, der die anschließenden Wahlen auch gewann. Ein außenpolitischer Berater (und Freund) Rockefellers im Wahlkampf von 1968 war Henry Kissinger, der in der Präsidentschaft Nixons wichtige Ämter bekleidete. Als Rockefeller 1973 als Gouverneur zurücktrat, wurde vermutet, dass er sich ein viertes Mal um die Präsidentschaftskandidatur bewerben würde. Einige Agenturen mutmaßten auch, seine Nominierung zum US-Vizepräsidenten durch Gerald Ford sei eine Vorbereitung auf den Wahlkampf von 1976.

Seine zahlreichen Wahlkampagnen finanzierte Rockefeller zum Großteil selbst und wandte dafür praktisch sein gesamtes ererbtes Vermögen auf, sodass er ab Ende der 1960er-Jahre – obwohl ursprünglich Multimillionär – in Geldnot geriet und mehrmals von seinen Geschwistern finanziell unterstützt werden musste.

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