Nelson Fredo Piquet Sotto Maior (bekannt als Nelson Piquet, nach dem Geburtsnamen seiner Mutter; * 17. August 1952 in Rio de Janeiro) ist ein brasilianischer Automobilrennfahrer. Zwischen 1978 und 1991 startete er bei 204 Grand-Prix-Rennen in der Formel 1 und wurde dreimal Weltmeister.
Bekannt wurde Piquet vor allem als erster Weltmeister der Formel 1, der den Titel mit einem Turbomotor gewonnen hatte (1983 mit BMW), sowie durch seine teils extrem extrovertierte Art, mit der er seine Gegner in der Öffentlichkeit oftmals bloßzustellen versuchte. Piquets Sohn Nelson Angelo startete in den Jahren 2008 und 2009 ebenfalls in der Formel 1.
Nelson Piquet startete eine klassische Formel-1-Karriere. Bereits im Alter von zwölf Jahren fuhr er Kart in einer regionalen Serie. Dabei wurde Piquet von seinen Eltern, die den Sport nur für ein Hobby hielten, finanziell unterstützt. Nach anfänglicher Schwäche wurde er 1968 Dritter der brasilianischen Meisterschaft. Dennoch widmete er sich weiterhin aufmerksam der Schule und machte 1970 das Abitur. 1971 wurde er brasilianischer Meister; 1972 erhielt er einen Vertrag in der Formel Super Vee, bei der er sich regelmäßig unter den Top Ten behauptete. 1977 fuhr er in der italienischen Formel-3-Meisterschaft und gewann bereits im ersten Jahr zwei Rennen. 1978 startete er in der britischen Formel 3, die er als Meister beendete. Piquets Formel-1-Karriere begann noch im selben Jahr bei Ensign und BS Fabrications.
1979 wurde er Teamkollege von Niki Lauda bei Brabham, der ihn als einen „kommenden Weltmeister“ bezeichnete. Nach Laudas Rücktritt wurde Piquet zur neuen Nummer 1 bei Brabham und entwickelte in den folgenden Jahren ein enges Arbeitsverhältnis zum Konstrukteur Gordon Murray. 1980 wurde er Vize-Weltmeister hinter dem Australier Alan Jones. Dieser und Piquet pflegten bis zu Jones’ Rücktritt eine intensive Rivalität, nachdem sich beide in Montreal 1980 berührt hatten. 1981 kollidierten beide erneut im belgischen Zolder. Piquet wurde im letzten Rennen in Las Vegas im Duell mit Carlos Reutemann zum ersten Mal Weltmeister, wobei er auch von der fehlenden Stallorder im Williams-Team und der daraus resultierenden Konkurrenz zwischen Jones und Reutemann profitierte. Ab 1982 fuhr er mit dem neuen BMW-Turbomotor, bei dessen Entwicklung er als Testfahrer eine maßgebliche Rolle spielte. Der komplette Saisonverlauf 1982 war jedoch durch die Unzuverlässigkeit des Motors geprägt. Piquet gewann zunächst sein Heimrennen in Rio de Janeiro; auf dem Siegerpodest brach er infolge der hohen Belastung ohnmächtig zusammen. Nach einem Protest von Renault und Ferrari gegen an den Autos angebrachte Wassertanks wurde ihm der Sieg allerdings aberkannt. Er siegte zudem beim Großen Preis von Kanada. In Detroit erlebte Piquet einen Tiefpunkt, als er sich, bedingt durch Probleme mit dem Motor, nicht für das Rennen qualifizierte. Nach dem tödlichen Unfall von Gilles Villeneuve in Zolder galt Piquet weithin als bester Fahrer in der Formel 1. 1983 führte die Kombination Brabham-BMW-Piquet zum ersten WM-Titel mit einem Turbomotor. Im letzten Rennen in Südafrika überholte er noch den nach Punkten lange führenden Alain Prost im Renault, dem Pionier in der Turbotechnik.
Während der Wintertests im südafrikanischen Kyalami zeigten Piquet und Brabham-BMW erneut vielversprechende Leistungen und galten deshalb als Favoriten für die Formel-1-Weltmeisterschaft 1984; weithin wurde aufgrund der neuen Tankbegrenzung auf 220 Liter der 4-Zylinder-Turbomotor von BMW als derjenige Motor ausgemacht, der die neuen Anforderungen am besten erfüllen würde. Jedoch scheiterte Piquet im Brabham BT53 mit der Titelverteidigung angesichts der Dominanz des McLaren-Teams, das 12 von 16 Rennen gewann; Piquet errang im erneut schnellen Brabham zwar neunmal die Pole-Position und schloss damit zu Ronnie Peterson und Niki Lauda auf, die sich diesen Rekord teilten, gewann jedoch nur zwei Rennen und hatte wiederum mit einer Ausfallserie zu kämpfen. Bis Ende 1985 blieb der teamintern äußerst beliebte Piquet dennoch Brabham treu. Er galt den Medien in dieser Zeit als Fixstern, der – wie Jim Clark für Lotus in den 1960er Jahren – ewig bei Brabham fahren würde. Die Saison 1985 geriet ebenfalls zur Enttäuschung; der Brabham BT54 hatte zwar immer noch einen Leistungsvorteil dank des BMW-Motors, das Chassis jedoch stellte sich als wenig konkurrenzfähig heraus und die Pirelli-bereiften Brabhams hatten zudem einen Nachteil gegenüber den Goodyear-Teams. Piquet gewann lediglich das Rennen in Le Castellet, dieser Sieg war zugleich der letzte für Brabham. Piquet errang diesen Sieg, obwohl er während des Rennens Verbrennungen an seinem Fuß erlitt, die durch auslaufendes Benzin verursacht wurden.
1986 wechselte er überraschend von Brabham zu Williams-Honda. Dabei spielten auch finanzielle Gründe eine Rolle, wie Piquet freimütig bekannte: „Ich bekam von Bernie Ecclestone 1 Million Dollar und bat ihn um das Doppelte – immer noch viel weniger als Prost erhielt. Er bot mir 1,6 Millionen Dollar, plus tausend Dollar pro WM-Punkt und dachte es würde reichen, mich festzuhalten. Ich war nicht bereit darüber zu streiten, ging sofort zu Williams und sagte, ich sei zum Unterzeichnen bereit. Frank Williams’ Angebot betrug 3,3 Millionen Dollar plus zehntausend Dollar pro WM-Punkt.“ Ursprünglich von Frank Williams als Fahrer Nummer 1 engagiert, lieferte er sich zwei Jahre lang Duelle mit seinem Teamkollegen Nigel Mansell, der als Brite im britischen Williams-Team eine starke Position innehatte, wie Piquet nach seiner Ankunft feststellen musste. 1987 attackierte Piquet dabei Mansell auch abseits der Strecke in verschiedenen Interviews; neben wiederholten persönlichen Attacken (Piquet äußerte sich negativ und abfällig über Mansell sowie dessen Frau Roseanne) kritisierte er vor allem dessen angeblich mangelnden Fähigkeiten beim Testen und Abstimmen der Autos. 1986 gewann er das Auftaktrennen im brasilianischen Jacarepaguá und widmete diesen Sieg dem kurz zuvor schwer verunglückten Frank Williams. Beim Rennen in Ungarn gelang Piquet ein denkwürdiges Überholmanöver, als er am Ende der Zielgeraden den Kampflinie fahrenden Ayrton Senna außen überholte, sein übersteuerndes Auto dabei abfing und die Führung behauptete. Am Ende der Saison wurde er WM-Dritter, hätte aber mit einem Sieg im letzten Rennen die Meisterschaft noch gewinnen können. In einem dramatischen Saisonfinale in Adelaide hatten sowohl die beiden Williams-Piloten als auch McLaren-Pilot Alain Prost noch die Möglichkeit, den Titel zu erringen. Piquet wurde Zweiter knapp hinter Prost, der dadurch den Titel 1986 gewann.
Im Folgejahr hatte Piquet zu Beginn der Saison in Imola einen schweren Unfall in der Tamburello-Kurve (in der 1994 Ayrton Senna tödlich verunglückte). Hierdurch war er laut eigener Aussage gesundheitlich noch monatelang gehandicapt; er verlor 80 % seiner Tiefenwahrnehmung und litt unter Schlaflosigkeit. Diese Probleme verschwieg er dem Team, um seinen Platz zu wahren. Am Rennen in Imola nahm er auf Anraten von Chefarzt Sid Watkins nicht teil. Die Weltmeisterschaft in einem erneut von der Dominanz der Wagen mit Honda-Motor geprägten Jahr gewann er dennoch, und dies, obwohl Mansell 6 Siege im Saisonverlauf errang, während Piquet selbst nur dreimal siegte. Wie bereits im Vorjahr gewann er erneut die Rennen in Deutschland, Ungarn und Italien. Beim Rennen in Monza gewann Piquet auch dank der aktiven Radaufhängung, die an seinem Auto eingesetzt wurde. Piquet hatte diese im Gegensatz zum skeptischen Mansell eingesetzt. Trotz Mansells Siegen sicherte er sich seine dritte Weltmeisterschaft durch konstantes Punkten, während Mansell entscheidende Punkte durch riskante Manöver vergab, wie etwa eine Kollision mit Ayrton Senna beim Rennen in Spa-Francorchamps, die beide zur Aufgabe zwang, und einen Unfall beim Training in Suzuka International Racing Course. Befragt über seinen Sieg über Mansell kommentierte Piquet den Ausgang der Weltmeisterschaft süffisant: „Dies ist der Sieg des Glücks über die Dummheit.“