Das nd (von 1946 bis 2022 Neues Deutschland, Eigenschreibweise zuletzt neues deutschland) ist eine überregionale Tageszeitung (Ausgaben nd.DerTag und nd.DieWoche) mit Leserschwerpunkt in Ostdeutschland. Die Zeitung mit Sitz in Berlin versteht sich als links-pluralistische Tageszeitung.
Von 1946 bis 1989 war das Blatt das Zentralorgan der SED. Ab Dezember 1989 bis Anfang 2007 befand sich die Zeitung über eine GmbH im Besitz der Nachfolgepartei PDS. Danach gehörte sie bis 2021 jeweils zu 50 Prozent der Föderativen Verlags-, Consulting- und Handelsgesellschaft mbH – FEVAC, treuhänderisch für die Partei Die Linke mit 50 Prozent Nominalkapital, und der Communio Beteiligungsgenossenschaft eG mit dem ehemaligen MfS-Offizier Matthias Schindler als Hauptanteilseigner, der auch als Geschäftsführer des Verlages fungierte. Seit dem 1. Januar 2022 hat sie die Rechtsform einer Genossenschaft.
Unter den Chefredakteuren der Zeitung waren von 1956 bis 1966 Hermann Axen, der später zum Mitglied des Politbüros des ZK der SED aufstieg, von 1971 bis 1978 Joachim Herrmann, der anschließend Leiter der ZK-Abteilung Agitation wurde und ebenfalls zum Mitglied des Politbüros des ZK der SED aufstieg, und von 2013 bis 2017 Tom Strohschneider. Seit 2020 gibt es eine kollektive Redaktionsleitung; dieses Leitungskollektiv besteht seit 2024 aus Regina Stötzel, Ines Wallrodt und Oliver Kern. Die Druckausgabe der Zeitung erscheint im Rheinischen Format.
Sowjetische Besatzungszone und DDR
Das Neue Deutschland entstand als Lizenzzeitung 1946 im Zuge der von der sowjetischen Militärverwaltung (SMAD) betriebenen Zwangsvereinigung von SPD und KPD der damaligen sowjetischen Besatzungszone zur SED. Von der SMAD wurde eine Auflage von 400.000 Exemplaren mit einem Umfang von vier Seiten genehmigt. Die erste Ausgabe des „Zentralorgans der SED“ erschien am 23. April 1946, im Anschluss an den Gründungsparteitag, und ersetzte Parteizeitungen der SPD (Das Volk) und der KPD (Deutsche Volkszeitung), die ihr Erscheinen einstellten, sowie die früheren Zeitschriften Freies Deutschland und Freies Deutschland im Bild des Nationalkomitees Freies Deutschland. Der Name Neues Deutschland ist auf die damalige Bestrebung der deutschen Kommunisten zurückzuführen, ein anderes, antifaschistisches, sozialistisches, eben neues Deutschland aufzubauen. Er geht zurück auf eine kommunistische Exil-Zeitung in Mexiko, die 1942/43 zunächst als Alemania Libre (Freies Deutschland) und ab Januar 1945 als Nueva Alemania (Neues Deutschland) erschien. Wilhelm Pieck und Otto Grotewohl schrieben am 24. April 1946 in einem Geleitwort für die Zeitung: „Alles für Deutschland, alles für das neue Deutschland ist die Leitfahne unseres neuen Zentralorgan“. Als der Begriff Deutschland vor dem Hintergrund der Zwei-Staaten-Theorie um 1970 in der DDR problematisch wurde, wurde zunehmend die Abkürzung ND bevorzugt. Der gedruckte Zeitungstitel blieb jedoch bis zum Ende der DDR unverändert.
In der DDR war die Zeitung eines der wichtigsten Propagandawerkzeuge der SED und des von ihr beherrschten Ministerrates. Die Konzentration auf die Partei- und Staatsführung der DDR ging so weit, dass in einer Ausgabe vom 16. März 1987 anlässlich der Eröffnung der Leipziger Messe 43 Fotos von Erich Honecker, dem damaligen Staatsratsvorsitzenden und Generalsekretär des ZK der SED, zu sehen waren. Den innerhalb der SED-Nomenklatura sehr einflussreichen Posten des ND-Chefredakteurs bekleideten neben anderen die Spitzenfunktionäre in Partei- und Staatsapparat Rudolf Herrnstadt, Georg Stibi, Hermann Axen, Joachim Herrmann und Günter Schabowski. Im Gegensatz zu den sonstigen DDR-Tageszeitungen verfügte das Neue Deutschland über ein größeres Format und eine überdurchschnittliche Papier- und Druckqualität.
Von westlichen Regierungen wurde das Neue Deutschland als diplomatische Stimme der SED wahrgenommen.
Vor der deutschen Wiedervereinigung hatte das ND eine Auflage von einer Million Exemplare (zu einem Preis von 15 Pfennig) und war damit nach der jungen Welt die DDR-Tageszeitung mit der zweithöchsten Auflage. Danach sank die Auflage kontinuierlich auf eine verkaufte Auflage von derzeit 16400 Exemplaren. Das entspricht einem Rückgang um 37 Prozent in den vergangenen fünf Jahren und um 50 Prozent innerhalb eines Jahrzehnts. Die Altersstruktur der Leserschaft stellt das ND vor besonders große Probleme, da die Mehrzahl der Leser bereits über 60 Jahre alt ist. In der DDR beschäftigte die Zeitung lange Jahre 1.800 Mitarbeiter. Rund 70 Prozent der Belegschaft gehörten zur Druckerei, doch auch Redaktion und Verlag kamen zur Wende auf 550 Mitarbeiter. Heute sind es noch etwa 100. Stellvertretender Chefredakteur war zeitweise das vormalige NSDAP-Mitglied und Mitbegründer des Nationalkomitees Freies Deutschland Günter Kertzscher.
Die Zeitung erscheint in einer Bundesausgabe und einer Regionalausgabe für Berlin und Brandenburg. Während der Wendezeit vollzogen Redaktion und Verlag einen tiefgreifenden Wandlungsprozess zur „unabhängigen sozialistischen Tageszeitung“. Nach eigenen Angaben ist sie „in den östlichen Bundesländern die am meisten verbreitete und gelesene überregionale Tageszeitung“. Chefredakteur war von 1999 bis 2012 der Mitbegründer und frühere Bundestagsabgeordnete der Grünen Jürgen Reents, der zuvor Pressesprecher der PDS-Bundestagsfraktion gewesen war. Von Juli bis Dezember 2012 teilte er sich das Amt mit Tom Strohschneider, der seit Januar 2013 alleiniger Chefredakteur war. Reents folgte Reiner Oschmann, der zusammen mit seiner Stellvertreterin Brigitte Zimmermann nach Richtungsstreitigkeiten mit der Geschäftsführung den Rücktritt erklärt hatte. Oschmann war bereits während seiner Zeit als Chefredakteur aus der PDS ausgetreten. Im Januar 2006 übernahm Olaf Koppe die Geschäftsführung von Dietmar Bartsch. Seit Ende Oktober 2005 arbeitet die Redaktion wieder an ihrem alten Standort im Verlagsgebäude am Franz-Mehring-Platz in der Nähe des Ostbahnhofs in Berlin, nachdem sie seit 1995 ihren Sitz im ehemaligen Osthafen-Kraftwerksgebäude an der Elsenbrücke gehabt hatte. Der Haustarif des „nd“ liege bei 60 Prozent des Flächentarifvertrags für Tageszeitungen.
Am 22. Februar 2021 gaben die bisherigen Gesellschafter des nd bekannt, dass die Neues Deutschland Druckerei und Verlag GmbH zum Ende des Jahres 2021 aufgelöst werden solle. Eine Weiterführung der Zeitung durch die Mitarbeiterschaft mittels einer Genossenschaft sei erwünscht.
Am 14. August 2021 fand die Gründungs- und Generalversammlung der nd.Genossenschaft statt, an der die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des nd teilnahmen. Im Anschluss erfolgte die Prüfung durch den Prüfungsverband der kleinen und mittelständischen Genossenschaften. Mit diesem Schritt fand ein großer Wandel in struktureller wie finanzieller Hinsicht statt, denn durch die Genossenschaft erfolgt eine gesellschaftsrechtliche Trennung von der Partei Die Linke und der beteiligten Gesellschafterin communio eG. Die Mitgliedschaft in der nd.Genossenschaft eG steht der Allgemeinheit offen.
Seit dem 1. Januar 2022 wird das nd als unabhängige links-pluralistische Tageszeitung von der Genossenschaft herausgegeben und hat ihren bisherigen Namen neues deutschland aufgegeben. Als Geschäftsführer trat der stadtpolitische Aktivist und Diplom-Volkswirt Rouzbeh Taheri an. Neben der tageszeitung und der jungen Welt ist es die dritte Zeitung in Deutschland, die von einer Genossenschaft getragen wird. Im Juni 2023 wurde verlautbart, die wirtschaftliche Zukunft der Zeitung sei infolge eines Fehlbetrags in Höhe von 600.000 Euro akut gefährdet.
Zum 80. Geburtstag der Zeitung im Juni 2026 erschien eine 80-seitige Sonderausgabe, die von Christof Meueler redaktionell verantwortet wurde. Hierin berichten aktuelle und ehemalige Mitarbeiterinnen über ihre eigenen Erfahrungen und die Geschichte der Zeitung.
Das nd steht politisch der Partei Die Linke nahe. Im Selbstverständnis der Zeitung besteht ihre Aufgabe darin, einerseits „dem Osten eine Stimme zu geben“, zum anderen, das Geschehen aus einem „demokratisch-sozialistischen“ Blickwinkel zu betrachten – ohne sich aber als Organ von Die Linke oder einer anderen Partei zu verstehen. Die Linie der Zeitung wird nicht vom Verlag, sondern vom Chefredakteur bestimmt. Dennoch prägen zahlreiche Berichte über Politik und Parteileben von der Linkspartei die Blattrichtung.