Jost Fridolin Theodor Josef Nazar Anton Xaver von Reding-Biberegg, auch Nazar Reding von Biberegg oder Nazar von Reding (* 30. Juni 1806 in Schwyz; † 28. Dezember 1865 ebenda), war ein Schweizer Politiker.
Nazar von Reding-Biberegg entstammte der Familie Reding.
Als Sohn des späteren Generals in spanischen Diensten Nazar Reding (* 11. März 1759 in Schwyz; † 28. September 1825 ebenda) und der aus dem Geschlecht Freuler stammenden Maria Anna Magdalena Josefa Tella (* 23. September 1774 in Näfels; † 30. Dezember 1849 in Schwyz), Tochter von Jodocus Fridolin Josef Anton Xaverius Freuler (1746–1830), wuchs er in einem Umfeld politischer Verantwortung auf.
Nach achtjähriger Abwesenheit kehrte Oberst Nazar von Reding im Herbst 1814 nach dem Zusammenbruch des napoleonischen Kaisertums – bedingt durch den Russlandfeldzug 1812, die Völkerschlacht bei Leipzig 1813 und die Schlacht um Frankreich 1814 – nach Hause zurück. Im Herbst 1817 endete die Ehrenstelle eines spanischen Geschäftsträgers für General Nazar von Reding. In kurzer Zeit hatte sie ihm Beziehungen zu allem eingebracht, was in der damaligen Eidgenossenschaft Rang und Namen hatte. Diese Kontakte sollten seinem Sohn später zugutekommen.
Als Einzelkind brach Reding mit einer Jahrhunderte alten Familientradition: Die Redings hatten lange Zeit eine Militärkarriere in fremden Diensten (insbesondere in französischen und päpstlichen Diensten) als Zeichen ihrer Standesverpflichtung betrachtet. Bewusst verzichtete er auf diesen Weg und konzentrierte sich stattdessen auf die innerschwyzische Politik und Verwaltung.
Seine Onkel waren der General Theodor von Reding und Landammann Alois von Reding.
Zu seinen Vorfahren zählten der Glarner Landespannerherr Johann Jodocus Fridolin Freuler (1703–1782), Landammann Kaspar Joseph Freuler (1658–1723), Landvogt Fridolin Freuler (1626–1714), Oberst Kaspar Freuler und der Söldnerführer Kaspar Gallati.
Am 12. September 1830 heiratete Nazar von Reding in Brunnen die 21-jährige Maria Josepha (* 1809 in Schwyz; † 1878 ebenda), die Tochter von Jakob Ludwig Castell (1782–1819); gemeinsam hatten sie zwei Söhne und eine Tochter.
Nazar von Reding besuchte die Dorfschule in Schwyz, wo zu seinen Lehrern unter anderem Josef Dominik Abegg gehörte.
Im Jahre 1817 trat er in die Lateinschule in Schwyz über. Diese Schule war 1627 gegründet worden und bis ins 18. Jahrhundert in bestem Ansehen gestanden, doch der Franzoseneinfall hatte den Schulbetrieb stark in Mitleidenschaft gezogen. Landeshauptmann Alois von Reding hatte den Unterricht durch seinen Schulplan reorganisiert und das Gymnasium im November 1800 wiedereröffnet.
1817 war Rektor Georg Franz Suter (1788–1859) im Amt. Neu an die Schule kam der 23-jährige Priester Alois Fuchs, der aus Landshut zurückgekehrt war. Fuchs beschloss sofort, die Schule von Grund auf zu reformieren und einen neuen Schulplan auszuarbeiten. Dieser sah vor allem eine Vermehrung der Fächer auf 14 vor und nahm viele Anregungen aus dem Redingschen Schulplan von 1800 auf, der nur schlecht verwirklicht worden war.
Um das erweiterte Fächerangebot zu verwirklichen, zog Fuchs vier Laienlehrer heran: Bernhardin Hediger (1792–1817) für Französisch, Dominik Kündig (1793–1868) für Italienisch, Joseph Anton Steinegger (1779–1846) für Naturgeschichte und Balthasar Anton von Reding (1787–1824) – Nazars eigener Cousin – für Mathematikunterricht. Diese vier verzichteten vorläufig auf Entgelt. Als dritter geistlicher Professor wurde der 27-jährige Theologiestudent Martin Anton Häring (1790–1865) von Schwyz angestellt.
Der von Fuchs eingeführte innovative Schulbetrieb scheiterte jedoch rasch. Spanisch und Turnen fielen bereits während der Beratungen weg. Der Tod des 25-jährigen Hediger führte zum Wegfall des Französischunterrichts. Im Schuljahr 1818/19 war von den vier Laienlehrern wahrscheinlich nur noch Nazars Cousin Balthasar tätig, der bis Herbst 1819 durchhielt. General Nazar gedachte deshalb, seinen Sohn von der Schule zu nehmen. Der sprachkundige General bedauerte besonders den Mangel an Unterricht in französischer Sprache. Seit den Tagen Ludwigs XIV. war das Französische zur Weltsprache geworden, und wegen der schweizerischen Soldtruppen in Frankreich errang diese Sprache auch in der Eidgenossenschaft grosse Bedeutung. Er überbrückte diese Ausbildungslücke zunächst durch Französischstunden bei seinem sprachgewandten Cousin, dem Kanzleidirektor Balthasar von Reding.
Von 1822 bis 1824 erhielt Reding Privatunterricht in Freiburg, wo er auch unter der Anleitung des reformpädagogisch bedeutsamen Jean Baptiste Girard lernte. Obwohl keine offiziellen Aufzeichnungen seinen Studienaufenthalt in Freiburg dokumentieren, zeigt eine reichhaltige Sammlung von Dokumenten in seinem Nachlass, dass er sich dort aufhielt. Er erhielt Lektionen in französischer und lateinischer Sprache sowie Unterricht in Mathematik, Fechten, Musik, Geschichte und Zeichnen. Nach zweijähriger Zeit im französischsprachigen Gebiet beherrschte er die französische Sprache in Wort und Schrift. Er las Literaten wie Boileau, Racine, Madame de Sévigné, Voltaire und Rousseau. Seine Lateinkenntnisse erlaubten ihm, Sallust und Tacitus zu übersetzen, und er zitierte Cicero, Vergil und Horaz.
Nach seiner Rückkehr nach Hause im Dezember 1824 hatte die Krankheit seines Vaters weitere Studienpläne blockiert. Bereits am 1. Oktober 1824 wird Nazar von Reding zum Unterbibliothekar und Sekretär ernannt. Mit Heinrich Martin Hediger (1765–1832), von Franz Xaver von Weber und Augustin Schibig sitzt er in den Sitzungen der Bibliotheksgesellschaft zusammen. Mit dem um 40 Jahre älteren Priester Augustin Schibig verbindet Reding bald eine enge Freundschaft.
Im November 1825 begab sich Nazar zur Weiterbildung nach Luzern, wo er bei Pater Girard verkehrte und als Hörer einzelne Unterrichtsfächer besuchte. Ende 1826 verlegte er seinen Studienort nach Zürich, um Rechtswissenschaften zu studieren.
Am Politischen Institut der Akademie Zürich besuchte Nazar mehrere Vorlesungen. Bei Professor Heinrich Escher folgte er der Vorlesung «Einleitung in das Studium der Geschichte überhaupt», die mit konzeptionellem Tiefgang die Historiografie, historische Kritik und philosophische Geschichte behandelte. Friedrich Ludwig Keller lehrte Rechtswissenschaft mit grossem Reformeifer, mahnte aber auch zur Bescheidenheit bei der Beurteilung öffentlicher Verhältnisse. Ferdinand Meyer, der Vater des später berühmten Dichters Conrad Ferdinand Meyer, lehrte Staatsrecht. Richter Johann Kaspar Ulrich las über Strafrecht und Strafprozess, und Nazar bezog von seinem Schulkameraden Johann Kaspar Bluntschli Manuskripte über die «Lehre vom Kriminal-Process». Ausserdem arbeitete er mit Hans Georg Finsler (1800–1863) das schwyzerische Landrechtbuch durch.
Mit seinem Entschluss, die Akademie in Zürich zu besuchen, fiel zugleich die endgültige Entscheidung gegen eine Militärkarriere. Sein Vater hatte stattdessen für ihn eine Laufbahn als Magistrat angestrebt – Studium der Rechtswissenschaften, anschliessend Richteramt und möglicherweise die Ratsherrenlaufbahn, die bis zur Position eines Landammanns führen konnte.